
Wernigerode, 11. Januar 2026 – Strahlender Sonnenschein, klirrende Kälte und eine gespannte Ruhe liegen über dem Reddeberteich. Das Eis knackt leise, der Atem gefriert in der Luft. Am Ufer stehen Dutzende Menschen, einige dick eingepackt, andere bereits barfuß im Schnee. Was hier entsteht, ist mehr als ein Winterereignis – es ist ein gemeinschaftlicher Moment zwischen Glauben, Mut und Natur.
Das Eisbaden im Reddeberteich an der Teichmühle in Wernigerode entwickelte sich am Sonntag zu einer eindrucksvollen Verbindung aus spiritueller Andacht, körperlicher Herausforderung und gelebter Gemeinschaft. Organisiert wurde die Aktion gemeinsam von der evangelischen Kirche und der DLRG Wernigerode. Begleitet von außergewöhnlich klarem Winterwetter wagten sich knapp 50 Menschen ins eiskalte Wasser – beobachtet von mehr als 100 Anwesenden am Ufer.
Gemeinsame Organisation von Kirche und DLRG
Die Vorbereitung für das Eisbaden begann bereits am Vortag. Mitglieder der DLRG Wernigerode schnitten den Reddeberteich mit Motorsägen auf, um einen sicheren Einstieg zu ermöglichen. Die Eisdecke hatte dabei eine Stärke von rund zwölf Zentimetern. Aus den herausgeschnittenen Eisblöcken entstand ein besonderes Symbol: ein großes Kreuz aus Eis.
Dieses Eiskreuz begleitete die Veranstaltung als zentrales Element und fungierte sinnbildlich als Altar unter freiem Himmel. Es steht auch über den Veranstaltungstag hinaus am Teich und wird dort bleiben, bis es langsam schmilzt – ein vergängliches Zeichen für die Verbindung von Glauben, Natur und Zeit.

Andacht unter freiem Himmel
Der Vormittag begann mit einer Andacht, gehalten von Pfarrer Frank Freudenberg. In ruhigen Worten stimmte er die Anwesenden auf die Bedeutung des Tages ein. Die Erinnerung an die Taufe und das bewusste Erleben von Wasser standen im Mittelpunkt. Der Reddeberteich wurde dabei nicht nur Kulisse, sondern aktiver Bestandteil der Zeremonie.
Die Temperaturen unterstrichen den Ernst der Herausforderung: Während die Außentemperatur bei etwa minus acht Grad lag, hatte das Wasser lediglich 1,5 Grad. Wer sich für das Eisbaden entschied, tat dies nach eigener Anmeldung und unter Aufsicht der DLRG. Die Teilnahme war ausdrücklich freiwillig – viele blieben bewusst am Ufer und nahmen ausschließlich an der Andacht teil.

Das Eisbaden als bewusste Grenzerfahrung
Als die ersten Teilnehmenden ins Wasser stiegen, wurde es still am Reddeberteich. Das Eisbaden verlangte Konzentration und Entschlossenheit. Der Moment des Eintauchens war kurz, intensiv und für viele spürbar prägend. Nach wenigen Sekunden kehrten die Eisbader zurück ans Ufer, wo Helfer bereitstanden und wärmende Decken griffbereit lagen.
Insgesamt wagten sich rund 50 Menschen ins Wasser. Für sie war das Eisbaden weniger sportliche Leistung als vielmehr ein persönlicher Schritt – getragen von der Gemeinschaft und abgesichert durch die erfahrenen Kräfte der DLRG Wernigerode.
Der Reddeberteich als historischer und symbolischer Ort
Der Reddeberteich ist seit Jahrhunderten Teil der Geschichte Wernigerodes. Angelegt als Mühlteich für die 1790 errichtete Teichmühle, diente er lange der Energieversorgung der gräflichen Ölmühle. Heute ist das Gebäude bewohnt, der Teich ein ruhiger Ort für Spaziergänge und Naturbeobachtungen.
Im Winter jedoch erhält der Reddeberteich eine besondere Wirkung. Die gefrorene Wasserfläche, der Schnee am Ufer und der Blick auf die umliegenden Wälder schaffen eine Atmosphäre, die sich deutlich vom sommerlichen Alltag unterscheidet. Das Eisbaden fügte sich an diesem Tag nahtlos in diese Kulisse ein, ohne den Charakter des Ortes zu verändern.
Sicherheit als zentrales Element
Die Verantwortung für die Sicherheit lag maßgeblich bei der DLRG Wernigerode. Die Organisation stellte sicher, dass das Eisbaden kontrolliert ablief, der Einstieg stabil war und jederzeit Hilfe möglich gewesen wäre. Gerade bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ist das Baden im Eiswasser eine erhebliche Belastung für den Körper.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Kirche und Wasserrettung sorgte dafür, dass spirituelle Inhalte und praktische Vorsorge gleichermaßen ihren Platz hatten. Für viele Besucher wurde deutlich, wie wichtig diese Verbindung für das Gelingen der Veranstaltung war.
Wärme nach der Kälte
Nach dem Eisbaden wandelte sich die Stimmung spürbar. Am Ufer kamen die Menschen zusammen, tranken warmen Tee und stärkten sich mit einer Bockwurst. Gespräche entstanden, Eindrücke wurden geteilt, Lachen mischte sich unter die winterliche Stille.
Viele beschrieben das Gefühl nach dem Bad als überraschend positiv. Trotz der Kälte blieb eine innere Wärme zurück – getragen von Sonne, Gemeinschaft und dem Bewusstsein, Teil eines besonderen Vormittags gewesen zu sein.
Ein gemeinsamer Tag mit nachhaltigem Eindruck
Die evangelische Kirche und die DLRG Wernigerode zeigten sich im Nachgang sehr zufrieden mit dem Verlauf der Aktion. Das Eisbaden im Reddeberteich wurde als perfekt gelungener gemeinsamer Tag wahrgenommen – geprägt von gegenseitigem Vertrauen, reibungsloser Organisation und großer Beteiligung.
Als sich der Reddeberteich am Mittag langsam wieder leerte, blieb das Eiskreuz am Ufer zurück. Es steht sinnbildlich für diesen Wintertag: vergänglich, klar und eindrucksvoll. Mit Sonne im Herzen, wie es ein Beteiligter formulierte, ließen viele den Sonntag nachwirken – mit dem Gefühl, etwas Außergewöhnliches erlebt zu haben, das weit über das Eisbaden hinausging.







