Ab dem 1. Juli 2026 erweitert sich das Angebot vieler Apotheken in Deutschland um eine neue digitale Gesundheitsleistung. Mit der Einführung der assistierten Telemedizin können Patientinnen und Patienten ärztliche Videosprechstunden direkt in der Apotheke wahrnehmen. Gerade in ländlichen Regionen wie dem Harz könnte das Modell dazu beitragen, Wege zu verkürzen und den Zugang zur medizinischen Versorgung zu erleichtern. Gleichzeitig beginnt damit ein Praxistest für eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Ärzteschaft.
HARZ/BERLIN, 18. Juni 2026 – Die Digitalisierung des Gesundheitswesens erreicht eine weitere Ausbaustufe. Ab dem 1. Juli 2026 dürfen Apotheken bundesweit Leistungen der assistierten Telemedizin anbieten. Damit entsteht ein neues Versorgungsangebot, das insbesondere Menschen in Regionen mit geringer Arztdichte zugutekommen soll. Während die medizinische Behandlung weiterhin durch Ärztinnen und Ärzte erfolgt, übernehmen Apotheken künftig eine unterstützende Rolle bei der Organisation und Durchführung von Videosprechstunden.
Die Einführung der assistierten Telemedizin markiert einen weiteren Schritt in der Entwicklung des deutschen Gesundheitssystems. Ziel ist es, digitale Angebote stärker in den Alltag der Patientinnen und Patienten zu integrieren und gleichzeitig bestehende Versorgungslücken abzufedern. Vor allem dort, wo Arztpraxen nur eingeschränkt verfügbar sind oder lange Anfahrtswege notwendig werden, könnte die neue Leistung an Bedeutung gewinnen.
Assistierte Telemedizin wird Teil des Apothekenalltags
Apotheken gehören zu den am dichtesten vertretenen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung in Deutschland. In vielen Städten und Gemeinden sind sie niedrigschwellige Anlaufstellen für gesundheitliche Fragen und oftmals einfacher erreichbar als Arztpraxen oder Kliniken. Mit der assistierten Telemedizin erweitert sich dieses Aufgabenfeld nun deutlich.
Patientinnen und Patienten können künftig eine Videosprechstunde in speziell dafür vorgesehenen Räumen einer Apotheke durchführen. Die Apotheke stellt die technische Infrastruktur bereit und unterstützt bei organisatorischen Abläufen. Die eigentliche medizinische Beratung, Diagnose und Behandlung bleibt jedoch ausschließlich Aufgabe der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.
Die neue Leistung richtet sich insbesondere an Menschen, die digitale Angebote bislang nur eingeschränkt nutzen konnten. Dazu zählen ältere Personen, Menschen ohne geeignete technische Ausstattung oder Patientinnen und Patienten, die Unterstützung bei der Nutzung digitaler Gesundheitsangebote benötigen.
Welche Aufgaben die Apotheken übernehmen
Die Rolle der Apotheke beschränkt sich nicht auf die Bereitstellung eines Computers oder Bildschirms. Vielmehr fungiert sie als organisatorische Schnittstelle zwischen Patient und medizinischer Versorgung.
- Bereitstellung der technischen Ausstattung für die Videosprechstunde
- Unterstützung bei Anmeldung und Identifikation
- Begleitung des organisatorischen Ablaufs
- Hilfestellung für Menschen mit geringer digitaler Erfahrung
- Sicherstellung eines geeigneten und geschützten Gesprächsumfelds
Damit soll gewährleistet werden, dass die Nutzung der assistierten Telemedizin möglichst unkompliziert erfolgt. Gleichzeitig bleiben die Verantwortlichkeiten klar getrennt: Die medizinische Entscheidung liegt ausschließlich bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten.
Besondere Bedeutung für weitläufige Regionen
Die Diskussion über die medizinische Versorgung ländlicher Regionen begleitet die Gesundheitspolitik seit Jahren. Besonders dort, wo Hausarztpraxen schließen oder Nachfolger fehlen, werden neue Versorgungsmodelle gesucht.
Der Harz zählt zu jenen Regionen, in denen größere Entfernungen zwischen Wohnort und medizinischer Versorgung für viele Menschen zum Alltag gehören. Hinzu kommt eine vergleichsweise ältere Bevölkerungsstruktur. Für Betroffene können Arztbesuche mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden sein.
Genau hier setzt die assistierte Telemedizin an. Statt zunächst einen oft längeren Weg zur Arztpraxis zurücklegen zu müssen, könnte eine erste ärztliche Einschätzung künftig direkt über die Apotheke vor Ort erfolgen. Das ersetzt keinen persönlichen Arztbesuch, kann aber in bestimmten Situationen einen schnelleren Zugang zu medizinischer Beratung ermöglichen.
Insbesondere ältere Menschen dürften von diesem Modell profitieren. Während viele digitale Gesundheitsangebote bislang ein eigenes Smartphone, einen Computer oder entsprechende technische Kenntnisse voraussetzen, übernimmt die Apotheke künftig einen Teil dieser Hürden.
Videosprechstunde als Kernstück des Angebots
Im Mittelpunkt der assistierten Telemedizin steht die ärztliche Videosprechstunde. Sie bildet den Kern der neuen Leistung und soll Patientinnen und Patienten einen direkten digitalen Kontakt zu Ärztinnen und Ärzten ermöglichen.
Dabei gelten dieselben Anforderungen an Datenschutz und Vertraulichkeit wie bei einer Videosprechstunde von zu Hause aus. Die technische Verbindung muss über zugelassene Systeme erfolgen. Gleichzeitig müssen Apotheken geeignete Räumlichkeiten bereitstellen, damit medizinische Gespräche vertraulich geführt werden können.
Während des eigentlichen Arztgesprächs soll die Privatsphäre der Patientinnen und Patienten gewahrt bleiben. Die Unterstützung durch die Apotheke erfolgt vor allem bei Vorbereitung, Technik und organisatorischen Fragen.
Weitere Leistungen im Rahmen der Telemedizin
Neben der Videosprechstunde sieht das neue Modell weitere digitale Unterstützungsangebote vor. Dazu gehört insbesondere eine strukturierte medizinische Ersteinschätzung. Sie soll dabei helfen, Patientinnen und Patienten schneller an die passende Versorgungsstelle weiterzuleiten.
Auf diese Weise könnte die assistierte Telemedizin künftig auch dazu beitragen, das Gesundheitssystem effizienter zu steuern. Wer beispielsweise keine sofortige persönliche Untersuchung benötigt, kann zunächst digital beraten werden. Gleichzeitig können dringende Fälle schneller erkannt und gezielt weitergeleitet werden.
Weitere telemedizinische Angebote sollen schrittweise entwickelt und in die Versorgung integriert werden. Die assistierte Telemedizin bildet dabei den Ausgangspunkt für eine breitere Nutzung digitaler Gesundheitsleistungen in Apotheken.
Vergütung schafft Planungssicherheit
Ein wichtiger Schritt für die Einführung war die Klärung der Finanzierung. Erst nachdem die Vergütung der Leistungen verbindlich geregelt wurde, konnten die praktischen Vorbereitungen abgeschlossen werden.
Für die Durchführung der assistierten Telemedizin erhalten Apotheken zunächst eine pauschale Vergütung von 30 Euro pro Fall. Diese Vergütung soll den zusätzlichen organisatorischen Aufwand sowie die Investitionen in Technik und Infrastruktur berücksichtigen.
Die Finanzierung erfolgt über die gesetzliche Krankenversicherung. Damit wird die neue Leistung in die bestehende Versorgungsstruktur eingebunden und steht grundsätzlich bundesweit zur Verfügung.
Apotheken übernehmen mehr Verantwortung
Die Einführung der assistierten Telemedizin ist Teil einer umfassenderen Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen. Apotheken sollen künftig stärker in Prävention, Beratung und digitale Versorgung eingebunden werden.
Bereits in den vergangenen Jahren wurden die Aufgaben vieler Apotheken schrittweise erweitert. Impfangebote, pharmazeutische Dienstleistungen und digitale Anwendungen haben ihre Rolle verändert. Mit der assistierten Telemedizin kommt nun ein weiterer Baustein hinzu.
Für die Apotheken bedeutet dies nicht nur neue Aufgaben, sondern auch neue Anforderungen. Technische Ausstattung, Datenschutz, geeignete Räumlichkeiten und organisatorische Abläufe müssen dauerhaft gewährleistet werden. Gleichzeitig eröffnet das Modell die Möglichkeit, die wohnortnahe Gesundheitsversorgung zu stärken.
Digitale Versorgung beginnt vor Ort
Ab Juli 2026 wird sich zeigen, wie schnell die assistierte Telemedizin von Apotheken, Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten angenommen wird. Die rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen sind geschaffen, nun beginnt die praktische Umsetzung.
Gerade in Regionen wie dem Harz könnte das neue Angebot eine zusätzliche Brücke zwischen digitaler Medizin und wohnortnaher Versorgung schlagen. Die assistierte Telemedizin ersetzt weder Hausarztpraxis noch Facharzttermin. Sie schafft jedoch einen weiteren Zugang zum Gesundheitssystem – direkt dort, wo viele Menschen ohnehin regelmäßig Rat suchen: in ihrer Apotheke vor Ort.
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