Im Harz wird der Waldumbau an vielen Stellen sichtbar: kahle frühere Fichtenflächen, junge Pflanzungen, neue Schutzmaßnahmen. Bei Braunlage und im Oberharz unterstützt das Bergwaldprojekt diesen Wandel mit Freiwilligen – und zeigt, wie langfristig die Aufgabe für die Region ist.

Der Harz hat in den vergangenen Jahren sein Gesicht verändert. Wo früher dichte Fichtenbestände standen, öffnen sich heute vielerorts helle Flächen. Besonders rund um Braunlage, am Wurmberg und in Teilen des Oberharzes ist der Wandel kaum zu übersehen. Trockenheit, Stürme und Borkenkäfer haben Spuren hinterlassen, die nicht in wenigen Jahren verschwinden werden.

Genau hier setzt das Bergwaldprojekt an. Die Initiative bringt Freiwillige in Waldgebiete, in denen gepflanzt, gepflegt und geschützt wird. Der Arbeitstitel vom „Wald der Zukunft“ trifft den Kern, muss aber präzise verstanden werden: Es geht nicht um ein fertiges Versprechen, sondern um den Versuch, aus geschädigten oder anfälligen Beständen langfristig stabilere, standortheimische Mischwälder zu entwickeln.

Warum der Harz neue Mischwälder braucht

Der Harz ist eine der Regionen, in denen die Folgen der Waldkrise besonders deutlich sichtbar geworden sind. Über Jahrzehnte prägten Fichten viele Höhenlagen und Wirtschaftswälder. Doch die Baumart geriet durch Trockenperioden und Schädlingsbefall massiv unter Druck. Das Ergebnis sind abgestorbene Flächen, die für Einheimische, Wanderer und Besucher längst Teil des Landschaftsbildes geworden sind.

Für Orte wie Braunlage, Bad Harzburg, Clausthal-Zellerfeld oder Gemeinden am Harzrand ist der Wald mehr als Kulisse. Er ist Erholungsraum, Lebensraum, Wasserspeicher und ein wichtiger Teil der regionalen Identität. Wenn sich der Wald verändert, betrifft das deshalb nicht nur Förster und Naturschützer, sondern die gesamte Harzregion.

Der Umbau hin zu Mischwäldern soll helfen, Wälder widerstandsfähiger zu machen. Unterschiedliche Baumarten reagieren verschieden auf Hitze, Trockenheit, Wind und Schädlinge. Ein strukturreicher Wald kann deshalb robuster sein als ein einförmiger Bestand. Garantieren lässt sich das nicht – aber es ist ein zentraler Ansatz in der Wiederbewaldung.

Was das Bergwaldprojekt bei Braunlage macht

Ein wichtiger Einsatzort des Bergwaldprojekts im Harz liegt bei Braunlage rund um den Wurmberg. Dort arbeiten Freiwillige gemeinsam mit Partnern aus Forst und Naturschutz. Gepflanzt werden nach Projektangaben unter anderem standortheimische Baumarten wie Erlen, Birken, Ulmen und Linden. Auch Waldrandarten wie Weißdorn spielen eine Rolle.

Die Arbeit endet jedoch nicht mit dem Setzen junger Bäume. Zum Bergwaldprojekt gehören auch Waldpflege, Schutz vor Wildverbiss, Zaunarbeiten, Biotoppflege und Renaturierungsmaßnahmen. Gerade diese Mischung macht deutlich: Wiederbewaldung ist keine einmalige Aktion, sondern ein Prozess, der über Jahre begleitet werden muss.

Für April und Mai 2026 wurden in Braunlage 250 Freiwillige und 10.000 geplante Pflanzungen gemeldet. Sicher belegt ist damit die Planung und der regionale Schwerpunkt der Aktion. Eine abgeschlossene Bilanz jeder einzelnen Pflanzung lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.

Vom Wurmberg bis zum Nationalpark Harz

Das Bergwaldprojekt ist nicht nur bei Braunlage aktiv. Auch im Nationalpark Harz arbeitet die Initiative seit vielen Jahren mit. Dort geht es in bestimmten Bereichen darum, naturferne Fichtenbestände schrittweise in ökologisch wertvollere Mischwälder umzuwandeln. Gepflanzt werden dabei unter anderem Buchen und Bergahorne.

Auch im Raum Clausthal-Zellerfeld unterstützt das Projekt Waldumbau und Pflegearbeiten. Damit reicht der regionale Bezug über einen einzelnen Einsatzort hinaus: Der Umbau des Waldes ist ein Thema für den Oberharz, für den Nationalpark, für die niedersächsischen Harzorte und für alle, die die Region als Natur- und Erholungsraum nutzen.

Freiwillige helfen – aber sie retten den Harz-Wald nicht allein

So sichtbar die Einsätze des Bergwaldprojekts sind, sie ersetzen nicht die langfristige Arbeit von Landesforsten, Nationalpark, Kommunen und Fachbehörden. Der Harz-Wald wird nicht durch eine einzelne Pflanzaktion erneuert. Junge Bäume müssen anwachsen, geschützt, gepflegt und an vielen Stellen über Jahre begleitet werden.

Gerade deshalb haben die freiwilligen Einsätze eine doppelte Bedeutung. Sie leisten konkrete Arbeit auf einzelnen Flächen. Gleichzeitig machen sie erfahrbar, wie mühsam und langsam Waldumbau ist. Wer im Harz einen Baum pflanzt, sieht nicht sofort einen neuen Wald. Er setzt einen Anfang, dessen Wirkung erst viel später sichtbar wird.

Für die Harzregion bleibt dieser Wandel eine der großen Zukunftsaufgaben. Zwischen Braunlage, Oberharz und Nationalpark entstehen neue Waldstrukturen nicht auf Knopfdruck, sondern Schritt für Schritt. Das Bergwaldprojekt zeigt dabei, wie Beteiligung aussehen kann – und wie lang der Weg vom kahlen Hang zum stabileren Mischwald tatsächlich ist.