Weltraumwetter im Harz

Polarlichter im Harz: Neue NOAA-Prognose dämpft die Chancen deutlich

Die Chancen auf Polarlichter im Harz sind deutlich gesunken. Laut NOAA wird Anfang September kein geomagnetischer Sturm erwartet.

Dunkler Nachthimmel über einer Harzlandschaft mit schwachem grünlichem Lichtschein am Horizont
Symbolbild: KI-generiert. Polarlichter über dem Harz sind derzeit nicht wahrscheinlich: Die aktuelle Weltraumwetter-Prognose erwartet keinen geomagnetischen Sturm.

Die Hoffnung auf Polarlichter über dem Harz war Ende August durchaus begründet: Weltraumwetterdienste rechneten zeitweise mit einem geomagnetischen Sturm. Doch die Lage hat sich verändert. Für die kommenden Nächte prognostiziert die NOAA deutlich geringere Aktivität – ein auffälliges Polarlicht-Ereignis über dem Harz und weiten Teilen Deutschlands ist damit derzeit nicht wahrscheinlich.

Harz, 31. August 2026. Die Aussicht klang spektakulär: Polarlichter über Deutschland und damit möglicherweise auch über der Harzregion, womöglich sogar mit grünen oder roten Farbtönen am Nachthimmel. Ende August gab es dafür tatsächlich eine weltraumphysikalische Grundlage. Die geomagnetische Aktivität sollte deutlich zunehmen, zeitweise standen Sturmstärken bis G2 in der Prognose.

Inzwischen sieht die Lage anders aus. Nach Angaben des NOAA Space Weather Prediction Center (SWPC) wird für den Zeitraum vom 31. August bis zum 2. September kein geomagnetischer Sturm der Stufe G1 oder höher erwartet. Der höchste vorhergesagte Kp-Wert liegt bei 4,0 – zu wenig für die zuvor erwartete Sturmlage und für Deutschland kein starkes Signal für verbreitet sichtbare Polarlichter.

Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt. Meldungen über erhöhte Polarlicht-Chancen beziehen sich teilweise noch auf die Nächte zum 28. und 29. August. Dieses Beobachtungsfenster ist vorbei. Wer im Harz jetzt auf einen plötzlich grün oder rot leuchtenden Himmel wartet, stützt sich damit womöglich auf eine Prognose, die längst von neueren Messdaten überholt wurde.

Polarlichter im Harz: Die Prognose hat sich deutlich abgeschwächt

Ausgangspunkt der erhöhten Aufmerksamkeit waren Vorgänge auf der Sonne. Ende August registrierten die Weltraumwetterdienste einen schnellen Sonnenwindstrom aus einem koronalen Loch sowie koronale Massenauswürfe, sogenannte CMEs, die am 25. und 26. August beobachtet worden waren.

Solche Ereignisse können das Magnetfeld der Erde beeinflussen. Treffen die Bedingungen zusammen, nimmt die geomagnetische Aktivität zu. Die Polarlichtzone kann sich dann weiter nach Süden verschieben – und damit Regionen erreichen, in denen Aurora normalerweise selten zu beobachten ist.

Genau dieses Szenario erschien zunächst möglich. In ihrer Prognose für den 28. August rechnete die NOAA zeitweise mit einem maximalen Kp-Wert von 5,67. Damit waren Bedingungen bis in den Bereich eines geomagnetischen Sturms der Kategorie G2 denkbar. Auch für den 29. August hielt die Behörde zeitweise Phasen der Kategorien G1 bis G2 für möglich.

Die Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht in dieser Stärke. In einer späteren NOAA-Auswertung wurde für die vorausgegangenen 24 Stunden als höchster beobachteter Kp-Wert lediglich 4 angegeben. Die Schwelle zu einem geomagnetischen Sturm wurde damit nicht erreicht.

Aktuelle NOAA-Daten sprechen gegen einen Polarlichter-Alarm

Für die kommenden Nächte fällt die Vorhersage noch zurückhaltender aus. Die aktuelle Drei-Tage-Prognose der NOAA sieht weder für den 31. August noch für den 1. oder 2. September einen geomagnetischen Sturm der Stufe G1 oder höher vor.

Zu Beginn des Prognosezeitraums wird maximal Kp 4,0 erwartet. Danach gehen die Werte überwiegend zurück. Das ist ein deutlicher Unterschied zu jener Lage, die wenige Tage zuvor für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

Auch andere Weltraumwetterdienste zeichnen kein wesentlich anderes Bild. Das Space Weather Centre der South African National Space Agency meldete für den 30. August keine neu beobachteten koronalen Massenauswürfe mit Ausrichtung auf die Erde. Die geomagnetischen Bedingungen wurden dort lediglich als ruhig bis aktiv eingeordnet.

Der britische Wetterdienst Met Office sah für diesen Zeitraum ebenfalls keine bedeutende Weltraumwetterlage. Mehrere Fachstellen liefern damit derzeit kein belastbares Signal für eine geomagnetische Störung, die besonders gute Chancen auf Polarlichter über Deutschland und der Harzregion erwarten ließe.

Warum der Kp-Index auch für den Harz entscheidend ist

Wer die Wahrscheinlichkeit von Polarlichtern einschätzen will, stößt schnell auf eine Zahl: den Kp-Index. Er beschreibt die globale geomagnetische Aktivität und gehört zu den zentralen Orientierungsgrößen bei der Beurteilung des Weltraumwetters.

Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften betreibt den international verwendeten Kp-Index auf Grundlage der Messungen von 13 geomagnetischen Observatorien. Vereinfacht gilt: Je höher der Wert, desto stärker ist die Störung des Erdmagnetfelds – und desto weiter kann sich die Polarlichtzone in Richtung Süden ausdehnen.

Für Beobachter im Harz ist genau das entscheidend. Polarlichter entstehen zwar regelmäßig in hohen nördlichen Breiten, doch bis nach Mitteleuropa schaffen sie es nur unter deutlich günstigeren geomagnetischen Bedingungen.

Ein Kp-Wert allein garantiert noch keine Sichtung

Als grobe Orientierung kann sich die Polarlichtzone bei Kp 5 bis ungefähr 60 Grad magnetischer Breite ausdehnen. Bei Kp 6 reicht sie weiter nach Süden, bei Kp 7 noch einmal deutlich weiter. Für Deutschland sind deshalb meist stärkere geomagnetische Bedingungen nötig als jene, die derzeit vorhergesagt werden.

Der Kp-Index ist dabei kein Versprechen für einen sichtbaren Nachthimmel. Er beschreibt die geomagnetische Aktivität großräumig. Ob Polarlichter von einem konkreten Standort im Harz aus tatsächlich beobachtet werden können, lässt sich daraus allein nicht ableiten.

Für die aktuelle Einordnung reicht die Prognose dennoch aus: Ein erwarteter Höchstwert von Kp 4 liegt deutlich unter den Werten, die Ende August zeitweise im Raum standen. Die Chance auf ein auffälliges Polarlicht-Ereignis über Deutschland ist entsprechend gesunken.

Grüne und rote Polarlichter sind derzeit keine belastbare Vorhersage

Damit relativiert sich auch die Aussicht auf einen grün oder rot leuchtenden Himmel über dem Harz. Solche Farben gehören grundsätzlich zum Erscheinungsbild von Polarlichtern. Für die unmittelbar bevorstehenden Nächte lässt sich aus den vorliegenden Weltraumwetterdaten jedoch keine konkrete Erwartung ableiten, dass sie über Deutschland verbreitet zu sehen sein werden.

Eine auf Deutschland zugeschnittene Polarlichtprognose bewertet sowohl die Nacht vom 31. August auf den 1. September als auch die folgende Nacht derzeit ohne konkrete Polarlicht-Erwartung. Die prognostizierten Werte bleiben überwiegend unterhalb jener Bereiche, die für auffällige Sichtungen in Deutschland typischerweise erforderlich sind.

Das ist vor allem deshalb relevant, weil ältere Meldungen weiterhin einen anderen Eindruck vermitteln können. Teilweise werden die Nächte zum 28. und 29. August als besonders aussichtsreich genannt. Diese Angaben gingen auf eine frühere Weltraumwetterprognose zurück und waren zu diesem Zeitpunkt nachvollziehbar. Als Vorhersage für die kommenden Nächte taugen sie nicht mehr.

Warum sich Polarlicht-Prognosen kurzfristig ändern können

Weltraumwetter ist dynamisch. Eine Prognose kann sich verändern, wenn neue Sonneneruptionen auftreten, weitere koronale Massenauswürfe registriert werden oder der Sonnenwind das Erdmagnetfeld anders beeinflusst als zunächst berechnet.

Deshalb sind aktuelle Messdaten bei der Beurteilung von Polarlichtern wichtiger als mehrere Tage alte Vorhersagen. Eine ursprünglich plausible Aussicht kann sich abschwächen – genauso kann eine zunächst ruhige Lage durch neue Sonnenaktivität wieder interessanter werden.

Für den gegenwärtigen Prognosezeitraum gibt es allerdings keinen belastbaren Hinweis auf eine solche Verschärfung. Die zuvor erwartete erhöhte geomagnetische Aktivität ist abgeklungen, die aktuellen Vorhersagen liegen klar unter der Schwelle eines geomagnetischen Sturms.

Für den Harz ist die entscheidende Phase vorerst vorbei

Die Polarlicht-Hoffnung von Ende August beruhte auf realen Prognosen. Zeitweise waren Bedingungen bis G2 vorhergesagt worden, und damit war eine erhöhte Aufmerksamkeit für den Nachthimmel durchaus gerechtfertigt. Tatsächlich blieb die gemessene geomagnetische Aktivität jedoch schwächer als zunächst erwartet.

Für Anfang September hat sich die Situation auch für den Harz grundlegend verändert. Die NOAA erwartet derzeit keinen geomagnetischen Sturm, auch die weiteren ausgewerteten Fachstellen melden keine außergewöhnliche Lage. Ein verbreitet grüner oder roter Himmel über der Harzregion lässt sich daraus nicht seriös ankündigen.

Wer im Harz Polarlichter beobachten möchte, sollte deshalb vor allem auf neue Weltraumwetterdaten achten. Die nächste Gelegenheit kann mit einer stärkeren Phase der Sonnenaktivität kommen. Im Moment aber gilt: Aus dem Polarlicht-Alarm von Ende August ist für die kommenden Nächte eine deutlich ruhigere Prognose geworden.

KI-lesbare Fakten

Das Wichtigste in Kürze

Die zuvor erhöhten Chancen auf Polarlichter haben sich für den Harz deutlich abgeschwächt. Nach aktueller NOAA-Prognose wird bis zum 2. September kein geomagnetischer Sturm der Stufe G1 oder höher erwartet.

Was ist passiert?
Die aktuelle Drei-Tage-Prognose der NOAA sieht weder für den 31. August noch für den 1. oder 2. September einen geomagnetischen Sturm der Stufe G1 oder höher vor.
Was ist bestätigt?
Zu Beginn des Prognosezeitraums wird maximal Kp 4,0 erwartet.
Was bedeutet das?
Die Chance auf ein auffälliges Polarlicht-Ereignis über Deutschland ist entsprechend gesunken.
Wo?
Für Beobachter im Harz ist genau das entscheidend.

Stand der Prüfung: 31.08.2026 · 07:26 Uhr

Quellen

  1. 3-Day Forecast – NOAA Space Weather Prediction Center
  2. Kp Index – GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften