Sachsen-Anhalt

Gewalt überschattet Ost-Derby Krawalle beim FCM-Spiel in Magdeburg: Zahl verletzter Polizisten deutlich höher

Magdeburg, 30. Januar 2026 – Es ist ein frostiger Winterabend, als rund um die Avnet Arena dichte Rauchschwaden aufsteigen, Sirenen heulen und Einsatzfahrzeuge im Minutentakt vorfahren.

Was als emotionales Fußballspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden begann, endet in massiven Ausschreitungen, die Polizei und Sicherheitsbehörden noch Tage später beschäftigen.

Die schweren Krawalle beim FCM-Spiel haben ein deutlich größeres Ausmaß angenommen als zunächst angenommen. Nach aktuellen und inzwischen bestätigten Angaben der Sicherheitsbehörden wurden insgesamt 75 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte verletzt. Die Zahl liegt damit spürbar über den ersten offiziellen Meldungen und macht deutlich, wie massiv die Gewalt rund um das Ost-Derby tatsächlich war. Betroffen waren sowohl Einsatzkräfte der Landespolizei Sachsen-Anhalt als auch Beamte der Bundespolizei, die zur Unterstützung angefordert worden waren.

Mindestens 17 der verletzten Polizisten mussten ärztlich behandelt werden, einige davon ambulant im Krankenhaus. Unter den dokumentierten Verletzungen befanden sich Prellungen, Platzwunden, Knochenbrüche sowie schwere Kopfverletzungen. In mehreren Fällen wurde ein Schädel-Hirn-Trauma diagnostiziert. Die Polizei spricht von gezielten und teils koordinierten Angriffen auf Einsatzkräfte.

Gewalt eskaliert in der Halbzeitpause

Am Abend des 24. Januar 2026 waren rund 28.000 Zuschauerinnen und Zuschauer in die ausverkaufte Avnet Arena gekommen, um das traditionsreiche Ost-Derby in der 2. Fußball-Bundesliga zu verfolgen. Schon im Vorfeld galt die Partie zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden als Hochrisikospiel. Entsprechend groß war das Polizeiaufgebot, das sowohl im Stadion als auch im unmittelbaren Umfeld präsent war.

Die Eskalation setzte während der Halbzeitpause ein. Im Außenbereich des Stadions kam es zu tumultartigen Szenen, als größere Gruppen von Heimfans versuchten, sich in Richtung des Gästeblocks zu bewegen. Polizeikräfte versuchten, diese Vorwärtsbewegung zu unterbinden und Fanlager voneinander zu trennen. Innerhalb kürzester Zeit kippte die Situation.

Nach Angaben der Polizei flogen Pyrotechnik, Flaschen und Steine. Absperrgitter wurden herausgerissen und als Wurfgeschosse genutzt. In mehreren Fällen setzten Gewalttäter auch Gehwegplatten und einen ausgehobenen Gullydeckel ein. Die Einsatzkräfte standen über längere Zeit unter massivem Beschuss und mussten sich teilweise zurückziehen, um weitere Verletzungen zu vermeiden.

Mehr verletzte Polizisten als zunächst bekannt

In den ersten Stunden nach dem Spiel war von „mehreren Dutzend“ verletzten Polizeibeamten die Rede. Diese Zahl erwies sich jedoch als unvollständig. In den Tagen danach passten die Behörden ihre Angaben mehrfach an. Zunächst wurde von 64 Verletzten gesprochen, später von 70. Nach abschließender Auswertung aller Einsatzberichte und medizinischen Meldungen bestätigten Polizei und Innenministerium schließlich die Zahl von 75 verletzten Einsatzkräften.

Die nachträgliche Korrektur erklärt sich unter anderem durch verzögert gemeldete Verletzungen, die erst im Nachgang ärztlich festgestellt wurden. Zudem wurden zunächst nicht alle eingesetzten Bundespolizisten in die Statistik einbezogen. Die endgültige Zahl verdeutlicht die Dimension der Gewalt bei diesem FCM-Spiel und stellt einen der schwersten Polizeieinsätze bei einem Fußballspiel in Sachsen-Anhalt seit Jahren dar.

Ermittlungen und Festnahme nach Gewalttat

Parallel zur Aufarbeitung der Ereignisse laufen umfangreiche Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Bereits wenige Tage nach dem Spiel kam es zu einer ersten Festnahme. Eine Spezialeinheit des Landeskriminalamtes nahm einen 29-jährigen Mann fest, der im dringenden Verdacht steht, einen Polizeibeamten mit einer Steinplatte attackiert zu haben.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden erlitt der betroffene Beamte dabei schwere Verletzungen. Gegen den Tatverdächtigen wird wegen eines besonders schweren Gewaltverbrechens ermittelt. Die Staatsanwaltschaft wertet den Angriff als gezielten und potenziell lebensgefährlichen Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten. Die Ermittlungen zu weiteren Tatverdächtigen dauern an.

Gezielte Gewalt gegen Einsatzkräfte

Die Polizei spricht nicht von spontanen Rangeleien, sondern von gezielten Angriffen. Einsatzkräfte seien bewusst ins Visier genommen worden, teilweise aus nächster Nähe. Pyrotechnik wurde nicht nur abgebrannt, sondern gezielt in Richtung der Beamten geworfen. Mehrere Polizisten wurden durch Explosionen von Knallkörpern verletzt oder durch herumfliegende Trümmer getroffen.

Diese Form der Gewalt stellt aus Sicht der Sicherheitsbehörden eine neue Eskalationsstufe dar. Sie unterscheidet sich deutlich von klassischen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Fangruppen und richtet sich explizit gegen staatliche Ordnungskräfte.

Politische Reaktionen nach den Ausschreitungen

Die schweren Krawalle beim FCM-Spiel haben auch auf politischer Ebene deutliche Reaktionen ausgelöst. Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang verurteilte die Angriffe scharf und sprach von „brutaler Gewalt gegen diejenigen, die für Sicherheit sorgen“. Sie kündigte an, dass die Täter konsequent identifiziert und strafrechtlich verfolgt würden.

Auch Ministerpräsident Sven Schulze äußerte sich deutlich. Gewalt gegen Polizeibeamte sei in keiner Form hinnehmbar, erklärte er. Wer Einsatzkräfte angreife, stelle sich bewusst gegen den Rechtsstaat. Die Ereignisse in Magdeburg seien ein alarmierendes Signal, das ernst genommen werden müsse.

Der 1. FC Magdeburg selbst zeigte sich betroffen und erklärte, man arbeite eng mit den Behörden zusammen. Zugleich distanzierte sich der Verein ausdrücklich von Gewalt und betonte, dass die überwältigende Mehrheit der Fans friedlich geblieben sei.

Sicherheitskonzepte und Kostenfrage erneut im Fokus

Nach den Ausschreitungen ist erneut eine Debatte über Sicherheitskonzepte bei Hochrisikospielen entbrannt. Das Innenministerium Sachsen-Anhalt setzt weiterhin auf Prävention, Fanarbeit und enge Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Polizei und Kommunen. Konzepte wie Fanprojekte und sogenannte Stadionallianzen sollen langfristig zur Deeskalation beitragen.

Gleichzeitig wird die Frage der Kostenverteilung wieder diskutiert. Große Polizeieinsätze wie beim FCM-Spiel verursachen erhebliche Kosten. Zwar gibt es auf Bundesebene eine rechtliche Grundlage für eine mögliche Beteiligung der Veranstalter, doch Sachsen-Anhalt setzt bislang nicht auf Gebührenbescheide für Fußballvereine. Die Ereignisse von Magdeburg könnten diese Haltung jedoch erneut auf den Prüfstand stellen.

Wenn der Fußball zur Nebensache wird

Sportlich geriet das Spiel schnell in den Hintergrund. Der Sieg von Dynamo Dresden wurde von den Ereignissen außerhalb des Rasens nahezu überlagert. Bilder von verletzten Polizeibeamten, zerstörten Absperrungen und chaotischen Szenen dominierten die öffentliche Wahrnehmung.

Die Krawalle beim FCM-Spiel stehen exemplarisch für ein tiefer liegendes Problem im Profifußball. Emotionen, Rivalität und Gruppendynamik schlagen in Gewalt um, wenn Grenzen überschritten werden. Für die Sicherheitsbehörden ist Magdeburg kein Einzelfall, sondern Teil einer Entwicklung, die zunehmend Sorgen bereitet.

Die Ausschreitungen rund um das Ost-Derby in Magdeburg werden noch lange nachwirken. Ermittlungen, politische Debatten und Fragen nach Verantwortung und Prävention beschäftigen Vereine, Behörden und Politik gleichermaßen. Vor allem aber bleibt die Erkenntnis, dass Fußball, der eigentlich verbinden soll, in diesem Fall zu einem Schauplatz massiver Gewalt wurde.

Die hohe Zahl verletzter Polizisten ist dabei mehr als eine Statistik. Sie steht für einen Abend, an dem staatliche Ordnungskräfte unter erheblichem persönlichem Risiko ihren Dienst verrichteten. Ob die Lehren aus Magdeburg zu mehr Sicherheit bei künftigen Spielen führen, wird sich erst zeigen.

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Über den Autor

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Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.