Goslar

Kunstpreis im Harz Kaiserring der Stadt Goslar 2026 geht an Gabriele Stötzer

GOSLAR, 10. Januar 2026 – Über der historischen Altstadt lag an diesem Wintermorgen eine besondere Spannung. Zwischen Kaiserpfalz, Marktplatz und Museum zeichnete sich eine Entscheidung ab, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Mit der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträgerin setzt Goslar ein deutliches Zeichen für zeitgenössische Kunst, Haltung und Geschichte.

Der Kaiserring der Stadt Goslar 2026 geht an die Künstlerin und Schriftstellerin Gabriele Stötzer. Die Entscheidung wurde am 9. Januar 2026 im Rahmen des Neujahrsempfangs der Stadt öffentlich gemacht. Die feierliche Verleihung des renommierten Kunstpreises ist für den 10. Oktober 2026 in der Aula Regis der Kaiserpfalz geplant. Mit der Auszeichnung würdigt die Stadt Goslar eine Künstlerin, deren Werk untrennbar mit Fragen von Freiheit, Selbstbehauptung und gesellschaftlicher Verantwortung verbunden ist.

Der Kaiserring der Stadt Goslar als internationaler Maßstab

Der Kaiserring der Stadt Goslar zählt seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Auszeichnungen für moderne und zeitgenössische Kunst in Europa. Seit seiner ersten Vergabe im Jahr 1975 steht der Preis für künstlerische Radikalität, Innovationskraft und nachhaltige Wirkung. Die Liste der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger liest sich wie ein Kompendium der internationalen Kunstgeschichte: Henry Moore, Max Ernst, Joseph Beuys, Gerhard Richter, Nam June Paik, Cindy Sherman, Andreas Gursky, Olafur Eliasson oder Barbara Kruger haben den Rang des Kaiserrings geprägt.

Der Preis selbst besteht aus einem Aquamarin, eingefasst in Gold und versehen mit dem Siegel Kaiser Heinrichs IV. Er ist bewusst als Symbol gedacht: als Verbindung von Geschichte, Macht, Verantwortung und künstlerischer Autonomie. Verliehen wird der Kaiserring der Stadt Goslar von der Stadt gemeinsam mit dem Verein zur Förderung moderner Kunst Goslar e. V., dessen Jury sich aus ausgewiesenen Fachleuten der Museums- und Kunstszene zusammensetzt.

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Eine Entscheidung mit historischer Tiefe

Mit der Wahl von Gabriele Stötzer knüpft die Jury an die Tradition an, Künstlerinnen und Künstler auszuzeichnen, deren Werk nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern gesellschaftliche Prozesse reflektiert und mitgestaltet. Stötzer steht exemplarisch für eine Generation, die Kunst nicht als Rückzugsraum verstand, sondern als Mittel des Widerstands und der Selbstermächtigung.

Geboren am 14. April 1953 im thüringischen Emleben, wuchs Stötzer in der DDR auf und erlebte früh die Grenzen staatlich kontrollierter Kultur. Ihr Studium der Germanistik und Kunsterziehung in Erfurt wurde 1976 abrupt beendet, nachdem sie sich solidarisch mit exmatrikulierten Studierenden gezeigt hatte. Diese Erfahrung markierte einen Wendepunkt, der ihr weiteres künstlerisches und politisches Selbstverständnis prägen sollte.

Künstlerische Arbeit unter politischem Druck

1977 wurde Gabriele Stötzer nach ihrem Protest gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann inhaftiert. Auch nach ihrer Freilassung blieb sie unter Beobachtung der Staatssicherheit. Dennoch entwickelte sie ihr künstlerisches Werk konsequent weiter – jenseits offizieller Strukturen, häufig im Verborgenen, aber stets mit wachsender Wirkung.

In den 1980er-Jahren wurde sie zu einer zentralen Figur der alternativen Kunstszene in Erfurt und Ost-Berlin. Stötzer arbeitete medienübergreifend mit Text, Fotografie, Performance, Film und bildender Kunst. Ihre Arbeiten thematisieren Körper, Sprache, Machtverhältnisse und weibliche Selbstbestimmung – oft in einer Direktheit, die bewusst irritiert und herausfordert.

Exterra XX und kollektive Kunstpraxis

Ein wesentlicher Bestandteil ihres Wirkens ist die Gründung der Erfurter Künstlerinnengruppe, die später unter dem Namen Exterra XX bekannt wurde. In diesem Zusammenschluss entwickelten Künstlerinnen gemeinsame Performances, Ausstellungen und Aktionen. Die kollektive Arbeitsweise war zugleich Schutzraum und politisches Statement – ein bewusstes Gegenmodell zu hierarchischen und staatlich gelenkten Kunstbetrieben.

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Die Gruppe schuf einen Raum für weibliche Perspektiven, für experimentelle Formen und für eine Kunst, die sich nicht vereinnahmen ließ. Viele dieser Arbeiten gelten heute als wichtige Zeugnisse einer selbstbestimmten Kunstpraxis in der späten DDR und darüber hinaus.

Ein Werk mit anhaltender Aktualität

Die Jury des Kaiserrings der Stadt Goslar hebt insbesondere die nachhaltige Relevanz von Stötzers Werk hervor. Ihre künstlerischen Strategien – das Spiel mit Nähe und Distanz, das Sichtbarmachen von Verletzlichkeit, die bewusste Überschreitung von Normen – haben bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren.

Mit über 150 bekannten Arbeiten in unterschiedlichen Medien hat Stötzer ein Werk geschaffen, das in Ausstellungen, Sammlungen und kunsthistorischen Diskursen fest verankert ist. Ihre Arbeiten werden zunehmend auch international rezipiert und in größere Zusammenhänge der europäischen Nachkriegskunst eingeordnet.

Die Verleihung in der Kaiserpfalz

Die feierliche Übergabe des Kaiserrings der Stadt Goslar 2026 findet traditionell in der Aula Regis der Kaiserpfalz statt. Der Ort ist bewusst gewählt: Die monumentale Architektur, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, steht für Macht, Geschichte und Kontinuität – und bildet zugleich einen spannungsreichen Kontrast zu zeitgenössischer Kunst.

Begleitet wird die Preisverleihung üblicherweise von einer Ausstellung sowie von Gesprächen und Veranstaltungen, die das Werk der Preisträgerin vertiefen und einem breiten Publikum zugänglich machen. Auch für 2026 ist eine solche Einbettung vorgesehen.

Kunst, Haltung und öffentliche Anerkennung

Der Kaiserring der Stadt Goslar 2026 für Gabriele Stötzer ist mehr als eine Auszeichnung für ein abgeschlossenes Lebenswerk. Er ist ein Signal in die Gegenwart: für die Bedeutung von Kunst als gesellschaftlichem Resonanzraum und für die Anerkennung künstlerischer Biografien, die von Bruch, Widerstand und Beharrlichkeit geprägt sind.

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In einer Zeit, in der Fragen nach Freiheit, Selbstbestimmung und kultureller Verantwortung erneut an Schärfe gewinnen, erhält diese Entscheidung zusätzliche Bedeutung. Der Kaiserring der Stadt Goslar unterstreicht damit seinen Anspruch, nicht nur ästhetische Qualität zu würdigen, sondern auch künstlerische Positionen, die Haltung zeigen und Geschichte erfahrbar machen.

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Über den Autor

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Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.