In einem leer stehenden Wohnhaus im Südharzer Ortsteil Zorge hat die Polizei eine professionell betriebene Cannabis-Plantage mit hunderten Pflanzen entdeckt. Zwei Männer sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass die Anlage Teil eines größeren kriminellen Netzwerks gewesen sein könnte – und prüfen nun weitere mögliche Verbindungen in die Region.
Zorge, 9. Mai 2026 – Der Zugriff kam nach außen unspektakulär daher, doch der Fund hinter den Mauern eines unscheinbaren Hauses im Harz hatte erhebliche Dimensionen. Ermittler der Polizei Göttingen haben im Walkenrieder Ortsteil Zorge eine groß angelegte Cannabis-Plantage ausgehoben und dabei nach offiziellen Angaben insgesamt 555 Pflanzen sichergestellt. Zwei 26 Jahre alte Tatverdächtige wurden festgenommen und befinden sich mittlerweile in Untersuchungshaft.
Die Durchsuchung erfolgte nach längeren Ermittlungen am Mittwoch. Ausgangspunkt war ein Hinweis, der die Behörden zu dem leer stehenden Gebäude im Südharz führte. Vor Ort stießen die Einsatzkräfte auf eine professionell eingerichtete Indoor-Anlage, verteilt über mehrere Räume des Hauses. Nach Einschätzung der Ermittler war die Plantage technisch aufwendig ausgestattet und auf einen dauerhaften Betrieb ausgelegt.
Professionelle Cannabis-Plantage in mehreren Räumen eingerichtet
Nach Angaben der Polizei war das Gebäude nahezu vollständig für die Aufzucht von Cannabis umgebaut worden. In den Räumen installierten die mutmaßlichen Betreiber Beleuchtungsanlagen, Belüftungssysteme sowie technische Vorrichtungen zur Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Teile der Pflanzen befanden sich bereits in voller Blüte. Darüber hinaus fanden die Beamten Hinweise auf frühere Ernten.
Fotos vom Einsatz zeigen den Umfang der Sicherstellung: Pflanzen, technische Geräte und Behälter mit Pflanzenmaterial wurden aus dem Gebäude transportiert, teils mit schwerem Gerät. Der Einsatz zog sich über mehrere Stunden hin.
Nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden handelte es sich nicht um eine improvisierte Anlage, sondern um eine professionell organisierte Cannabis-Plantage mit erheblichem technischem Aufwand. Solche Indoor-Anlagen gelten unter Ermittlern seit Jahren als typisches Modell organisierter Drogenkriminalität. Sie ermöglichen eine kontrollierte Aufzucht unabhängig von Jahreszeiten oder Wetterbedingungen und werden häufig in abgelegenen oder ungenutzten Immobilien betrieben.
Zwei Tatverdächtige nach Polizeieinsatz in Haft
Die beiden 26-jährigen Männer wurden nach dem Einsatz einem Haftrichter vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft an. Gegen die Beschuldigten wird wegen des Verdachts des illegalen Handels mit Cannabis in nicht geringer Menge ermittelt.
Zu den Hintergründen der beiden Männer machten Polizei und Staatsanwaltschaft bislang nur wenige Angaben. Offen ist unter anderem, ob sie allein gehandelt haben oder Teil einer größeren Struktur waren. Auch die genaue Dauer des Betriebs der Cannabis-Plantage ist bislang nicht bekannt.
Die Ermittler konzentrieren sich nun auf die Auswertung sichergestellter Technik und möglicher Datenträger. Dabei geht es auch um mögliche Lieferketten, Absatzwege und finanzielle Verbindungen.
Organisierte Drogenkriminalität nutzt zunehmend leer stehende Gebäude
Der Fall aus Zorge steht nach Einschätzung von Ermittlern exemplarisch für eine Entwicklung, die Sicherheitsbehörden seit geraumer Zeit beobachten. Professionelle Cannabis-Plantagen entstehen längst nicht mehr nur in Ballungsräumen oder Industriegebieten. Zunehmend geraten kleinere Orte und ländliche Regionen in den Fokus organisierter Gruppen.
Besonders leer stehende Wohnhäuser, ehemalige Gewerbeimmobilien oder abgelegene Gebäude gelten als attraktiv. Sie bieten häufig genügend Platz für technische Anlagen und ermöglichen einen weitgehend abgeschirmten Betrieb. Gleichzeitig fällt ungewöhnliche Aktivität dort oft erst spät auf.
Der Harz mit seinen weitläufigen Strukturen und einzelnen ungenutzten Immobilien gehört inzwischen ebenfalls zu den Regionen, in denen Ermittler verstärkt entsprechende Anlagen entdecken. Bereits in den vergangenen Monaten waren im Landkreis Göttingen und angrenzenden Gebieten mehrere größere Cannabis-Plantagen aufgeflogen.
Serie ähnlicher Funde im Harz
Der aktuelle Einsatz in Zorge reiht sich in mehrere vergleichbare Verfahren ein. Bereits zuvor hatten Ermittler im Raum Osterode und Bad Lauterberg professionelle Indoor-Anlagen entdeckt. Auch dort fanden die Beamten aufwendig ausgestattete Räume mit spezieller Beleuchtung und Belüftungstechnik.
Teilweise wurden bei früheren Einsätzen neben Cannabis-Pflanzen auch Waffen, größere Bargeldsummen oder weitere Betäubungsmittel sichergestellt. Sicherheitsbehörden beobachten seit Jahren, dass sich professionelle Plantagenbetreiber zunehmend flexibel organisieren und häufig kurzfristig Immobilien anmieten oder leer stehende Gebäude nutzen.
Im aktuellen Fall machten die Behörden bislang keine Angaben dazu, ob direkte Verbindungen zu anderen Verfahren bestehen. Die Ermittlungen dauern an.
Hinweise aus der Bevölkerung spielen zentrale Rolle
Dass die Cannabis-Plantage in Zorge entdeckt wurde, geht nach Polizeiangaben maßgeblich auf einen Hinweis zurück. Solche Informationen aus der Bevölkerung spielen für Ermittler inzwischen eine wichtige Rolle. Professionelle Indoor-Anlagen bleiben oft über längere Zeit unbemerkt, weil sie nach außen möglichst unauffällig betrieben werden.
Dennoch gibt es typische Auffälligkeiten, die bei Ermittlungen immer wieder eine Rolle spielen. Dazu gehören dauerhaft verdunkelte Fenster, ungewöhnlich hoher Stromverbrauch oder technische Umbauten an Gebäuden. Auch auffällige Lüftungsanlagen oder ungewöhnliche Gerüche können Hinweise liefern.
Gerade in kleineren Orten fallen Veränderungen an leer stehenden Häusern häufig schneller auf als in anonymen Großstadtquartieren. Ermittler betonen deshalb regelmäßig die Bedeutung von Hinweisen aus der Bevölkerung, ohne dabei konkrete Informanten zu benennen.
Technischer Aufwand bei Indoor-Anlagen erheblich
Professionelle Cannabis-Plantagen benötigen einen hohen technischen Aufwand. Für die Aufzucht werden leistungsstarke Lampen eingesetzt, hinzu kommen Belüftungssysteme, Zeitschalttechnik und Anlagen zur Regulierung von Temperatur und Feuchtigkeit. Der Stromverbrauch solcher Anlagen ist häufig erheblich.
Hinzu kommt der organisatorische Aufwand: Pflanzen müssen kontrolliert bewässert, gepflegt und überwacht werden. Ermittler gehen deshalb oft davon aus, dass größere Anlagen arbeitsteilig betrieben werden.
Im Fall von Zorge prüfen die Behörden nun unter anderem, wie die technische Infrastruktur organisiert wurde und ob weitere Personen logistische Aufgaben übernommen haben könnten.
Große Aufmerksamkeit in dem kleinen Harz-Ort
Zorge gehört mit rund tausend Einwohnern zu den kleineren Orten im Südharz. Bekannt ist der Ort vor allem durch seine Lage im Naturpark Harz sowie den Tourismus in der Region. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit nach Bekanntwerden des Polizeieinsatzes.
Mehrere Einsatzfahrzeuge, Ermittler vor Ort und der Abtransport zahlreicher Pflanzen sorgten im Ort für Gesprächsstoff. Bilder der Sicherstellung verbreiteten sich innerhalb kurzer Zeit über soziale Netzwerke und regionale Medien.
Für viele Bewohner dürfte der Fund einer professionellen Cannabis-Plantage mitten im Ort überraschend gekommen sein. Nach außen hatte das Gebäude offenbar lange keinen Verdacht erregt.
Behörden schließen weitere Maßnahmen nicht aus
Die Polizei hält sich mit Details zu den laufenden Ermittlungen derzeit zurück. Klar ist jedoch: Die Auswertung der sichergestellten Materialien dürfte einige Zeit in Anspruch nehmen. Dabei geht es nicht nur um die technische Ausstattung der Anlage, sondern auch um mögliche Kommunikationsdaten und finanzielle Spuren.
Weitere Durchsuchungen oder zusätzliche Festnahmen schließen die Ermittlungsbehörden derzeit nicht aus. Ob die beiden festgenommenen Männer lediglich Betreiber der Cannabis-Plantage waren oder innerhalb eines größeren Netzwerks agierten, bleibt Gegenstand der laufenden Untersuchungen.
Auch die Frage, welche Mengen Cannabis möglicherweise bereits produziert und verkauft wurden, ist bislang offen. Hinweise auf frühere Ernten deuten jedoch darauf hin, dass die Anlage nicht erst seit kurzer Zeit betrieben worden sein könnte.
Der Harz bleibt im Fokus der Ermittler
Mit dem Fund in Zorge rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, wie organisierte Drogenkriminalität zunehmend auch ländliche Regionen nutzt. Der Harz gilt wegen seiner weitläufigen Strukturen, einzelner leer stehender Immobilien und vergleichsweise ruhiger Ortslagen offenbar als geeigneter Standort für verdeckte Indoor-Anlagen.
Für die Sicherheitsbehörden bleibt die Bekämpfung professioneller Cannabis-Plantagen deshalb ein dauerhaftes Thema. Die Ermittlungen in Zorge zeigen, dass entsprechende Anlagen selbst in kleinen Orten erhebliche Ausmaße annehmen können – und oft erst durch gezielte Hinweise ans Licht kommen.
Während die beiden Tatverdächtigen nun in Untersuchungshaft sitzen, läuft die Aufarbeitung des Falls weiter. Die Ermittler wollen klären, ob die Cannabis-Plantage in Zorge ein Einzelfall war – oder Teil einer größeren Struktur, die weit über den Harz hinausreicht.


















