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Harzer Landschaft auf internationaler Bühne Glasebachtal im Harz bei der Berlinale: Historienfilm „Rose“ feiert Premiere im Wettbewerb

Berlin/Straßberg, 4. Februar 2026 – Frühmorgendlicher Nebel liegt schwer über den Hängen des Glasebachtals. Feuchtigkeit hängt in der Luft, das Licht ist diffus, beinahe zeitlos. Genau diese Stimmung, rau und still zugleich, wurde im vergangenen Jahr zur Grundlage einer Filmproduktion, die nun ihren Weg auf eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt gefunden hat. Ein abgelegenes Tal im Harz, jahrhundertealte Wege und Spuren des Bergbaus – bald Teil des offiziellen Wettbewerbs der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

Wenn sich im Februar die internationale Filmwelt in Berlin versammelt, rückt ein Ort in Sachsen-Anhalt in den Fokus, der sonst fernab roter Teppiche liegt: das Glasebachtal im Ostharz. Der Historienfilm „Rose“, der hier in wesentlichen Teilen gedreht wurde, feiert bei der 76. Berlinale seine Premiere im Wettbewerb. Für die Region ist das mehr als nur eine Randnotiz – es ist ein seltener Moment internationaler Sichtbarkeit für eine Landschaft, die ihre Wirkung bislang vor allem im Stillen entfaltet hat.

Historienfilm aus dem Harz: Internationale Aufmerksamkeit für „Rose“

„Rose“ ist eine deutsch-österreichische Koproduktion unter der Regie von Markus Schleinzer, der gemeinsam mit Alexander Brom auch das Drehbuch verfasst hat. Der Film ist im Dreißigjährigen Krieg angesiedelt und entfaltet seine Geschichte in einer Epoche, die von Zerstörung, Misstrauen und gesellschaftlicher Verrohung geprägt war. Im Zentrum steht die Figur Rose, gespielt von Sandra Hüller, die sich als Mann ausgibt, um in einer feindseligen Welt bestehen zu können.

Dass dieser Stoff ausgerechnet im Glasebachtal seine visuelle Heimat gefunden hat, ist kein Zufall. Die abgeschiedene Topografie, die bewaldeten Hänge, die historischen Bergbauspuren und die besondere Lichtstimmung der Region boten ideale Voraussetzungen, um das 17. Jahrhundert glaubwürdig und ohne künstliche Überhöhung zu erzählen. Der Harz wird im Film nicht zur bloßen Kulisse, sondern zum erzählerischen Raum, der die innere Spannung der Geschichte aufnimmt und verstärkt.

Mit der Einladung in den offiziellen Wettbewerb der Berlinale erhält der Film eine der höchsten Auszeichnungen, die ein europäisches Kinoprojekt erreichen kann. Der Wettbewerb gilt als Herzstück des Festivals und versammelt Werke, die sowohl künstlerisch als auch thematisch internationale Relevanz besitzen. Für das Glasebachtal bedeutet dies einen Auftritt auf der großen Leinwand, der weit über regionale Filmförderung hinausgeht.

Regisseur Markus Schleinzer und seine filmische Handschrift

Markus Schleinzer zählt zu jenen Regisseuren, die sich konsequent mit Randfiguren gesellschaftlicher Ordnung beschäftigen. Bereits mit seinen früheren Filmen „Michael“ und „Angelo“ hat er bewiesen, dass ihn weniger das Spektakuläre interessiert als die leisen Verschiebungen von Macht, Identität und Zugehörigkeit. „Rose“ fügt sich in diese Linie ein und überträgt sie in einen historischen Kontext, der bis heute nachwirkt.

Die Entscheidung, den Film weitgehend im Harz zu drehen, ist Teil dieses Ansatzes. Statt auf bekannte historische Drehorte oder Studiokulissen zurückzugreifen, suchte Schleinzer nach einer Landschaft, die Unruhe und Abgeschiedenheit gleichermaßen transportiert. Das Glasebachtal, mit seiner Mischung aus Naturraum und industrieller Vergangenheit, erwies sich dabei als idealer Schauplatz.

Dass „Rose“ nun erstmals im Wettbewerb der Berlinale gezeigt wird, markiert einen wichtigen Punkt in Schleinzers Karriere. Die Berlinale gilt nicht nur als politisch waches Festival, sondern auch als Plattform für Filme, die historische Stoffe mit gegenwärtigen Fragestellungen verbinden. In diesem Kontext entfaltet auch der Harz als Drehort eine neue Bedeutung.

Das Glasebachtal als filmischer Raum

Das Glasebachtal liegt südlich von Straßberg und ist geprägt von seiner bergbaulichen Geschichte. Über Jahrhunderte wurde hier Erz gefördert, was bis heute Spuren in der Landschaft hinterlassen hat. Für die Filmproduktion bedeutete dies einen Drehort, der ohne große Eingriffe genutzt werden konnte, um eine vergangene Epoche glaubhaft darzustellen.

Während der Dreharbeiten im Jahr 2024 verwandelte sich das Tal über mehrere Wochen hinweg in ein historisches Filmset. Kulissen wurden errichtet, Wege angepasst und Lichtkonzepte entwickelt, die den natürlichen Gegebenheiten folgten. Insgesamt fanden 21 Drehtage direkt im Glasebachtal statt, ergänzt durch weitere Drehorte in Sachsen-Anhalt und Österreich.

Die Dreharbeiten erstreckten sich über mehrere Monate von Mai bis Dezember 2024. Diese zeitliche Streckung erlaubte es dem Team, unterschiedliche Jahreszeiten einzufangen und die Veränderung der Landschaft bewusst in die Bildsprache zu integrieren. Das Ergebnis ist ein Film, der den Harz nicht idealisiert, sondern seine raue Schönheit in den Vordergrund stellt.

Ausstattung, Kamera und Musik

Für die Kameraarbeit zeichnete Gerald Kerkletz verantwortlich, der bereits mehrfach mit Schleinzer zusammengearbeitet hat. Seine Bilder zeichnen sich durch Zurückhaltung und Präzision aus, sie lassen Raum für Stille und vermeiden jede Form von dekorativem Überschuss. Das Glasebachtal wird so nicht spektakulär inszeniert, sondern in seiner Eigenwilligkeit ernst genommen.

Die Musik stammt von Tara Nome Doyle, deren Kompositionen die Atmosphäre des Films subtil begleiten, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Der Schnitt von Hansjörg Weißbrich sorgt für einen ruhigen, aber konsequenten Erzählfluss, der die Spannung weniger aus äußeren Ereignissen als aus inneren Konflikten bezieht.

Auch die Ausstattung orientiert sich eng an historischen Vorbildern, ohne museal zu wirken. Kleidung, Requisiten und Bauten fügen sich unauffällig in die Landschaft ein und verstärken den Eindruck einer Welt, in der Sicherheit und Stabilität längst verloren gegangen sind.

Sandra Hüller in der Rolle der Rose

Im Zentrum des Films steht Sandra Hüller als Rose. Ihre Figur tritt als Soldat in einem protestantischen Dorf auf und beansprucht den Besitz eines verlassenen Gutshofs. Schnell wird sie zur Projektionsfläche für Ängste und Ressentiments der Dorfgemeinschaft. Die Enthüllung ihrer wahren Identität verschärft die Konflikte und legt gesellschaftliche Bruchlinien offen, die weit über die historische Situation hinausweisen.

Hüller trägt den Film mit einer zurückgenommenen, präzisen Darstellung, die auf große Gesten verzichtet. Gerade in der Reduktion entfaltet ihre Figur eine besondere Intensität. „Rose“ wird so weniger zum klassischen Historienfilm als zu einer Studie über Macht, Anpassung und Selbstbehauptung.

Unterstützt wird Hüller von einem Ensemble, zu dem unter anderem Caro Braun, Godehard Giese und Robert Gwisdek gehören. Ihre Figuren bleiben bewusst ambivalent und vermeiden klare Zuschreibungen, was dem Film zusätzliche Tiefe verleiht.

Berlinale 2026: Bühne für den Harz

Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin finden vom 12. bis 22. Februar 2026 statt. Der Wettbewerb gilt als zentrale Sektion des Festivals und zieht jedes Jahr ein internationales Fachpublikum an. Die Präsentation von „Rose“ in diesem Rahmen rückt nicht nur den Film selbst, sondern auch seinen Drehort ins Licht der Öffentlichkeit.

Nach der Berlinale soll „Rose“ ab dem 30. April 2026 regulär in den Kinos starten. In Deutschland übernimmt Piffl Medien den Verleih, in Österreich ist Filmladen verantwortlich. Mit einer Laufzeit von rund 93 Minuten bietet der Film ein konzentriertes Kinoerlebnis, das auf Verdichtung statt auf Ausdehnung setzt.

Für den Harz ist dieser Auftritt auf internationaler Bühne ein seltenes Ereignis. Zwar diente die Region in der Vergangenheit immer wieder als Drehort, doch eine Teilnahme am Berlinale-Wettbewerb verleiht dem Glasebachtal eine neue filmische Sichtbarkeit.

„Rose“ zeigt, wie eng Erzählung und Ort miteinander verwoben sein können. Das Glasebachtal ist im Film kein austauschbarer Hintergrund, sondern Teil der Dramaturgie. Seine Weite, seine Abgeschiedenheit und seine Geschichte spiegeln die innere Zerrissenheit der Figuren.

Damit wird der Harz nicht nur zum Schauplatz, sondern zum Mitspieler einer Geschichte, die sich mit Identität, Ausgrenzung und Überleben beschäftigt. Die Berlinale-Premiere macht diese Verbindung nun einem internationalen Publikum zugänglich – und verleiht einem stillen Tal im Osten Deutschlands eine Stimme, die weit über seine geografischen Grenzen hinaus gehört wird.

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Über den Autor

Berichte und Artikel

Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.