
Sankt Andreasberg, 19. Januar 2026 – Kalte, klare Luft liegt über den Höhen des Harzes, Schnee dämpft die Geräusche, und rund um das Kurhaus sammelt sich erwartungsvolle Ruhe. Ende Januar wird Sankt Andreasberg erneut zum Schauplatz eines der traditionsreichsten Winterfeste der Region. Zum 130. Mal lädt das Winterfest im Kurhaus Einheimische und Gäste ein – ein Jubiläum, das Geschichte spürbar macht.
Was heute als lebendiges Winterereignis mit Musik, Umzügen und Mitmachaktionen erlebt wird, wurzelt tief in der Vergangenheit des Harzes. Das Winterfest im Kurhaus Sankt Andreasberg ist mehr als ein Termin im Veranstaltungskalender: Es ist ein Spiegel regionaler Identität, ein Treffpunkt für Generationen und ein Ausdruck jener Winterkultur, die den Oberharz seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert prägt.
130 Jahre Winterfest im Kurhaus Sankt Andreasberg
Vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2026 steht Sankt Andreasberg ganz im Zeichen seines Winterfestes. Veranstaltet von der Braunlage Tourismus Marketing GmbH, knüpft die 130. Ausgabe bewusst an ihre historischen Wurzeln an. Bereits 1896 fanden in dem damaligen Bergwerks- und Wintersportort erste winterliche Festveranstaltungen statt, eng verbunden mit der Entwicklung des Skilaufs im Harz und dem wachsenden Tourismus jener Zeit.
Das Kurhaus bildet seit Jahrzehnten das Zentrum des Geschehens. Als architektonischer und gesellschaftlicher Mittelpunkt des Ortes bietet es den Rahmen für Ausstellungen, Musikabende und Begegnungen. Rund um das Gebäude entfaltet sich während des Winterfestes ein dichtes Programm, das Tradition und Gegenwart miteinander verbindet.
Freitag: Eröffnung und Rückblick auf die Geschichte
Der Auftakt am Freitag, dem 30. Januar 2026, markiert den Beginn eines langen Winterwochenendes. Ab 13 Uhr öffnen die Stände am und im Kurhaus. Kulinarische Angebote, regionale Spezialitäten und handwerkliche Erzeugnisse prägen das Bild. Für viele Besucher ist dieser erste Rundgang fester Bestandteil des Winterfestes im Kurhaus Sankt Andreasberg – ein langsames Ankommen, ein erstes Gespräch, ein warmer Becher in der Hand.
Historische Bezüge setzt die Winterfestausstellung, die um 18 Uhr im Kurhaus eröffnet wird. Stadtheimatpfleger Jochen Klähn begleitet die Präsentation, die anhand alter Fotografien, Plakate, Zeitungsberichte sowie historischer Wintersportgeräte die Entwicklung des Festes dokumentiert. Skier aus vergangenen Jahrzehnten, Schlittenmodelle und Archivmaterial zeigen, wie sehr das Winterfest mit der Geschichte des Ortes verwoben ist.
Am Abend übernimmt Musik die Hauptrolle. Ab 19 Uhr sorgt „DJ Olli“ im Saal des Kurhauses für einen modernen Kontrapunkt zur historischen Ausstellung. Parallel dazu schlagen bis zu 50 Teilnehmer des Winter-Gespannfahrertreffens ihr Lager im Kurpark auf. Das entstehende Wintercamp gehört seit Jahren zu den markanten Bildern des Festes und verleiht dem Areal eine fast zeitlose Atmosphäre.
Samstag: Umzug, Winterspiele und Live-Musik
Der Samstag gilt traditionell als Herzstück des Winterfestes im Kurhaus Sankt Andreasberg. Um 14 Uhr beginnt der große Winterfest-Umzug, der sich vom „Alten Bahnhof“ in Richtung Kurhaus bewegt. Beteiligt sind örtliche Vereine, Gruppen und Musikzüge, darunter der Waldarbeiter-Instrumental-Musikverein sowie der Annerschbarricher Hexenzirkel. Der Umzug verbindet folkloristische Elemente mit humorvollen und märchenhaften Motiven und zieht jedes Jahr zahlreiche Zuschauer an.
Auf der Bühne am Kurhaus übernimmt der Musikverein WIM die musikalische Begleitung des Nachmittags. Blasmusik und moderne Arrangements wechseln sich ab und schaffen eine offene, familiäre Stimmung. Für Kinder und Familien öffnet sich parallel ein vielfältiges Mitmachangebot. Märchenerzählerin Jana Ziermann lädt ab 15 Uhr zu Erzählstunden ein, die bewusst an die Sagen- und Erzähltradition des Harzes anknüpfen.
Sportlich wird es bei den Aktionen des Ski-Clubs Sankt Andreasberg. Die Biathlon-Gaudi, das Staffel-Laser-Biathlon-Event sowie – bei geeigneter Witterung – das „Rudel-Rodeln auf der Plane“ an der Rodelwiese bringen Bewegung ins Programm. Diese Angebote verbinden spielerischen Wettbewerb mit niedrigschwelliger Teilnahme und richten sich ausdrücklich an Gäste ohne sportliche Vorkenntnisse.
Der Abend gehört erneut der Musik. Nach der Siegerehrung der sportlichen Wettbewerbe betritt die Live-Band „Manifold“ die Bühne. Mit ihrem Auftritt setzt sie den musikalischen Schlusspunkt des Samstags und schlägt die Brücke vom traditionellen Winterfest hin zu zeitgemäßer Unterhaltung.
Sonntag: Begegnung, Musik und Harzer Mystik
Der Sonntag, 1. Februar 2026, gestaltet sich ruhiger, ohne an inhaltlicher Dichte zu verlieren. Ab 15 Uhr begleitet das „Trio Harzwald“ das Geschehen rund um das Kurhaus musikalisch. Die entspannte Atmosphäre lädt zum Verweilen ein, Gespräche entstehen, Besucher mischen sich unter Einheimische.
Ein besonderer Programmpunkt ist die Hexenlicht-Erlebniswanderung. Sie führt die Teilnehmer durch die winterliche Umgebung Sankt Andreasbergs und greift dabei Motive der regionalen Sagenwelt auf. Lichtinstallationen und erzählerische Elemente erzeugen eine stimmungsvolle Verbindung aus Natur, Geschichte und Mythos. Die Teilnahme ist begrenzt und erfordert eine vorherige Anmeldung in der Tourist-Information.
Eintrittspreise und Teilnahmebedingungen
- Erwachsene: 7 Euro, mit Gästekarte 6 Euro
- Kinder ab zwei Jahren: 5 Euro, mit Gästekarte 4 Euro
- Kinder unter zwei Jahren: kostenfrei
Die Preisgestaltung orientiert sich bewusst an einem familienfreundlichen Ansatz. Das Winterfest im Kurhaus Sankt Andreasberg soll ein niedrigschwelliges Angebot bleiben, offen für Tagesgäste ebenso wie für Urlauber und Ortsansässige.
Über das Fest hinaus: Erweiterte Wintertage am Kurhaus
Das Jubiläums-Winterfest endet nicht abrupt mit dem Sonntag. Auch in den Tagen danach bleibt das Kurhaus ein kultureller Anziehungspunkt. Am Montag, 2. Februar 2026, zeigt das Theater Silberborn das Puppentheaterstück „Herr Fuchs und Frau Elster“. Die Aufführung richtet sich vor allem an Familien und knüpft an die märchenhaften Elemente des Wochenendes an.
Die Stände am und im Kurhaus bleiben bis Dienstag, 3. Februar, geöffnet. Mittelalterliche Spiele, handwerkliche Vorführungen und gastronomische Angebote verlängern den Charakter des Winterfestes und schaffen Raum für einen sanften Ausklang.
Ein Winterfest als Teil regionaler Identität
Das Winterfest im Kurhaus Sankt Andreasberg ist tief im sozialen und kulturellen Gefüge des Ortes verankert. Viele Programmpunkte leben vom Engagement lokaler Vereine, Ehrenamtlicher und Kulturschaffender. Der Umzug, die Musikdarbietungen und die Sportaktionen spiegeln nicht nur Unterhaltung wider, sondern auch das Selbstverständnis einer Region, die ihren Winter seit Generationen gestaltet.
Gerade im Jubiläumsjahr wird deutlich, wie sehr das Winterfest Brücken schlägt – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen touristischer Attraktion und lokalem Brauchtum. Während Besucher den Harz als winterliche Erlebnislandschaft wahrnehmen, erleben Einheimische ein Stück gelebter Kontinuität.
Ein Jubiläum mit Blick nach vorn
130 Jahre Winterfest im Kurhaus Sankt Andreasberg stehen für Beständigkeit in einer sich wandelnden Welt. Das Jubiläum erinnert an die Ursprünge des Wintersports im Harz, an gesellschaftliche Begegnungen vergangener Zeiten und an die Fähigkeit des Ortes, Tradition immer wieder neu zu beleben. Auch 2026 bleibt das Winterfest ein Ereignis, das den Winter nicht nur feiert, sondern ihm Bedeutung verleiht – als gemeinsames Erlebnis, getragen von Geschichte, Gemeinschaft und der besonderen Atmosphäre des Harzes.







