Bad Harzburg

Bücher, Jury, Jugend – so funktioniert die Eselsohr-Wahl Harzburger Eselsohr in Bad Harzburg: Was hinter der Eselsohr-Wahl wirklich steckt

Bad Harzburg, 08. Dezember 2025. In der Kurstadt am Harz geht es alle zwei Jahre nicht nur um Wanderwege und Thermen, sondern um Geschichten für junge Leserinnen und Leser. Wenn in Bad Harzburg die Eselsohr-Wahl ansteht, rückt ein besonderer Literaturpreis ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Frage, welches Buch am Ende das Harzburger Eselsohr erhält, entscheidet eine Jury, in der Jugendliche und Erwachsene gemeinsam das Sagen haben.

Hinter der Eselsohr-Wahl verbirgt sich der Bad Harzburger Jugendliteraturpreis, kurz Harzburger Eselsohr. Seit 1989 verleiht die Stadt Bad Harzburg diese Auszeichnung im zweijährigen Rhythmus an Autorinnen und Autoren deutschsprachiger Jugendliteratur. Im Mittelpunkt steht die Idee, herausragende Bücher sichtbar zu machen, die sich an Jugendliche richten und ihnen zeitnahe, relevante Geschichten anbieten.

Was ist das Harzburger Eselsohr?

Der Bad Harzburger Jugendliteraturpreis wird von der Stadt Bad Harzburg ausgelobt und im gesamten deutschsprachigen Raum ausgeschrieben. Prämiert werden Werke der Jugendliteratur, die sich vor allem an Leserinnen und Leser ab etwa zwölf Jahren wenden. Das Harzburger Eselsohr soll nicht nur ein Preisetikett sein, sondern ein Signal: Dieses Buch wurde von einer gemischten Jury intensiv gelesen, diskutiert und für besonders empfehlenswert befunden.

Die Auszeichnung ist aktuell mit 2.000 Euro dotiert. Zusätzlich erhält die Preisträgerin oder der Preisträger eine Urkunde sowie die silberne Trophäe, das Harzburger Eselsohr. Entworfen wurde sie von der Goldschmiedemeisterin Katrin Erben und wird für jede Preisträgerperson individuell in Handarbeit gefertigt. Damit spiegelt die Trophäe den Anspruch des Preises wider, Literatur nicht als Massenware zu betrachten, sondern als sorgfältig gestaltetes Einzelstück.

Der Name erinnert an das umgeknickte „Eselsohr“ im Buch: den kleinen Knick, mit dem Leserinnen und Leser sich eine Stelle merken. Für die Stadt Bad Harzburg steht das Symbol für Aufmerksamkeit und für die enge Bindung zwischen Jugendlichen und ihren Büchern – eine Verbindung, die der Preis stärken soll.

Wie läuft die Eselsohr-Wahl ab?

Wenn von der „Eselsohr-Wahl“ die Rede ist, gemeint ist der gesamte Auswahlprozess, der am Ende zur Vergabe des Harzburger Eselsohr führt. Im Vorfeld können Verlage und Autorinnen oder Autoren ihre Titel einreichen; Eigenbewerbungen sind ausdrücklich vorgesehen. Zugelassen werden Bücher, die ursprünglich in deutscher Sprache erschienen sind, sich an Jugendliche richten und in der Regel nicht länger als wenige Jahre auf dem Markt sind.

Wer sitzt in der Jury?

Über die Vergabe entscheidet eine ehrenamtlich arbeitende Jury. Sie setzt sich aus mehreren Gruppen zusammen:

  • Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Bad Harzburg,
  • Mitarbeitende der Stadtbücherei und der Harzburger Aktion zum Schutz der Jugend,
  • sowie Bad Harzburger Jugendliche und interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Damit unterscheidet sich die Eselsohr-Wahl von vielen anderen Literaturpreisen. Die Zielgruppe der Jugendliteratur ist direkt eingebunden, wenn es darum geht, welches Buch am Ende das Harzburger Eselsohr tragen darf. Für viele Autorinnen und Autoren ist gerade dieser Aspekt wichtig: Ihre Geschichten müssen nicht nur Fachleute, sondern auch junge Leserinnen und Leser überzeugen.

Welche Bücher können ausgezeichnet werden?

Die formalen Kriterien sind klar umrissen. Für die Eselsohr-Wahl kommen nur Bücher in Betracht, die

  • sich an Jugendliche ab etwa zwölf Jahren richten,
  • in deutscher Sprache verfasst sind,
  • und zum Zeitpunkt der Entscheidung noch vergleichsweise neu auf dem Markt sind.

Die Jury liest die eingereichten Titel, diskutiert Inhalte, Sprache und Wirkung und trifft schließlich in einer gemeinsamen Sitzung die Entscheidung, welches Buch den Jugendliteraturpreis erhält. Nach außen sichtbar wird dann vor allem der Moment der Verleihung – doch die eigentliche Eselsohr-Wahl besteht aus vielen Lese- und Diskussionsrunden im Hintergrund.

Dotierung, Trophäe und Symbolik

Finanziell ist das Harzburger Eselsohr mit 2.000 Euro ausgestattet. Für die Autorinnen und Autoren geht es aber nicht nur um die Dotierung. Die Urkunde, die Eintragung auf einer Ehrentafel und die silberne Trophäe machen deutlich, dass hier ein Werk ausgezeichnet wird, das im Feld der Jugendliteratur herausragt.

Die Trophäe selbst trägt denselben Namen wie der Preis: Harzburger Eselsohr. Sie verweist auch optisch auf das Thema Lesen und Buchkultur und ist durch die handwerkliche Herstellung ein Unikat. In der öffentlichen Wahrnehmung der Stadt Bad Harzburg ist sie längst zu einem wiedererkennbaren Symbol geworden, das bei jeder neuen Eselsohr-Wahl auf Fotos, Plakaten und Veranstaltungseinladungen auftaucht.

Ein Blick auf die jüngsten Preisträgerinnen und Preisträger

Wer in den vergangenen Jahren mit dem Harzburger Eselsohr ausgezeichnet wurde, zeigt zugleich, welche Themen in der Jugendliteratur eine besondere Rolle spielen. 2024 erhielt die Autorin Annette Mierswa den Preis für ihren Roman „Unsere blauen Nächte“. Das Buch behandelt unter anderem Alkoholmissbrauch, Sucht, Freundschaft und eine Liebesgeschichte – und damit Fragen, die viele Jugendliche unmittelbar betreffen.

Zwei Jahre zuvor, 2022, ging das Harzburger Eselsohr an den Autor Dirk Reinhardt. Auch seine Werke bewegen sich im Spannungsfeld zwischen aktueller Lebenswirklichkeit, gesellschaftlichen Konflikten und der Perspektive junger Menschen. In den Jahren davor wurden unter anderem Herbert Günther für seinen Roman „Zeit der großen Worte“ sowie Heike Eva Schmidt für „Amerika liegt im Osten“ ausgezeichnet. Die Themen reichen von historischer Aufarbeitung bis hin zu Identitätsfragen und Neuaufbrüchen in der Jugend.

Die Liste der Preisträgerinnen und Preisträger macht deutlich: Die Eselsohr-Wahl in Bad Harzburg sucht keine gefällige Unterhaltung, sondern Bücher, die sich ernsthaft mit den Erfahrungen junger Menschen auseinandersetzen. Auch das gehört zum Profil des Harzburger Eselsohr.

Rolle für Stadt, Schulen und Leseförderung

Für Bad Harzburg ist der Jugendliteraturpreis ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens. Schulen und die Stadtbücherei greifen die ausgezeichneten Titel regelmäßig auf, etwa in Leseprojekten, Arbeitsgemeinschaften oder Veranstaltungen mit Autorinnen und Autoren. Die Eselsohr-Wahl wirkt damit über den Preisabend hinaus: Sie schafft Gesprächsanlässe über Inhalte, Figuren und Themen und stärkt langfristig die Lesekultur in der Region.

Besonders die Beteiligung der Jugendlichen in der Jury sorgt dafür, dass das Harzburger Eselsohr in der Stadt präsent bleibt. Wer selbst über den Preis mitentscheiden durfte, nimmt die ausgezeichneten Bücher oft anders wahr – nicht nur als Schullektüre, sondern als Ergebnis einer eigenen Auswahl. Das kann Lesemotivation erzeugen und die Auseinandersetzung mit Literatur vertiefen.

Ein Preis, der Bad Harzburgs literarisches Profil schärft

Die Eselsohr-Wahl mag auf den ersten Blick wie ein lokales Ereignis wirken, doch das Harzburger Eselsohr hat sich im deutschsprachigen Raum als anerkannter Jugendliteraturpreis etabliert. Alle zwei Jahre richtet sich der Blick der Szene kurzzeitig nach Bad Harzburg – auf die Frage, welches Buch diesmal ausgezeichnet wird und welche Geschichte junge Leserinnen und Leser besonders bewegt hat.

Gerade weil die Jury Erwachsene und Jugendliche zusammenbringt, bleibt der Preis nah an seiner Zielgruppe. In einer Zeit, in der Jugendliche zwischen sozialen Medien, Streaming-Diensten und anderen Angeboten wählen können, stellt die Eselsohr-Wahl die erzählte Geschichte wieder in den Mittelpunkt. Das Harzburger Eselsohr zeigt, wie eine Stadt über viele Jahre hinweg ein klares literarisches Profil entwickeln kann – mit einem Preis, der am Ende ganz einfach von einer Frage lebt: Welches Buch bleibt im Gedächtnis, so markant wie ein Eselsohr in einer gelesenen Seite?

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Über den Autor

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Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.