Goslar

Zwei Schulen aus dem ausgezeichnet Engagement, das Wege öffnet – Schülerfriedenspreis 2026 Landkreis Goslar

Goslar, 11. Dezember 2025 – Ein leises Raunen im Saal, dann hebt sich Applaus: Die Arbeit junger Menschen, über Monate hinweg entwickelt, bekommt ein Gesicht. Aus Projekträumen, Archiven und Gedenkorten heraus ist ein Stück gelebter Erinnerungskultur entstanden – und hat nun landesweit Anerkennung gefunden.

Beim Niedersächsischen Schülerfriedenspreis 2026, einem Wettbewerb, der schulische Initiativen zur Förderung von Toleranz, historischer Bewusstseinsbildung und demokratischer Verantwortung würdigt, haben zwei Schulen aus dem Landkreis Goslar herausragende Platzierungen erreicht. Mit ihren Projekten setzten sie eindrucksvolle Akzente, die weit über die Region hinausstrahlen.

Preis, Projekte und politische Bildung

Der Schülerfriedenspreis zählt zu den bedeutenden Auszeichnungen im Land Niedersachsen, wenn es um Engagement für ein friedliches Miteinander und gesellschaftliche Verantwortung geht. Ausgezeichnet werden Projekte, die historische Zusammenhänge verständlich machen, Perspektiven eröffnen und zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen anregen. Die beiden Preisträger aus dem Landkreis Goslar zeigten, wie differenziert und tiefgreifend schulische Friedensarbeit wirken kann – insbesondere dann, wenn junge Menschen selbst zu Forschenden werden.

Erster Platz: Schule am Harly in Vienenburg

Mit ihrem Projekt „Geschichte trifft Gegenwart – Das Leben jüdischer Familien in Goslar um 1933“ überzeugte die Schule am Harly die Jury in besonderem Maße. Die Schülerinnen und Schüler widmeten sich der Rekonstruktion jüdischen Lebens in der Region, recherchierten akribisch in historischen Beständen, sichteten Dokumente im Stadtarchiv und suchten Orte auf, die bis heute Spuren jüdischer Geschichte tragen.

Ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit war der Besuch des jüdischen Friedhofs in Goslar sowie ein begleitender Austausch über jüdisches Leben damals und heute. Die intensiven Recherchen verbanden historische Einordnung mit einer sensiblen Betrachtung aktueller gesellschaftlicher Debatten rund um Antisemitismus, Vielfalt und demokratische Kultur. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten daraus ein interaktives Ausstellungsmodell, das per QR-Code Hintergrundinformationen aufrufbar macht und derzeit im Kulturmarktplatz Goslar zu sehen ist.

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Die Präsentation findet breite Beachtung, da sie historischen Stoff anschaulich transportiert und zugleich den Wert lokaler Erinnerungskultur hervorhebt. Für ihre umfangreiche Projektarbeit erhielt die Schule am Harly ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro sowie einen Gutschein im Wert von 500 Euro für digitale Bildungsmedien.

Zweiter Platz: Adolf-Grimme-Gesamtschule in Goslar

Den zweiten Preis errang die Adolf-Grimme-Gesamtschule, die seit Jahren für ihr Engagement in politischer Bildung bekannt ist. Unter dem Titel „Gegen das Vergessen: Erinnerung an Goslarer Opfer des NS-Regimes“ widmete sich eine schulische Arbeitsgemeinschaft den Geschichten von Menschen aus der Region, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden.

Die wöchentlichen Treffen der Gruppe waren geprägt von Archivarbeit, Gesprächen über ethische Fragestellungen und Besuchen von Gedenkstätten. Die Jugendlichen rekonstruierten Biografien, werteten historische Dokumente aus und ordneten die individuellen Schicksale in den größeren historischen Kontext ein. Die Ergebnisse verdichteten sie zu einer Ausstellung, die bereits im Goslarer Kreishaus präsentiert wurde und dort zahlreiche Besucherinnen und Besucher anzog.

Besonders hervorgehoben wurde die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler, Geschichte nicht nur zu vermitteln, sondern sie erfahrbar zu machen. Ihr Ansatz verband persönliche Betroffenheit mit wissenschaftlichem Arbeiten – eine Kombination, die der Jury zufolge besonders wirkungsvoll sei. Die Schule erhielt für ihr Projekt ein Preisgeld von 1.500 Euro.

Friedensarbeit als demokratische Praxis

Der Schülerfriedenspreis würdigt nicht nur Ergebnisse, sondern vor allem den Weg dorthin. Die Projekte aus dem Landkreis Goslar zeigen, wie junge Menschen demokratische Praxis einüben: durch kritisches Nachfragen, durch die Auseinandersetzung mit historischen Hintergründen und durch die Bereitschaft, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Dabei entstehen Lernprozesse, die weit über den Unterricht hinausreichen.

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Beide ausgezeichneten Schulen haben den historischen Stoff mit erkennbarer Sorgfalt behandelt. Sie setzten auf Methoden, die Schülerinnen und Schüler aktiv einbinden und ihnen ermöglichen, eigene Perspektiven zu entwickeln. Die Verbindung von Lokalforschung, archivgestützter Recherche und öffentlich zugänglicher Ausstellung macht die Projekte nicht nur wertvoll für die jeweilige Schulgemeinschaft, sondern auch für die Stadtgesellschaft.

Nachhaltige Wirkung in der Region

Was die beiden Projekte verbindet, ist ihre nachhaltige Wirkung. Sie zeigen, wie Erinnerungskultur in Schulen verankert werden kann und wie Jugendliche selbst zu Akteuren dieser Kultur werden. Der Landkreis Goslar erhält damit zugleich ein wichtiges Signal: Friedensarbeit braucht junge Stimmen, die mutig handeln, sorgfältig forschen und sensibel kommunizieren.

Die Ausstellungen und Modelle, die aus dieser Arbeit hervorgegangen sind, erweitern die regionale Bildungslandschaft und laden zur vertieften Beschäftigung mit Geschichte ein. Sie ergänzen bestehende Initiativen in der Erinnerungskultur, stärken zivilgesellschaftliche Impulse und regen zum Dialog an – ein Aspekt, den die Jury mehrfach hervorgehoben hat.

Ein Blick über die Auszeichnung hinaus

Die Anerkennung durch den Schülerfriedenspreis ist nicht nur eine Würdigung, sondern auch ein Auftrag. Die Projekte aus Vienenburg und Goslar machen deutlich, welche Rolle Jugendliche spielen können, wenn es darum geht, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und historische Verantwortung wahrzunehmen. Ihr Engagement wirkt nach – in Schulen, in Familien, in der politischen Bildung und in den Städten selbst.

Während die öffentliche Aufmerksamkeit oft den großen Debatten gilt, zeigen diese beiden Projekte im Kleinen, welche Kraft entsteht, wenn junge Menschen lokal forschen und global denken. Friedensarbeit beginnt dort, wo Fragen gestellt werden: Wer waren die Menschen, deren Spuren wir heute in Archiven finden? Was sagen ihre Geschichten über uns? Und was nehmen wir mit in unsere Gegenwart?

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Über den Autor

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Ich bin im Herzen des Harzes aufgewachsen; Diese mystische und sagenumwobene Region inspirierte mich schon früh. Heute schreibe ich aus Leidenschaft, wobei ich die Geschichten und Legenden meiner Heimat in meinen Werken aufleben lasse. Der Harz ist nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Muse.