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Nachhaltiger Spaß statt Wegwerfkultur: Schrottwichteln in Quedlinburg
Gebrauchte Geschenke in plastikfreier Verpackung auf einem Tisch vor dem Quedlinburger Marktplatz. So könnte das nachhaltige Schrottwichteln des Harzverbands aussehen.
Quedlinburg, 27. November 2025. - Der Duft von Glühwein mischt sich mit dem Frost der Harzer Winterluft, während die Fachwerkhäuser der Altstadt in festliches Licht getaucht werden. Hinter verschlossenen Türen der Hohe Straße 6 wartet eine Ausstellung auf Entdeckung – und auf den ein oder anderen unerwarteten Tausch. In der Adventszeit wird Nachhaltigkeit hier greifbar, kreativ und voller Humor.
Der Harzverband e.V., Träger des UNESCO Global Geoparks Harz · Braunschweiger Land · Ostfalen und des Naturparks Harz, startet mit einer charmanten Aktion in die Vorweihnachtszeit: dem nachhaltigen Schrottwichteln unter dem Motto „Aus der Abstellkammer ins Abenteuer“. Vom 1. bis 23. Dezember 2025 können Besucher in der kostenlosen Ausstellung in der Hohe Straße 6 in Quedlinburg verpackte Geschenke austauschen – und so unnötig gewordene Schätze einem neuen Zuhause zuführen. Die Initiative setzt ein klares Zeichen gegen Wegwerfmentalität: Statt neuer Käufe werden vorhandene Gegenstände weitergegeben, was perfekt zur Mission des Verbands passt, Natur, Kultur und Denkmalschutz zu fördern.
Diese Mitmachaktion knüpft an den Erfolg des Tauschweihnachtsbaums vom Vorjahr an, der bereits positive Resonanz erzielte. Sie lädt Familien, Freunde und Advent-Spaziergänger ein, aktiv teilzunehmen und den Advent spielerisch nachhaltig zu gestalten. In einer Zeit, in der der Weihnachtskonsum allein 1,2 Millionen Tonnen zusätzlichen CO₂ in Deutschland verursacht, bietet das nachhaltige Schrottwichteln eine umweltfreundliche Alternative – und sorgt obendrein für kleine Überraschungsmomente.
Was genau ist Schrottwichteln eigentlich?
Viele kennen das klassische Wichteln, bei dem neue Geschenke im Wert von fünf bis zehn Euro gekauft werden. Beim nachhaltigen Schrottwichteln ist alles anders: Teilnehmer bringen ausschließlich Dinge mit, die sie bereits besitzen und nicht mehr brauchen – von verstaubten Büchern über handgestrickte Mützen bis hin zum nie benutzten Kinderspielzeug. Der Reiz liegt im Humor, in der Geschichte hinter dem Gegenstand und vor allem darin, dass kein neuer Müll produziert wird. Im Kontext der Harzverband-Ausstellung entsteht so ein Kreislauf aus Geben und Nehmen, der den Advent bereichert.
„Wer jetzt loszieht, um irgendwo im 1-Euro-Shop etwas Hässliches, Kurioses oder Überflüssiges zu kaufen, trägt dazu bei, dass die Welt immer mehr mit nutzlosen Dingen aus umweltfeindlicher Produktion zugemüllt wird“, warnt das Recyclist Magazin treffend. Genau hier setzt das Konzept an: Statt neue Billigware zu erwerben, wird vorhandener „Schrott“ – solange er nutzbar ist – weitergegeben und oft mit einem Augenzwinkern zum neuen Lieblingsstück. Der Harzverband e.V., der seit Mai 2025 Kräfte aus fünf Landkreisen und über 100 Fördermitgliedern bündelt, fördert solche Ideen als Teil seiner Arbeit zu Ressourcenschonung im Geopark.
Warum Nachhaltigkeit und Spaß sich nicht ausschließen
In Deutschland fallen jährlich rund 12 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle an. Besonders zur Weihnachtszeit steigt der Müllberg durch Geschenke, Verpackungen und nicht passende Präsente dramatisch. Das nachhaltige Schrottwichteln setzt genau hier an. Durch die Wiederverwendung vorhandener Gegenstände werden Ressourcen geschont und CO₂-Emissionen vermieden – das Recycling einer Tonne Stahl spart beispielsweise 1,5 Tonnen CO₂ im Vergleich zur Neuproduktion. Insgesamt wurden 2005 durch Schrotteinsatz 26 Millionen Tonnen CO₂ eingespart; bis 2025 sind es voraussichtlich 35 Millionen Tonnen.
Die Aktion des Harzverbands trägt direkt dazu bei: Noch nutzbare Dinge erhalten ein neues Zuhause, bevor sie in der Mülltonne landen. Als Träger des UNESCO Global Geoparks betont der Verband die regionale Bedeutung solcher Initiativen. „Unter dem Motto ‚Aus der Abstellkammer ins Abenteuer‘ können Besucher Dinge tauschen, die noch zu gut für die Mülltonne sind“, heißt es in der Einladung. Die Ausstellung in der Hohe Straße 6 ist montags bis donnerstags von 8 bis 15:30 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr geöffnet – eintrittsfrei und barrierefrei zugänglich.
Regeln, die für Chaos und Begeisterung sorgen
Die Teilnahme ist einfach und unkompliziert: Besucher bringen ein verpacktes Wichtelgeschenk mit und tauschen es vor Ort gegen ein bereits vorhandenes Paket aus. Das Auspacken findet erst zu Hause statt, um den Überraschungseffekt zu wahren – keine spontanen Enthüllungen in der Ausstellung. Beliebt ist auch die Variante mit Würfeln in ähnlichen Aktionen: Alle Geschenke kommen stapelweise in die Mitte, und reihum wird gewürfelt, um Tauschpartner zu bestimmen. Eine Eins bedeutet Wechsel mit dem linken Nachbarn, eine Sechs erlaubt das Auspacken. Nach 15 bis 20 Minuten behält jeder, was er zuletzt hält. Solche Elemente sorgen für Lacher und Taktik, und könnten die Harz-Aktion bereichern.
Die wichtigste Regel: Kein echter Schrott und keine Lebensmittel. Eingepackt werden dürfen nur funktionsfähige, nutzbare Gegenstände – von kleinen Dekorationsstücken bis zu selbstgestrickten Socken. So bleibt die Aktion hygienisch und sinnstiftend, ohne in Chaos abzugleiten.
Lustige Ideen aus Keller und Dachboden
Besonders gefragt sind Gegenstände mit Geschichte: kitschige Souvenirs, alte Porzellanfiguren, nie genutzte Küchenhelfer oder selbstgestrickte Fehlversuche. Manche bringen ein Einmachglas mit „frischer Bergluft“ oder ein abstraktes Kunstwerk aus Fundstücken. In Quedlinburg, wo die Altstadt mit 2069 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten eine eigene Schatzkammer birgt, passen solche Upcycling-Ideen perfekt. „Mitmachen ist ganz einfach“, betonen die Organisatoren – und laden ein, den Keller auszumisten, ohne Reue.
Quedlinburg als perfekte Bühne
Die Welterbestadt mit Stiftskirche, Schloss und Altstadt, seit 1994 UNESCO-geschützt, bietet die ideale Kulisse für diese Initiative. Der Harzverband e.V. hat hier seinen Sitz in der Hohe Straße 6 und koordiniert Projekte, die Natur- und Kulturschutz verbinden. Eng mit Partnern wie ENWI Harz und dem Recycling-Park Harz zusammenarbeitend, zeigen Wertstoffhöfe in Quedlinburg (Groß Orden 27 und Morgenrot 12a) täglich, wie Abfall zu Ressourcen wird. Das nachhaltige Schrottwichteln ist die spielerische Ergänzung: Eine Brücke zwischen Alltag und Feiertag, unterstützt durch die Selketal-Bahn für umweltfreundliche Anreise.
In Foren und auf Plattformen wie Reddit teilen Teilnehmer ähnlicher Aktionen ihre Erlebnisse: „Ich hab nur einmal Schrottwichteln mitgemacht und fands eigentlich mega. War witzig zu sehen, was da verschenkt wurde und hat die Stimmung auch noch mal aufgeheitert“, schreibt ein Nutzer. Andere betonen den Gemeinschaftsgeist: Der Spaß entsteht, wenn man sich über vermeintlichen Plunder lustig macht – und ihn am Ende doch schätzt. Der Harzverband e.V. unter Geschäftsführerin Carola Schmidt nutzt die Aktion, um über 100 Fördermitglieder und die fünf Landkreise einzubinden.
Eine Idee mit Vorbildcharakter
Das nachhaltige Schrottwichteln zeigt, dass Klimaschutz Spaß machen kann. In einer Region, in der früher Generationen mit weniger Abfall auskamen – durch Kompost, Reparaturen und langlebige Möbel – schließt sich ein Kreis. Die Initiative verbindet alte Tugenden mit modernem Humor und positioniert Quedlinburg als Vorreiter für kreative Nachhaltigkeit im Harz. Nach dem Erfolg des Tauschweihnachtsbaums im Vorjahr wird erwartet, dass die Resonanz ähnlich positiv ausfällt – mit Tausenden von Besuchern in der Adventszeit.
Wer im Advent vor der Frage steht, was man der Kollegin, dem Onkel oder der besten Freundin schenken soll, findet in Quedlinburg die Antwort: Manchmal ist das beste Geschenk genau das, was schon lange im Schrank liegt – und endlich eine neue Geschichte schreiben darf. Die Ausstellung lädt ein, sei es durch spontane Tauschideen oder das Entdecken versteckter Schätze, und unterstreicht die Botschaft des Geoparks: Natürliche und kulturelle Reichtümer sind zum Teilen da.
Ausblick auf eine grüne Adventszeit
Der Dezember 2025 im Landkreis Harz wird zur Zeit des bewussten Feierns: Neben dem Weihnachtsmarkt ab 26. November und dem Adventskalender auf dem Schlossberg inspiriert das Schrottwichteln zu globalen Themen – etwa die Hälfte der Treibhausgase entsteht durch Ressourcennutzung. In Quedlinburg, wo Geschichte und Natur verschmelzen, wird Nachhaltigkeit nicht nur thematisiert, sondern gelebt: Durch Upcycling, lokales Handwerk und den Mut zu unkonventionellem Schenken. Der Harzverband e.V. trägt dazu bei, indem er den Geopark als Plattform für solche Impulse nutzt – zukunftsweisend und herzlich. Bis zum 23. Dezember steht die Tür offen: Für Tausch, Freude und einen kleineren CO₂-Fußabdruck.
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