Römer im Harz
Römerlager bei Deersheim: Neue Funde erhärten Militärpräsenz im Harz

Römer im Harz

Bei Deersheim im Landkreis Harz haben Archäologen weitere Belege für ein römisches Militärlager aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus freigelegt. Feldbacköfen, ein charakteristischer Spitzgraben und römische Keramik erhärten die Einordnung des Fundplatzes. Offen bleibt, welche Truppen dort lagerten und ob die Anlage mit einem bekannten Feldzug des Römischen Reiches verbunden war.
Deersheim, 10. September 2026. Was zunächst auf Luftbildern auffiel, zeichnet sich inzwischen immer deutlicher im Boden ab: Bei Deersheim im Landkreis Harz lag vor rund 1.800 Jahren ein römisches Militärlager. Neue Grabungen haben die Hinweise auf die Anlage weiter verdichtet und zugleich Fragen aufgeworfen, die Archäologen noch länger beschäftigen dürften.
Nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt handelt es sich bei dem Fundplatz um ein römisches Marschlager. Solche Anlagen wurden von Truppen während militärischer Unternehmungen errichtet und meist nur kurz genutzt. Das Römerlager im Harz wird nach bisherigem Forschungsstand in das frühe 3. Jahrhundert nach Christus datiert – eine Zeit, in der römische Armeen mehrfach weit in das sogenannte freie Germanien vordrangen.
Bei einer rund dreiwöchigen Untersuchung im Sommer 2026 legten die Archäologen weitere Teile der Anlage frei. Besonders aufschlussreich waren die Reste von zwei Feldbacköfen. Solche Öfen dienten der Versorgung marschierender Einheiten und passen in ihrer Bauweise zu römischen Militärlagern.
Im Boden waren noch Strukturen aus gebranntem Lehm erhalten. Auch Bereiche der Ofenkammern, der Brennstellen und der Arbeitszonen ließen sich unterscheiden. Aus den Brenngruben entnahmen die Forscher Holzkohle. Die Proben sollen mit Hilfe von Radiokohlenstoffanalysen genauer datiert werden.
Damit könnte sich der zeitliche Rahmen des römischen Militärlagers im Harz künftig enger fassen lassen. Bislang sprechen die bekannten Funde und Datierungen für eine Nutzung zu Beginn des 3. Jahrhunderts nach Christus. Ein genaues Jahr lässt sich daraus aber noch nicht ableiten.
Auch die Befestigung des Lagers ist archäologisch nachweisbar. Römische Marschlager wurden typischerweise durch Gräben gesichert, häufig durch sogenannte Spitzgräben mit schräg nach unten zulaufenden Seiten.
In Deersheim war dieser Graben ursprünglich etwa 1,5 bis 1,7 Meter breit und ungefähr einen Meter tief in den kalkhaltigen Untergrund eingeschnitten. Bei den jüngsten Grabungen untersuchten die Archäologen einen Abschnitt, der noch etwa 1,10 Meter breit und einen Meter tief erhalten war.
Die Dimensionen zeigen, dass es sich nicht um einen kleinen provisorischen Rastplatz handelte. Nach bisherigen Rekonstruktionen erstreckte sich der Lagergraben über rund 1,5 bis zwei Kilometer.
Bei Deersheim im Landkreis Harz ist ein römisches Marschlager aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus archäologisch nachgewiesen. Neue Grabungen im Sommer 2026 lieferten weitere Befunde, während die Zuordnung zu einem konkreten römischen Feldzug offen bleibt.
Das römische Militärlager bei Deersheim umfasste nach derzeitiger Einschätzung etwa 20 Hektar. Auf dieser Fläche konnten Tausende Soldaten untergebracht werden. Hinzu kamen Menschen, die eine römische Armee auf ihren Feldzügen begleiteten und für Versorgung, Transport und weitere Aufgaben benötigt wurden.
Wie viele Personen sich tatsächlich in Deersheim aufhielten, lässt sich bislang nicht bestimmen. Auch die Dauer des Aufenthalts kann nur eingegrenzt werden. Die Archäologen gehen davon aus, dass das Lager lediglich kurz genutzt wurde – möglicherweise nur einen Tag, einige Tage oder höchstens etwa eine Woche.
Das erklärt auch, warum trotz der Größe vergleichsweise wenige Gegenstände im Boden zurückblieben. Ein Marschlager war kein dauerhaft errichteter Militärstützpunkt. Die Truppen kamen, sicherten den Platz, versorgten sich – und zogen weiter.
Zu den bislang bekannten Funden gehören Eisennägel, das Fragment einer sogenannten Elbefibel und römische Keramik. Besonders aussagekräftig sind Stücke von Terra Sigillata, einer hochwertigen, rot gebrannten Feinkeramik, die im Römischen Reich weit verbreitet war.
Die wichtigsten Befunde des Römerlagers im Harz lassen sich inzwischen klar benennen:
Entdeckt wurde das römische Militärlager nicht erst bei den jüngsten Grabungen. Die entscheidende Spur stammt aus dem Jahr 2024. Auf digitalen Orthofotos erkannte Martin Freudenreich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt auffällige Linien im Gelände: geradlinige Grabenverläufe und abgerundete Ecken, wie sie für römische Marschlager typisch sind.
Geophysikalische Messungen erhärteten anschließend den Verdacht. Im Untergrund ließ sich die Anlage in größerem Zusammenhang erfassen. Erst die archäologischen Untersuchungen lieferten dann jene materiellen Befunde, die aus einer auffälligen Struktur einen belastbaren römischen Fundplatz machten.
Die Grabungen des Sommers 2026 markieren deshalb keine völlig neue Entdeckung. Sie liefern vielmehr zusätzliche Belege dafür, wie das Lager aufgebaut war und wie die Menschen dort versorgt wurden.
Das Römerlager im Harz steht nicht allein. Auch bei Aken und Trabitz in Sachsen-Anhalt wurden römische Marschlager nachgewiesen. Nach Angaben des Landesamtes gelten diese Fundplätze bislang als die nordöstlichsten bekannten römischen Lager im freien Germanien.
Die Anlagen bei Aken und Trabitz waren mit jeweils mehr als 60 Hektar sogar deutlich größer als Deersheim. Gemeinsam erweitern die Fundplätze das archäologische Bild römischer Militärbewegungen im heutigen Mitteldeutschland und im Umfeld des Harzes.
Historische Überlieferungen berichten seit Langem von Feldzügen römischer Kaiser und Armeen weit jenseits der dauerhaft kontrollierten Gebiete. Archäologische Spuren solcher Unternehmungen sind jedoch nicht an jedem Ort erhalten oder eindeutig zu identifizieren. Gerade deshalb haben Marschlager einen besonderen Wert: Sie können zeigen, wo sich Truppen tatsächlich aufgehalten haben.
Genau an diesem Punkt beginnt die offene Forschungsfrage. Bislang ist nicht geklärt, welche Legion oder welche militärische Einheit das Lager bei Deersheim nutzte. Ebenso wenig lässt sich der Fundplatz sicher einem bestimmten Feldzug zuordnen.
Das Landesamt hält einen Zusammenhang mit römischen Vorstößen des frühen 3. Jahrhunderts für möglich. In diesem Zusammenhang wird auch der Feldzug Kaiser Caracallas im Jahr 213 nach Christus diskutiert. Für Deersheim selbst fehlt bislang jedoch ein eindeutiger Beleg, der diese Verbindung bestätigen würde.
Auch ein direkter Zusammenhang mit dem bekannten Fundplatz am Harzhorn ist nicht nachgewiesen. Dort werden Kampfhandlungen mit einem späteren römischen Feldzug unter Kaiser Maximinus Thrax in den Jahren 235 und 236 nach Christus in Verbindung gebracht.
Dass römische Truppen bei Deersheim im Landkreis Harz lagerten, gilt inzwischen als gut belegt. Deutlich schwieriger ist die Frage nach dem historischen Kontext. Wann genau wurde das Lager angelegt? Welche Einheit zog durch das heutige Sachsen-Anhalt? Und welchem militärischen Unternehmen gehörte sie an?
Antworten könnten vor allem die noch ausstehenden Datierungen der Holzkohle aus den Feldbacköfen liefern. Je genauer sich die Nutzungszeit bestimmen lässt, desto enger wird auch der Kreis möglicher historischer Ereignisse.
Schon jetzt gehört das römische Militärlager im Harz zu jenen Funden, die den Blick auf die römische Präsenz östlich der bekannten Grenzräume erweitern. Deersheim zeigt dabei vor allem eines: Nicht jede Spur eines Feldzuges hinterlässt Mauern oder dauerhafte Befestigungen. Manchmal reichen ein Graben, zwei Backöfen und wenige Fundstücke, um nach fast zwei Jahrtausenden die Route einer Armee im Harzraum wieder sichtbar zu machen.
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