Besitzer privater Brunnen im Landkreis Harz haben ihr Wasser auf Nitrat, Säure- und Salzgehalt untersuchen lassen. Frühere Proben aus Orten wie Wernigerode, Blankenburg, Quedlinburg und Halberstadt zeigen teils deutlich erhöhte Werte und Belastungen mit Keimen. Für das öffentliche Trinkwasser im Harz ergeben sich daraus jedoch keine Hinweise auf eine allgemeine Gesundheitsgefahr.
Osterwieck, 30. Juli 2026. Wasser aus dem eigenen Brunnen wirkt oft unproblematisch: Es ist klar, geruchlos und steht direkt auf dem Grundstück zur Verfügung. Doch ob es tatsächlich zum Gießen, für ein Planschbecken oder sogar für den Gebrauch im Haushalt geeignet ist, lässt sich ohne Untersuchung nicht zuverlässig beurteilen.
In Osterwieck konnten Besitzer privater Haus- und Gartenbrunnen deshalb am 27. Juli Wasserproben bei einem mobilen Untersuchungsteam abgeben. Das Labormobil des gemeinnützigen Vereins VSR-Gewässerschutz stand für zwei Stunden auf dem Stephanikirchhof. Auch die Stadt Osterwieck hatte auf den Termin aufmerksam gemacht.
Für zwölf Euro bot der Verein eine Grunduntersuchung auf Nitrat sowie den Säure- und Salzgehalt an. Gegen zusätzliche Gebühren waren weitere Analysen möglich, etwa auf Bakterien oder Eisen. Wie viele Menschen das Angebot nutzten, ist bislang nicht veröffentlicht. Auch zusammengefasste Ergebnisse der in Osterwieck abgegebenen Proben liegen noch nicht vor.
Der Termin allein lässt daher noch keine Aussage über die aktuelle Wasserqualität in Osterwieck oder im gesamten Landkreis Harz zu. Frühere Untersuchungen privater Brunnen zeigen allerdings, warum solche Kontrollen sinnvoll sein können.
Brunnenwasser im Harz teils deutlich mit Nitrat belastet
Nach Angaben des VSR-Gewässerschutzes wurden in den vergangenen Jahren insgesamt 299 Brunnenbesitzer aus dem Landkreis Harz in die Untersuchungen einbezogen. Die Proben stammten unter anderem aus Halberstadt, Wernigerode, Blankenburg, Osterwieck, Thale und Quedlinburg.
In der Auswertung der zwischen 2019 und 2024 untersuchten Proben überschritten 39 Prozent einen Nitratwert von 50 Milligramm je Liter. Bei 13,6 Prozent lag der gemessene Wert demnach sogar über 100 Milligramm je Liter.
Auch mikrobiologische Belastungen wurden festgestellt. In den zwischen 2021 und 2025 untersuchten Proben fand der Verein bei 30,6 Prozent coliforme Keime. In 2,8 Prozent der Proben wurden E.-coli-Bakterien nachgewiesen.
Die Zahlen sind auffällig. Sie erlauben aber keine pauschale Aussage über sämtliche privaten Brunnen im Harz. Die Wasserproben wurden freiwillig abgegeben und stammen nicht aus einer repräsentativen Zufallsstichprobe. Eigentümer, die bereits Zweifel an ihrer Wasserqualität haben, könnten bei solchen Angeboten häufiger vertreten sein als andere Brunnenbesitzer.
Hinzu kommt: Die Gesamtzahl der Haus- und Gartenbrunnen im Landkreis Harz ist öffentlich nicht bekannt. Ohne diese Bezugsgröße lässt sich aus den 299 untersuchten Proben keine belastbare Belastungsquote für die gesamte Region berechnen.
Warum klares Brunnenwasser trotzdem belastet sein kann
Brunnenwasser kann äußerlich einwandfrei wirken und dennoch Stoffe oder Keime enthalten, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Nitrat gelangt über Einträge in den Boden und anschließend in das Grundwasser. Bakterien können unter anderem durch eindringendes Oberflächenwasser, bauliche Schwachstellen am Brunnen oder Verunreinigungen in dessen Umgebung auftreten.
Ob ein Messwert gesundheitlich relevant ist, hängt von mehreren Faktoren ab: von der Konzentration, der Dauer der Nutzung und davon, wofür das Wasser verwendet wird. Zwischen der Bewässerung eines Rasens, dem Befüllen eines Kinderbeckens und der Nutzung als Trinkwasser bestehen erhebliche Unterschiede.
Ein auffälliger Befund bedeutet deshalb nicht automatisch, dass bereits eine konkrete Gesundheitsschädigung eingetreten ist. Er zeigt jedoch, dass die Wasserqualität näher geprüft und die Nutzung gegebenenfalls eingeschränkt werden sollte.
Nitrat und Keime sind für Brunnenbesitzer besonders relevant
Nitrat gehört zu den Parametern, die bei der Untersuchung von Brunnenwasser regelmäßig eine Rolle spielen. Hohe Werte können ein Hinweis darauf sein, dass Stoffe aus der Umgebung in das Grundwasser gelangt sind. Für die Beurteilung ist entscheidend, ob das Wasser ausschließlich im Garten genutzt oder auch als Trinkwasser verwendet wird.
Bei coliformen Keimen und E.-coli-Bakterien geht es um die hygienische Qualität. Solche Funde können darauf hindeuten, dass das Wasser mikrobiologisch verunreinigt ist. Gerade bei einer Verwendung im Haushalt oder in Bereichen, in denen Menschen unmittelbar mit dem Wasser in Kontakt kommen, ist eine fachliche Bewertung nötig.
Eine einzelne Untersuchung bietet dabei zunächst eine Orientierung. Auffällige Ergebnisse können weitere, gezieltere Analysen erforderlich machen.
Keine Hinweise auf belastetes Leitungswasser im Harz
Die bisherigen Untersuchungsergebnisse betreffen ausschließlich Wasser aus privaten Brunnen. Sie sagen nichts über die Qualität des öffentlichen Trinkwassers im Harz aus. Diese Unterscheidung ist zentral, weil beide Versorgungssysteme unterschiedlich überwacht werden.
Öffentliches Trinkwasser wird regelmäßig kontrolliert und unterliegt klaren gesetzlichen Vorgaben. Das Umweltbundesamt bewertet die Qualität des Leitungswassers in Deutschland grundsätzlich als gut bis sehr gut. Nach dessen Angaben werden mehr als 99 Prozent der vorgegebenen Parameter eingehalten.
Auch das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt weist darauf hin, dass Probleme eher bei privaten Hausbrunnen, mobilen Wasserversorgungen oder innerhalb von Gebäudeinstallationen auftreten können als in der zentralen Wasserversorgung.
Aus den beim VSR-Gewässerschutz eingereichten Brunnenproben lässt sich daher keine Warnung vor dem Leitungswasser in Osterwieck, Wernigerode, Halberstadt oder anderen Orten im Harz ableiten.
Brunnenwasser, Leitungswasser und Mineralwasser getrennt betrachten
In öffentlichen Debatten werden verschiedene Wasserarten häufig miteinander vermischt. Brunnenwasser vom eigenen Grundstück, Trinkwasser aus dem öffentlichen Netz und abgefülltes Mineralwasser stammen jedoch aus unterschiedlichen Quellen und werden nach unterschiedlichen Verfahren kontrolliert.
Die Untersuchungen in Osterwieck beziehen sich ausschließlich auf private Brunnen. Wer im Landkreis Harz an das öffentliche Wassernetz angeschlossen ist, erhält dadurch keinen Hinweis darauf, dass sein Leitungswasser belastet sein könnte.
Für Hausbrunnen im Landkreis Harz gelten besondere Pflichten
Wird Wasser aus einem eigenen Brunnen lediglich zur Gartenbewässerung verwendet, gelten andere Anforderungen als bei einer Nutzung als Trinkwasser. Sobald Menschen das Wasser trinken, damit kochen oder Lebensmittel zubereiten, greifen strengere Vorgaben.
Nach Angaben des Landkreises Harz müssen Hausbrunnen, die der Trinkwasserversorgung dienen, beim zuständigen Gesundheitsamt angezeigt werden. Betreiber solcher Anlagen unterliegen außerdem Untersuchungs- und Überwachungspflichten nach der Trinkwasserverordnung.
Eine Untersuchung bei einem mobilen Labor kann für Brunnenbesitzer ein sinnvoller erster Schritt sein. Ob sie zugleich eine gesetzlich vorgeschriebene Trinkwasseruntersuchung ersetzt, hängt von der Art der Analyse, den angewandten Verfahren und der Anerkennung des jeweiligen Labors ab.
Diese Einzelheiten lassen sich aus den veröffentlichten Informationen zum Osterwiecker Termin nicht abschließend klären. Wer einen Hausbrunnen zur Trinkwasserversorgung nutzt und einen auffälligen Messwert erhält, sollte deshalb mit dem Gesundheitsamt oder einem entsprechend anerkannten Fachlabor abstimmen, welche weiteren Untersuchungen nötig sind.
Was die bisherigen Ergebnisse aussagen – und was nicht
Die früheren Untersuchungen zeigen, dass private Brunnen im Landkreis Harz vereinzelt und zum Teil deutlich belastet sein können. Sie belegen einen konkreten Kontrollbedarf bei einzelnen Anlagen. Sie belegen jedoch weder eine flächendeckende Verunreinigung des Grundwassers noch eine allgemeine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung.
Für eine umfassende Bewertung fehlen mehrere Angaben. Unbekannt ist, wie viele private Brunnen im Landkreis existieren, wie sie genutzt werden und nach welchen Kriterien die Eigentümer ihre Proben abgaben. Ebenso offen ist, wie viele Wasserproben beim Termin in Osterwieck untersucht wurden und welche Ergebnisse diese aktuellen Analysen erbrachten.
Auch der Verwendungszweck ist entscheidend. Ein auffälliger Nitratwert in einem Brunnen, der ausschließlich zum Bewässern von Zierpflanzen genutzt wird, ist anders zu bewerten als derselbe Wert in einer Anlage, aus der Trinkwasser entnommen wird.
Aktuelle Proben könnten das Bild für den Harz präzisieren
Erst die Auswertung der in Osterwieck abgegebenen Wasserproben wird zeigen, ob sich die Befunde früherer Jahre bestätigen. Dafür wären neben den reinen Messwerten auch Angaben zur Zahl der Proben und zur jeweiligen Nutzung des Brunnenwassers wichtig.
Für Brunnenbesitzer im Harz bleibt die Kernbotschaft dennoch klar: Sicht, Geruch und Geschmack reichen nicht aus, um die Wasserqualität zuverlässig einzuschätzen. Wer Brunnenwasser regelmäßig verwendet, sollte seine Anlage kontrollieren und die Qualität in geeigneten Abständen untersuchen lassen.
Eine pauschale Warnung vor Wasser aus dem Harz wäre dagegen nicht gerechtfertigt. Die bisher bekannten Werte betreffen freiwillig abgegebene Proben aus privaten Brunnen. Für das öffentliche Trinkwassernetz in der Harzregion liefern sie keinen Anlass zu einer allgemeinen Gesundheitswarnung.


















