Die Ernte 2026 fällt für viele Landwirte in Sachsen-Anhalt deutlich schwächer aus als im Vorjahr. Besonders beim Winterraps zeigt die vorläufige Bilanz des Bauernverbandes einen starken Rückgang: Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 23,5 Dezitonnen je Hektar und damit fast ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Für den Harz und das Harzvorland liefern die Landeswerte eine wichtige Einordnung, konkrete lokale Ertragszahlen liegen in der bisherigen Bilanz jedoch nicht vor.
Magdeburg, 16. August 2026. Die Ernte 2026 in Sachsen-Anhalt ist von deutlichen Gegensätzen geprägt. Während einzelne Kulturen trotz schwieriger Witterung vergleichsweise stabile Ergebnisse liefern, fällt die Bilanz beim Winterraps auffallend schwach aus. Nach einer vorläufigen Erhebung des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt unter mehr als 140 landwirtschaftlichen Betrieben wurden im Durchschnitt 23,5 Dezitonnen je Hektar geerntet.
Im Vorjahr hatte der Verband noch rund 34 Dezitonnen je Hektar ermittelt. Damit liegt der aktuelle Wert rechnerisch knapp 31 Prozent niedriger. Für die Ernte 2026 in Sachsen-Anhalt ist der Raps damit bislang die Kultur mit dem deutlichsten Rückgang unter den ausgewerteten Beständen.
Auch der Vergleich mit früheren schwierigen Jahren fällt bemerkenswert aus. Im trockenen Jahr 2018 wurden nach den Vergleichsdaten des Bauernverbandes 27,8 Dezitonnen je Hektar erreicht. Der bislang gemeldete Wert für 2026 liegt noch darunter.
Winterraps leidet unter Trockenheit und Schädlingsdruck
Die Ursachen sind nach Angaben des Bauernverbandes nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen. Trockenheit und hohe Temperaturen haben die Bestände belastet. Beim Winterraps kam zusätzlicher Schädlingsdruck hinzu, der bereits seit der Aussaat im Herbst 2025 eine Rolle spielte.
Probleme mit Schädlingen waren im Land schon vor der aktuellen Saison bekannt. Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt hatte bereits im Zusammenhang mit der Ernte 2025 auf Befall durch Rapserdflöhe hingewiesen, vor allem im Süden des Landes. Für die Ernte 2026 kommen diese Belastungen nun mit ungünstigen Witterungsbedingungen zusammen.
Dass der Rapsertrag so deutlich zurückgeht, liegt nicht an einer kleineren Anbaufläche. Im Gegenteil: Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt wurde Winterraps 2026 auf rund 126.600 Hektar angebaut. Das entspricht einem Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Fläche ist damit gewachsen, der Ertrag je Hektar aber stark gesunken. Für die Betriebe ist genau dieser Unterschied entscheidend: Mehr Anbaufläche kann geringere Hektarerträge nur begrenzt ausgleichen.
Die wichtigsten bisherigen Ertragswerte
| Kultur | Ertrag 2026 | Einordnung |
|---|---|---|
| Winterraps | 23,5 dt/ha | knapp 31 Prozent unter dem Verbandswert von 2025 |
| Winterweizen | 69,8 dt/ha | rund sieben dt/ha weniger als 2025 |
| Wintergerste | 76,7 dt/ha | vergleichsweise stabil |
Die Werte für 2026 stammen aus der vorläufigen Erhebung des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt. Sie sind noch keine abschließenden amtlichen Landesergebnisse.
Das Wichtigste in Kürze
Die vorläufige Erntebilanz 2026 zeigt in Sachsen-Anhalt beim Winterraps einen Rückgang auf 23,5 Dezitonnen je Hektar. Für den Harz und das Harzvorland liegen bislang keine gesonderten Ertragswerte vor.
- Was ist passiert?
- Nach einer vorläufigen Erhebung des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt unter mehr als 140 landwirtschaftlichen Betrieben wurden im Durchschnitt 23,5 Dezitonnen je Hektar geerntet.
- Was bedeutet das?
- Damit liegt der aktuelle Wert rechnerisch knapp 31 Prozent niedriger.
- Was ist bestätigt?
- Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt wurde Winterraps 2026 auf rund 126.600 Hektar angebaut.
- Wo?
- Für den Harz, den Landkreis Harz und das angrenzende Harzvorland enthält die bisherige Erhebung keine gesonderten Ertragswerte.
- Was ist noch offen?
- Eine konkrete Erntebilanz für den Landkreis Harz lässt sich aus den bislang veröffentlichten Zahlen nicht ableiten.
Was die Erntebilanz für Harz und Harzvorland zeigt
Für den Harz, den Landkreis Harz und das angrenzende Harzvorland enthält die bisherige Erhebung keine gesonderten Ertragswerte. Die Landeszahlen lassen deshalb keine belastbare Aussage darüber zu, wie stark einzelne Betriebe rund um Halberstadt, Quedlinburg, Blankenburg oder Wernigerode vom Rückgang beim Winterraps betroffen sind.
Fest steht jedoch, dass die Saison innerhalb Sachsen-Anhalts sehr unterschiedlich verlaufen ist. Wie der MDR unter Berufung auf den Bauernverband berichtete, waren Niederschlag und Bodenfeuchte regional teils sehr ungleich verteilt. Vor allem südliche und östliche Landesteile waren stärker von Trockenheit und Hitze betroffen, während andere Regionen günstigere Bedingungen hatten.
Für die Harzregion bedeutet das vor allem: Die landesweite Zwischenbilanz liefert einen Rahmen, ersetzt aber keine lokale Auswertung. Eine konkrete Erntebilanz für den Landkreis Harz lässt sich aus den bislang veröffentlichten Zahlen nicht ableiten.
Auch Winterweizen bleibt hinter dem Vorjahr zurück
Nicht nur der Raps fällt in der Ernte 2026 in Sachsen-Anhalt schwächer aus. Beim Winterweizen ermittelte der Bauernverband im Durchschnitt 69,8 Dezitonnen je Hektar. Das sind rund sieben Dezitonnen weniger als im Vorjahr und damit ein Rückgang von etwa neun Prozent.
Deutlich robuster zeigt sich dagegen die Wintergerste. Mit 76,7 Dezitonnen je Hektar liegt ihr bisheriger Ertrag auf einem vergleichsweise stabilen Niveau. Der frühere Erntezeitpunkt dürfte dabei eine Rolle gespielt haben: Die Bestände konnten Niederschläge aus der ersten Jahreshälfte noch besser nutzen, bevor Trockenheit und hohe Temperaturen stärker auf die Felder durchschlugen.
Die Ernte 2026 ist noch nicht abgeschlossen
Trotz der klaren Rückgänge bei Winterraps und Winterweizen wäre es verfrüht, bereits von einer insgesamt schlechten Ernte 2026 in Sachsen-Anhalt zu sprechen. Mehrere wichtige Kulturen sind noch nicht abschließend ausgewertet oder werden später geerntet.
- Mais,
- Kartoffeln,
- Zuckerrüben,
- Sonnenblumen.
Auch dort haben Trockenheit und hohe Temperaturen die Bestände belastet. Wie groß die tatsächlichen Ertragseinbußen ausfallen, lässt sich bislang jedoch nicht belastbar beziffern. Erst mit den späteren Ergebnissen wird deutlicher, wie die gesamte Saison einzuordnen ist.
Sonnenblumen gewinnen als Alternative an Bedeutung
Eine Entwicklung fällt unabhängig von den noch offenen Erntezahlen auf: Sonnenblumen haben in Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren deutlich an Fläche gewonnen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt stieg die Anbaufläche von rund 4.700 Hektar im Jahr 2020 auf 16.900 Hektar im Jahr 2025.
Der Bauernverband sieht in Sonnenblumen unter anderem wegen ihrer höheren Trockenheitsverträglichkeit und des geringeren Pflanzenschutzaufwands eine mögliche Alternative. Ob der schwache Rapsertrag 2026 diesen Trend weiter verstärkt, ist bislang offen.
Schwächere Erträge treffen auf höheren Kostendruck
Für viele Betriebe verschärft sich die Lage dadurch, dass die niedrigeren Erträge nicht isoliert auftreten. Nach Angaben des Bauernverbandes sind die Produktionskosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gleichzeitig seien die Erzeugerpreise insbesondere für Weizen und Raps vergleichsweise niedrig.
Der Verband beziffert den Anstieg der Produktionskosten auf rund 30 Prozent. Dabei handelt es sich um eine Verbandsangabe, nicht um eine amtliche Statistik. Für die wirtschaftliche Lage der Betriebe ist der Zusammenhang dennoch relevant: Sinkt die Erntemenge je Hektar, verteilen sich fixe und variable Kosten auf weniger erzeugte Ware.
Harzregion wartet auf die vollständige Erntebilanz
Die vorläufige Bilanz liefert bereits ein klares Bild für die früh geernteten Kulturen. Beim Winterraps ist der Rückgang erheblich, beim Winterweizen fällt er moderater aus. Die Wintergerste hebt sich mit vergleichsweise stabilen Erträgen davon ab.
Wie stark die Ernte 2026 Sachsen-Anhalts Landwirtschaft insgesamt trifft und wie sich die Saison im Harz und Harzvorland konkret entwickelt hat, wird sich jedoch erst später beurteilen lassen. Dafür fehlen noch die Ergebnisse der späteren Kulturen, die endgültigen amtlichen Landeszahlen und eine belastbare regionale Aufschlüsselung.
Fest steht bislang nur: Der Winterraps gehört in diesem Jahr zu den deutlichen Verlierern der Saison. Für den Harz bleibt offen, wie stark sich dieser landesweite Rückgang vor Ort tatsächlich niederschlägt.


















