In Sachsen-Anhalt wenden sich mehr Menschen wegen Diskriminierung an Beratungsstellen als im Vorjahreszeitraum. Besonders häufig werden inzwischen Vorfälle aus dem Arbeitsumfeld und aus Schulen gemeldet. Die landesweite Entwicklung ist auch für den Harz relevant, zugleich erlauben die verfügbaren Zahlen keine Aussage darüber, wie stark Diskriminierung in einzelnen Regionen tatsächlich zugenommen hat.

Magdeburg, 20. August 2026. Die Zahl der registrierten Diskriminierungsfälle steigt in Sachsen-Anhalt weiter. Nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle Sachsen-Anhalt wurden dort im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 87 Fälle erfasst. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 74. Das entspricht einem Plus von 13 Fällen und damit einem Anstieg von knapp 18 Prozent.

Auch andere Beratungsstellen im Land melden eine hohe Nachfrage. Die auf rassistische Diskriminierung spezialisierte Beratungsstelle ENTKNOTEN registrierte von Januar bis Juni 67 Beratungsfälle. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es dort 81 Fälle gewesen.

Wie der MDR berichtet, treten nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle zunehmend Fälle aus zwei Bereichen hervor: Arbeitsplatz und Schule. Eine eigene Halbjahresstatistik, die ausweist, wie viele der aktuellen Fälle genau auf diese beiden Lebensbereiche entfallen, liegt öffentlich allerdings nicht vor. Eine konkrete Steigerungsrate allein für Arbeitswelt oder Schulen lässt sich deshalb nicht seriös beziffern.

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Diskriminierung in Sachsen-Anhalt: Auch für den Harz ein landesweites Thema

Die Beratungszahlen beziehen sich auf Sachsen-Anhalt insgesamt und bilden damit auch den politischen und gesellschaftlichen Rahmen ab, in dem Menschen im Landkreis Harz, in Wernigerode, Quedlinburg, Halberstadt und anderen Orten der Region leben. Aus den veröffentlichten Daten lassen sich jedoch keine gesonderten lokalen Fallzahlen für den Harz ableiten.

Dass Arbeit und Bildung schon länger zu den zentralen Beratungsfeldern gehören, zeigt der Jahresbericht der Antidiskriminierungsberatungsstellen für 2025. Damals wurden landesweit 322 Diskriminierungsvorfälle dokumentiert. Ein Jahr zuvor waren es 269 gewesen. Drei der vier beteiligten Stellen verzeichneten steigende Zahlen.

Allein bei der zentralen Antidiskriminierungsstelle Sachsen-Anhalt gingen 2025 insgesamt 168 Fallmeldungen ein. Das waren 35 mehr als im Vorjahr. 14 dieser Meldungen wurden nach fachlicher Prüfung nicht als Diskriminierungsfall eingestuft.

Besonders häufig betrafen die gemeldeten Vorfälle Arbeit, Ämter und Behörden sowie den Bildungsbereich. Auf Arbeit entfielen 18 Prozent der Nennungen, ebenso viele auf Behörden. Bildung lag bei 15 Prozent. Da Mehrfachnennungen möglich waren, lassen sich diese Werte nicht einfach zu einem Gesamtanteil addieren.

Innerhalb des Bildungsbereichs stammten die meisten Meldungen aus Schulen. Für 2025 nennt der Jahresbericht 20 entsprechende Fälle. Damit zeigt sich, dass Diskriminierung in Schulen nicht erst in der aktuellen Halbjahresbilanz eine Rolle spielt, sondern bereits im Vorjahr ein deutliches Beratungsfeld war.

Rassistische Diskriminierung besonders häufig gemeldet

Auch bei den Diskriminierungsmerkmalen zeichnet sich ein klares Bild. 2025 entfielen 47 Meldungen bei der zentralen Antidiskriminierungsstelle auf rassistische Diskriminierung oder rassistische Zuschreibungen. Hinzu kamen 42 Fälle von intersektionaler beziehungsweise mehrfacher Diskriminierung sowie 25 Meldungen im Zusammenhang mit Behinderung oder Ableismus.

Die verschiedenen Beratungsangebote arbeiten allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. ENTKNOTEN konzentriert sich vor allem auf rassistische Diskriminierung, andere Fachstellen beraten beispielsweise zu antisemitischen Vorfällen oder zu Benachteiligungen aufgrund verschiedener persönlicher Merkmale. Die Fallzahlen sind deshalb nur eingeschränkt direkt vergleichbar.

Der gemeinsame Jahresbericht für 2025 nennt unter anderem folgende Größen:

  • 322 dokumentierte Diskriminierungsvorfälle bei vier Beratungsstellen insgesamt,
  • 168 Fallmeldungen bei der zentralen Antidiskriminierungsstelle Sachsen-Anhalt,
  • 81 Fälle bei ENTKNOTEN,
  • 56 Fälle bei der damaligen Antidiskriminierungsberatung Anhalt,
  • 31 Ratsuchende bei OFEK Sachsen-Anhalt nach antisemitischer Diskriminierung.

Das Wichtigste in Kürze

Beratungsstellen in Sachsen-Anhalt registrieren im ersten Halbjahr 2026 mehr Diskriminierungsfälle als im Vorjahreszeitraum. Arbeitsplatz und Schule werden zunehmend als betroffene Lebensbereiche genannt, belastbare separate Fallzahlen für diese Bereiche liegen jedoch nicht vor.

Was ist passiert?
Die Zahl der registrierten Diskriminierungsfälle steigt in Sachsen-Anhalt weiter.
Wann?
Nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle Sachsen-Anhalt wurden dort im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 87 Fälle erfasst.
Was ist bestätigt?
Die auf rassistische Diskriminierung spezialisierte Beratungsstelle ENTKNOTEN registrierte von Januar bis Juni 67 Beratungsfälle.
Was bedeutet das?
Belastbar ist daher zunächst die Aussage, dass mehr Fälle registriert und beraten werden.

Stand: · Quellen

Mehr Meldungen bedeuten nicht automatisch mehr tatsächliche Fälle

So eindeutig der Anstieg der Beratungszahlen ist, so wichtig ist ihre Einordnung. Die Statistiken der Beratungsstellen sind keine Vollerhebung für Sachsen-Anhalt. Erfasst wird, was Betroffene oder Dritte melden und was anschließend in den Beratungsstellen bearbeitet wird.

Viele Vorfälle tauchen in keiner Statistik auf. Die Fachstellen gehen deshalb von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Gründe können fehlende Kenntnisse über Hilfsangebote sein, aber auch die Sorge vor Konsequenzen, Abhängigkeiten am Arbeitsplatz oder Unsicherheit darüber, ob ein Vorfall überhaupt als Diskriminierung einzuordnen ist.

Umgekehrt lässt sich aus steigenden Beratungszahlen nicht automatisch ableiten, dass Diskriminierung im Land im selben Umfang zugenommen hat. Eine höhere Bekanntheit der Beratungsstellen, niedrigere Zugangshürden oder eine größere Sensibilität für Diskriminierung können ebenfalls dazu beitragen, dass mehr Menschen Unterstützung suchen.

Belastbar ist daher zunächst die Aussage, dass mehr Fälle registriert und beraten werden. Eine exakte Aussage darüber, wie sich Diskriminierung in der Gesamtbevölkerung entwickelt hat, geben die Daten nicht her.

Beratungsstruktur in Sachsen-Anhalt verändert sich

Während die Fallzahlen steigen, hat sich zugleich das Beratungsnetz in Sachsen-Anhalt verändert. Die Antidiskriminierungsberatung Anhalt stellte ihre Arbeit Ende Januar 2026 ein, nachdem das Bundesprogramm „respekt*land“ ausgelaufen war. Der Jahresbericht weist darauf hin, dass Beratungsangebote dadurch vor allem im ländlichen Raum schwerer erreichbar sein könnten.

Für die verbleibenden Stellen kann das zusätzliche Belastungen bedeuten. Gerade weil nicht alle Betroffenen von sich aus Hilfe suchen, spielt die regionale Erreichbarkeit eine wichtige Rolle. Das betrifft auch ländlich geprägte Teile Sachsen-Anhalts und damit den regionalen Kontext des Harzes.

Hinzu kommen unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen. Im Arbeitsleben schützt unter anderem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vor Benachteiligungen. Für Schulen gilt diese Systematik nicht in gleicher Weise. Der Bildungsbereich fällt weitgehend in die Zuständigkeit der Länder, wodurch sich auch die rechtlichen Möglichkeiten unterscheiden.

Arbeitsplatz und Schule bleiben sensible Bereiche

Die aktuelle Entwicklung fügt sich damit in ein Bild ein, das bereits die Zahlen des vergangenen Jahres gezeigt haben: Diskriminierung wird in Sachsen-Anhalt in unterschiedlichen Lebensbereichen gemeldet, besonders sichtbar sind Arbeit, Behörden und Bildung.

Die bisher veröffentlichten Zahlen für 2026 erlauben dennoch nur eine vorsichtige Bewertung. Zwar steigen die Gesamtzahlen der Beratungsfälle, doch für Diskriminierung am Arbeitsplatz und in Schulen liegen bislang keine detaillierten Halbjahresvergleiche vor. Ob sich der Trend dort im weiteren Jahresverlauf fortsetzt, wird sich erst mit einer umfassenderen Auswertung zeigen.

Was die Zahlen für Sachsen-Anhalt und den Harz zeigen

Fest steht: In Sachsen-Anhalt erreichen die Beratungsstellen derzeit mehr Diskriminierungsfälle als im Vorjahreszeitraum. Die Antidiskriminierungsstelle registrierte im ersten Halbjahr 2026 knapp 18 Prozent mehr Fälle als ein Jahr zuvor, ENTKNOTEN verzeichnete bereits nach sechs Monaten einen großen Teil des gesamten Vorjahresaufkommens.

Arbeitsplatz und Schule gehören nach Angaben der Fachstellen zu den Bereichen, aus denen zunehmend Vorfälle gemeldet werden. Wie groß die tatsächliche Zunahme dort ist, lässt sich derzeit nicht beziffern. Für den Harz bleibt deshalb vor allem die landesweite Entwicklung maßgeblich: Der Beratungsbedarf in Sachsen-Anhalt ist hoch, während das tatsächliche Ausmaß von Diskriminierung weiterhin nur teilweise sichtbar wird.