Im Landkreis Harz treffen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September unterschiedliche politische Konzepte besonders sichtbar aufeinander. Pflege und Gesundheitsversorgung, Klimapolitik sowie Inklusion gehören zu den Themen, bei denen die Positionen der Parteien weit auseinanderliegen. In Wernigerode und Quedlinburg bekommt der Wahlkampf zusätzlich Gewicht, weil dort zwei landesweit bekannte Spitzenkandidaten direkt antreten.

Harz, 22. August 2026. Vier Wahlkreise, mehrere prominente Kandidaturen und politische Fragen, die den Alltag vieler Menschen unmittelbar berühren: Die Landtagswahl im Harz entwickelt sich zu einem wichtigen regionalen Schauplatz des Wahlkampfs in Sachsen-Anhalt. In Halberstadt, Blankenburg, Wernigerode und Quedlinburg geht es am 6. September um die Direktmandate für den neuen Landtag.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur klassische Parteithemen. Pflege, Gesundheitsversorgung, Klimawandel, Energiepolitik und Inklusion markieren Konfliktlinien, an denen sich die politischen Unterschiede besonders klar zeigen. Eine einzelne Kandidatenrunde im Harz, bei der genau diese Themen gemeinsam verhandelt wurden, ist zwar nicht belastbar dokumentiert. Die Gegensätze selbst lassen sich jedoch anhand von Wahlprogrammen, regionalen Schwerpunkten und öffentlichen Debatten deutlich erkennen.

Pflege wird zur Schlüsselfrage im Landtagswahlkampf

Kaum ein Thema ist für Sachsen-Anhalt so eng mit der demografischen Entwicklung verbunden wie die Pflege. Nach Angaben des RedaktionsNetzwerks Deutschland haben im Land mehr als 200.000 Menschen einen Pflegegrad. Rund 40.000 Beschäftigte arbeiten demnach in der Pflege. Damit geht es längst nicht nur um die Situation einzelner Einrichtungen, sondern um eine zentrale Frage der öffentlichen Daseinsvorsorge.

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Auch im Landkreis Harz ist der Druck spürbar. Personalengpässe, steigender Pflegebedarf und die Sicherung einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung beschäftigen Einrichtungen und Politik seit Jahren. Bereits vor dem aktuellen Landtagswahlkampf hatten Pflegekräfte und Vertreter von Einrichtungen im Harz das Gespräch mit politischen Kandidaten gesucht. Die Probleme sind damit nicht neu – im Wahljahr erhalten sie jedoch zusätzliche politische Bedeutung.

Im Wahlkreis Wernigerode nennt die SPD Gesundheitsversorgung und Fachkräfte in der Pflege ausdrücklich als regionale Schwerpunkte. Dort tritt Armin Willingmann an, der zugleich Spitzenkandidat seiner Partei in Sachsen-Anhalt ist. In Quedlinburg kandidiert für die Grünen Susan Sziborra-Seidlitz. Sie ist ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeitete früher im Harzklinikum in Quedlinburg.

Damit bekommt die Debatte über die Pflege im Harz eine besondere Nähe zur beruflichen Praxis. Gleichzeitig bleibt sie eine landespolitische Aufgabe: Es geht um Personal, Versorgungssicherheit, Arbeitsbedingungen und die Frage, wie ein Flächenland mit einer älter werdenden Bevölkerung seine Strukturen dauerhaft stabil halten kann.

Das Wichtigste in Kürze

Vor der Landtagswahl 2026 im Landkreis Harz zeigen sich deutliche politische Unterschiede bei Pflege, Klimapolitik und Inklusion. In vier Harzer Wahlkreisen werden am 6. September die Direktmandate für den neuen Landtag vergeben.

Wo?
Der Landkreis Harz ist bei der Landtagswahl 2026 in vier vollständige Wahlkreise gegliedert: Halberstadt, Blankenburg, Wernigerode und Quedlinburg.
Wer ist betroffen?
Nach Angaben des RedaktionsNetzwerks Deutschland haben im Land mehr als 200.000 Menschen einen Pflegegrad.
Was ist bestätigt?
Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen-Anhalt fordert vor der Wahl eine Stärkung von Teilhabe und Inklusion.

Stand: · Quellen

Klimapolitik hat im Harz eine unmittelbare regionale Dimension

Auch beim Klimawandel verlaufen die politischen Linien deutlich. Für den Harz ist das Thema keineswegs nur ein abstrakter Teil landesweiter Programmatik. Waldentwicklung, Energiepreise, Infrastruktur und wirtschaftliche Perspektiven stehen in einer Region, die in den vergangenen Jahren stark von klimatischen Veränderungen betroffen war, besonders eng nebeneinander.

In Wernigerode kandidiert mit Armin Willingmann der amtierende Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt. Seine regionale Kampagne verbindet Energiepolitik, wirtschaftliche Entwicklung und Klimaschutz mit konkreten Fragen zur Zukunft des Harzes.

Die Grünen stellen den Klimaschutz ebenfalls ins Zentrum ihres Programms und setzen auf eine Fortsetzung beziehungsweise Beschleunigung entsprechender Maßnahmen. Die AfD verfolgt dagegen einen deutlich anderen Kurs und fordert eine weitreichende Abkehr von der bisherigen Energie- und Klimapolitik.

Damit geht es bei der Landtagswahl im Harz nicht nur um die Frage, wie viel Klimaschutz politisch gewollt ist. Strittig ist vor allem, mit welchen Instrumenten Klimaanpassung, Energieversorgung und wirtschaftliche Interessen miteinander verbunden werden sollen. Gerade diese Verbindung macht das Thema für den Landkreis besonders relevant.

Inklusion zeigt die schärfsten politischen Gegensätze

Am deutlichsten werden die Unterschiede beim Thema Inklusion. Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen-Anhalt fordert vor der Wahl eine Stärkung von Teilhabe und Inklusion. Einrichtungen aus dem Landkreis Harz sind in diese Debatte unmittelbar eingebunden. Dazu gehört auch die Evangelische Stiftung Neinstedt.

Die AfD vertritt demgegenüber eine grundlegend andere Position. In ihrem Wahlprogramm kündigt sie an, die schulische Inklusion zu beenden und Förderschulen auszubauen. Andere Parteien halten dagegen an unterschiedlichen Formen des gemeinsamen Lernens fest oder wollen bestehende Strukturen weiterentwickeln.

Dass die Auseinandersetzung weit über Detailfragen hinausgeht, zeigte bereits ein landesweites Wahlforum des RedaktionsNetzwerks Deutschland Ende Juli in Magdeburg. Dort führte das Thema Inklusion zu einer besonders scharf geführten Debatte zwischen den Spitzenkandidaten. Für den Wahlkampf im Harz ist diese Konfliktlinie deshalb ebenfalls relevant, auch wenn die dokumentierte Veranstaltung nicht im Landkreis selbst stattfand.

Hinzu kommt eine rechtliche Ebene. Deutschland ist an die UN-Behindertenrechtskonvention gebunden. Wie deren Grundsätze im Schulalltag konkret umgesetzt werden, bleibt dennoch politisch umstritten. Genau an dieser Stelle treffen unterschiedliche Vorstellungen von Bildung, Förderung und gesellschaftlicher Teilhabe aufeinander.

Wernigerode und Quedlinburg rücken im Harz besonders in den Blick

Der Landkreis Harz ist bei der Landtagswahl 2026 in vier vollständige Wahlkreise gegliedert: Halberstadt, Blankenburg, Wernigerode und Quedlinburg. In allen vier Wahlkreisen treten Kandidaten verschiedener Parteien um die Direktmandate an.

Bei den Grünen kandidieren Elke Lampka in Halberstadt, Klaus Plitzkat in Blankenburg, Lennox Schrickel in Wernigerode und Susan Sziborra-Seidlitz in Quedlinburg. Die Linke hat ebenfalls in den Harzer Wahlkreisen Direktkandidaten nominiert; in Wernigerode tritt Katja Käfer an. Für die Freien Wähler kandidieren Danny Becker in Halberstadt, André Weber in Blankenburg, Bianka Willke in Wernigerode und Jerome Querfurth in Quedlinburg.

Besonders große Aufmerksamkeit dürfte den Wahlkreisen Wernigerode und Quedlinburg zukommen. Dort bewerben sich mit Willingmann und Sziborra-Seidlitz zwei Spitzenkandidaten ihrer Landesparteien zugleich um ein Direktmandat. Lokale Themen und landespolitische Strategien treffen hier besonders unmittelbar aufeinander.

Im Harz geht es um mehr als einzelne Wahlkampfthemen

Die Landtagswahl im Harz verdichtet mehrere politische Grundsatzfragen auf regionaler Ebene. Pflege und Gesundheitsversorgung betreffen eine älter werdende Bevölkerung und die Zukunft öffentlicher Infrastruktur. Klimapolitik berührt Energie, Wirtschaft und die Entwicklung einer Region, die mit Folgen des Klimawandels sichtbar umgehen muss. Bei der Inklusion stehen sich unterschiedliche Vorstellungen von Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe gegenüber.

Der Wahlkampf im Harz wird deshalb weniger von einem einzelnen dokumentierten Streit geprägt als von mehreren klaren politischen Gegensätzen. Je näher der 6. September rückt, desto deutlicher zeigt sich, welche Konzepte die Kandidaten für diese Fragen anbieten – und welche davon die Wählerinnen und Wähler in den vier Harzer Wahlkreisen überzeugen.