Die AFG Harz ist in wenigen Jahren deutlich kleiner geworden: Personal, Erträge und das frühere Kerngeschäft mit geförderten Beschäftigungsmaßnahmen sind stark zurückgegangen. Das ist auch deshalb relevant, weil die Gesellschaft weiterhin Aufgaben außerhalb der klassischen Arbeitsförderung übernimmt – etwa bei der Bibliothek Blankenburg und im Umfeld der Rübelandbahn. Ein Ende dieser Angebote ist derzeit nicht belegt, doch ihre langfristige Organisation rückt stärker in den Mittelpunkt.
Blankenburg, 22. August 2026. Die Entwicklung der AFG Harz lässt sich an einer Zahl besonders deutlich ablesen: 2022 beschäftigte die Gesellschaft im Jahresdurchschnitt noch 137 Menschen, 2024 waren es 43. Innerhalb von zwei Jahren ist die Personalstärke damit um rund zwei Drittel gesunken.
Der Rückgang steht für einen tiefen strukturellen Wandel. Nach Angaben der Stadt Blankenburg ist das frühere Hauptgeschäft der Gesellschaft, die Durchführung öffentlich geförderter Beschäftigungsmaßnahmen, inzwischen nahezu zum Erliegen gekommen. Für eine Organisation, deren Modell über Jahre wesentlich auf solchen Maßnahmen beruhte, verändert das die wirtschaftliche Grundlage grundlegend.
Die AFG Harz ist allerdings längst mehr als eine klassische Arbeitsförderungsgesellschaft. Sie übernimmt Aufgaben in kommunalen, touristischen und kulturellen Bereichen. Genau deshalb reicht die Bedeutung ihres Umbaus über die eigene Belegschaft hinaus.
AFG Harz verliert Personal und Erträge
Auch die wirtschaftlichen Kennzahlen zeigen, wie stark der Druck auf die AFG Harz gewachsen ist. 2024 erzielte die Gesellschaft Gesamterträge von rund 972.000 Euro. Die Aufwendungen lagen bei etwa 1,057 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Jahresfehlbetrag von gut 85.000 Euro.
Damit setzte sich eine Entwicklung fort, die bereits in den Jahren zuvor sichtbar war. Für 2023 ist ein Fehlbetrag von rund 37.500 Euro dokumentiert, für 2022 ein Minus von knapp 194.000 Euro. Zugleich sanken die Erträge zwischen 2023 und 2024 deutlich.
Der Umbau betrifft auch die Eigentümerseite. Zum Ende des Jahres 2024 schieden der Landkreis Harz, die Welterbestadt Quedlinburg und die Gemeinde Nordharz als Gesellschafter aus. Andere Kommunen, darunter Blankenburg, Wernigerode und Harzgerode, übernahmen zusätzliche Geschäftsanteile.
Eine Auflösung der AFG Harz ist damit nicht verbunden. Ebenso wenig gibt es nach der bislang belegbaren Quellenlage einen Beschluss, die Gesellschaft insgesamt abzuwickeln. Der Einschnitt liegt vor allem darin, dass das traditionelle Geschäftsmodell an Bedeutung verloren hat und die AFG Harz heute mit deutlich weniger Personal arbeitet.
Das Wichtigste in Kürze
Die AFG Harz hat zwischen 2022 und 2024 rund zwei Drittel ihrer durchschnittlichen Beschäftigtenzahl verloren und zugleich ihr früheres Kerngeschäft weitgehend eingebüßt. Bibliothek Blankenburg und die Sonderfahrten der Rübelandbahn bestehen 2026 weiter.
- Was ist passiert?
- Die Entwicklung der AFG Harz lässt sich an einer Zahl besonders deutlich ablesen: 2022 beschäftigte die Gesellschaft im Jahresdurchschnitt noch 137 Menschen, 2024 waren es 43.
- Was bedeutet das?
- Nach Angaben der Stadt Blankenburg ist das frühere Hauptgeschäft der Gesellschaft, die Durchführung öffentlich geförderter Beschäftigungsmaßnahmen, inzwischen nahezu zum Erliegen gekommen.
- Was ist bestätigt?
- Unter dem Strich blieb ein Jahresfehlbetrag von gut 85.000 Euro.
- Was gilt konkret?
- Für 2026 sind weitere Sonderfahrten angekündigt, darunter Fahrten im September und Oktober sowie Angebote in der Adventszeit.
Bibliothek Blankenburg bleibt Teil der AFG-Struktur
Besonders sichtbar wird die Rolle der Gesellschaft bei der Bibliothek Blankenburg. Die Einrichtung befindet sich in Trägerschaft der AFG Harz und ist damit organisatorisch unmittelbar mit der Entwicklung der Gesellschaft verbunden.
Für Besucher hat sich daraus bislang kein belegbarer Einschnitt ergeben. Die Bibliothek ist weiterhin geöffnet und wird von der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken als hauptamtliche Bibliothek im Landkreis Harz geführt.
Auch finanziell ist die Verbindung zwischen Stadt, Tourismusbetrieb und AFG dokumentiert. Im Wirtschaftsplan des Blankenburger Tourismusbetriebes für 2024 war ein Sachkostenzuschuss von 38.200 Euro für die Bewirtschaftung der Bibliothek durch die AFG Harz vorgesehen.
Das zeigt, warum die Entwicklung der Gesellschaft für die Einrichtung relevant bleibt. Wenn eine Organisation erheblich schrumpft und ihr ursprüngliches Kerngeschäft verliert, geraten automatisch auch jene Aufgaben stärker in den Blick, die außerhalb dieses Kerngeschäfts liegen. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Bibliothek vor einer Schließung steht. Einen entsprechenden Beschluss gibt es nicht.
Nicht mehrere Bibliotheken, sondern vor allem Blankenburg
Auch sprachlich ist Präzision wichtig. Belegt ist die Trägerschaft der AFG Harz für die Bibliothek Blankenburg. Eine vergleichbare Zuständigkeit für mehrere Bibliotheken im Landkreis lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten.
Wer von Auswirkungen auf „die Bibliotheken“ spricht, würde die Rolle der Gesellschaft daher größer darstellen, als sie dokumentiert ist. Im Mittelpunkt steht die Blankenburger Einrichtung.
Rübelandbahn im Harz: Sonderfahrten laufen 2026 weiter
Ähnlich differenziert ist die Lage bei der Rübelandbahn. Die AFG Harz führt die Bahn als Teil ihres touristischen Tätigkeitsfeldes. Für den eigentlichen Sonderfahrbetrieb ist jedoch die Arbeitsgemeinschaft Rübelandbahn der zentrale Ansprechpartner.
Von einem unmittelbar bevorstehenden Ende des touristischen Angebots kann derzeit keine Rede sein. Für 2026 sind weitere Sonderfahrten angekündigt, darunter Fahrten im September und Oktober sowie Angebote in der Adventszeit.
Bei einzelnen Veranstaltungen besteht zudem weiterhin eine Zusammenarbeit mit der AFG Harz. Damit bleibt die Gesellschaft im Umfeld der Rübelandbahn präsent, auch wenn ihre genaue Rolle nicht mit der eines alleinigen Betreibers gleichgesetzt werden kann.
Auch hier gibt es eine dokumentierte finanzielle Verbindung zur Stadt. Im Wirtschaftsplan des Blankenburger Tourismusbetriebes für 2024 waren 10.100 Euro als Zuwendung für die Rübelandbahn vorgesehen.
Ob der Personalabbau bei der AFG Harz künftig konkrete Folgen für Organisation, Betreuung oder einzelne Leistungen rund um die Bahn hat, ist bislang nicht öffentlich belegt. Für das laufende Jahr ist entscheidend: Die Sonderfahrten sind weiterhin vorgesehen.
Der eigentliche Einschnitt trifft das Geschäftsmodell
Der Wandel bei der AFG Harz lässt sich deshalb nicht sinnvoll auf die Frage reduzieren, ob einzelne Angebote geschlossen werden. Der tiefere Einschnitt betrifft die Struktur der Gesellschaft selbst.
Über Jahre war die Arbeitsförderung ein wesentlicher Pfeiler. Dieses Feld ist stark geschrumpft. Gleichzeitig sind Aufgaben geblieben, die für Kommunen, Bürger und Touristen im Harz sichtbar sind. Daraus entsteht eine neue Lage: Eine kleinere Gesellschaft muss Leistungen tragen, die teilweise weit über ihr ursprüngliches Profil hinausreichen.
Die Bibliothek Blankenburg ist dafür das deutlichste Beispiel. Sie ist eine öffentliche Einrichtung mit regelmäßigem Publikumsverkehr, aber organisatorisch an eine Gesellschaft gebunden, deren Personalbestand erheblich zurückgegangen ist. Bei der Rübelandbahn ist die Verbindung anders gelagert, doch auch dort ist die AFG Harz Teil eines touristischen Geflechts aus kommunaler Unterstützung, Kooperationen und Sonderfahrten.
Für die Einordnung ist deshalb wichtig, zwei Ebenen auseinanderzuhalten: Der Strukturbruch bei der AFG Harz ist gut dokumentiert. Konkrete Schließungen von Bibliothek oder Rübelandbahn sind es nicht.
Im Harz bleibt die Strukturfrage offen
Für Bürger und Gäste im Harz ändert sich zunächst wenig. Die Bibliothek Blankenburg ist geöffnet, die Rübelandbahn fährt weiter. Der größere Einschnitt findet hinter diesen Angeboten statt.
Die AFG Harz hat Personal verloren, Erträge eingebüßt und ihr früheres Hauptgeschäft weitgehend eingebüßt. Damit verschiebt sich die Debatte zwangsläufig von der Vergangenheit zur Zukunft: Welche Aufgaben soll die Gesellschaft dauerhaft übernehmen, wie werden sie finanziert und welche kommunalen Strukturen tragen sie langfristig?
Gerade darin liegt die eigentliche Bedeutung des Umbaus für Blankenburg und den Landkreis Harz. Die AFG Harz ist nicht verschwunden. Aber sie ist eine andere Gesellschaft geworden als noch vor wenigen Jahren. Wie belastbar dieses kleinere Modell für Bibliothek, Tourismus und weitere kommunale Aufgaben ist, bleibt damit eine der zentralen offenen Fragen.


















