Nach mehr als drei Jahrzehnten Leerstand bekommt das Mertik-Hochhaus in Quedlinburg im Harz eine neue Funktion. Das frühere Industriegebäude wird zu einem Energie- und Technologiezentrum mit Photovoltaik, Stromspeicher, Ladeinfrastruktur und digitaler Datenverarbeitung umgebaut; auch Rechenzentrumskapazitäten gehören zum Konzept. Wie groß dieser Bereich wird und wofür die Rechenleistung konkret eingesetzt werden soll, ist allerdings noch offen.

Quedlinburg, 20. August 2026.

Am Klopstockweg verändert sich eines der markantesten Relikte der Quedlinburger Industriegeschichte. Das siebenstöckige Mertik-Hochhaus, seit den frühen 1990er-Jahren weitgehend ungenutzt, wird unter dem Namen I-Kubus zu einem Energie- und Technologiezentrum im Harz umgebaut. Wo jahrzehntelang Leerstand das Bild bestimmte, entstehen nun Anlagen zur Stromerzeugung und -speicherung sowie Infrastruktur für Elektromobilität und Datenverarbeitung.

Der Umbau ist inzwischen deutlich mehr als eine Projektidee. Reuters dokumentierte das Vorhaben Anfang August 2026 vor Ort und beschrieb den Standort als Baustelle. Dem Bericht zufolge ist das frühere Industriegebäude inzwischen mit Solarmodulen versehen. Es soll Energie erzeugen und speichern, Elektrofahrzeuge laden und zugleich Platz für Daten- beziehungsweise Rechenzentrumstechnik bieten.

Damit bekommt das Mertik-Hochhaus in Quedlinburg eine Nutzung, die zwei Bereiche miteinander verbindet: Energietechnik und digitale Infrastruktur. Wie weit der Rechenzentrumsbetrieb bereits entwickelt ist, lässt sich aus den bislang bekannten Angaben allerdings nicht eindeutig bestimmen.

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Mertik-Hochhaus in Quedlinburg: Vom Industriebau zum Technologiezentrum im Harz

Die Geschichte des Gebäudes reicht in die DDR-Zeit zurück. Das Hochhaus entstand in den 1970er-Jahren im Umfeld des damaligen Quedlinburger Maschinen- und Armaturenbaus. Nach der politischen und wirtschaftlichen Wende verlor es seine ursprüngliche Funktion. Seit den frühen 1990er-Jahren stand der Bau weitgehend leer.

Pläne für eine neue Nutzung gibt es nicht erst seit diesem Jahr. Bereits 2023 berichtete die Mitteldeutsche Zeitung über das Vorhaben, das Mertik-Hochhaus zu einem sogenannten Energietower umzubauen. Die Grundidee war damals schon klar umrissen: Die große Gebäudehülle sollte für Photovoltaik genutzt, der dort erzeugte Strom gespeichert werden.

Aus diesem Ansatz ist inzwischen ein umfassenderes technisches Konzept geworden. Projektgesellschaft ist die I-Kubus GmbH mit Sitz in Blankenburg. Zu ihrem Unternehmensgegenstand gehören unter anderem der Betrieb eines virtuellen Kraftwerks zur Stromerzeugung und zum Datenstreaming sowie Photovoltaikanlagen, Stromspeicher und Ladeinfrastruktur.

Der alte Hochhausbau dient damit nicht lediglich als Träger einer Solaranlage. Vorgesehen ist ein Standort, an dem verschiedene technische Anwendungen gebündelt werden.

Solarfassade, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur

Besonders sichtbar ist die Photovoltaik am Gebäude. Nach Angaben des Projektverantwortlichen Lars Gottschligg soll die installierte beziehungsweise vorgesehene Photovoltaikleistung rund 0,5 Megawatt erreichen. Ergänzt wird die Stromerzeugung durch Batteriespeicher und Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Die konkrete Leistungsangabe stammt aus der Betreiberkommunikation und ist nicht in allen technischen Einzelheiten unabhängig bestätigt.

Dass das Projekt tatsächlich umgesetzt wird, ist dagegen dokumentiert. Reuters zeigte den I-Kubus Anfang August als laufende Baustelle. Radio Brocken berichtete wenige Tage später ebenfalls über den Umbau und bezeichnete das Vorhaben als Energie- und Technologiezentrum. Genannt wurden Photovoltaik, Stromspeicher, E-Ladesäulen und digitales Datenstreaming.

Für das Mertik-Hochhaus in Quedlinburg bedeutet das einen grundlegenden Funktionswechsel. Das Gebäude, das über Jahrzehnte keine dauerhafte Nutzung mehr hatte, soll künftig selbst Strom produzieren und gleichzeitig technische Infrastruktur beherbergen.

Das Wichtigste in Kürze

Das Mertik-Hochhaus in Quedlinburg wird zu einem Energie- und Technologiezentrum mit Photovoltaik, Speichertechnik und Rechenzentrumskapazitäten umgebaut. Eine spezielle Nutzung als KI-Rechenzentrum ist bislang nicht belastbar bestätigt.

Was ist passiert?
Das ehemalige Mertik-Hochhaus wird zu einem Energie- und Technologiezentrum umgebaut.
Was gilt konkret?
Photovoltaik, Stromspeicherung und Ladeinfrastruktur gehören zum Projekt.
Was ist bestätigt?
Rechenzentrumskapazitäten sind vorgesehen beziehungsweise nach aktuellen Berichten teilweise bereits Bestandteil des Standorts.
Was ist noch offen?
Eine spezielle Nutzung als KI-Rechenzentrum ist bislang nicht belastbar bestätigt.

Stand: · Quellen

Rechenzentrum im Harz vorgesehen – spezielle KI-Nutzung nicht bestätigt

Der technisch interessanteste, zugleich aber noch am wenigsten konkretisierte Teil des Vorhabens betrifft die Datenverarbeitung. Reuters berichtete von Datenzentren im Zusammenhang mit dem Standort. Radio Brocken wiederum schrieb von einer geplanten Erweiterung für ein Rechenzentrum. Dass Rechenzentrumskapazitäten zum Konzept des I-Kubus gehören, ist damit belegt.

Nicht belegt ist hingegen, dass in Quedlinburg ein ausdrücklich auf künstliche Intelligenz ausgerichtetes Rechenzentrum entsteht. In den bislang bekannten Angaben ist weder von KI-Training noch von speziellen KI-Systemen oder einer dafür vorgesehenen Serverarchitektur die Rede. Auch der öffentlich dokumentierte Unternehmensgegenstand der I-Kubus GmbH nennt Datenstreaming und Energietechnik, aber keine besondere KI-Nutzung.

Die Unterscheidung ist entscheidend: Ein Rechenzentrum kann eine Vielzahl digitaler Dienste übernehmen. Daraus allein lässt sich nicht ableiten, dass dort Rechenleistung für künstliche Intelligenz bereitgestellt wird.

Wie groß das Rechenzentrum wird, bleibt offen

Auch zur Dimension der geplanten IT-Infrastruktur gibt es bislang keine belastbaren öffentlichen Angaben. Unbekannt sind unter anderem Serverzahl, Rackzahl und IT-Leistung. Ebenso wenig ist bekannt, welche Unternehmen oder Anwendungen die Rechenkapazitäten später nutzen sollen.

Hinzu kommt eine Unschärfe beim aktuellen Ausbauzustand. Reuters beschreibt den Standort so, dass Datenzentren bereits Bestandteil des Projekts sind. Radio Brocken spricht dagegen von einer Erweiterung um ein Rechenzentrum. Daraus lässt sich derzeit nicht sicher bestimmen, welcher Teil der Serverinfrastruktur bereits vorhanden ist und welche Kapazitäten erst noch entstehen sollen.

Auch über die technische Ausgestaltung liegen nur begrenzte Informationen vor. Für Kühlung, Servertechnik und mögliche Abwärmenutzung sind bislang keine belastbaren Details bekannt. Gleiches gilt für den Strombedarf der digitalen Infrastruktur.

Was über den I-Kubus derzeit gesichert ist

  • Das ehemalige Mertik-Hochhaus wird zu einem Energie- und Technologiezentrum umgebaut.
  • Photovoltaik, Stromspeicherung und Ladeinfrastruktur gehören zum Projekt.
  • Digitale Datenverarbeitung beziehungsweise Datenstreaming ist Bestandteil des Konzepts.
  • Rechenzentrumskapazitäten sind vorgesehen beziehungsweise nach aktuellen Berichten teilweise bereits Bestandteil des Standorts.
  • Eine spezielle Nutzung als KI-Rechenzentrum ist bislang nicht belastbar bestätigt.

Vom „Energietower“ zum breiter angelegten Technikprojekt

Bemerkenswert ist vor allem, wie sich das Vorhaben seit den ersten öffentlich bekannten Planungen entwickelt hat. 2023 stand noch der Gedanke eines Energietowers im Vordergrund. Die Fassade des lange leerstehenden Hochhauses sollte zur Energiegewinnung genutzt werden, Speichertechnik den erzeugten Strom aufnehmen.

Das heutige Konzept geht darüber hinaus. Energieerzeugung und Speicherung bleiben zentrale Bausteine, werden aber mit Ladeinfrastruktur und Datenverarbeitung verknüpft. Das Mertik-Hochhaus in Quedlinburg soll damit nicht nur saniert und wieder genutzt werden. Es erhält eine Funktion, die unmittelbar mit der technischen Ausstattung des Gebäudes verbunden ist.

Wie groß das Projekt am Ende wird, lässt sich noch nicht sagen. Eine belastbare aktuelle Gesamtinvestitionssumme ist ebenso wenig öffentlich bekannt wie ein verbindlicher Termin für die vollständige Fertigstellung. Sicher ist lediglich, dass die Arbeiten im August 2026 sichtbar vorangeschritten sind.

Für den Technikstandort im Harz stehen entscheidende Details noch aus

Nach Jahrzehnten des Leerstands zeichnet sich für das Mertik-Hochhaus in Quedlinburg eine neue Perspektive ab. Der Umbau zum Energie- und Technologiezentrum im Harz ist angelaufen, die Solarfassade prägt bereits den Wandel des Gebäudes. Speichertechnik, Ladeinfrastruktur und digitale Anwendungen erweitern das ursprüngliche Energiekonzept.

Offen bleibt ausgerechnet jener Bereich, der dem Projekt zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen könnte: das Rechenzentrum. Welche Leistung dort entsteht, welche Anwendungen vorgesehen sind und wann der Ausbau abgeschlossen sein wird, ist bislang nicht öffentlich geklärt. Von einem gesicherten KI-Rechenzentrum kann deshalb noch keine Rede sein. Belegt ist etwas anderes – und für den jahrzehntelangen Leerstand nicht weniger bemerkenswert: Das Mertik-Hochhaus in Quedlinburg wird wieder genutzt und entwickelt sich zu einem Energie- und Technikstandort im Harz.