Rohstoffsuche im Oberharz
Rohstoffsuche im Oberharz: Was auf 494,6 Quadratkilometern rund um Goslar geplant ist

Rohstoffsuche im Oberharz

Im Oberharz beginnt eine großräumige Suche nach Bodenschätzen: Auf knapp 494,6 Quadratkilometern dürfen mehr als 50 Rohstoffe erkundet werden – darunter Gold, Silber, Lithium und Kobalt. Die neue Aufsuchungserlaubnis reicht bis 2030 und betrifft weite Teile der Region rund um Goslar. Doch zwischen der Suche im Untergrund und einem möglichen Rohstoffabbau liegt ein entscheidender Unterschied.
Goslar, 30. September 2026. Das neue Erlaubnisfeld trägt den schlichten Namen „Oberharz“. Seine Dimension ist deutlich größer: Von Bad Harzburg im Osten erstreckt sich das Gebiet über weite Teile des Harzes bis zur A7 südlich von Seesen. Im Norden reicht es bis Nauen bei Langelsheim, im Süden bis Osterode am Harz.
Insgesamt umfasst das Areal 494,6 Quadratkilometer. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat der Beak Consultants GmbH aus Freiberg in Sachsen dafür eine bergrechtliche Erlaubnis zur großräumigen Aufsuchung von Bodenschätzen erteilt. Sie gilt vier Jahre, bis zum 14. September 2030.
Für die Region Goslar ist das Vorhaben besonders relevant. Große Teile des Erlaubnisfeldes liegen im Landkreis, weitere Flächen gehören zu den Landkreisen Göttingen und Northeim. Betroffen sind unter anderem Gebiete bei Goslar, Bad Harzburg, Clausthal-Zellerfeld, Langelsheim, Seesen und Osterode am Harz.
Gold dürfte auf der Liste der gesuchten Rohstoffe die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Tatsächlich ist das Edelmetall aber nur eines von vielen. Nach Angaben des LBEG umfasst die Erlaubnis mehr als 50 Rohstoffe.
Dazu zählen klassische Metalle wie Silber, Kupfer, Blei und Zink. Gesucht werden darf ebenso nach Lithium, Kobalt, Wolfram, Zinn, Germanium und Gallium. Auch Platin, Palladium und Rhodium sowie Scandium und Yttrium gehören zu den Rohstoffen, für die die Aufsuchungserlaubnis gilt.
Die lange Liste sagt allerdings nichts darüber aus, welche dieser Bodenschätze im Harz tatsächlich in relevanten Mengen vorhanden sind. Eine Aufsuchungserlaubnis weist keine Lagerstätte nach. Sie legt vielmehr fest, welche Rohstoffe ein Unternehmen innerhalb eines bestimmten Gebietes erkunden darf.
Ob unter dem Oberharz beispielsweise wirtschaftlich nutzbare Gold-, Lithium- oder Kobaltvorkommen liegen, ist mit der Entscheidung der Bergbehörde daher nicht beantwortet.
Die rechtliche Bedeutung der Erlaubnis ist enger, als die Größe des Gebietes zunächst vermuten lässt. Knapp 500 Quadratkilometer sind nun für die Rohstoffsuche ausgewiesen – nicht für den Abbau.
Ein neues Bergwerk wurde nicht genehmigt. Auch großflächige Bohrungen oder andere technische Eingriffe sind mit der Aufsuchungserlaubnis nicht automatisch erlaubt.
Nach Angaben des LBEG sollen zunächst Sedimentproben und bereits vorhandene Bohrkerne untersucht werden. Damit lassen sich Erkenntnisse über die geologischen Verhältnisse gewinnen, ohne dass dafür unmittelbar neue Bergbauanlagen entstehen müssen.
Sollten sich aus diesen Untersuchungen weitere technische Schritte ergeben, wären zusätzliche Verfahren notwendig. Für entsprechende Arbeiten müssten bergrechtliche Betriebspläne vorgelegt und von der zuständigen Behörde geprüft werden. Dabei würden die jeweils betroffenen Stellen erneut beteiligt.
Im Oberharz darf Beak Consultants auf knapp 494,6 Quadratkilometern nach mehr als 50 Rohstoffen suchen. Die Erlaubnis läuft bis September 2030, genehmigt aber keinen Rohstoffabbau.
Diese Trennung ist für die Einordnung der Rohstoffsuche im Harz zentral. Die Erlaubnis gibt Beak Consultants das Recht, innerhalb des festgelegten Feldes nach den aufgeführten Bodenschätzen zu suchen. Sie berechtigt das Unternehmen nicht dazu, gefundene Rohstoffe anschließend ohne weitere Genehmigungen zu fördern.
Ob aus der jetzigen Erkundung irgendwann ein kommerzielles Bergbauprojekt hervorgeht, ist offen. Dafür müssten zunächst entsprechende Vorkommen nachgewiesen und weitere rechtliche sowie technische Voraussetzungen erfüllt werden.
Für Anwohner bedeutet die aktuelle Entscheidung deshalb auch nicht, dass nun flächendeckend Bohrgeräte in der Landschaft auftauchen oder neue Schächte entstehen. Die ersten angekündigten Arbeiten sind deutlich unspektakulärer: vorhandenes Material auswerten, Proben untersuchen, Daten über den Untergrund gewinnen.
Die Rohstoffsuche im Oberharz ist Teil eines größeren wissenschaftlichen Zusammenhangs. Die neue Erlaubnis steht in Verbindung mit dem Forschungsprojekt DESMEX-MinD, ausgeschrieben „Mineralsysteme in Deutschland“. Das Projekt läuft von März 2026 bis Februar 2029 und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
Im Mittelpunkt stehen der Oberharz und das Erzgebirge. Dort wollen Forschungseinrichtungen und Unternehmen Mineralsysteme untersuchen und zugleich moderne Methoden der Rohstofferkundung weiterentwickeln.
Beak Consultants gehört zu diesem Forschungsverbund. Insgesamt sind zehn Projektpartner beteiligt, darunter wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen.
Auch das LBEG arbeitet bei DESMEX-MinD mit. Die Behörde unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen ihren Aufgaben: Im Forschungsprojekt ist sie als Staatlicher Geologischer Dienst beteiligt, während sie die Aufsuchungserlaubnis in ihrer Funktion als Bergbehörde erteilt hat.
Die Region ist für diese Forschung kein Neuland. Schon Vorgängerprojekte beschäftigten sich mit dem Oberharz. Im Jahr 2021 wurde im Rahmen von DESMEX-REAL ein Reallabor in der historischen Bergbauregion eingerichtet.
Ein Schwerpunkt liegt auf geophysikalischen Methoden, mit denen Strukturen tief unter der Erdoberfläche untersucht werden können. Zum wissenschaftlichen Instrumentarium der DESMEX-Projekte gehören elektromagnetische Messverfahren. Messsysteme können dabei grundsätzlich auch mit Drohnen oder Hubschraubern eingesetzt werden.
Das Leibniz-Institut für Photonische Technologien beschreibt Verfahren, mit denen Eigenschaften des Untergrunds bis in Tiefen von ungefähr 1.000 Metern erfasst werden können. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass nun über dem gesamten Erlaubnisfeld rund um Goslar entsprechende Messflüge stattfinden werden. Ein konkreter Einsatzplan für das knapp 500 Quadratkilometer große Gebiet ist bislang nicht veröffentlicht.
Bevor das LBEG die Aufsuchungserlaubnis erteilte, wurden nach Angaben der Behörde die betroffenen Landkreise, Städte und Gemeinden um Stellungnahmen gebeten.
Dazu gehören die Landkreise Goslar, Göttingen und Northeim. Beteiligt wurden zudem unter anderem Goslar, Bad Harzburg, Clausthal-Zellerfeld, Langelsheim, Seesen, Osterode am Harz, Bad Grund und Kalefeld.
Welche Hinweise, Forderungen oder möglichen Einwände die einzelnen Kommunen vorgebracht haben, lässt sich aus der veröffentlichten Mitteilung des Landesamtes nicht entnehmen.
Hinzu kommt eine bergrechtliche Besonderheit: Teile des neuen Erlaubnisfeldes überschneiden sich mit bereits bestehenden Berechtigungen. Solche Überlagerungen sind nach Angaben des LBEG unter bestimmten Voraussetzungen nach dem Bundesberggesetz möglich.
Das Feld „Oberharz“ ist nicht das einzige größere Suchgebiet in der Region. Im westlichen Harz existiert bereits das 237,5 Quadratkilometer große Erlaubnisfeld „Kaiserpfalz“. Dort verfügt die Alpha Future Partners GmbH über eine bis Oktober 2028 geltende Erlaubnis zur gewerblichen Aufsuchung von Erzen.
Die beiden Vorhaben unterscheiden sich jedoch in einem wesentlichen Punkt. Das neue Erlaubnisfeld Oberharz steht im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt DESMEX-MinD. Bei „Kaiserpfalz“ handelt es sich dagegen um eine gewerbliche Aufsuchung.
Auch dort gilt: Die Erlaubnis zur Suche ist nicht mit einer Genehmigung zum Rohstoffabbau gleichzusetzen.
Bergbau gehört seit Jahrhunderten zur Geschichte des Oberharzes. Heute rückt dieselbe Region unter anderen Voraussetzungen erneut in den Fokus. Historische Kenntnisse über die Geologie treffen auf Mess- und Auswertungsmethoden, mit denen sich der Untergrund detaillierter untersuchen lässt.
Dabei richtet sich der Blick nicht allein auf die Metalle, die den traditionellen Harzer Bergbau geprägt haben. Die Liste der genehmigten Bodenschätze reicht deutlich darüber hinaus und umfasst zahlreiche Rohstoffe, die heute für Industrie und moderne Technologien genutzt werden.
Welche davon tatsächlich vorhanden sind, in welchen Mengen sie vorkommen und ob sich mögliche Lagerstätten wirtschaftlich nutzen ließen, ist damit noch nicht geklärt. Genau diese Unsicherheit gehört zum Wesen einer Aufsuchung: Sie soll zunächst Wissen darüber schaffen, was sich im Untergrund befindet.
Mit dem Erlaubnisfeld Oberharz beginnt damit keine neue Ära des Bergbaus, sondern zunächst eine weitere Phase der Erkundung. Bis September 2030 darf Beak Consultants auf knapp 494,6 Quadratkilometern nach mehr als 50 genehmigten Rohstoffen suchen.
Für Goslar und den Oberharz wird deshalb weniger die Größe des Feldes entscheidend sein als das, was die Untersuchungen tatsächlich ergeben. Vorerst stehen Sedimentproben, vorhandene Bohrkerne und wissenschaftliche Erkenntnisse im Mittelpunkt.
Erst wenn daraus konkrete technische Vorhaben entstehen, würden weitere Genehmigungsschritte notwendig. Ob Gold, Lithium oder andere Bodenschätze unter dem Harz eines Tages tatsächlich wirtschaftlich gewonnen werden könnten, ist bislang offen. Die Suche danach hat nun allerdings einen klar definierten rechtlichen und wissenschaftlichen Rahmen.
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