Waldumbau im Harz
Wiederbewaldung im Harz: Niedersachsen investiert 130 Millionen Euro in neue Mischwälder

Waldumbau im Harz

Niedersachsen investiert in die Wiederbewaldung des Harzes: Rund 130 Millionen Euro sollen innerhalb von zehn Jahren den Umbau großflächig geschädigter Wälder ermöglichen. Bei Bad Lauterberg hat die Landesregierung am 22. Oktober 2026 den Start des neuen Programms mit einer Pflanzaktion begleitet. Statt einseitiger Fichtenbestände sollen künftig widerstandsfähigere Mischwälder entstehen. Wie schnell sich die rund 30.000 Hektar geschädigten Landeswaldes erholen, bleibt eine der zentralen Fragen.
Bad Lauterberg, 25. Oktober 2026. Der Harz verändert sein Gesicht. Wo einst geschlossene Fichtenwälder die Berghänge prägten, haben Stürme, Dürreperioden und Borkenkäfer vielerorts große Lücken hinterlassen. Seit Jahren versuchen die Niedersächsischen Landesforsten, die Schäden aufzuarbeiten und neue Waldbestände zu entwickeln. Nun bekommt die Wiederbewaldung des Harzes einen langfristigen finanziellen Rahmen.
Am 22. Oktober kamen Ministerpräsident Olaf Lies, Forstministerin Miriam Staudte und Umweltminister Christian Meyer zu einer symbolischen Pflanzaktion ins Forstamt Lauterberg. Sie setzten junge Eichen in den Boden. Der Termin stand für eine politische Entscheidung, deren praktische Umsetzung längst begonnen hat: Der Harz soll wieder bewaldet werden, allerdings nicht nach dem früheren Muster großflächiger Fichtenbestände.
Die Landesregierung setzt auf eine größere Vielfalt an Baumarten, auf natürliche Verjüngung und gezielte Pflanzungen. Für die besonders stark geschädigten Waldgebiete rund um Bad Lauterberg, Braunlage und Bad Sachsa ist das Programm von unmittelbarer Bedeutung. Hier lässt sich bereits erkennen, wie auf ehemaligen Fichtenflächen schrittweise neue Waldgenerationen entstehen.
Rund 30.000 Hektar Landeswald im niedersächsischen Harz sind nach Angaben des Niedersächsischen Umweltministeriums seit 2018 schwer geschädigt worden. Das Ausmaß verdeutlicht, weshalb die Wiederbewaldung im Harz nicht mit einzelnen Pflanzaktionen zu bewältigen ist. Die Landesregierung hat deshalb ein Wiederbewaldungs- und Waldentwicklungsprogramm beschlossen, das sich über zehn Jahre erstreckt.
Die veranschlagten Gesamtkosten liegen bei etwa 130 Millionen Euro. Rund 117 Millionen Euro sollen aus zweckgebundenen Rücklagen der Niedersächsischen Landesforsten und Mitteln des land- und forstwirtschaftlichen Bereichs des landeseigenen Wirtschaftsförderfonds stammen.
Die Summe ist eine Planung, keine abschließende Kostenabrechnung. Wie viel Geld tatsächlich benötigt wird, hängt auch davon ab, welche Flächen sich ohne zusätzliche Pflanzungen regenerieren und wie aufwendig die Pflege der jungen Bestände ausfällt.
Auch die Flächenangabe bedarf einer Einordnung: 30.000 Hektar beschreiben den Umfang des geschädigten Landeswaldes. Sie bedeuten nicht, dass jeder Quadratmeter neu bepflanzt werden soll. Die natürliche Ansamung geeigneter Baumarten ist ausdrücklich Bestandteil des Konzepts.
Der Umbau soll vor allem die Abhängigkeit von großflächigen, überwiegend aus Fichten bestehenden Wäldern verringern. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verwundbar solche Bestände gegenüber Trockenheit und Borkenkäferbefall sein können. Die Wiederbewaldung des Harzes verfolgt deshalb einen anderen Ansatz als die bloße Wiederherstellung des früheren Waldbildes.
Langfristig sollen grundsätzlich mindestens zwei Drittel der neuen Bestände aus Laubbäumen bestehen. Zu den wichtigen Arten zählen Buche und Bergahorn. Ergänzt werden sie unter anderem durch Lärche, Tanne und Douglasie. Auch die Fichte bleibt vorgesehen, allerdings mit einem deutlich geringeren Anteil.
Von einem vollständigen Austausch der Fichte gegen Bergahorn kann somit keine Rede sein. Ziel ist ein Bergmischwald mit unterschiedlichen Baumarten und einer vielfältigeren Bestandsstruktur. Welche Arten sich auf den einzelnen Flächen durchsetzen, wird auch von der natürlichen Waldentwicklung und der forstlichen Pflege abhängen.
Niedersachsen plant 130 Millionen Euro für die Wiederbewaldung von rund 30.000 Hektar geschädigtem Harzwald. Bei Bad Lauterberg sollen langfristig vielfältige Mischwälder entstehen.
Der politische Auftakt im Oktober ist nicht der Beginn der praktischen Wiederbewaldung. Im Forstamt Lauterberg laufen entsprechende Arbeiten seit mehreren Jahren. Gerade dieser Unterschied ist für die Bewertung des neuen Landesprogramms entscheidend: Es setzt auf bestehenden Maßnahmen auf, statt einen vollständig neuen Prozess einzuleiten.
Bereits im Juni 2023 berichteten die Niedersächsischen Landesforsten über eine Pflanzaktion im Revier Andreasberg. Freiwillige pflanzten dort fast 2.000 junge Edellaubbäume. Im Frühjahr 2025 folgte eine weitere dokumentierte Maßnahme nordöstlich von Bad Sachsa. Auf rund 14.000 Quadratmetern wurden Eichen ausgesät.
Die Beispiele zeigen zwei unterschiedliche Wege der Waldbegründung. Während andernorts junge Bäume einzeln gepflanzt werden, kann eine Aussaat dazu beitragen, größere Flächen mit einer neuen Baumgeneration zu besiedeln. Beide Verfahren gehören zu den Möglichkeiten, die geschädigten Waldflächen wieder zu bestocken.
Wie umfangreich die Arbeiten im Forstamtsbereich bereits waren, geht aus einem Bericht des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten vom Mai 2026 hervor. Unter Berufung auf Forstamtsleiter Stefan Fenner nennt der Verband 3,7 Millionen Bäume unterschiedlicher Arten, die bis dahin im Forstamtsbereich gepflanzt worden waren.
Diese Zahl beschreibt die bisherigen Arbeiten vor Ort. Sie ist weder eine neue Vorgabe des Landes noch eine Bilanz für den gesamten Harz. Sie macht aber deutlich, dass die Wiederbewaldung bei Bad Lauterberg längst über einzelne öffentlichkeitswirksame Pflanztermine hinausgeht.
Das neue Waldentwicklungsprogramm orientiert sich am niedersächsischen Waldbauprogramm LÖWE+. Es verbindet natürliche Verjüngung mit gezielten Pflanzungen und langfristiger Pflege.
Auf geeigneten Flächen sollen sich Baumarten durch natürliche Ansamung etablieren. An anderen Standorten werden Bäume eingebracht, um die angestrebte Mischung zu entwickeln. In frühen Entwicklungsphasen können zunächst Pionier- und Lichtbaumarten eine wichtige Rolle übernehmen.
Der Ansatz berücksichtigt, dass geschädigte Waldflächen nicht überall dieselben Voraussetzungen bieten. Entsprechend lässt sich die Wiederbewaldung des Harzes nicht allein an der Zahl neu gepflanzter Setzlinge messen. Ebenso wichtig ist, ob sich vorhandene Jungbäume dauerhaft entwickeln und die angestrebten Mischbestände entstehen.
Eine verbindliche jährliche Pflanzzahl für sämtliche Flächen des neuen Programms ist aus den veröffentlichten Angaben bislang nicht ersichtlich. Der Zehnjahreszeitraum beschreibt vielmehr den geplanten Rahmen für Wiederbewaldung und Waldentwicklung.
Die Herausforderungen enden nicht mit der Pflanzung. Junge Bäume müssen sich unter Bedingungen behaupten, die den Harzwäldern bereits erheblich zugesetzt haben. Trockenperioden bleiben ein Risiko. Hinzu kommen Schäden durch Wildtiere, die die Entwicklung neuer Bestände beeinträchtigen können.
Forstamtsleiter Stefan Fenner verwies gegenüber dem Verband Deutscher Agrarjournalisten insbesondere auf Schäden durch Rotwild. Das Schälen junger Bäume kann ihre Entwicklung erheblich beeinträchtigen. Für die Forstwirtschaft ist deshalb nicht nur die Auswahl geeigneter Baumarten wichtig, sondern auch der Schutz und die Pflege des Nachwuchses.
Wie erfolgreich die verschiedenen Maßnahmen langfristig sein werden, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Eine einheitliche aktuelle Überlebensquote für die Jungbäume des gesamten Programms ist aus den verfügbaren Angaben nicht ersichtlich.
Offen bleibt zudem, wie sich die vorgesehenen Mittel im Einzelnen auf Pflanzungen, Pflegearbeiten und weitere Maßnahmen verteilen. Das Programm schafft finanzielle Planungssicherheit, doch der tatsächliche Aufwand wird sich erst im Verlauf der kommenden Jahre genauer bestimmen lassen.
Mit der Wiederbewaldung des Harzes verfolgt Niedersachsen mehr als forstwirtschaftliche Ziele. Die neuen Bestände sollen an veränderte klimatische Bedingungen angepasst werden und zugleich Funktionen für die Artenvielfalt, die Waldwirtschaft und den Trinkwasserschutz erfüllen.
Der Harz ist als Wald- und Wasserlandschaft für die Region von besonderer Bedeutung. Entsprechend berücksichtigt das Programm nicht nur die künftige Zusammensetzung der Wälder, sondern auch ihre ökologischen Aufgaben.
Welche konkreten Auswirkungen der Waldumbau auf die Trinkwasserversorgung haben wird, ist allerdings noch nicht beziffert. Der Trinkwasserschutz gehört zu den erklärten Zielen des Programms. Ein bereits nachgewiesener Nutzen in bestimmter Größenordnung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der Pflanztermin im Forstamt Lauterberg rückte einen besonders stark geschädigten Bereich in den Mittelpunkt. Das Landesprogramm umfasst jedoch die betroffenen Landeswälder im gesamten niedersächsischen Harz.
Auch rund um Braunlage werden bereits Maßnahmen zur Wiederbewaldung und Waldpflege umgesetzt. Neben den Landesforsten beteiligen sich ehrenamtliche Initiativen an entsprechenden Arbeiten. Das Bergwaldprojekt dokumentiert beispielsweise Einsätze im Bereich des Wurmbergs.
Solche Initiativen sind nicht mit dem jetzt beschlossenen Landesprogramm gleichzusetzen. Sie verdeutlichen jedoch, dass die Wiederherstellung der Harzwälder von unterschiedlichen Akteuren getragen wird.
Für die Region ist der Wandel bereits sichtbar. Die großflächigen Schäden haben das Landschaftsbild verändert. Die angestrebten Bergmischwälder werden sich wiederum anders zusammensetzen als die früheren Fichtenbestände. Bis daraus entwickelte Wälder geworden sind, wird Zeit vergehen.
Mit dem Wiederbewaldungsprogramm legt Niedersachsen einen langfristigen Rahmen für den Umbau seiner geschädigten Harzwälder fest. Die rund 130 Millionen Euro sollen dazu beitragen, bereits begonnene Arbeiten fortzuführen und weitere Flächen zu entwickeln. Der symbolische Auftakt bei Bad Lauterberg unterstreicht diese politische Entscheidung, ersetzt aber nicht die langjährige Arbeit in den Forstrevieren.
Ob das Programm seine Ziele erreicht, wird sich weniger an einzelnen Pflanzterminen als an der Entwicklung der Bestände zeigen. Entscheidend sind die natürliche Verjüngung, das Anwachsen gezielt eingebrachter Baumarten und die Pflege unter weiterhin schwierigen Bedingungen.
Der neue Harzwald wird deshalb nicht einfach eine Neuauflage des alten sein. Niedersachsen setzt auf mehr Laubbäume, eine größere Artenmischung und einen schrittweisen Umbau. Wie widerstandsfähig die entstehenden Wälder tatsächlich werden, bleibt eine Frage, die erst die kommenden Jahre beantworten können.
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