Zukunft der Harzwälder
Waldumbau im Harz: Niedersachsen investiert 130 Millionen Euro in neue Mischwälder

Zukunft der Harzwälder

Nach den verheerenden Schäden durch Borkenkäfer, Dürre und Stürme soll im Harz ein widerstandsfähigerer Wald entstehen. Niedersachsen hat dafür ein Wiederbewaldungsprogramm mit einem Volumen von rund 130 Millionen Euro beschlossen. Künftig sollen Buche, Ahorn, Eiche und ausgewählte Nadelbäume die bisherigen Fichtenbestände ergänzen und teilweise ersetzen – doch welche Baumarten sich langfristig bewähren, hängt entscheidend vom Standort ab.
Hannover/Harz, 8. Oktober 2026. Auf Tausenden Hektar im Harz ist von den einst geschlossenen Fichtenwäldern wenig geblieben. Trockenheit, Stürme und die massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers haben ganze Bestände vernichtet. Nun soll aus den geschädigten Flächen ein Wald entstehen, der mit steigenden Temperaturen und längeren Trockenperioden besser zurechtkommt. Die niedersächsische Landesregierung hat dafür am 6. Oktober ein langfristiges Wiederbewaldungs- und Waldentwicklungsprogramm beschlossen.
Rund 30.000 Hektar geschädigte Waldflächen stehen im Mittelpunkt. Nach Angaben der Niedersächsischen Staatskanzlei sind für die Umsetzung über einen Zeitraum von zehn Jahren etwa 130 Millionen Euro vorgesehen. Das Geld soll nicht nur in neue Pflanzungen fließen, sondern auch die natürliche Verjüngung und die Pflege der heranwachsenden Bestände unterstützen.
Im Kern geht es um einen grundlegenden Wechsel in der Forstwirtschaft: Statt erneut großflächig auf Fichten zu setzen, sollen künftig unterschiedliche Laub- und Nadelbaumarten gemeinsam wachsen. Der Laubbaumanteil soll langfristig grundsätzlich mindestens zwei Drittel betragen. Der Waldumbau im Harz ist damit nicht nur eine Reaktion auf die Schäden der vergangenen Jahre, sondern zugleich eine Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen.
Welche Bäume auf den geschädigten Flächen eine Zukunft haben, lässt sich nicht für den gesamten Harz einheitlich beantworten. Zwischen tieferen Lagen, trockeneren Standorten und den höheren Bergregionen unterscheiden sich die Wachstumsbedingungen erheblich. Deshalb setzt die Wiederbewaldung auf eine standortabhängige Mischung verschiedener Arten.
Zu den Baumarten, die bei der langfristigen Waldentwicklung eine wichtige Rolle spielen sollen, gehören:
Weitere Laubbäume wie Spitzahorn, Winterlinde und Hainbuche ergänzen das Spektrum. Hinzu kommen Arten, die sich auf offenen Waldflächen häufig von selbst ansiedeln. Dazu zählen Birken, Vogelbeeren, Espen und Salweiden. Sie können eine wichtige Rolle in der frühen Entwicklung neuer Waldbestände übernehmen.
Die Fichte bleibt ebenfalls Bestandteil des Harzer Waldes. Ihr Anteil soll allerdings deutlich geringer ausfallen als in den früheren, großflächig von Fichten geprägten Beständen. Wo sie weiterhin wächst, sollen die örtlichen Bedingungen stärker berücksichtigt werden.
Hinter der neuen Baumartenwahl steht eine forstwirtschaftliche Überlegung: Ein Wald, der aus mehreren Baumarten besteht, verteilt seine Risiken breiter. Trockenheit, Krankheiten und Schädlinge treffen nicht jede Art in gleicher Weise. Fällt eine Baumart aus, muss deshalb nicht zwangsläufig der gesamte Bestand betroffen sein.
Allerdings gibt es keine Baumart, die gegenüber allen Folgen des Klimawandels unempfindlich wäre. Auch Buchen können durch anhaltende Trockenheit geschädigt werden. Die Auswahl neuer Bäume allein garantiert daher noch keinen dauerhaft stabilen Wald.
Niedersachsen hat ein Wiederbewaldungsprogramm für den Harz beschlossen. Rund 130 Millionen Euro sollen über zehn Jahre in die Waldentwicklung fließen.
Für die Planung sind vielmehr Bodenverhältnisse, Wasserversorgung, Höhenlage und die erwartete Klimaentwicklung entscheidend. Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt berücksichtigt bei der Baumartenwahl entsprechende Standortdaten und Klimaszenarien. Sie sollen helfen, geeignete Kombinationen für die unterschiedlichen Waldflächen zu bestimmen.
Der Waldumbau im Harz folgt damit keinem starren Pflanzschema. Entscheidend ist, welche Arten unter den jeweiligen Bedingungen voraussichtlich bestehen können und sich zu gemischten Beständen entwickeln.
Die Dimension des Fichtensterbens lässt sich an den Zahlen der vergangenen Jahre ablesen. Wie der NDR im Mai 2026 berichtete, waren in den betrachteten Harzer Landesforsten von ehemals rund 54.000 Hektar Fichtenwald etwa 33.000 Hektar abgestorben. Die Schäden haben das Landschaftsbild vielerorts grundlegend verändert.
Der Borkenkäfer war dabei nicht die alleinige Ursache. Wiederholte Trockenperioden und hohe Temperaturen schwächten zahlreiche Fichten. Unter Wassermangel können sich die Bäume schlechter durch Harzbildung gegen eindringende Käfer verteidigen. Für die Schädlinge entstanden dadurch günstige Bedingungen.
Hinzu kam die Struktur vieler Bestände. Über lange Zeit waren im Harz große, häufig gleichaltrige Fichtenwälder entstanden. Breitet sich ein auf Fichten spezialisierter Schädling in solchen Beständen stark aus, können besonders große zusammenhängende Flächen betroffen sein.
Auch Stürme trugen zu den Waldschäden bei. Das Zusammenspiel der Belastungen führte schließlich dazu, dass zahlreiche Berghänge ihre bisherige Bewaldung verloren. Die Folgen reichen weit über das Absterben einzelner Bäume hinaus: Auf großen Flächen muss sich die Waldvegetation neu entwickeln.
Die Wiederbewaldung läuft bereits seit mehreren Jahren. Nach Angaben des NDR wurden innerhalb von sechs Jahren mehr als 13 Millionen Bäume in den Harzer Landesforsten gepflanzt. Die neue Entscheidung der Landesregierung setzt diese Arbeit fort und soll ihre Finanzierung langfristig absichern.
Wie unterschiedlich die Maßnahmen ausfallen, zeigt ein Projekt bei Bad Sachsa. Dort ließen die Niedersächsischen Landesforsten im Jahr 2025 auf rund 14.000 Quadratmetern Eichen aussäen. Das Saatgut wurde direkt auf der Fläche ausgebracht. Die Methode ergänzt die klassische Pflanzung junger Bäume.
In Braunlage beteiligten sich Freiwillige 2025 an einer weiteren Pflanzaktion. Rund 3.500 standortheimische Bäume wurden gesetzt, darunter Eichen, Winterlinden und Hainbuchen. Solche Maßnahmen sollen die Entwicklung neuer Mischwälder unterstützen.
Wie erfolgreich die bisherigen Pflanzungen langfristig sind, lässt sich aus ihrer Anzahl allerdings nicht ableiten. Entscheidend ist, wie viele junge Bäume anwachsen, spätere Trockenperioden überstehen und sich zu stabilen Waldbeständen entwickeln. Eine aktuelle, flächendeckende Überlebensquote liegt den ausgewerteten Angaben nicht zugrunde.
Mit dem Kabinettsbeschluss vom 6. Oktober 2026 hat Niedersachsen die weitere Entwicklung seiner geschädigten Harzer Landeswälder finanziell unterlegt. Die veranschlagten 130 Millionen Euro beziehen sich auf einen Zeitraum von zehn Jahren. Rund 117 Millionen Euro sollen aus zweckgebundenen Rücklagen der Landesforsten und einem landeseigenen Sondervermögen bereitgestellt werden.
Das Programm umfasst mehr als das Einbringen neuer Baumarten. Neben gezielten Pflanzungen sollen natürliche Ansamung und anschließende Pflegemaßnahmen genutzt werden. Wo bereits junge Bäume wachsen, kann sich der Wald teilweise aus eigener Kraft erneuern. Auf anderen Flächen wird die Entwicklung durch forstwirtschaftliche Maßnahmen unterstützt.
Damit soll nicht möglichst schnell überall derselbe neue Wald entstehen. Die Strategie berücksichtigt, dass sich geschädigte Flächen unterschiedlich entwickeln und die geeigneten Maßnahmen von den örtlichen Voraussetzungen abhängen.
Nicht überall im Harz wird der Wald aktiv umgebaut. Zwischen den bewirtschafteten Landesforsten und dem Nationalpark Harz besteht ein grundlegender Unterschied.
Außerhalb des Nationalparks greifen Forstbetriebe gezielt in die Waldentwicklung ein. Sie pflanzen Bäume, säen geeignete Arten aus und pflegen junge Bestände. Im Nationalpark hingegen hat die natürliche Entwicklung Vorrang. In dessen Naturdynamikzone soll der Wald grundsätzlich ohne steuernde Eingriffe wachsen.
Abgestorbene Fichten bleiben dort vielerorts stehen oder liegen. Das Totholz gehört zu den natürlichen Abläufen im Ökosystem. Auf den betroffenen Flächen können sich neue Waldgenerationen entwickeln, deren Zusammensetzung sich aus den örtlichen Bedingungen ergibt.
Je nach Höhenlage können dabei Buchen, Fichten und andere Arten eine Rolle spielen. Der Nationalpark verfolgt somit ein anderes Ziel als die wirtschaftlich genutzten Landeswälder: Nicht die gezielte Gestaltung bestimmter Bestände steht im Mittelpunkt, sondern die möglichst eigenständige Entwicklung der Natur.
Der Waldumbau im Harz ist längst im Gange. Mit dem neuen Landesprogramm erhält er eine längerfristige finanzielle und organisatorische Grundlage. Aus den ehemaligen Fichtenbeständen sollen nach und nach vielfältigere Wälder entstehen, in denen Laubbäume einen deutlich größeren Anteil haben.
Ob diese Strategie die erhoffte Widerstandsfähigkeit bringt, wird sich allerdings nicht allein an der Zahl gepflanzter Bäume messen lassen. Entscheidend ist, wie sich die neuen Bestände unter den tatsächlichen klimatischen Bedingungen entwickeln – und ob sie auch mit weiteren Trockenperioden, Schädlingen und anderen Belastungen zurechtkommen.
Die Richtung ist damit vorgegeben, das Ergebnis noch offen. Für die Zukunft des Harzes wird maßgeblich sein, ob aus den heutigen Pflanzungen und der natürlichen Waldverjüngung langfristig stabile Mischwälder hervorgehen.
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