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Waldumbau im Oberharz

130 Millionen Euro für den Harzwald: Was Niedersachsens Wiederbewaldungsplan für Braunlage bedeutet

Junge Laubbäume und Nadelbäume in einem nachwachsenden Mischwald mit dichter Bodenvegetation.
Symbolbild: KI-generiert. Die Wiederbewaldung im Harz soll durch natürliche Waldverjüngung und gezielte Pflanzungen widerstandsfähige Mischwälder schaffen.

Niedersachsen will den schwer geschädigten Harzwald mit einem langfristigen Wiederbewaldungsprogramm erneuern. Die Landesregierung hat dafür einen Zehnjahresplan mit geschätzten Kosten von 130 Millionen Euro beschlossen. Auch die Region Braunlage soll vom Waldumbau profitieren können – wie die Mittel auf die einzelnen Forstreviere verteilt werden, ist bislang allerdings nicht bekannt.

Braunlage/Hannover, 22. Oktober 2026. Rund 30.000 Hektar Landeswald im Harz sind seit 2018 schwer geschädigt worden. Wo einst ausgedehnte Fichtenbestände standen, haben Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer großflächige Schäden hinterlassen. Besonders im Oberharz ist der Wandel unübersehbar. Nun soll ein langfristiges Programm den Wiederaufbau der Wälder voranbringen – mit anderen Baumarten, neuen forstwirtschaftlichen Schwerpunkten und einem Finanzbedarf in dreistelliger Millionenhöhe.

Am 6. Oktober 2026 beschloss das niedersächsische Kabinett das Wiederbewaldungs- und Waldentwicklungsprogramm Harz. Nach Angaben der Niedersächsischen Staatskanzlei sollen die Landesforsten damit ihre bereits begonnenen Arbeiten fortsetzen und über einen Zeitraum von zehn Jahren weiterentwickeln. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf rund 130 Millionen Euro.

Für Braunlage und die umliegenden Waldgebiete ist der Beschluss von besonderer Bedeutung. Am Wurmberg und in den angrenzenden Forstrevieren haben die vergangenen Dürrejahre erhebliche Schäden verursacht. Doch das Geld ist nicht ausschließlich für Braunlage vorgesehen. Das Programm umfasst den niedersächsischen Landeswald im Harz insgesamt.

130 Millionen Euro für die Wiederbewaldung im Harz

Die Landesregierung will den Wiederaufbau der geschädigten Waldflächen langfristig absichern. Vorgesehen ist ein Programm, das natürliche Waldverjüngung, gezielte Pflanzungen und die anschließende Entwicklung der Bestände miteinander verbindet. Die bisher dominierenden Fichten sollen dabei nicht einfach durch neue Fichten ersetzt werden.

Der Finanzbedarf von rund 130 Millionen Euro ist eine Schätzung für die kommenden zehn Jahre. Eine sofortige Auszahlung in dieser Höhe ist damit nicht verbunden. Ebenso wenig handelt es sich um eine pauschale Förderung, die einzelnen Städten oder Gemeinden zur freien Verfügung steht.

Von den vorgesehenen Mitteln sollen nach Angaben der Staatskanzlei rund 117 Millionen Euro aus zweckgebundenen Rücklagen der Niedersächsischen Landesforsten und dem land- und forstwirtschaftlichen Bereich des Sondervermögens Wirtschaftsförderfonds stammen. Wie die Finanzierung der gesamten veranschlagten Summe im Einzelnen ausgestaltet wird, geht aus den bislang vorliegenden Angaben nicht vollständig hervor.

Hinzu kommt eine weitere Unsicherheit: Der tatsächliche Aufwand hängt davon ab, wie sich die geschädigten Flächen entwickeln. Wo sich geeignete Baumarten bereits natürlich ansiedeln, können Pflanzungen teilweise entfallen. Auf anderen Flächen sind zusätzliche Maßnahmen notwendig. Auch die Pflege junger Bestände beeinflusst die späteren Kosten.

Der Wiederaufbau läuft bereits seit mehreren Jahren

Der Kabinettsbeschluss markiert keinen vollständigen Neubeginn. Schon im Geschäftsbericht 2022/2023 bezifferten die Niedersächsischen Landesforsten den geschätzten Finanzbedarf für die Wiederbewaldung im Harz auf rund 130 Millionen Euro. Die grundlegenden Planungen reichen somit mehrere Jahre zurück.

Damals war von einer konzeptionellen Wiederbewaldungsfläche von etwa 26.700 Hektar die Rede. Die aktuelle Landesregierung nennt rund 30.000 Hektar schwer geschädigten Landeswald. Die unterschiedlichen Zahlen beschreiben nicht exakt dieselbe Bezugsgröße: Die eine bezieht sich auf die geplante Wiederbewaldung, die andere auf das Ausmaß der Waldschäden.

Neu ist vor allem die politische Bestätigung des langfristigen Programms. Die Landesforsten erhalten damit einen Rahmen, innerhalb dessen sie die laufende Wiederbewaldung und den Waldumbau fortführen sollen.

Das Wichtigste in Kürze

Niedersachsen hat ein zehnjähriges Wiederbewaldungsprogramm für den Harz mit geschätzten Kosten von 130 Millionen Euro beschlossen. Wie viel Geld in die Region Braunlage fließt, ist offen.

Was ist passiert?
Am 6. Oktober 2026 beschloss das niedersächsische Kabinett das Wiederbewaldungs- und Waldentwicklungsprogramm Harz.
Was bedeutet das?
Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf rund 130 Millionen Euro.
Was ist bestätigt?
Rund 30.000 Hektar Landeswald im Harz sind seit 2018 schwer geschädigt worden.
Wo?
Das Bergwaldprojekt dokumentiert für den Wurmberg bei Braunlage rund 80 Hektar abgestorbenen Wald infolge der vergangenen Dürrejahre.
Wann?
Für den 24. Oktober 2026 ist am Wurmberg ein Pflanz- und Pflegetag vorgesehen.
Was gilt konkret?
Grundsätzlich sollen künftig mindestens zwei Drittel der Bestände aus Laubbäumen bestehen.

Stand:

Braunlage und Wurmberg: Die Folgen des Waldsterbens

Wie tiefgreifend sich der Harzwald verändert hat, zeigt sich rund um Braunlage. Gerade in höheren Lagen waren die Fichtenbestände über lange Zeit prägend. Nach mehreren trockenen Jahren und starkem Borkenkäferbefall sind dort zahlreiche Bäume abgestorben. Auf manchen Flächen wächst inzwischen eine neue Waldgeneration heran, andere bleiben weiterhin von den Schäden gekennzeichnet.

Das Bergwaldprojekt dokumentiert für den Wurmberg bei Braunlage rund 80 Hektar abgestorbenen Wald infolge der vergangenen Dürrejahre. Im Bereich des Forstamts Bad Lauterberg nennt der Verein etwa 1.500 Hektar betroffene Waldflächen.

Diese Zahlen machen die regionale Dimension des Waldsterbens deutlich. Sie lassen allerdings nicht erkennen, welcher Teil der landesweit vorgesehenen 130 Millionen Euro auf Braunlage oder den Wurmberg entfallen könnte. Eine entsprechende örtliche Aufschlüsselung liegt bislang nicht vor.

Für den Oberharz steht deshalb neben der grundsätzlichen Finanzierung vor allem die praktische Umsetzung im Mittelpunkt: Welche geschädigten Bestände werden vorrangig entwickelt? Wo reichen natürliche Verjüngungsprozesse aus? Und auf welchen Flächen müssen zusätzliche Bäume gepflanzt werden?

Am Wurmberg wird bereits an der Waldentwicklung gearbeitet

Die Wiederbewaldung ist in der Region keine ausschließlich staatliche Aufgabe. Auch das Bergwaldprojekt engagiert sich für die Entwicklung und Pflege geschädigter Waldflächen. Für den 24. Oktober 2026 ist am Wurmberg ein Pflanz- und Pflegetag vorgesehen.

Solche Einsätze zeigen, wie unterschiedlich die Arbeiten beim Wiederaufbau eines Waldes ausfallen können. Neben der Pflanzung neuer Bäume gehört dazu die Pflege der bereits vorhandenen Vegetation. Entscheidend ist, welche Maßnahmen auf einer bestimmten Fläche tatsächlich benötigt werden.

Ein direkter finanzieller Zusammenhang zwischen dem angekündigten Pflanz- und Pflegetag und dem beschlossenen Landesprogramm ist nicht belegt. Die örtlichen Aktivitäten dürfen daher nicht mit einer konkreten Mittelzuweisung aus dem 130-Millionen-Euro-Programm gleichgesetzt werden.

Waldumbau im Harz: Mehr Laubbäume, weniger Fichten

Die Wiederbewaldung soll nicht dazu dienen, die frühere Zusammensetzung der Wälder unverändert wiederherzustellen. Niedersachsen orientiert sich am Waldbauprogramm LÖWE+, das auf eine langfristige Entwicklung standortgerechter und artenreicher Wälder ausgerichtet ist.

Grundsätzlich sollen künftig mindestens zwei Drittel der Bestände aus Laubbäumen bestehen. Vorgesehen sind unter anderem Buche und Bergahorn. Daneben spielen auch Nadelbaumarten wie Tanne, Lärche und Douglasie eine Rolle. Die Fichte bleibt Bestandteil der Planungen, soll aber deutlich weniger Raum einnehmen als in den früheren großflächigen Beständen.

Hinter diesem Ansatz steht eine Erfahrung aus den vergangenen Jahren: Wälder, die stark von einer einzigen Baumart geprägt werden, können bei bestimmten Belastungen besonders anfällig sein. Im Harz trafen wiederholte Trockenperioden und der Borkenkäfer auf ausgedehnte Fichtenbestände. Die Folgen sind bis heute sichtbar.

Eine größere Vielfalt an Baumarten soll helfen, solche Risiken künftig besser zu verteilen. Unterschiedliche Arten reagieren nicht in gleicher Weise auf Trockenheit, Wärme und weitere Umweltbedingungen. Das Ziel sind widerstandsfähigere Bergmischwälder, deren Zusammensetzung besser zu den veränderten klimatischen Verhältnissen passt.

Warum natürliche Waldverjüngung eine wichtige Rolle spielt

Neue Wälder entstehen nicht ausschließlich durch Pflanzungen. Auf vielen geschädigten Flächen können junge Bäume auch aus Samen heranwachsen, die bereits im Boden vorhanden sind oder von benachbarten Beständen stammen. Diese natürliche Verjüngung ist ein wesentlicher Bestandteil des niedersächsischen Programms.

Wo sich geeignete Baumarten selbst entwickeln, kann dieser Nachwuchs in den Waldumbau einbezogen werden. Wo das nicht ausreicht, sind gezielte Pflanzungen vorgesehen. Beide Wege gehören zum Wiederbewaldungsprogramm und müssen auf die jeweiligen Flächen abgestimmt werden.

Das ist auch für die Kostenplanung bedeutsam. Wie viele Bäume tatsächlich gepflanzt werden müssen und welche Pflege später notwendig wird, lässt sich nicht für sämtliche Flächen über den gesamten Zehnjahreszeitraum exakt vorhersagen.

Was von den Millionen im Oberharz ankommt, ist noch offen

Die grundsätzliche Entscheidung für das Wiederbewaldungsprogramm ist getroffen. Weniger klar ist bislang, wie sich die vorgesehenen Mittel regional verteilen. Für Braunlage gibt es nach den öffentlich zugänglichen Angaben weder eine verbindliche Fördersumme noch eine genaue Übersicht der geplanten Maßnahmen in den einzelnen Forstrevieren.

Auch ein detaillierter Zeitplan für bestimmte Waldflächen im Umfeld des Wurmbergs lässt sich aus dem Kabinettsbeschluss nicht ableiten. Das Landesprogramm legt die langfristige Richtung fest. Welche Arbeiten wann und in welchem Umfang vor Ort erfolgen, bleibt davon zu unterscheiden.

Die Goslarsche Zeitung stellte das Thema in ihrer regionalen Berichterstattung zudem in Zusammenhang mit einem Besuch von Ministerpräsident Olaf Lies und weiteren Mitgliedern der Landesregierung. Ob dabei zusätzliche konkrete Zusagen für Braunlage gemacht wurden, lässt sich anhand der bisher verfügbaren Informationen nicht zuverlässig feststellen.

Fest steht dagegen, dass das Programm nicht auf eine einzelne Stadt zugeschnitten ist. Der Wiederaufbau betrifft große Teile des niedersächsischen Harzes und soll über mehrere Jahre hinweg fortgesetzt werden.

Der Oberharz braucht mehr als einen Finanzierungsbeschluss

Mit dem Zehnjahresprogramm hat Niedersachsen die langfristige Wiederbewaldung des Harzes politisch bekräftigt. Die geschätzten 130 Millionen Euro verdeutlichen den finanziellen Umfang einer Aufgabe, die bereits seit Jahren die Arbeit der Landesforsten bestimmt.

Ob die angestrebten Mischwälder entstehen, wird sich allerdings nicht allein an der bereitgestellten Finanzierung messen lassen. Entscheidend sind die Entwicklung der jungen Bestände, der Erfolg natürlicher Verjüngung und die Pflege der geschädigten Flächen. Ein Wald lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre vollständig erneuern.

Für Braunlage und den gesamten Oberharz rückt damit die nächste Phase in den Vordergrund. Aus dem landesweiten Programm müssen konkrete Maßnahmen in den Forstrevieren werden. Erst wenn deren Umfang, Zeitplan und Finanzierung feststehen, lässt sich beurteilen, welchen unmittelbaren Beitrag der Beschluss zum Wiederaufbau der Wälder rund um Braunlage leisten wird.

Quellen

  1. Kabinett beschließt Wiederbewaldungs- und Waldentwicklungsprogramm HarzNiedersächsische Staatskanzlei
  2. 130 Millionen Euro: Niedersachsen lässt Harz aufforstenNDR
  3. Braunlage – Projekt 008NF2026Bergwaldprojekt e. V.
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