Regionalverkehr im Wandel
Bahnstationen ohne Ticketautomaten: Isenbüttel wird zum Testfall für die Region

Regionalverkehr im Wandel

Neue Bahnstationen, aber keine Fahrkartenautomaten: Im Großraum Braunschweig soll erstmals erprobt werden, ob ein Bahnhalt ohne stationären Ticketverkauf auskommt. Den Anfang macht voraussichtlich Isenbüttel im Dezember 2026, zwei weitere Stationen könnten folgen. Für Reisende stellt sich damit eine wichtige Frage: Wie funktioniert der Fahrkartenkauf künftig ohne Automat und Smartphone?
Braunschweig/Goslar, 1. November 2026. Der Fahrkartenautomat gehört seit Jahrzehnten zur selbstverständlichen Ausstattung deutscher Bahnhöfe. Doch mit dem Deutschlandticket, digitalen Buchungsangeboten und veränderten Reisegewohnheiten verliert der klassische Ticketverkauf vor Ort an Bedeutung. Der Regionalverband Großraum Braunschweig will deshalb bei neuen Bahnstationen einen anderen Weg einschlagen. Drei geplante Haltepunkte könnten künftig ohne eigene Fahrkartenautomaten auskommen.
Den Auftakt soll Isenbüttel im Landkreis Gifhorn machen. Dort entsteht derzeit ein neuer Bahnhalt, dessen Inbetriebnahme für Dezember 2026 vorgesehen ist. Wie regionalHeute.de unter Berufung auf eine Mitteilung für die Verbandsversammlung berichtet, soll an der Station zunächst kein Fahrkartenautomat installiert werden. Stattdessen will der Regionalverband Erfahrungen mit alternativen Vertriebswegen sammeln.
Bewährt sich das Konzept, könnte es auch an den geplanten Stationen Braunschweig-Bienrode und Wolfsburg-Sandkamp umgesetzt werden. Eine grundsätzliche Abschaffung von Ticketautomaten ist damit allerdings nicht beschlossen. Auch für bestehende Bahnhöfe im Landkreis Goslar gibt es bislang keine entsprechende Ankündigung.
Die Überlegungen zum Fahrkartenverkauf sind Teil eines größeren Ausbauprogramms für den regionalen Schienenverkehr. Bereits im April 2026 hatte der Regionalverband Großraum Braunschweig eine Vereinbarung mit der DB InfraGO über drei neue Bahnstationen bekannt gegeben. Sie sollen zusätzliche Einstiegsmöglichkeiten schaffen und das bestehende Schienennetz ergänzen.
Für die neuen Haltepunkte gelten nach bisherigem Planungsstand folgende Termine:
| Geplante Bahnstation | Inbetriebnahme | Ticketautomaten |
|---|---|---|
| Isenbüttel | Dezember 2026 | Test ohne Automat vorgesehen |
| Braunschweig-Bienrode | Dezember 2027 | Verzicht abhängig vom Test |
| Wolfsburg-Sandkamp | Juni 2028 | Verzicht abhängig vom Test |
Am weitesten fortgeschritten ist der Neubau in Isenbüttel. Anfang Juni 2026 begann dort offiziell der Bau. Nach Angaben der Deutschen Bahn beteiligen sich das Land Niedersachsen, der Regionalverband und die DB an der Finanzierung. Das Investitionsvolumen liegt im einstelligen Millionenbereich.
Der geplante Eröffnungstermin im Dezember ist zugleich der Ausgangspunkt für den Versuch mit dem veränderten Ticketvertrieb. Ob die Station tatsächlich wie vorgesehen in Betrieb geht, bleibt vom weiteren Projektverlauf abhängig.
Isenbüttel soll zunächst zeigen, wie der Betrieb ohne stationären Fahrkartenautomaten funktioniert. Erst auf Grundlage dieser Erfahrungen könnte das Modell auf Braunschweig-Bienrode und Wolfsburg-Sandkamp übertragen werden.
Damit unterscheiden sich die Pläne von einer pauschalen Entscheidung gegen Automaten an allen künftigen Bahnhöfen. Der Regionalverband setzt nach dem bislang bekannten Stand auf eine schrittweise Erprobung. Welche Kriterien für die Bewertung des Versuchs maßgeblich sein werden, ist noch nicht abschließend bekannt.
Die wirtschaftliche Begründung für den geplanten Verzicht ist nachvollziehbar: Ein Fahrkartenautomat kostet Geld, unabhängig davon, wie viele Menschen ihn tatsächlich benutzen. Nach den von regionalHeute.de wiedergegebenen Angaben des Regionalverbands würde die Anschaffung eines zusätzlichen Geräts bis zu 20.000 Euro kosten. Wartung und laufender Betrieb kommen hinzu.
In Isenbüttel soll ein neuer Bahnhalt ohne Ticketautomat erprobt werden. Weitere Stationen könnten folgen; für bestehende Bahnhöfe in Goslar sind keine Änderungen angekündigt.
Gleichzeitig sinkt nach Darstellung des Verbands seit Jahren die Zahl der an Automaten verkauften Fahrkarten. Das Deutschlandticket hat diese Entwicklung weiter verstärkt. Wer regelmäßig mit einem bundesweit gültigen Nahverkehrsabonnement unterwegs ist, benötigt für die einzelnen Fahrten keinen zusätzlichen Fahrschein.
Für die Planung neuer Bahnstationen verändert das die Ausgangslage. Während Automaten bisher zur üblichen Ausstattung gehörten, wird nun geprüft, ob sich die Investition an neuen Standorten noch rechtfertigen lässt.
Der Wandel betrifft nicht nur die Technik am Bahnhof. Auch die Art, wie Reisende ihre Fahrkarten erwerben, hat sich verändert. Abonnements und digitale Buchungsangebote ermöglichen den Ticketkauf unabhängig vom Standort. Der Automat ist damit nicht mehr für jeden Fahrgast die erste Anlaufstelle.
Allerdings profitieren nicht alle Reisenden gleichermaßen von dieser Entwicklung. Wer nur gelegentlich mit dem Zug fährt, kauft möglicherweise weiterhin einen Einzelfahrschein. Für Menschen ohne Smartphone oder ohne dauerhaftes Abonnement ist deshalb entscheidend, welche anderen Vertriebswege zur Verfügung stehen.
Gerade an neuen Haltepunkten ohne Fahrkartenautomaten muss diese Frage geklärt sein. Denn die Möglichkeit, einen Fahrschein digital zu erwerben, ersetzt nicht für jeden Reisenden den bisherigen Kauf am Bahnhof.
Ein Bahnhof ohne Ticketautomat bedeutet nicht zwangsläufig, dass Fahrgäste künftig ausschließlich über eine App reisen können. Der Nahverkehrsplan 2025 des Regionalverbands beschreibt mehrere Wege zum Erwerb von Fahrscheinen.
Eine Alternative ist beispielsweise das Deutschlandticket auf einer Chipkarte. Es kann über die Abozentrale des Verkehrsverbunds Region Braunschweig bezogen werden. Für dieses Abonnement ist daher kein Smartphone erforderlich.
Anders liegt der Fall bei Reisenden, die spontan eine einzelne Fahrt antreten möchten. Welche konkreten Möglichkeiten ihnen an den neuen Stationen ohne Automaten angeboten werden sollen, lässt sich aus den bislang veröffentlichten Angaben nicht abschließend entnehmen.
Die Unterscheidung ist wesentlich: Ein vorhandenes Abonnement löst die Frage des Ticketkaufs für regelmäßige Nutzer. Wer dagegen nur eine einzelne Verbindung benötigt, muss weiterhin einen geeigneten Vertriebsweg finden.
Mit dem Wegfall eines Automaten ist nicht automatisch eine Erlaubnis verbunden, Fahrscheine erst während der Fahrt zu kaufen. Der Nahverkehrsplan des Regionalverbands sieht für den Schienenpersonennahverkehr in Niedersachsen grundsätzlich vor, dass Reisende bereits vor Fahrtantritt eine gültige Fahrkarte besitzen.
Für bestimmte Verbindungen nach Sachsen-Anhalt bestehen Ausnahmen. Daraus ergibt sich jedoch keine allgemeine Sonderregelung für die geplanten Haltepunkte in Isenbüttel, Braunschweig-Bienrode oder Wolfsburg-Sandkamp.
Wer künftig von einer solchen Station abfahren möchte, sollte deshalb nicht davon ausgehen, dass der Fahrscheinkauf im Zug ohne Weiteres möglich ist.
Nach den bisherigen Planungen sollen Reisende an den neuen Bahnstationen, in den Zügen und über weitere Informationsangebote auf die verfügbaren Vertriebswege hingewiesen werden. Wie diese Hinweise konkret aussehen und welche Kaufmöglichkeiten für Gelegenheitsfahrer vorgesehen sind, bleibt ein wichtiger Punkt bei der Umsetzung.
Obwohl die drei neuen Stationen außerhalb des Landkreises Goslar liegen, fällt das Thema auch in den Zuständigkeitsbereich des Regionalverbands Großraum Braunschweig. Dieser ist für die übergeordnete Nahverkehrsplanung in der gesamten Region verantwortlich, zu der auch Goslar gehört.
Für Reisende aus Goslar, Bad Harzburg und Vienenburg ergibt sich daraus zunächst keine unmittelbare Änderung. Die angekündigte Erprobung betrifft neue Haltepunkte, nicht den bestehenden Automatenbestand an den Bahnhöfen des Landkreises.
Der Nahverkehrsplan 2025 beschreibt für die vorhandenen Bahnstationen im Verbandsgebiet bisher eine Ausstattung mit mindestens einem Fahrkartenautomaten. Der nun vorgesehene Versuch in Isenbüttel würde somit von der bisherigen Praxis abweichen.
Ob der Regionalverband zu einem späteren Zeitpunkt auch die Ausstattung bestehender Stationen überprüft, ist anhand der bislang bekannten Unterlagen nicht belegt. Eine entsprechende Absicht lässt sich aus dem Neubauprojekt allein nicht ableiten.
Der Regionalverband arbeitet neben den drei bereits vereinbarten Projekten an weiteren möglichen Bahnstationen. Dazu zählen Wendessen, Salzgitter-Thiede, Braunschweig-Leiferde und Braunschweig-West.
Diese Vorhaben befinden sich in unterschiedlichen Planungsstadien. Sie sind deshalb weder hinsichtlich ihrer Inbetriebnahme noch bei der vorgesehenen Ausstattung mit den Stationen Isenbüttel, Bienrode und Sandkamp gleichzusetzen.
Nach Angaben des Regionalverbands verfügte die Region im Oktober 2026 über insgesamt 46 bestehende Bahnhalte. 41 davon waren barrierefrei. Der geplante Neubau weiterer Stationen ist damit Teil einer umfassenderen Entwicklung des regionalen Schienenverkehrs.
Der geplante Versuch in Isenbüttel markiert einen möglichen Wechsel bei der Ausstattung neuer Bahnstationen. Bislang gehörten Fahrkartenautomaten zum gewohnten Bild. Nun soll erstmals geprüft werden, ob der stationäre Verkauf angesichts veränderter Nutzungsgewohnheiten verzichtbar ist.
Die finanziellen Gründe sind benannt, der Rückgang des Automatenverkaufs ebenfalls. Offen bleibt vor allem, wie der Zugang zu Fahrkarten für jene Reisenden gesichert wird, die kein digitales Ticket verwenden und nicht regelmäßig mit einem Abonnement unterwegs sind.
Für Braunschweig-Bienrode und Wolfsburg-Sandkamp hängt die weitere Planung von den Erfahrungen am ersten Standort ab. An bestehenden Bahnhöfen im Landkreis Goslar ändert sich nach dem derzeit bekannten Stand nichts.
Damit wird Isenbüttel zum ersten praktischen Prüfstein für eine Frage, die über den einzelnen Haltepunkt hinausreicht: Ob neue Bahnstationen künftig ohne Fahrkartenautomaten auskommen können, entscheidet sich nicht allein an sinkenden Verkaufszahlen und eingesparten Kosten. Maßgeblich wird auch sein, ob der Fahrkartenkauf für alle Reisenden zuverlässig möglich bleibt.
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