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Endlagersuche in Mitteldeutschland

Atommüll-Endlagersuche: Auch der Harz bleibt Teil der Standortprüfung

Geologische Karte mit markierten Flächen sowie Proben aus Salz, Granit und Tongestein zur Endlagersuche im Harz
Symbolbild: KI-generiert. Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager werden Gesteinsformationen untersucht. Auch Gebiete im Harz bleiben in der Prüfung.

Die Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland wird konkreter. Nach einer neuen Bewertung der Bundesgesellschaft für Endlagerung scheidet Sachsen aus dem laufenden Auswahlverfahren aus, während Teile Sachsen-Anhalts und Thüringens weiter untersucht werden. Die verbliebenen Suchflächen umfassen inzwischen weniger als fünf Prozent Deutschlands. Für mehrere Regionen Sachsen-Anhalts bleibt damit eine entscheidende Frage offen: Welche Gebiete kommen tatsächlich für die nächste Phase der Endlagersuche infrage?

Magdeburg, 31. Oktober 2026 – Sachsen-Anhalt bleibt bei der Suche nach einem deutschen Atommüll-Endlager im Rennen. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am 27. Oktober neue Ergebnisse ihrer geologischen Untersuchungen veröffentlicht. Demnach kommen weiterhin einzelne Gebiete in der Altmark, im Harz, in der Börde, im Salzlandkreis und im Süden des Landes als mögliche Standortregionen infrage. Große Teile Sachsen-Anhalts wurden dagegen aus der weiteren Prüfung genommen.

Die Eingrenzung ist erheblich. Ende 2025 gehörte noch ungefähr die Hälfte der Landesfläche zu den weiter betrachteten Gebieten. Inzwischen sind es weniger als zehn Prozent. Das berichtete der MDR unter Berufung auf die Geschäftsführung der BGE.

Während Sachsen nach der aktuellen Bewertung vollständig aus der laufenden Standortsuche ausscheidet, bleiben in Thüringen ebenfalls einzelne Flächen im Verfahren. Eine Entscheidung über den künftigen Standort für hochradioaktive Abfälle ist damit allerdings nicht verbunden. Bis dahin stehen weitere Untersuchungen und politische Beschlüsse aus.

Atommüll-Endlager: Suchfläche bundesweit auf unter fünf Prozent geschrumpft

Die neuen Ergebnisse markieren einen weiteren Einschnitt bei der bundesweiten Endlagersuche. Noch vor wenigen Jahren wurde mehr als die Hälfte Deutschlands als grundsätzlich untersuchungswürdig eingestuft. Inzwischen konzentrieren sich die Arbeiten auf einen vergleichsweise kleinen Teil des Bundesgebiets.

Als die BGE im Jahr 2020 ihren ersten Zwischenbericht vorlegte, umfassten 90 sogenannte Teilgebiete knapp 54 Prozent der deutschen Landesfläche. Ende 2025 wurden noch ungefähr 25 Prozent weiter betrachtet. Mit dem aktuellen Arbeitsstand ist dieser Anteil auf weniger als fünf Prozent gesunken.

Nach Angaben der BGE verbleiben 36 Teilgebiete in der laufenden Untersuchung. Diese Zahl bezeichnet jedoch keine bereits ausgewählten Endlagerstandorte. Es handelt sich um geologische Gebiete, deren Eignung anhand gesetzlich festgelegter Sicherheitsanforderungen weiter geprüft wird.

Die zentrale Aufgabe ist anspruchsvoll: Hochradioaktive Abfälle müssen über einen Zeitraum von mindestens einer Million Jahren sicher eingeschlossen werden können. Deshalb steht bei der Auswahl nicht die geografische Lage im Vordergrund, sondern die Beschaffenheit des Untergrunds.

Untersucht werden unter anderem die langfristige Stabilität der Gesteinsformationen, ihre Durchlässigkeit und die Frage, ob radioaktive Stoffe durch Wasser transportiert werden könnten. Ein Gebiet bleibt nur dann im Verfahren, wenn die geologischen Voraussetzungen eine weitere Prüfung rechtfertigen.

Welche Gebiete in Sachsen-Anhalt weiter untersucht werden

Für Sachsen-Anhalt bedeutet der neue Arbeitsstand eine deutliche Verkleinerung der potenziellen Standortregionen. Dennoch ist die Suche im Land keineswegs beendet.

Weiterhin berücksichtigt werden einzelne Gebiete in der Altmark, im Harz, in der Börde, im Salzlandkreis und im südlichen Sachsen-Anhalt. Im Mittelpunkt stehen dort insbesondere Salzformationen und bestimmte kristalline Gesteinsbereiche.

Die räumliche Eingrenzung sagt allerdings noch nichts darüber aus, welcher dieser Bereiche am Ende die besten Voraussetzungen erfüllen könnte. Die verbliebenen Gebiete werden weiter bewertet; eine Rangfolge möglicher Endlagerstandorte lässt sich daraus nicht ableiten.

Burgenlandkreis: Flächen bei Bad Bibra und Karsdorf bleiben betroffen

Das Wichtigste in Kürze

Die BGE hat die bundesweiten Suchflächen auf weniger als fünf Prozent reduziert. Gebiete im Harz und in Sachsen-Anhalt bleiben in Prüfung, während Sachsen ausscheidet.

Was ist passiert?
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am 27. Oktober neue Ergebnisse ihrer geologischen Untersuchungen veröffentlicht.
Wo?
Weiterhin berücksichtigt werden einzelne Gebiete in der Altmark, im Harz, in der Börde, im Salzlandkreis und im südlichen Sachsen-Anhalt.
Was ist bestätigt?
Inzwischen sind es weniger als zehn Prozent.
Was bedeutet das?
Nach Angaben der BGE verbleiben 36 Teilgebiete in der laufenden Untersuchung.
Wer ist betroffen?
Eine zweite Fläche befindet sich nördlich von Karsdorf und Reinsdorf.
Was ist noch offen?
Bis Ende 2027 will das Unternehmen einen Vorschlag für jene Standortregionen vorlegen, die anschließend übertägig erkundet werden sollen.

Stand:

Wie konkret die Endlagersuche einzelne Regionen betrifft, zeigt der Burgenlandkreis. Die Kreisverwaltung hat am 27. Oktober auf Grundlage der neuen BGE-Ergebnisse mitgeteilt, dass weiterhin zwei Gebiete innerhalb des Landkreises untersucht werden.

Eine der Flächen liegt westlich von Bad Bibra. Sie umfasst unter anderem Bereiche im Umfeld von Orlas, Borgau, Wallroda, Tauhardt, Kahlwinkel, Eisbach und Lossa. Das untersuchte Gebiet reicht bis in den benachbarten thüringischen Raum.

Eine zweite Fläche befindet sich nördlich von Karsdorf und Reinsdorf. Sie erstreckt sich bis zur Grenze zum Saalekreis.

Damit bleiben Teile des Burgenlandkreises unmittelbar von der weiteren Standortprüfung betroffen. Eine Festlegung auf diese Gebiete ist damit nicht verbunden. Auch die Aufnahme in den aktuellen Arbeitsstand bedeutet nicht, dass dort später tatsächlich ein Endlager errichtet wird.

Für die betroffenen Kommunen ist vor allem entscheidend, ob ihre Gebiete auch die nächste Auswahlstufe erreichen. Erst mit der geplanten Benennung konkreter Standortregionen wird sich zeigen, welche Flächen die BGE für weitergehende Untersuchungen vorschlägt.

Warum Salz und Granit weiterhin eine Rolle spielen

Die geologischen Unterschiede innerhalb Sachsen-Anhalts sind für das Verfahren maßgeblich. Grundsätzlich kommen bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle drei Wirtsgesteine infrage: Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein, beispielsweise Granit.

Jede dieser Gesteinsarten besitzt Eigenschaften, die unter geeigneten Bedingungen zum langfristigen Einschluss radioaktiver Stoffe beitragen können. Salz kann Hohlräume durch seine Verformbarkeit verschließen. Tongestein weist eine geringe Durchlässigkeit auf. Auch kristalline Gesteinsformationen können unter bestimmten geologischen Voraussetzungen geeignet sein.

Ob ein Gebiet tatsächlich infrage kommt, hängt jedoch von weit mehr ab als vom vorhandenen Gesteinstyp. Entscheidend ist das Zusammenspiel der geologischen Bedingungen über sehr lange Zeiträume.

In Sachsen-Anhalt werden die zuvor betrachteten Tongesteinsgebiete nach der aktuellen Bewertung nicht weiterverfolgt. Bestimmte Salz- und Granitformationen bleiben dagegen Gegenstand der Untersuchungen. Die neue Eingrenzung folgt damit der Bewertung konkreter geologischer Eigenschaften und nicht einer politischen Verteilung möglicher Standorte auf die Bundesländer.

Sachsen ausgeschieden, Thüringen teilweise weiter im Verfahren

Besonders deutlich fällt die Veränderung im benachbarten Sachsen aus. Dort werden nach dem neuen Arbeitsstand der BGE keine Gebiete mehr als mögliche Standortregionen weiterverfolgt.

Das betrifft unter anderem zuvor untersuchte Flächen in den Landkreisen Bautzen, Mittelsachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Erzgebirgskreis. Sachsen gehört damit nicht mehr zu den Ländern, in denen die BGE gegenwärtig nach geeigneten Standortregionen sucht.

Ministerpräsident Michael Kretschmer begrüßte die Entwicklung. Die sächsische Landesregierung hatte insbesondere die geologische Eignung der dortigen Granitformationen kritisch gesehen.

Die Bewertung der BGE ist jedoch von dieser politischen Position zu unterscheiden. Maßgeblich für die Eingrenzung sind die geologischen Untersuchungen und die Sicherheitsanforderungen des Auswahlverfahrens.

Thüringer Becken bleibt für die Endlagersuche relevant

In Thüringen ergibt sich ein differenzierteres Bild. Auch dort sind zahlreiche zuvor betrachtete Flächen ausgeschieden. Einzelne Gebiete bleiben jedoch im Verfahren.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur betrifft das insbesondere den Landkreis Sömmerda und dessen Umgebung. Im Thüringer Becken befinden sich Salzformationen, deren Eignung weiterhin untersucht wird.

Nicht weiterverfolgt werden dagegen Flächen im Unstrut-Hainich-Kreis, im Ilm-Kreis und im Werra-Fulda-Becken.

Damit unterscheidet sich die Lage in den drei mitteldeutschen Bundesländern deutlich. Sachsen ist aus der aktuellen Standortauswahl ausgeschieden. Sachsen-Anhalt und Thüringen bleiben mit erheblich verkleinerten Suchflächen beteiligt. Ob eine dieser Regionen tatsächlich in die nächste Phase gelangt, ist noch offen.

Endlagersuche 2027: Wann die nächste Entscheidung ansteht

Mit der Veröffentlichung der neuen Ergebnisse ist die Suche nach einem Atommüll-Endlager noch lange nicht abgeschlossen. Die BGE befindet sich weiterhin in der ersten Phase des gesetzlich geregelten Standortauswahlverfahrens.

Bis Ende 2027 will das Unternehmen einen Vorschlag für jene Standortregionen vorlegen, die anschließend übertägig erkundet werden sollen. Die Auswahl dieser Regionen ist ein wichtiger Schritt, aber noch keine Entscheidung über den endgültigen Standort.

Über die weitere Erkundung entscheidet der Gesetzgeber. Danach wären zusätzliche geologische Untersuchungen erforderlich, bevor ein Standort abschließend bewertet werden könnte.

Zwischen der derzeitigen Eingrenzung, einer möglichen Erkundung und dem späteren Betrieb eines Endlagers liegen somit mehrere eigenständige Verfahrensschritte. Ein verbindlicher Termin für die tatsächliche Einlagerung hochradioaktiver Abfälle ergibt sich aus dem aktuellen BGE-Arbeitsstand nicht.

Für Sachsen-Anhalt ist deshalb vor allem der nächste Auswahlvorschlag von Bedeutung. Er wird zeigen, ob die heute noch berücksichtigten Gebiete in der Altmark, im Harz, in der Börde oder im Süden des Landes auch für vertiefte Untersuchungen infrage kommen.

Sachsen-Anhalt bleibt im Blick – eine Standortentscheidung ist noch weit entfernt

Die neue Eingrenzung schafft vor allem eines: mehr Klarheit über die geografische Ausdehnung der Endlagersuche. Sachsen-Anhalt gehört weiterhin zu den möglichen Standortländern, doch der überwiegende Teil seiner Fläche wird nicht mehr untersucht.

Für die verbleibenden Regionen ändert das nichts an der grundsätzlichen Unsicherheit. Weder die Altmark noch der Harz oder der Burgenlandkreis sind als Endlagerstandorte bestimmt. Ihre geologischen Formationen werden lediglich weiter geprüft.

Der Unterschied ist wesentlich. Aus einer fortgesetzten Untersuchung lässt sich weder eine konkrete Standortentscheidung noch eine Wahrscheinlichkeit für die spätere Auswahl ableiten. Erst die weiteren Sicherheitsbewertungen werden zeigen, welche Gebiete die Anforderungen erfüllen könnten.

Mit dem für Ende 2027 angekündigten Vorschlag der BGE dürfte die Endlagersuche erneut konkreter werden. Bis dahin steht fest, dass Sachsen aus dem laufenden Verfahren ausgeschieden ist. Für Sachsen-Anhalt und Thüringen bleibt die Standortfrage dagegen offen.

Quellen

  1. Die Endlagersuche wird konkreterBundesgesellschaft für Endlagerung
  2. Atommüll-Endlager: Sachsen ungeeignet, Sachsen-Anhalt und Thüringen kommen weiter infrageMDR
  3. Teile des Burgenlandkreises nach wie vor als Atommüll-Endlager möglichBurgenlandkreis
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