Schiffsbergung im Harz
MS „Aquamarin“: Neue Arbeiten am Okersee rücken Bergung in den Fokus

Schiffsbergung im Harz

Die geplante Bergung der MS „Aquamarin“ aus der Okertalsperre könnte vorankommen. Am Ufer des Stausees im Harz sind erste Arbeiten bekannt geworden, nachdem die Entfernung des stillgelegten Fahrgastschiffs bereits mehrfach verschoben worden war. Ob das Schiff nun tatsächlich aus dem Wasser geholt wird, ist noch offen – ebenso die Frage, was anschließend mit ihm geschieht.
Oberharz, 15. Oktober 2026. Die MS „Aquamarin“ liegt noch immer an der Okertalsperre. Seit Monaten wartet das ehemalige Ausflugsschiff auf seine Bergung. Nun gibt es Hinweise darauf, dass die Vorbereitungen vorankommen. Wie die Goslarsche Zeitung berichtet, sind am Ufer erste Arbeiten zu beobachten, die im Zusammenhang mit der geplanten Entfernung des Schiffes stehen könnten. Die Harzwasserwerke haben sich gegenüber der Zeitung zu den Hintergründen geäußert.
Ein konkreter Bergungstermin ist bislang nicht bestätigt. Auch steht nach den öffentlich verfügbaren Informationen nicht fest, ob die Arbeiten bereits unmittelbar der Entfernung des Schiffes dienen oder zunächst die technischen Voraussetzungen dafür schaffen sollen. Sicher ist: Die Bergung der MS „Aquamarin“ beschäftigt die Verantwortlichen schon deutlich länger als ursprünglich vorgesehen.
Eigentlich sollte das rund 35 Meter lange Fahrgastschiff bereits im Herbst 2025 aus der Okertalsperre verschwinden. Doch der ursprüngliche Zeitplan ließ sich nicht einhalten. Noch im Juli 2026 lag die „Aquamarin“ ungenutzt im Stausee. Die geplante Bergung blieb eine offene Aufgabe.
Die Schwierigkeiten haben mehrere Ursachen. Neben den technischen Anforderungen spielt auch die wirtschaftliche Situation des früheren Schifffahrtsunternehmens eine Rolle. Der Betreiber geriet Ende 2024 in ein Insolvenzverfahren. Im August 2025 wurde der Fahrgastbetrieb auf dem Okersee offiziell eingestellt.
Damit endete eine über Jahrzehnte gewachsene touristische Nutzung. Zugleich stellte sich die Frage, wie das verbliebene Schiff aus dem Gewässer entfernt werden kann. Für die Harzwasserwerke, die die Talsperre betreiben, ist das keine gewöhnliche Transportaufgabe. Größe und Gewicht des Wasserfahrzeugs sowie die Bedingungen am Ufer müssen bei der Planung berücksichtigt werden.
Wie der Norddeutsche Rundfunk im Juli berichtete, wurden verschiedene technische Verfahren geprüft. Eine abschließende öffentliche Bestätigung der inzwischen gewählten Bergungsmethode liegt nicht vor.
Im Mittelpunkt der bisherigen Überlegungen standen zwei Möglichkeiten: Das Schiff könnte mit einem Kran aus dem Wasser gehoben oder über eine dafür vorbereitete Anlage an Land gezogen werden.
Für die zweite Variante wären entsprechende Schienen beziehungsweise eine geeignete Slipanlage erforderlich. Ende Juli berichtete das Nachrichtenportal regionalHeute.de unter Berufung auf die Harzwasserwerke, dass eine Bergung über eine solche Anlage angestrebt werde.
Die jetzt gemeldeten Arbeiten am Ufer könnten zu diesen Vorbereitungen gehören. Welche Maßnahmen dort konkret ausgeführt werden, lässt sich aus den bislang zugänglichen Informationen allerdings nicht abschließend bestimmen. Ebenso wenig ist bestätigt, dass bereits mit dem eigentlichen Herausziehen des Schiffes begonnen wurde.
Offen bleibt auch der finanzielle Aufwand. Nach früheren Angaben sollen die Harzwasserwerke die Kosten der Bergung übernehmen. Eine belastbare Summe wurde bislang nicht veröffentlicht.
Die Entwicklung fällt in eine ungewöhnliche Phase für die Okertalsperre. Anfang Oktober lag ihr Füllstand bei nur noch rund 17 Prozent. Darüber berichtete die Tagesschau am 7. Oktober unter Berufung auf den NDR.
Prüfstatus: developing
Wie stark der Wasserstand gesunken ist, zeigte sich an anderer Stelle des Stausees besonders deutlich: Überreste des früheren Dorfes Alt-Schulenberg wurden wieder sichtbar. Die Siedlung war im Zuge des Talsperrenbaus aufgegeben worden und liegt normalerweise unter der Wasseroberfläche.
Der niedrige Pegel ist auch für die Bergungsplanung von Bedeutung. Bereits in früheren Berichten wurde der Wasserstand als einer der Faktoren genannt, die bei der Entfernung der MS „Aquamarin“ berücksichtigt werden müssen.
Ob die aktuelle Niedrigwassersituation die Bergung erleichtert, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Die technischen Bedingungen hängen nicht allein davon ab, wie viel Wasser sich im Stausee befindet. Entscheidend ist, welches Verfahren eingesetzt wird und welche Voraussetzungen dafür am Ufer geschaffen werden müssen.
Gerade deshalb ist die jüngste Entwicklung bemerkenswert. Nachdem über Monate vor allem über mögliche Bergungsverfahren und verschobene Planungen berichtet worden war, stehen nun konkrete Arbeiten am Ufer im Mittelpunkt.
Der Bericht der Goslarschen Zeitung vom 15. Oktober deutet darauf hin, dass sich bei der Vorbereitung der Bergung etwas bewegt. Wie weit diese Maßnahmen fortgeschritten sind, bleibt allerdings offen.
Eine vorbereitete Fläche, eine technische Einrichtung am Ufer oder Arbeiten an einer möglichen Slipanlage wären noch nicht gleichbedeutend mit der eigentlichen Bergung. Erst wenn das Schiff tatsächlich aus dem Wasser geholt wird, ist dieser Schritt vollzogen.
Für die MS „Aquamarin“ gibt es derzeit weder einen öffentlich bestätigten Abtransporttermin noch einen verlässlichen Zeitplan für die vollständige Entfernung aus der Talsperre. Auch über den anschließenden Verbleib des Fahrgastschiffes liegen keine abschließenden Angaben vor.
Die Geschichte der MS „Aquamarin“ reicht weit über die aktuelle Bergungsfrage hinaus. Seit 1972 gab es auf der Okertalsperre regelmäßige Fahrgastschifffahrt. Für Besucher des Oberharzes gehörten Rundfahrten über den Stausee lange zum touristischen Angebot der Region.
1983 übernahm die Familie Römermann den Betrieb. Ab 1994 führte Michael Jonas Römermann das Unternehmen. Die spätere MS „Aquamarin“ kam im März 2001 auf die Okertalsperre. Zuvor war das Schiff unter dem Namen „Sauerland“ auf dem Biggesee unterwegs gewesen.
Mit seinen rund 35 Metern Länge prägte das Fahrgastschiff über viele Jahre das Bild des Okersees. Es verband die touristische Nutzung der Talsperre mit einem Angebot, das für Ausflügler und Urlauber gleichermaßen zugänglich war.
Der Betrieb geriet schließlich in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Nach der Insolvenz des Unternehmens wurde die Schifffahrt im August 2025 offiziell eingestellt. Seitdem finden keine regulären Rundfahrten mit der „Aquamarin“ mehr statt.
Das Schiff blieb zurück. Während der Fahrgastbetrieb längst beendet ist, muss seine Entfernung aus dem Gewässer noch umgesetzt werden.
Ob der Okersee künftig wieder mit einem Ausflugsschiff befahren wird, ist ungeklärt. Grundsätzlich schließen die Harzwasserwerke eine Wiederaufnahme der Fahrgastschifffahrt nicht aus. Allerdings müsste ein entsprechendes Angebot andere technische Anforderungen erfüllen als der bisherige Betrieb.
Eine zentrale Voraussetzung ist ein elektrischer Antrieb. Hintergrund sind die Anforderungen des Trinkwasserschutzes. Die Okertalsperre ist nicht nur ein Ausflugsziel, sondern auch Bestandteil der regionalen Wasserwirtschaft und Wasserversorgung.
Bereits im August 2025 berichtete der NDR, dass sich kein Investor gefunden hatte, der die MS „Aquamarin“ übernehmen und auf Elektroantrieb umrüsten wollte.
Damit blieb die Perspektive für das vorhandene Schiff ebenso ungewiss wie die Zukunft eines möglichen neuen Schifffahrtsangebots. Konkrete Pläne für eine Wiederaufnahme des Linien- oder Ausflugsbetriebs sind bislang nicht bekannt.
Selbst wenn die Bergung in absehbarer Zeit gelingt, wäre damit noch nicht über die Zukunft des Schiffes entschieden. Bislang ist öffentlich nicht abschließend geklärt, ob die „Aquamarin“ anschließend eingelagert, verkauft, anderweitig verwertet oder verschrottet werden soll.
Die geplante Entfernung aus der Okertalsperre bedeutet daher nicht automatisch das endgültige Ende des Wasserfahrzeugs. Sie beendet zunächst dessen Verbleib im Stausee.
Auch eine akute Gefährdung des Gewässers wurde von den Verantwortlichen zuletzt nicht festgestellt. Ende Juli erklärten die Harzwasserwerke nach einem Bericht von regionalHeute.de, das stillgelegte Schiff sei gesichert und werde überwacht. Nach damaliger Einschätzung ging von ihm kein Sicherheitsrisiko für die Talsperre aus.
Die Bergung ist somit keine öffentlich bestätigte Notfallmaßnahme, sondern ein seit längerem vorgesehenes Vorhaben. Dass die Umsetzung mehr Zeit benötigt als zunächst geplant, zeigt die Entwicklung seit Herbst 2025.
Für die MS „Aquamarin“ könnte mit den jüngsten Arbeiten am Ufer eine neue Phase beginnen. Nach Monaten ohne sichtbaren Abschluss der Bergungsplanung richtet sich der Blick wieder auf die Okertalsperre und die technischen Voraussetzungen für die Entfernung des Schiffes.
Der aktuelle Stand erlaubt allerdings noch keine Aussage darüber, wann die „Aquamarin“ tatsächlich an Land gebracht wird. Dafür fehlen eine bestätigte Terminangabe und eindeutige Informationen über den Fortschritt der Arbeiten.
Fest steht, dass der frühere Fahrgastbetrieb beendet ist und die Harzwasserwerke die Entfernung des Schiffes seit längerem vorbereiten. Eine mögliche Rückkehr der Schifffahrt auf dem Okersee wäre davon unabhängig und müsste unter den Anforderungen des Trinkwasserschutzes neu organisiert werden.
Vorerst bleibt die MS „Aquamarin“ damit an der Okertalsperre. Die Arbeiten am Ufer sind ein neuer Anlass, die Entwicklung zu verfolgen. Ob daraus in Kürze die lange geplante Bergung wird, hängt von den weiteren Schritten der Verantwortlichen ab.
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