Denkmal im Harz
Westendorf 38 in Halberstadt: Warum das Fachwerk-Denkmal teilweise zurückgebaut wurde

Denkmal im Harz

Von dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus Westendorf 38 in Halberstadt ist derzeit nur ein Teil der historischen Konstruktion erhalten. Nicht mehr erhaltungsfähige Bauteile wurden entfernt, wertvolle Fachwerk- und Giebelbereiche dagegen gesichert. Für rund 2,57 Millionen Euro soll das Gebäude nun so stabilisiert werden, dass später ein Innenausbau und eine neue Nutzung möglich werden.
Halberstadt, 20. September 2026. Das Gebäude im Westendorf wirkt auf den ersten Blick wie ein Widerspruch: Ein Haus steht unter Denkmalschutz – und trotzdem fehlen Dach, Geschossdecken und weitere Teile der ursprünglichen Konstruktion. Bei Westendorf 38 ist dieser Zustand allerdings kein Zeichen eines aufgegebenen Projekts. Er ist Teil einer mehrjährigen Sicherung.
Das historische Wohnhaus wird als Baudenkmal geführt und war über Jahre vom Verfall bedroht. Inzwischen konzentrieren sich die Arbeiten darauf, die noch erhaltungsfähige historische Substanz zu bewahren und das Gebäude wieder dauerhaft zu sichern. Nach Angaben der SALEG Unternehmensgruppe belaufen sich die Gesamtkosten des Vorhabens auf rund 2,57 Millionen Euro.
Die Vorgeschichte reicht mehrere Jahre zurück. 2022 wurde das Gebäude Westendorf 38 vermessen, dokumentiert und bauhistorisch untersucht. Dabei ging es um eine zentrale Frage: Welche Teile des alten Hauses lassen sich noch erhalten?
Im folgenden Jahr wurde diese Trennung sichtbar. Als erhaltenswert eingestufte Bereiche wurden gesichert, darunter die südliche Fachwerkfassade und beide Giebelwände. Andere Konstruktionsteile waren dagegen nicht mehr erhaltungsfähig. Dachtragwerk, Geschossdecken und Schornsteine wurden zurückgebaut.
Deshalb wirkt das Fachwerkhaus heute ungewöhnlich offen. Von einem „Haus ohne Mauern“ zu sprechen, wäre dennoch zu pauschal. Gerade Teile der historischen Außenstruktur gehören zu jener Substanz, die ausdrücklich erhalten wurde. Treffender ist: Das Denkmal wurde weitgehend auf jene Bauteile reduziert, die nach der Untersuchung noch gesichert werden konnten.
Damit zeigt sich am Westendorf 38 besonders deutlich, wie weit eine denkmalgerechte Sicherung gehen kann. Es wird nicht einfach der zuletzt vorhandene Zustand konserviert. Nicht mehr erhaltungsfähige Konstruktionen können verschwinden, während die denkmalwerte Substanz geschützt und in eine neue tragfähige Struktur eingebunden wird.
Nach dem ersten Rückbau folgte die Planung für die nächsten Schritte. 2024 wurde die Tragwerksplanung für das Fachwerkobjekt europaweit ausgeschrieben. Im Mittelpunkt stand die Sicherung der historischen Fachwerksubstanz.
Das Vorhaben ist Teil des Fördergebiets Nordring-Innenstadt. Aus den veröffentlichten Vergabeinformationen geht hervor, dass eine Bewilligung aus dem Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ zu den Grundlagen der Planung gehört.
Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus Westendorf 38 in Halberstadt im Landkreis Harz wird nach einem weitgehenden Rückbau historischer und nicht mehr erhaltungsfähiger Bauteile gesichert. Für das Vorhaben werden rund 2,57 Millionen Euro Gesamtkosten genannt; zunächst soll ein dauerhaft gesicherter Rohbau entstehen.
2025 wurde nach Angaben der SALEG die Entwurfsplanung mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt. Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, die heute sichtbaren Reste gegen Regen und weiteren Verfall zu schützen. Wände, Decken, Dach, Treppe und Fenster gehören zu den Bauteilen, die im Zuge des Projekts fachgerecht erhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden sollen.
Am Ende dieser Bauphase soll kein bezugsfertiges Haus stehen. Das Ziel ist zunächst ein dauerhaft gesicherter Rohbau. Erst auf dieser Grundlage kann später ein Innenausbau folgen.
Damit erklärt sich auch der derzeitige Zustand des Fachwerkhauses. Westendorf 38 befindet sich zwischen Rückbau und Wiederherstellung: Erhaltenswerte historische Elemente sind geblieben, andere Teile fehlen bereits, die neue beziehungsweise ergänzte Konstruktion ist noch nicht vollständig hergestellt.
Seit dem 20. Juli 2026 wurde laut SALEG der bisherige Witterungsschutz zurückgebaut. Der Beginn der eigentlichen Bauarbeiten war für August bis September vorgesehen. Aus den bislang vorliegenden Projektinformationen geht allerdings nicht eindeutig hervor, in welchem Umfang diese Arbeiten inzwischen tatsächlich angelaufen sind.
Auch die spätere Nutzung bleibt vorerst offen. Die veröffentlichten Angaben beschreiben die Sicherung des Gebäudes und die Vorbereitung eines späteren Innenausbaus, nennen aber keine konkrete künftige Funktion für das Denkmal.
Der finanzielle Umfang zeigt, wie aufwendig das Projekt geworden ist. Rund 2,57 Millionen Euro werden für das Vorhaben genannt. Dabei handelt es sich um die aktuellen Gesamtkosten – nicht um den ersten finanziellen Ansatz für Westendorf 38.
Schon in Halberstädter Haushalts- und Förderunterlagen aus dem Jahr 2018 tauchte das Gebäude als Maßnahme auf. Damals waren 300.000 Euro angesetzt. Beide Summen lassen sich jedoch nicht unmittelbar miteinander vergleichen: Planungsstand und Umfang der jeweiligen Maßnahmen unterscheiden sich.
Das Grundstück selbst ist seit Jahrzehnten dokumentiert. Im Landesarchiv Sachsen-Anhalt befinden sich unter anderem Grundrisszeichnungen zu Westendorf 38 aus dem Jahr 1945. Für die laufende Sanierung ist jedoch vor allem entscheidend, welche historische Bausubstanz heute noch vorhanden und erhaltungsfähig ist.
Bei der historischen Einordnung von Westendorf 38 fällt eine Unstimmigkeit auf. Die SALEG beschreibt das Gebäude in ihren Projektinformationen als Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert und bezeichnet es zugleich als ältestes Fachwerkhaus der Stadt.
Beide Angaben lassen sich nach dem derzeit dokumentierten Stand nicht ohne Weiteres miteinander vereinbaren. In Halberstadt sind Fachwerkgebäude verzeichnet, die deutlich früher datiert werden. Das ebenfalls denkmalgeschützte Haus Westendorf 52 wird etwa dem späten 16. Jahrhundert zugerechnet.
Die Bezeichnung von Westendorf 38 als ältestes Fachwerkhaus Halberstadts sollte deshalb ohne zusätzliche bauhistorische Einordnung nicht als gesicherte Tatsache verstanden werden. Für den Denkmalschutz des Gebäudes ist diese Frage allerdings nicht ausschlaggebend: Westendorf 38 ist als Baudenkmal erfasst, und die verbliebene historische Substanz soll erhalten werden.
Der Bauzustand macht ein Prinzip sichtbar, das von außen zunächst irritieren kann. Denkmalschutz bedeutet nicht zwangsläufig, dass jedes Bauteil eines Gebäudes an seinem Platz bleiben kann. Entscheidend ist bei Westendorf 38 vielmehr, welche historische Substanz noch erhalten werden kann und wie sie dauerhaft gesichert wird.
Genau deshalb wurden Dachtragwerk, Geschossdecken und Schornsteine entfernt, während Fachwerkfassade und Giebelwände gesichert wurden. Die erhaltenen Teile sollen nicht isoliert stehen bleiben. Die weitere Planung sieht vor, das Fachwerkhaus wieder in einen stabilen baulichen Zustand zu versetzen.
Das unterscheidet das Projekt von einem vollständigen Abriss ebenso wie von einer bereits abgeschlossenen Sanierung. Westendorf 38 befindet sich in einer Zwischenphase – und gerade diese macht das Denkmal derzeit so auffällig.
Das Haus im Halberstädter Westendorf ist derzeit weder Ruine im klassischen Sinne noch fertig saniertes Baudenkmal. Was wie ein weitgehender Verlust des Gebäudes aussieht, gehört zu einem Sicherungsprozess, der bereits mit Untersuchungen im Jahr 2022 begann.
Mit den vorgesehenen Arbeiten soll aus der verbliebenen historischen Substanz zunächst wieder ein dauerhaft geschützter Rohbau entstehen. Die rund 2,57 Millionen Euro teure Sicherung schafft damit vor allem eine Voraussetzung: dass Westendorf 38 überhaupt eine bauliche Zukunft haben kann.
Wie diese Zukunft konkret aussieht, ist noch nicht festgelegt. Eine spätere Nutzung wurde bislang nicht benannt. Fest steht dagegen, was in der aktuellen Phase erreicht werden soll: Die erhaltene Fachwerksubstanz soll gesichert, fehlende bauliche Strukturen sollen fachgerecht ergänzt und das Denkmal für einen späteren Innenausbau vorbereitet werden. Erst danach wird sich zeigen, welche neue Aufgabe das ungewöhnliche Haus im Westendorf übernehmen kann.
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