In Braunlage im Harz nimmt die Debatte über einen Anschluss an das Netz der Harzer Schmalspurbahnen neuen Schwung auf. Ein neu gegründeter Verein will das Projekt voranbringen, Sänger Johannes Oerding unterstützt die Initiative öffentlich. Technisch gilt die Strecke als grundsätzlich machbar – Finanzierung, Genehmigungen und ein verbindlicher Baubeschluss stehen allerdings weiterhin aus.
Braunlage, 19. August 2026. Der geplante Bahnanschluss für Braunlage bekommt eine neue Stimme. Am 15. August wurde der Verein Pro Harzquerbahn Braunlage e.V. gegründet. Er will dafür werben, die Stadt im Harz wieder direkt an ein Schienennetz anzubinden und die seit Jahren diskutierte Verbindung zur Harzquerbahn politisch und gesellschaftlich voranzubringen.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt Johannes Oerding. Der Sänger war bei der Vereinsgründung dabei und wird von der Initiative als erster Unterstützer geführt. Nach Angaben des Vereins erhielt er die Unterstützernummer 00001. Eine weitergehende offizielle Funktion Oerdings, etwa als Schirmherr oder Vorstandsmitglied, ist bislang nicht bekannt.
Bahnanschluss Braunlage: Initiative im Harz sucht breiten Rückhalt
Der Verein Pro Harzquerbahn Braunlage verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Innerhalb von fünf Jahren sollen mindestens 5.000 Unterstützer für den Bahnanschluss Braunlage gewonnen werden. Parallel will die Initiative einen Masterplan erarbeiten, der weitere Schritte, Zuständigkeiten, Meilensteine und zeitliche Ziele beschreibt.
Nach den bislang veröffentlichten Angaben steht Meik Lindberg als erster Vorsitzender an der Spitze des Vereins, Johannes Barner ist zweiter Vorsitzender. Der Verein versteht sich vor allem als Plattform für gesellschaftliche und politische Unterstützung. Er ist weder Bauherr noch Infrastrukturbetreiber der geplanten Strecke.
Damit setzt die Initiative an einem Projekt an, das längst über die Phase einer bloßen Idee hinaus ist. Bereits im Juli 2022 hatte sich der Braunlager Stadtrat einstimmig für eine Anbindung ausgesprochen. Später wurde die technische Machbarkeit genauer untersucht.
Das Wichtigste in Kürze
In Braunlage will ein neu gegründeter Verein den Anschluss an die Harzquerbahn voranbringen; Johannes Oerding unterstützt die Initiative. Eine Machbarkeitsstudie hält die Strecke grundsätzlich für realisierbar, ein verbindlicher Baubeschluss und die Finanzierung stehen jedoch aus.
- Was ist passiert?
- Am 15. August wurde der Verein Pro Harzquerbahn Braunlage e.V. gegründet.
- Was ist bestätigt?
- Nach Angaben der Harzer Schmalspurbahnen GmbH ist der Bahnanschluss Braunlage technisch grundsätzlich realisierbar.
- Was gilt konkret?
- Die Machbarkeitsstudie veranschlagt die Baukosten nach Angaben der HSB auf rund 42 Millionen Euro.
- Was ist noch offen?
- Ein verbindlicher Baubeschluss für den Bahnanschluss Braunlage ist bislang nicht dokumentiert.
- Wo?
- Eine Besonderheit kommt hinzu: Braunlage ist seit der Gründung der Harzer Schmalspurbahnen im Jahr 1991 Gesellschafterin des kommunalen Bahnunternehmens, verfügt selbst aber bis heute nicht über einen direkten Anschluss an dessen Netz.
Machbarkeitsstudie untersucht fünf Kilometer neue Strecke
Im September 2024 beauftragte die Harzer Schmalspurbahnen GmbH die DB Engineering & Consulting GmbH mit einer Machbarkeitsstudie. Finanziert wurde die Untersuchung von mehreren öffentlichen und regionalen Partnern, darunter der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt, der Regionalverband Großraum Braunschweig, die Stadt Braunlage, der Landkreis Harz und die HSB.
Die Ergebnisse wurden im Januar 2026 vorgestellt. Nach Angaben der Harzer Schmalspurbahnen GmbH ist der Bahnanschluss Braunlage technisch grundsätzlich realisierbar. Die Untersuchung skizziert eine etwa fünf Kilometer lange Neubaustrecke, die südlich von Elend von der bestehenden Harzquerbahn abzweigen soll.
Von dort würde die Strecke weitgehend parallel zur Bundesstraße 27 bis nach Braunlage verlaufen. Vorgesehen ist ein Endbahnhof im Bereich der Wurmbergseilbahn und des Großparkplatzes. Die Lage würde den Bahnanschluss mit einem wichtigen touristischen Bereich der Harzstadt verbinden.
Für den geplanten Bahnhof sieht die Studie drei Gleise mit zusammen rund 135 Metern Gleislänge vor. Der Abzweig bei Elend soll als Gleisdreieck ausgeführt werden. Damit wären grundsätzlich direkte Verbindungen sowohl in Richtung Wernigerode als auch nach Nordhausen möglich.
42 Millionen Euro und bis zu 400.000 Fahrgäste
Die Dimension des Vorhabens wird vor allem an zwei Zahlen deutlich. Die Machbarkeitsstudie veranschlagt die Baukosten nach Angaben der HSB auf rund 42 Millionen Euro. Für den Betrieb werden je nach Szenario etwa 300.000 bis 400.000 Fahrgäste pro Jahr erwartet.
Auch der NDR berichtete nach Vorstellung der Untersuchung über eine Kostenschätzung in dieser Größenordnung und ein Potenzial von bis zu 400.000 Reisenden jährlich. Diese Zahlen sind Prognosen. Sie beschreiben die Erwartungen für eine künftig realisierte Verbindung und nicht bereits vorhandene Fahrgastströme.
Für den gesamten Weg von der Grundlagenermittlung über weitere Planungs- und Genehmigungsphasen bis zum Abschluss der Bauarbeiten kalkuliert die Untersuchung mit ungefähr acht Jahren. Daraus lässt sich kein konkreter Eröffnungstermin ableiten. Entscheidend ist zunächst, ob das Projekt die nächsten politischen, finanziellen und formalen Hürden nimmt.
Machbarkeit ist noch kein Baubeschluss
Gerade hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen einer positiven Studie und einer tatsächlich entstehenden Bahnstrecke im Harz. Ein verbindlicher Baubeschluss für den Bahnanschluss Braunlage ist bislang nicht dokumentiert. Ebenso fehlt nach dem derzeit bekannten Stand eine abschließend gesicherte Finanzierung der Baukosten.
Die Finanzierung der Machbarkeitsstudie darf deshalb nicht mit der Finanzierung des Gesamtprojekts verwechselt werden. Für den Bau müssten erhebliche Mittel bereitgestellt und die jeweiligen Finanzierungsanteile geklärt werden. Auch mögliche Förderwege wären Teil der weiteren Projektentwicklung.
Hinzu kommen Genehmigungs- und Umweltfragen. Die geplante Trasse berührt sensible Bereiche. Nach Darstellung der HSB kommt die Machbarkeitsstudie jedoch zu dem Ergebnis, dass eine umweltverträgliche Umsetzung grundsätzlich möglich sein könnte, sofern entsprechende Planungs- und Ausgleichsmaßnahmen berücksichtigt werden.
Der neue Verein kann diese Verfahren nicht ersetzen. Seine Rolle liegt darin, Unterstützung zu organisieren, Aufmerksamkeit zu schaffen und das Thema auf der politischen Agenda zu halten. Ob und wann daraus ein konkretes Bauprojekt wird, entscheidet sich an anderer Stelle.
Braunlage war schon einmal an die Schiene angebunden
Der Wunsch nach einer Rückkehr des Bahnverkehrs hat in Braunlage auch eine historische Dimension. Die Stadt war früher über die meterspurige Südharzeisenbahn an das Schienennetz angebunden. Diese Verbindung bestand nach Angaben der Harzer Schmalspurbahnen bis 1963.
Eine Verbindung zwischen der damaligen Strecke und der Harzquerbahn bei Sorge war bereits seit 1945 unterbrochen. Das heutige Vorhaben wäre deshalb keine einfache Reaktivierung einer alten Strecke. Geplant ist vielmehr eine neue Trasse, die südlich von Elend an die bestehende Harzquerbahn anschließt.
Eine Besonderheit kommt hinzu: Braunlage ist seit der Gründung der Harzer Schmalspurbahnen im Jahr 1991 Gesellschafterin des kommunalen Bahnunternehmens, verfügt selbst aber bis heute nicht über einen direkten Anschluss an dessen Netz. Genau diese Lücke soll das diskutierte Projekt schließen.
Johannes Oerding verschafft dem Harz-Projekt Aufmerksamkeit
Die Unterstützung durch Johannes Oerding verändert den formalen Stand des Projekts nicht. Sie verschafft dem Thema jedoch Aufmerksamkeit über Braunlage und die unmittelbar beteiligten Verkehrsakteure hinaus. Für den neu gegründeten Verein ist das ein öffentlichkeitswirksamer Start.
Wie weit dieses Engagement reicht, ist bislang offen. Belegt ist Oerdings Unterstützung bei der Vereinsgründung und seine Rolle als erster registrierter Unterstützer. Nicht bekannt ist dagegen, ob daraus eine dauerhafte Kampagnenfunktion oder eine andere institutionelle Beteiligung entsteht.
Für die Initiative dürfte deshalb vor allem entscheidend sein, ob es ihr gelingt, die angekündigten 5.000 Unterstützer zu mobilisieren und den Bahnanschluss Braunlage über einen längeren Zeitraum politisch präsent zu halten.
Für Braunlage beginnt jetzt die schwierigere Phase
Für den Bahnanschluss Braunlage liegt inzwischen mehr vor als eine politische Wunschvorstellung. Die Strecke ist untersucht, eine mögliche Trasse beschrieben, Kosten und Fahrgastpotenziale sind beziffert. Gleichzeitig fehlen weiterhin die entscheidenden Voraussetzungen für den Bau: eine verbindliche politische Entscheidung, eine belastbare Finanzierung und die notwendigen Genehmigungen.
Der neue Verein kann dem Projekt im Harz zusätzlichen Rückhalt geben – und mit Johannes Oerding hat er dafür einen bekannten Unterstützer gewonnen. Ob Braunlage tatsächlich wieder einen Bahnhof erhält, wird sich jedoch nicht an öffentlicher Aufmerksamkeit allein entscheiden. Maßgeblich ist, ob aus der vorliegenden Machbarkeit ein finanziertes und genehmigtes Infrastrukturprojekt wird.
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