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14,5 Millionen für Silstedt: Kläranlage im Harz soll künftig eigene Energie erzeugen
Symbolbild: KI-generiert. Die Klärschlammfaulung soll auf der Kläranlage Silstedt im Harz künftig Biogas liefern, das zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt wird.
Die Kläranlage Silstedt bei Wernigerode im Harz wird für rund 14,5 Millionen Euro umfassend modernisiert. Herzstück des Projekts ist eine neue Klärschlammfaulung, die Biogas erzeugen und damit künftig Strom und Wärme für den Anlagenbetrieb liefern soll. Zugleich sollen Energieverbrauch, CO₂-Ausstoß und die verbleibende Klärschlammmenge deutlich sinken.
Silstedt, 3. September 2026. Auf der Kläranlage Silstedt hat der bislang größte technische Umbau der jüngeren Anlagenentwicklung begonnen. Der Wasser- und Abwasserverband Holtemme-Bode investiert rund 14,5 Millionen Euro in eine neue Form der Klärschlammbehandlung und in eine deutlich energieeffizientere technische Infrastruktur.
Nach Angaben des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt werden rund 6,5 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung beigesteuert. Der offizielle erste Spatenstich erfolgte am 2. September 2026. Bis Ende 2027 soll die energetische Modernisierung abgeschlossen sein.
Im Zentrum des Projekts steht die Klärschlammfaulung. Sie soll die bisherige Schlammbehandlung grundlegend verändern und einen Stoff nutzbar machen, der in Kläranlagen ohnehin anfällt. Der Schlamm wird dabei unter Ausschluss von Sauerstoff behandelt. Organische Bestandteile werden abgebaut, es entsteht Klärgas beziehungsweise Biogas.
Klärschlamm wird zur Energiequelle
Die oft verwendete Kurzformel, aus Klärschlamm werde Strom, beschreibt den Prozess nur vereinfacht. Der Strom entsteht nicht direkt aus dem Schlamm. Zunächst wird Biogas gewonnen, das anschließend in zwei neuen Blockheizkraftwerken eingesetzt werden soll.
Dort wird das Gas verstromt. Gleichzeitig entsteht Wärme, die ebenfalls auf der Kläranlage genutzt werden kann. Die Anlage soll dadurch einen größeren Teil ihres Energiebedarfs selbst decken und weniger Strom beziehungsweise Wärme von außen beziehen müssen.
Zur neuen Technik gehören neben den beiden Blockheizkraftwerken zwei Faulbehälter, ein Gasspeicher und ein Heizkessel. Hinzu kommen Umbauten an der Vorklärung, an der Schlammbehandlung und an weiteren technischen Anlagenteilen. Es handelt sich damit nicht um eine punktuelle Modernisierung, sondern um einen tiefgreifenden Eingriff in zentrale Betriebsabläufe der Kläranlage Silstedt.
Der Ansatz ist für kommunale Abwasserbetriebe von besonderem Interesse, weil Kläranlagen zu den energieintensiven Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge gehören. In Silstedt soll deshalb nicht nur effizientere Technik zum Einsatz kommen. Ein Teil der benötigten Energie soll künftig direkt aus dem eigenen Abwasserreinigungsprozess gewonnen werden.
Mehr als 1.100 Megawattstunden weniger Energiebedarf pro Jahr
Mit dem Umbau verbindet das Land konkrete Einsparziele. Nach Angaben des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt soll die energetische Optimierung eine jährliche Einsparung von rund 1.175 Megawattstunden ermöglichen.
Zugleich sollen die Treibhausgasemissionen um etwa 510 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr sinken. Diese Werte sind Planungs- und Prognosegrößen. Ob sie im späteren Betrieb tatsächlich erreicht werden, lässt sich erst nach Fertigstellung und Inbetriebnahme belastbar bewerten.
Das Wichtigste in Kürze
Die Kläranlage Silstedt bei Wernigerode im Harz wird für rund 14,5 Millionen Euro modernisiert. Eine neue Klärschlammfaulung soll Biogas für die Erzeugung von Strom und Wärme liefern und zugleich Energieverbrauch, Emissionen und Klärschlammmenge senken.
Was ist passiert?
Der offizielle erste Spatenstich erfolgte am 2. September 2026.
Wo?
Die Kläranlage Silstedt bei Wernigerode im Harz wird für rund 14,5 Millionen Euro umfassend modernisiert.
Was bedeutet das?
Zunächst wird Biogas gewonnen, das anschließend in zwei neuen Blockheizkraftwerken eingesetzt werden soll.
Was ist bestätigt?
Nach Angaben des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt soll die energetische Optimierung eine jährliche Einsparung von rund 1.175 Megawattstunden ermöglichen.
Was ist noch offen?
Öffentlich beziffert ist bislang nicht, welchen Anteil des gesamten Strombedarfs die Kläranlage Silstedt künftig selbst erzeugen kann.
Stand:
Auch bei der Eigenversorgung mit Energie bleibt eine wichtige Größe offen. Öffentlich beziffert ist bislang nicht, welchen Anteil des gesamten Strombedarfs die Kläranlage Silstedt künftig selbst erzeugen kann. Von vollständiger Energieautarkie kann daher derzeit nicht gesprochen werden.
Fest steht jedoch: Die neue Klärschlammfaulung soll Strom- und Wärmeproduktion direkt mit der Abwasserbehandlung verbinden. Damit verändert sich die Rolle der Anlage. Aus einem bislang vor allem auf Reinigung ausgerichteten Betrieb wird zugleich ein Standort, an dem ein Teil des eigenen Energiebedarfs aus dem Prozess selbst gedeckt werden soll.
Weniger Klärschlamm nach der Faulung
Die neue Technik soll nicht nur Energie liefern. Auch die Menge des verbleibenden Klärschlamms soll sinken. Das Land rechnet mit einer Reduzierung um etwa 25 bis 30 Prozent.
Für den Betrieb ist das von erheblicher Bedeutung. Klärschlamm muss nach der Abwasserreinigung weiterbehandelt, transportiert und schließlich verwertet oder entsorgt werden. Je geringer die verbleibende Menge, desto weniger Material muss die nachgelagerte Entsorgungskette bewältigen.
Wie stark sich dieser Effekt finanziell auswirken wird, ist bislang nicht beziffert. Öffentliche Angaben zu konkreten jährlichen Einsparungen bei Transport, Entsorgung oder Betriebskosten liegen derzeit nicht vor. Auch mögliche Auswirkungen auf Abwassergebühren lassen sich deshalb nicht seriös ableiten.
Kläranlage Silstedt versorgt einen großen Teil des Harzes
Die Bedeutung des Projekts reicht über den Standort Silstedt hinaus. Die Anlage ist für eine Ausbaugröße von 80.000 Einwohnerwerten ausgelegt und behandelt Abwasser aus einem größeren Teil des nördlichen Harzes.
Dazu gehören unter anderem Wernigerode mit mehreren Ortsteilen, Ilsenburg und seine Ortsteile, Teile der Gemeinde Nordharz sowie Derenburg. Betreiber ist der Wasser- und Abwasserverband Holtemme-Bode, der insgesamt 33 Ortslagen mit rund 62.000 Einwohnern betreut.
Neben Silstedt unterhält der Verband weitere Kläranlagen in Rübeland und Schmatzfeld. Der Umbau in Silstedt betrifft damit eine zentrale Anlage innerhalb der regionalen Abwasserentsorgung im Harz.
Die Vorbereitungen für das Projekt reichen mehrere Jahre zurück. Bereits 2020 wurde untersucht, welche Möglichkeiten zur Energieeinsparung auf der Kläranlage bestehen. Danach folgte eine Machbarkeitsstudie. Weitere Planungs- und Vergabeschritte schlossen sich an.
Im Sommer 2026 wurden schließlich wesentliche Bauleistungen vergeben. Mit dem ersten Spatenstich Anfang September ist aus dem Planungsprojekt nun ein sichtbares Bauvorhaben geworden.
6,5 Millionen Euro Förderung für die energetische Modernisierung
Die Investition von rund 14,5 Millionen Euro wird zu einem erheblichen Teil öffentlich gefördert. Rund 6,5 Millionen Euro stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.
Das Land verknüpft die Förderung mit klaren energie- und klimapolitischen Zielen: Der Energiebedarf der Kläranlage soll sinken, gleichzeitig soll vor Ort mehr Energie erzeugt und der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert werden.
Für den Betreiber könnte das langfristig auch wirtschaftliche Vorteile bringen. Geringerer Energiebezug und weniger Klärschlamm können laufende Kosten senken. Belastbare Angaben dazu, wie groß dieser Effekt in Euro ausfallen wird, liegen jedoch bislang nicht vor.
Gerade vor diesem Hintergrund ist die Größenordnung des Projekts bemerkenswert. Fast die Hälfte der Investitionssumme wird durch Fördermittel abgedeckt, der übrige Teil muss über die Finanzierung des Verbandes getragen werden. Welche betriebswirtschaftlichen Effekte sich daraus über die gesamte Nutzungsdauer ergeben, wird erst nach Abschluss des Umbaus und einigen Jahren Betrieb verlässlich zu beurteilen sein.
Bis Ende 2027 soll der Umbau abgeschlossen sein
Der Zeitplan ist ambitioniert, aber klar umrissen. Bis Ende 2027 soll die energetische Modernisierung der Kläranlage Silstedt abgeschlossen werden. Danach beginnt die entscheidende Phase: der reguläre Betrieb unter realen Bedingungen.
Dann wird sich zeigen, wie viel Energie die neue Klärschlammfaulung tatsächlich liefert, wie stabil die Biogasproduktion funktioniert und in welchem Umfang die Anlage ihren externen Energiebezug reduzieren kann. Auch die prognostizierte Verringerung der Klärschlammmenge und der CO₂-Emissionen wird sich erst dann praktisch überprüfen lassen.
Die derzeit genannten Kennzahlen liefern dafür einen klaren Maßstab. Rund 1.175 Megawattstunden weniger Energiebedarf pro Jahr, etwa 510 Tonnen weniger CO₂-Äquivalente und bis zu 30 Prozent weniger Klärschlamm markieren die Ziele, an denen das Projekt später gemessen werden dürfte.
Der eigentliche Test beginnt nach der Inbetriebnahme
Der Umbau der Kläranlage Silstedt ist technisch anspruchsvoll und für die regionale Abwasserentsorgung im Harz von erheblicher Bedeutung. Aus einem bislang ungenutzten Teil des Reinigungsprozesses soll künftig Energie gewonnen werden, gleichzeitig soll die Anlage effizienter und klimafreundlicher arbeiten.
Ob die angekündigten Einsparungen tatsächlich erreicht werden, entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern im täglichen Betrieb nach Abschluss der Bauarbeiten. Bis Ende 2027 soll die neue Technik stehen. Erst danach wird sich belastbar zeigen, wie viel Strom und Wärme die Kläranlage Silstedt aus dem eigenen Klärschlammprozess tatsächlich gewinnen kann.
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