Ein neuer politischer Vorstoß rückt die Krankenhauskreuzung in Wernigerode erneut in den Mittelpunkt. Statt der Ampelanlage an Ilsenburger Straße und Kantstraße könnte dort künftig ein Kreisverkehr den Verkehr ordnen. Noch fehlen allerdings eine belastbare Fachplanung, gesicherte Kosten und ein Beschluss des Stadtrats.
Wernigerode, 3. August 2026. Die Krankenhauskreuzung gehört zu den Stellen im Wernigeröder Straßennetz, an denen sich der Verkehr immer wieder verdichtet. Wer über die Ilsenburger Straße in Richtung Innenstadt fährt oder aus der Kantstraße einbiegen will, muss zu stark belasteten Zeiten mit Rückstau rechnen. Nun liegt erneut ein Vorschlag auf dem Tisch, der die Situation grundlegend verändern könnte: Die bestehende Ampelkreuzung nahe Harzklinikum und Waldhofbad soll nach dem Willen eines Stadtrats durch einen Kreisverkehr ersetzt werden.
Matthias Winkelmann hat öffentlich erklärt, einen entsprechenden Antrag eingebracht zu haben. Der Kreisverkehr an der Krankenhauskreuzung soll den Verkehrsfluss verstetigen und die Wartezeiten an der Ampel verringern. Damit greift der Vorstoß eine Debatte auf, die in Wernigerode schon länger geführt wird. Nach einem Bericht der Volksstimme kommt es an dem Verkehrsknoten regelmäßig zu Rückstau; zugleich steht die Frage im Raum, wie sich zusätzliche Verkehrsbewegungen durch neue Baugebiete auswirken könnten.
Von einer beschlossenen Baumaßnahme kann dennoch keine Rede sein. Bislang ist weder eine abgeschlossene Planung bekannt noch ein Termin für den Umbau. Auch ein politischer Beschluss, der die Stadtverwaltung mit der konkreten Umsetzung beauftragt, ist öffentlich nicht belegt. Der Kreisverkehr an der Krankenhauskreuzung ist derzeit vor allem eines: ein kommunalpolitischer Vorschlag, dessen technische und finanzielle Tragfähigkeit erst geprüft werden müsste.
Warum die Krankenhauskreuzung im Harz als belastet gilt
Die Kreuzung von Ilsenburger Straße und Kantstraße liegt an einer wichtigen innerstädtischen Verbindung in Wernigerode. Dort treffen Berufsverkehr, Anliegerverkehr und die Zufahrten zu Einrichtungen wie dem Harzklinikum aufeinander. Hinzu kommen Busse, Fußgänger, Radfahrer und Rettungsfahrzeuge. Diese Mischung erhöht die Anforderungen an jede Veränderung der Verkehrsführung.
Der Begriff Problemkreuzung beschreibt dabei vor allem die wiederkehrende Belastung durch stockenden Verkehr. Belastbare öffentliche Zahlen zu durchschnittlichen Wartezeiten, Staulängen oder zur Zahl der täglich passierenden Fahrzeuge liegen für den konkreten Standort bislang nicht vor. Ebenso wenig ist belegt, dass die Krankenhauskreuzung amtlich als Unfallschwerpunkt eingestuft wurde.
Die Rückstaus sind damit Teil der lokalen Wahrnehmung und Berichterstattung, ihre genaue Dimension ist jedoch nicht öffentlich vermessen. Für eine fundierte Entscheidung über einen Kreisverkehr wären aktuelle Verkehrszählungen deshalb unverzichtbar. Sie müssten zeigen, wie viele Fahrzeuge die Kreuzung zu welchen Tageszeiten passieren, welche Abbiegebeziehungen besonders stark belastet sind und wie sich der Verkehr an benachbarten Knotenpunkten entwickelt.
Ein Kreisverkehr ist nicht automatisch die bessere Lösung
Kreisverkehre können an geeigneten Standorten Vorteile bieten. Der Verkehr fließt häufig gleichmäßiger, weil keine festen Rotphasen sämtliche Fahrbeziehungen stoppen. Fahrzeuge ordnen sich nacheinander ein, Abbiegevorgänge werden gebündelt, und bei mittlerer Belastung lassen sich Wartezeiten verkürzen.
Ob diese Wirkung auch an der Krankenhauskreuzung eintreten würde, lässt sich ohne Fachuntersuchung nicht beantworten. Entscheidend ist nicht allein der Wunsch nach weniger Stau. Ein Kreisverkehr benötigt ausreichend Platz, muss alle Verkehrsströme aufnehmen können und darf an den Zufahrten keine neuen Rückstaus erzeugen. Gerade an einem Standort nahe dem Klinikum wären zudem die Anforderungen des Rettungsverkehrs besonders sorgfältig zu prüfen.
Mehr als eine Frage des Autoverkehrs
Eine neue Verkehrsführung müsste Fußgänger und Radfahrer ebenso berücksichtigen wie Busse und Einsatzfahrzeuge. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität stellt ein Kreisverkehr andere Anforderungen als eine signalisierte Kreuzung. Während Ampeln klare Grünphasen schaffen, müssen Querungen an einem Kreisel so angelegt sein, dass sie übersichtlich und sicher bleiben.
Auch der öffentliche Nahverkehr spielt eine Rolle. Buslinien dürfen durch veränderte Fahrwege oder neue Rückstaubereiche nicht ausgebremst werden. Rettungswagen wiederum müssen die Krankenhauskreuzung selbst bei hoher Auslastung zügig passieren können. Die Lage am Harzklinikum macht aus einem vermeintlich einfachen Straßenumbau deshalb eine komplexe Planungsaufgabe.
Vor einer Entscheidung wären insbesondere diese Punkte zu prüfen
- ob der vorhandene Straßenraum für einen leistungsfähigen Kreisverkehr ausreicht,
- wie sich die Verkehrsströme zu den Hauptverkehrszeiten verteilen,
- wie Fußgänger und Radfahrer sicher über die Zufahrten geführt werden,
- ob Rettungsfahrzeuge und Busse ohne Verzögerung passieren können,
- welche Auswirkungen der Umbau auf angrenzende Straßen und Grundstücke hätte.
Erst aus einer solchen Untersuchung ließe sich ableiten, ob der Kreisverkehr an der Krankenhauskreuzung tatsächlich leistungsfähiger wäre als die bestehende Ampelanlage. Ebenso denkbar ist, dass Fachplaner andere Maßnahmen empfehlen. Dazu könnten eine geänderte Ampelschaltung, angepasste Fahrspuren oder eine Kombination mehrerer Eingriffe gehören.
Die Kostenfrage bleibt offen
Im Zusammenhang mit dem Vorstoß wurde eine Größenordnung von rund zwei Millionen Euro genannt. Eine amtlich bestätigte Kostenschätzung ist das bislang nicht. Ohne Vorplanung lässt sich kaum seriös beziffern, wie teuer der Umbau der Krankenhauskreuzung tatsächlich würde.
Der reine Straßenbau wäre nur ein Teil der Rechnung. Je nach Ausführung könnten Leitungen verlegt, Gehwege angepasst, Entwässerungsanlagen verändert und Beleuchtung oder Verkehrstechnik neu geordnet werden. Auch Planungskosten, mögliche Eingriffe in angrenzende Flächen und der Bauablauf selbst würden den Finanzbedarf bestimmen.
| Belegt | Noch ungeklärt |
|---|---|
| Ein Stadtrat hat einen Kreisverkehr vorgeschlagen. | Ob der Stadtrat den Vorstoß mehrheitlich unterstützt. |
| Betroffen ist die Kreuzung Ilsenburger Straße und Kantstraße. | Ob der vorhandene Raum für den Umbau ausreicht. |
| Lokale Berichte schildern regelmäßigen Rückstau. | Wie stark die Kreuzung tatsächlich belastet ist. |
| Infrastrukturmittel wurden als Finanzierungsoption genannt. | Ob diese Mittel für das Vorhaben eingesetzt werden können. |
Bundesmittel sind bislang nur eine Option
Als möglicher Finanzierungsweg wurden Infrastrukturmittel des Bundes ins Spiel gebracht. Eine Zusage für den Kreisverkehr an der Krankenhauskreuzung ist damit nicht verbunden. Offen ist, aus welchem konkreten Programm das Geld stammen könnte, ob das Vorhaben die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt und welchen Anteil die Stadt selbst tragen müsste.
Bevor Fördermittel beantragt werden könnten, wäre vermutlich zunächst eine belastbare Planung nötig. Sie müsste Kosten, Nutzen und technische Machbarkeit nachvollziehbar darstellen. Erst dann ließe sich beurteilen, ob das Projekt förderfähig ist und welchen Platz es innerhalb anderer kommunaler Investitionen einnehmen könnte.
Die Kreuzung ist Teil der Verkehrsfrage im Harz
Die Diskussion um die Krankenhauskreuzung lässt sich nicht vollständig von der allgemeinen Verkehrssituation in Wernigerode und im nördlichen Harz trennen. Die Stadt ist durch innerstädtische und überörtliche Verkehrsströme belastet. Auch die Planungen zur Ortsumgehung der Bundesstraße 244 zeigen, dass die Entlastung des Straßennetzes seit Langem auf mehreren Ebenen verhandelt wird.
Allgemeine Daten zur Ortsdurchfahrt ersetzen jedoch keine Untersuchung des konkreten Knotens. Für den Kreisverkehr an der Krankenhauskreuzung zählt allein, wie sich die Fahrzeuge dort tatsächlich bewegen. Welche Richtung ist morgens besonders belastet? Wo entstehen die längsten Wartezeiten? Wie stark wirken sich Abbieger auf den Verkehrsfluss aus? Ohne Antworten auf diese Fragen bleibt jede Bewertung vorläufig.
Der Antrag hat damit vor allem eine Debatte neu eröffnet. Er benennt eine lokal wahrgenommene Schwachstelle und schlägt eine klar erkennbare Lösung vor. Ob diese Lösung trägt, muss sich erst zeigen.
Für Wernigerode zählt jetzt die fachliche Prüfung
Der Wunsch nach weniger Rückstau an der Krankenhauskreuzung ist nachvollziehbar. Ein Kreisverkehr könnte den Verkehr dort neu ordnen, doch bislang ist weder belegt, dass er technisch umsetzbar ist, noch dass er die bestehenden Probleme tatsächlich löst. Auch Kosten, Finanzierung und politische Mehrheiten sind offen.
Damit steht Wernigerode nicht unmittelbar vor dem Bau eines Kreisels, sondern am Anfang eines möglichen Planungsverfahrens. Der nächste entscheidende Schritt wäre eine belastbare Untersuchung des Standorts. Erst danach lässt sich beantworten, ob aus dem politischen Vorstoß ein konkretes Verkehrsprojekt für die Stadt im Harz wird oder ob die Krankenhauskreuzung auf andere Weise entlastet werden muss.
Mehr zum Thema: unfall.


















