Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben die Wälder rund um Ballenstedt seit 2018 deutlich verändert. Ein privater Forstbetrieb reagiert mit Waldumbau und setzt auf mehrere Laubbaumarten statt auf einen erneut einseitig geprägten Bestand. Der Ansatz folgt den Empfehlungen der Forstbehörden – wie belastbar der neue Mischwald im Klimawandel tatsächlich ist, wird sich jedoch erst über viele Jahre zeigen.
Ballenstedt, 21. August 2026. Der Waldumbau im Harz ist längst keine abstrakte Debatte mehr. Auf Flächen rund um Ballenstedt zeigt sich, wie stark sich die Forstwirtschaft auf veränderte Bedingungen einstellen muss. Wo früher vor allem Fichten standen, entstehen nach Sturm-, Trockenheits- und Borkenkäferschäden neue Bestände mit mehreren Baumarten.
Nach Angaben des Land- und Forstbetriebs Ballenstedt Meisdorf werden dort seit 2007 rund 750 Hektar Wald bewirtschaftet. Die Fichte prägte den Bestand über lange Zeit. Seit 2018 habe sich das Waldbild jedoch erheblich verändert: Stürme, Hitzeperioden und der anschließende Borkenkäferbefall hinterließen Freiflächen, die nun schrittweise wieder aufgeforstet werden.
Waldumbau im Harz: Mehr Mischung statt neuer Monokultur
Der Betrieb setzt bei der Wiederaufforstung unter anderem auf Rotbuche, Schwarzerle, Hainbuche und Traubeneiche. Damit folgt er einem Grundsatz, den auch das Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt für den Waldumbau empfiehlt: Risiken sollen nicht länger auf eine einzige Baumart konzentriert werden.
Gerade im Mittelgebirge gilt der Umbau einschichtiger Fichtenbestände als wichtige Aufgabe. Mischwälder können Schäden durch Trockenheit, Schädlinge oder Stürme zwar nicht verhindern. Sie sollen aber verhindern, dass ganze Bestände bei einem einzelnen Schadereignis gleichzeitig ausfallen.
Der Unterschied ist entscheidend. Ein klimaangepasster Wald ist nicht automatisch ein klimafester Wald. Auch Laubbäume geraten unter Druck, wenn Niederschläge über längere Zeit fehlen oder Hitzeperioden zunehmen. Waldumbau bedeutet deshalb vor allem, die Abhängigkeit von einzelnen Baumarten zu verringern und die Bestände breiter aufzustellen.
Vier Baumarten prägen die neue Mischung
Für die Wiederaufforstung nennt der Ballenstedter Forstbetrieb vier Laubbaumarten. Wie groß ihr jeweiliger Anteil auf den Flächen ist, geht aus den öffentlich verfügbaren Angaben nicht hervor. Fest steht jedoch: Die Wiederbewaldung soll nicht erneut zu einem einheitlichen Bestand führen.
- Rotbuche wird auf geeigneten Flächen als Teil der neuen Mischung eingesetzt.
- Hainbuche ergänzt die Bestände und erhöht die Artenvielfalt.
- Traubeneiche gehört ebenfalls zu den ausdrücklich genannten Baumarten.
- Schwarzerle kommt dort hinzu, wo die Standortbedingungen passen.
Welche Baumart an welchem Standort sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Nach Angaben des Landeszentrums Wald Sachsen-Anhalt müssen Boden, Wasserhaushalt, Höhenlage und die zu erwartende Trockenstressbelastung gemeinsam betrachtet werden. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen beim Waldumbau im Harz: Der Wald der Zukunft lässt sich nicht nach einem einheitlichen Schema pflanzen.
Der Ostharzrand ist vergleichsweise trocken
Für Ballenstedt spielt die Lage am Ostharzrand eine besondere Rolle. Dort fallen nach Angaben des Landeszentrums Wald in manchen Bereichen nur rund 500 Millimeter Niederschlag im Jahr. Damit gehört die Region zu den trockeneren Standorten in Sachsen-Anhalt.
Für junge Kulturen ist das entscheidend. Neu gepflanzte Bäume sind in den ersten Jahren besonders empfindlich gegenüber langen Trockenperioden. Welche Arten sich durchsetzen, hängt deshalb nicht allein von der Pflanzung ab, sondern von der Entwicklung über viele Vegetationsperioden hinweg.
Hinzu kommt: Die klimatischen Bedingungen verändern sich weiter. Ein Standort, der für eine Baumart heute geeignet erscheint, kann sich in einigen Jahrzehnten deutlich anders darstellen. Forstplanung wird damit stärker als früher zur langfristigen Risikovorsorge.
Das Wichtigste in Kürze
Rund um Ballenstedt im Harz werden geschädigte fichtengeprägte Waldflächen mit mehreren Laubbaumarten wiederaufgeforstet. Ziel des Waldumbaus ist eine breitere Risikoverteilung, nicht ein garantiert klimafester Wald.
- Wo?
- Nach Angaben des Land- und Forstbetriebs Ballenstedt Meisdorf werden dort seit 2007 rund 750 Hektar Wald bewirtschaftet.
- Wann?
- Seit 2018 habe sich das Waldbild jedoch erheblich verändert: Stürme, Hitzeperioden und der anschließende Borkenkäferbefall hinterließen Freiflächen, die nun schrittweise wieder aufgeforstet werden.
- Was ist passiert?
- Der Betrieb setzt bei der Wiederaufforstung unter anderem auf Rotbuche, Schwarzerle, Hainbuche und Traubeneiche.
- Was bedeutet das?
- Das Landeszentrum Wald empfiehlt deshalb insbesondere für einschichtige Fichtenbestände im Hügel- und Mittelgebirge einen Umbau zu gemischteren und stärker strukturierten Wäldern.
Die Folgen der Schäden seit 2018 sind noch sichtbar
Der Waldumbau in Ballenstedt beginnt nicht auf unberührten Flächen. Er ist eine Reaktion auf die Schäden der vergangenen Jahre. Nach Angaben des Betriebs veränderten Stürme, Hitze und Borkenkäfer seit 2018 den zuvor stark fichtengeprägten Wald erheblich.
Wie groß die betroffene Fläche insgesamt ist, lässt sich aus den öffentlich zugänglichen Informationen nicht vollständig ableiten. Der Betrieb nennt eine bewirtschaftete Gesamtfläche von rund 750 Hektar, veröffentlicht aber keine vollständige Bilanz darüber, wie viele Hektar geräumt, wiederbepflanzt oder bereits erfolgreich verjüngt wurden.
Bekannt ist, dass einzelne Maßnahmen zur Pflege der jungen Kulturen gefördert werden. Der Betrieb nennt zwei Projekte mit 11,12 beziehungsweise 1,6 Hektar. Dabei geht es um mechanische Kulturpflege, also um Arbeiten, die jungen Bäumen bessere Wachstumsbedingungen verschaffen sollen. Nach Angaben des Betriebs stammen die Fördermittel aus Programmen des Landes und der Europäischen Union.
| Bereich | Angabe | Einordnung |
|---|---|---|
| Bewirtschaftete Waldfläche | rund 750 Hektar | Eigenangabe des Betriebs |
| Kulturpflege | 11,12 Hektar | geförderte Maßnahme |
| Weitere Kulturpflege | 1,6 Hektar | geförderte Maßnahme |
Warum Waldumbau Jahrzehnte dauert
Ein Wald lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre neu aufbauen. Viele Entscheidungen, die heute getroffen werden, zeigen ihre Folgen erst nach Jahrzehnten. Das gilt besonders für die Baumartenwahl.
Junge Bestände müssen zunächst Trockenjahre, Konkurrenzvegetation und andere Belastungen überstehen. Später kommen weitere Faktoren hinzu. Selbst eine breite Mischung ist keine Garantie dafür, dass alle Arten dauerhaft bestehen bleiben.
Deshalb ist der Begriff „Wald der Zukunft“ nur mit Einschränkungen sinnvoll. Er beschreibt kein fertiges Zielbild, sondern einen Prozess. Der Waldumbau im Harz besteht aus Pflanzung, Pflege, natürlicher Entwicklung und laufender Anpassung an Bedingungen, die sich weiter verändern.
Auch Sachsen-Anhalts Wälder bleiben unter Druck
Dass die Ballenstedter Flächen kein Einzelfall sind, zeigt der Blick auf das gesamte Land. Der Waldzustandsbericht 2025 für Sachsen-Anhalt beschreibt weiterhin eine hohe Belastung vieler Wälder. Nach einem niederschlagsreicheren Vorjahr brachte das warme und trockene Jahr 2025 keine grundlegende Entspannung.
Kronenschäden und stark geschädigte Bäume bleiben ein Problem. Für die Forstwirtschaft bedeutet das, dass Wiederaufforstung und Waldumbau nicht nur auf bereits vollständig ausgefallenen Flächen stattfinden. Auch bestehende Wälder müssen daraufhin geprüft werden, wie widerstandsfähig ihre Struktur unter veränderten Klimabedingungen ist.
Das Landeszentrum Wald empfiehlt deshalb insbesondere für einschichtige Fichtenbestände im Hügel- und Mittelgebirge einen Umbau zu gemischteren und stärker strukturierten Wäldern. Ziel ist eine breitere Risikoverteilung – nicht die Zusicherung, dass ein Bestand künftig ohne Schäden bleibt.
Der Harz braucht unterschiedliche Antworten
Dabei gibt es für den Harz keine einheitliche Strategie. In bewirtschafteten Privat- und Kommunalwäldern werden Flächen aktiv aufgeforstet, gepflegt und nach wirtschaftlichen sowie ökologischen Kriterien entwickelt. Im Nationalpark Harz gelten dagegen andere Maßstäbe: Dort werden große Bereiche der natürlichen Waldentwicklung überlassen.
Beides verfolgt unterschiedliche Ziele. Im Wirtschaftswald geht es auch um langfristige Nutzung, Schutzfunktionen und stabile Bestände. Im Nationalpark steht die natürliche Entwicklung stärker im Vordergrund. Wer vom „Wald der Zukunft“ spricht, muss deshalb unterscheiden, über welchen Wald gesprochen wird.
Welche Bäume bleiben, entscheidet sich erst später
In Ballenstedt ist der Wandel bereits sichtbar: Auf Flächen, die über Jahre von der Fichte geprägt waren, entstehen neue Mischungen aus mehreren Laubbaumarten. Der Waldumbau im Harz wird damit konkret – und zugleich bleibt er ein Experiment unter realen Bedingungen.
Ob Rotbuche, Hainbuche, Traubeneiche und Schwarzerle an den jeweiligen Standorten dauerhaft bestehen, lässt sich heute nicht abschließend beurteilen. Entscheidend wird sein, wie sie auf trockene Sommer, wechselnde Niederschläge und weitere Klimaveränderungen reagieren.
Der Anspruch ist deshalb nüchterner, aber realistischer: nicht der vollständig klimafeste Wald, sondern ein Bestand, der weniger einseitig, vielfältiger und besser auf unterschiedliche Risiken vorbereitet ist. Für Ballenstedt hat dieser Umbau längst begonnen. Wie der Wald dort in einigen Jahrzehnten tatsächlich aussieht, wird sich erst dann zeigen.


















