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Kunst im Harz

„Frauen sind …!“ in Quedlinburg: Fünf Künstlerinnen brechen mit vertrauten Frauenbildern

Besucherin betrachtet Kunstwerke mit weiblichen Figuren in einer Ausstellung in Quedlinburg im Harz
Symbolbild: KI-generiert. Die Ausstellung „Frauen sind …!“ in Quedlinburg im Harz beschäftigt sich mit Frauenbildern, Weiblichkeit und der Perspektive von Künstlerinnen.

Im Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg im Harz zeigt die Ausstellung „Frauen sind …!“ fünf künstlerische Positionen, die sich mit weiblichen Selbstbildern, gesellschaftlichen Rollen und tradierten Vorstellungen von Weiblichkeit auseinandersetzen. Die Schau setzt auf sehr unterschiedliche Bildsprachen – von farbintensiver Keramik bis zu Scherenschnitten, die bewusst mit Sinnlichkeit und Provokation arbeiten. Im Mittelpunkt steht jedoch weniger der kalkulierte Tabubruch als die Frage, wer Frauenbilder prägt und wie Künstlerinnen diese Deutungsmacht für sich beanspruchen.

Quedlinburg, 20. August 2026. Mitten im Harz bleibt ein Satz bewusst unvollständig: „Frauen sind …!“ Schon der Titel der neuen Ausstellung im Museum Lyonel Feininger verweigert jene eindeutige Definition, die er zunächst zu versprechen scheint. Statt ein festes Bild von Weiblichkeit zu entwerfen, versammelt die Schau fünf Künstlerinnen, die Frauen auf sehr unterschiedliche Weise darstellen – selbstbewusst, verletzlich, rätselhaft, sinnlich, dunkel oder widersprüchlich.

Seit dem 20. August ist die Ausstellung in Quedlinburg regulär zu sehen, sie läuft bis zum 11. Januar 2027. Gezeigt werden Arbeiten von Grita Götze, Kerstin Grimm, Kat Menschik, Luise Neupert-Keil und Tanja Pohl. Nach Angaben der Quedlinburg-Tourismus-Marketing verbindet die fünf Künstlerinnen neben ihrem Schaffen auch eine ostdeutsche beziehungsweise durch die DDR geprägte Biografie.

Das Grundprinzip der Ausstellung ist klar: Frauen zeigen Frauen. Damit verschiebt sich eine vertraute kunsthistorische Perspektive. Frauen erscheinen nicht allein als Motiv, Körper oder Projektionsfläche, sondern bestimmen selbst, wie sie Frauen darstellen und welche Rollenbilder sie aufgreifen, verändern oder zurückweisen.

Frauenbilder im Harz: „Frauen sind …!“ stellt Gewohntes infrage

Die Ausstellung „Frauen sind …!“ beschäftigt sich mit Selbstbild und Fremdbild, gesellschaftlichen Zuschreibungen und unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie Weiblichkeit aussehen oder gelesen werden kann. Gerade deshalb wäre es zu kurz gegriffen, die Schau lediglich als Provokation zu beschreiben. Einzelne Arbeiten arbeiten durchaus mit aufreizenden Motiven, Brüchen oder subversiven Elementen. Das übergeordnete Konzept ist jedoch breiter.

Im Zentrum stehen Fragen nach Sichtbarkeit, Selbstbehauptung und Deutung. Was gilt als schön? Wann wird ein Frauenkörper zur Projektionsfläche? Welche Bilder entstehen aus gesellschaftlichen Erwartungen, welche aus der eigenen Perspektive der Künstlerinnen? Die Ausstellung gibt darauf keine gemeinsame Antwort. Sie lässt unterschiedliche Haltungen nebeneinanderstehen.

Diese Offenheit ist gewollt. In den wissenschaftlichen Beschreibungen des Projekts wird Weiblichkeit nicht als starre Kategorie behandelt, sondern als Spannungsfeld zwischen Ideal und Bruch, Selbstbild und Fremdbild, Harmonie und gesellschaftlicher Zuschreibung. Der Titel selbst wird damit zum Programm: Der Satzanfang lässt Raum, anstatt eine Definition festzuschreiben.

Fünf Künstlerinnen, fünf deutlich verschiedene Zugänge

Schon die Wahl der künstlerischen Mittel verhindert einen einheitlichen Blick. Grita Götze arbeitet mit farbintensiver Keramik. Schönheit wird bei ihr nicht bloß als dekorative Oberfläche behandelt, sondern als eigenständige, selbstbewusste Position.

Das Wichtigste in Kürze

Im Museum Lyonel Feininger in Quedlinburg zeigt die Ausstellung „Frauen sind …!“ Arbeiten von fünf Künstlerinnen mit ostdeutscher beziehungsweise DDR-geprägter Biografie. Die Schau beschäftigt sich mit Frauenbildern, gesellschaftlichen Rollen und künstlerischer Selbstbestimmung.

Wann?
Seit dem 20. August ist die Ausstellung in Quedlinburg regulär zu sehen, sie läuft bis zum 11. Januar 2027.
Was ist bestätigt?
Gezeigt werden Arbeiten von Grita Götze, Kerstin Grimm, Kat Menschik, Luise Neupert-Keil und Tanja Pohl.
Wer ist betroffen?
Nach Angaben der Quedlinburg-Tourismus-Marketing verbindet die fünf Künstlerinnen neben ihrem Schaffen auch eine ostdeutsche beziehungsweise durch die DDR geprägte Biografie.
Was bedeutet das?
Die Ausstellung „Frauen sind …!“ beschäftigt sich mit Selbstbild und Fremdbild, gesellschaftlichen Zuschreibungen und unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie Weiblichkeit aussehen oder gelesen werden kann.
Was ist bestätigt?
Auch Museumsdirektorin Adina Christine Rösch hatte im Februar im Zusammenhang mit dem Jubiläumsprogramm des Hauses auf die weiterhin geringe Sichtbarkeit von Frauen in Galerien hingewiesen.

Stand:

Kat Menschik bewegt sich zwischen Illustration, Literatur, Comic und Popkultur. Ihre Frauenfiguren erscheinen eigensinnig und humorvoll, können aber ebenso eine dunkle oder poetische Seite haben. Diese Ambivalenz passt zum übergeordneten Konzept der Ausstellung: Weiblichkeit wird nicht auf einen Typus reduziert.

Bei Kerstin Grimm entstehen rätselhafte, teilweise märchenhafte Bildräume. Mädchen und junge Frauen tauchen in Szenen auf, die vertraut wirken können, sich aber einer eindeutigen Lesart entziehen.

Tanja Pohl arbeitet mit intensiver Farbigkeit, verbindet diese jedoch mit gebrochenen und teils düsteren Situationen. Ihre Werke richten den Blick auf Körperbilder und auf Vorstellungen davon, welche Rolle Frauen gesellschaftlich einnehmen sollen.

Am deutlichsten lässt sich der Begriff der Provokation bei Luise Neupert-Keil anwenden. Ihre Scherenschnitte zeigen Frauen sinnlich und selbstbewusst, teilweise auch aufreizend. In Beschreibungen der Ausstellung werden einzelne ihrer Arbeiten ausdrücklich als provokant charakterisiert. Daraus lässt sich jedoch kein genereller Provokationsauftrag für die gesamte Schau ableiten.

Feministische Perspektiven – ohne einfaches Etikett

Die Ausstellung berührt Themen, die eng mit feministischen Debatten verbunden sind: die Sichtbarkeit von Künstlerinnen, patriarchal geprägte Strukturen, gesellschaftliche Rollenbilder sowie die Frage, wer Frauen betrachtet, darstellt und bewertet. Das Museum beschäftigt sich mit diesen Themen nicht erst seit diesem Sommer.

Bereits 2025 veranstaltete das Haus einen Workshop unter dem Titel „Zwischen Rollenklischees und Rebellion“. Dabei ging es unter anderem um Frauen in der Kunstgeschichte und um deren Darstellung. Für November ist in Quedlinburg zudem die wissenschaftliche Tagung „Zwischen System und Selbstentwurf. Künstlerinnen in Ostdeutschland 1949–heute“ vorgesehen.

Auch Museumsdirektorin Adina Christine Rösch hatte im Februar im Zusammenhang mit dem Jubiläumsprogramm des Hauses auf die weiterhin geringe Sichtbarkeit von Frauen in Galerien hingewiesen. Der Leitgedanke der Ausstellung wurde damals knapp mit „Frauen malen Frauen“ beschrieben.

Die Formulierung bringt einen wesentlichen Unterschied auf den Punkt. Die Künstlerinnen der Quedlinburger Ausstellung übernehmen selbst die Perspektive, aus der Frauen betrachtet werden. Das kann feministisch gelesen werden, ohne dass sämtliche Werke deshalb pauschal unter das Etikett „feministische Kunst“ gestellt werden müssten.

Die ostdeutsche Perspektive gehört zur Quedlinburger Ausstellung

Zur inhaltlichen Klammer gehört auch die Herkunft der beteiligten Künstlerinnen. Alle fünf stehen in einem ostdeutschen beziehungsweise DDR-geprägten biografischen Zusammenhang. Damit verbindet die Ausstellung im Harz ihre Auseinandersetzung mit Frauenbildern mit einer zweiten Frage: Wie sichtbar sind Künstlerinnen aus Ostdeutschland heute überhaupt im gesamtdeutschen und internationalen Kunstbetrieb?

Dieser Aspekt soll bei der für den 12. und 13. November geplanten Tagung weiter vertieft werden. Dort geht es um Künstlerinnen in Ostdeutschland seit 1949 und um ihre Position zwischen politischen Systemen, gesellschaftlichen Erwartungen und individuellem künstlerischem Selbstentwurf. Die Ausstellung „Frauen sind …!“ dient dafür als ein Ausgangspunkt.

Damit erhält die Schau eine kunsthistorische Ebene, die über die fünf präsentierten Positionen hinausweist. Es geht nicht nur darum, wie Frauen dargestellt werden, sondern auch darum, welche Künstlerinnen in Sammlungen, Ausstellungen und kunsthistorischen Erzählungen überhaupt sichtbar werden.

Ausstellung in Quedlinburg läuft bis Januar 2027

Eröffnet wurde „Frauen sind …!“ am 19. August mit einer Vernissage. Seit dem 20. August ist die Ausstellung regulär im Museum Lyonel Feininger am Schlossberg in Quedlinburg zugänglich. Sie soll bis zum 11. Januar 2027 laufen.

Zum angekündigten Begleitprogramm gehören Führungen, Workshops, Kunstkurse und Lesungen. Außerdem ist ein Katalog zur Ausstellung vorgesehen. Verlässliche aktuelle Eintrittspreise ließen sich aus den vorliegenden Informationen nicht eindeutig bestimmen; ältere Preisangaben des Museums sollten deshalb nicht ohne erneute Prüfung übernommen werden.

Was die Schau für Quedlinburg im Harz sichtbar macht

Die Ausstellung „Frauen sind …!“ lebt nicht von einer einzelnen provokanten Geste. Ihre Stärke liegt gerade darin, verschiedene Vorstellungen von Weiblichkeit nicht aufzulösen, sondern nebeneinander sichtbar zu machen. Schönheit und Bruch, Sinnlichkeit und Distanz, Selbstbehauptung und gesellschaftliche Zuschreibung stehen sich dabei nicht als sauber getrennte Gegensätze gegenüber.

Für Quedlinburg und die Kulturlandschaft im Harz setzt die Schau damit einen klaren Schwerpunkt auf Frauenbilder, künstlerische Selbstbestimmung und die Sichtbarkeit ostdeutsch geprägter Künstlerinnen. Die fünf Beteiligten formulieren keine gemeinsame Definition von Frau-Sein. Wo der Titel eine Antwort erwarten lässt, bleibt eine Leerstelle – und genau diese Offenheit bildet den Kern der Ausstellung.

Quellen

  1. Ausstellungen – Frauen sind …!Quedlinburg-Tourismus-Marketing
  2. Feininger-Museum präsentiert zum 40. Geburtstag neue WerkeDIE ZEIT / dpa
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