Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt wenige Wochen vor der Landtagswahl deutlich vor der CDU. Ministerpräsident Sven Schulze hält die Entscheidung dennoch für offen und verweist darauf, dass derzeit keine Partei über eine absolute Mehrheit verfügt. Auch für Wähler im Harz ist entscheidend, welche kleineren Parteien am 6. September den Einzug in den Landtag schaffen.
Magdeburg, 7. August 2026. Sven Schulze steht vor einer ungewöhnlich schwierigen Ausgangslage. Der Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat geht in die heiße Phase des Wahlkampfs, während die AfD in Sachsen-Anhalt mit großem Abstand vorne liegt. Trotzdem widerspricht Schulze dem Eindruck, die Landtagswahl sei bereits entschieden.
In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem Journalisten Ralf Schuler verwies Schulze auf die entscheidende Grenze im parlamentarischen System: die absolute Mehrheit. „Die AfD hat keine Mehrheit“, sagte der Ministerpräsident. Im selben Zusammenhang machte er klar, dass auch seine eigene Partei derzeit keine Mehrheit erreicht. Seine Aussage bezieht sich auf die aktuellen Umfragen – nicht auf ein feststehendes Wahlergebnis.
AfD in Sachsen-Anhalt bei 41 Prozent
Die Zahlen zeigen allerdings, wie groß der Abstand inzwischen ist. Im jüngsten Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest dimap kommt die AfD auf 41 Prozent. Die CDU erreicht 24 Prozent. Dahinter folgen die Linke mit 13 Prozent, die SPD mit sieben Prozent und die Grünen mit fünf Prozent. Das BSW liegt bei vier Prozent.
Laut MDR wurde die Befragung zwischen dem 23. und 28. Juli erhoben. Die AfD hält damit ihr hohes Niveau, während die CDU gegenüber der vorherigen Erhebung zwei Prozentpunkte verliert. Zwischen beiden Parteien liegen derzeit 17 Prozentpunkte.
Für Schulze ist das dennoch kein Endstand. Schon im Mai hatte er nach einem ähnlich starken AfD-Wert darauf hingewiesen, dass eine Umfrage kein Wahlergebnis sei. An dieser Linie hält er fest: Die Entscheidung falle am Wahltag, nicht mehrere Wochen zuvor in den Demoskopie-Tabellen.
Der Vergleich mit der Landtagswahl 2021 zeigt, wie stark sich die politische Lage verändert hat. Damals gewann die CDU mit 37,1 Prozent deutlich. Die AfD erreichte 20,8 Prozent. In den aktuellen Umfragen liegt ihr gemessener Stimmenanteil nahezu doppelt so hoch wie beim damaligen Wahlergebnis.
Das Wichtigste in Kürze
Die AfD liegt vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in der jüngsten Infratest-dimap-Umfrage deutlich vor der CDU. Eine absolute Mehrheit ergibt sich aus den aktuellen Werten jedoch nicht automatisch.
- Was ist bestätigt?
- Im jüngsten Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest dimap kommt die AfD auf 41 Prozent.
- Was ist bestätigt?
- Die CDU erreicht 24 Prozent.
- Wann?
- Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am Sonntag, 6. September 2026, statt.
- Was ist noch offen?
- Eine absolute Mehrheit hat sie nach diesen Zahlen jedoch nicht.
Warum 41 Prozent noch keine absolute Mehrheit sind
Der Satz des Ministerpräsidenten ist rechnerisch zunächst korrekt. 41 Prozent der Stimmen sind keine absolute Mehrheit. Für die Frage, wer nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt tatsächlich regieren kann, reicht dieser Befund allerdings nicht aus.
Entscheidend ist die Sitzverteilung im neuen Landtag. Dabei spielt die Fünf-Prozent-Hürde eine zentrale Rolle. Stimmen für Parteien, die daran scheitern, werden bei der Verteilung der Mandate nicht berücksichtigt. Der Sitzanteil einer Partei kann deshalb höher ausfallen als ihr Anteil an allen abgegebenen Stimmen.
Nach den jüngsten Werten von Infratest dimap würden AfD, CDU, Linke, SPD und Grüne in den Landtag einziehen. Das BSW läge mit vier Prozent darunter. Unter genau diesen Voraussetzungen hätte die AfD trotz 41 Prozent keine absolute Mehrheit der Sitze.
Die Rechnung bleibt allerdings empfindlich. Besonders bei Grünen, SPD und BSW können wenige Prozentpunkte erhebliche Folgen haben. Die Grünen liegen in der aktuellen Erhebung exakt bei fünf Prozent. Das BSW steht bei vier Prozent. Andere Institute kommen teilweise zu leicht abweichenden Ergebnissen.
Damit entscheidet nicht allein der Vorsprung der AfD darüber, wie der nächste Landtag zusammengesetzt sein wird. Ebenso wichtig ist, welche kleineren Parteien die Sperrklausel überwinden. Erst daraus ergibt sich die tatsächliche Mehrheitsarithmetik.
Die Regierungsbildung dürfte schwieriger werden
Mit jeder neuen Umfrage rückt deshalb eine zweite Frage stärker in den Vordergrund: Wer kann nach dem 6. September überhaupt eine stabile Mehrheit organisieren?
Auch hier zeigen die Zahlen ein gespaltenes Bild. Bei der Frage, welche Partei die nächste Landesregierung führen sollte, lagen AfD und CDU im jüngsten Sachsen-Anhalt-Trend nahezu gleichauf. 44 Prozent sprachen sich für eine AfD-geführte Landesregierung aus, 43 Prozent für eine CDU-geführte.
Eine Koalition aus CDU und AfD findet dagegen laut derselben Erhebung keine Mehrheit in der Bevölkerung. 60 Prozent der Befragten lehnten ein solches Bündnis ab, 31 Prozent befürworteten es. Unter Anhängern der CDU fiel die Ablehnung noch deutlicher aus.
Schulze selbst hat eine Zusammenarbeit mit der AfD mehrfach ausgeschlossen. Anfang Juli erklärte er in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“, er wolle sich nicht mit der AfD an einen Tisch setzen. Zudem machte er deutlich, dass er sich das Amt des Ministerpräsidenten nicht aktiv mit Stimmen der AfD sichern wolle.
Auf der anderen Seite verfolgt AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nach Angaben des MDR weiterhin das Ziel, seine Partei in eine Position zu bringen, aus der heraus sie allein regieren könnte. Nach Veröffentlichung der jüngsten Zahlen verwies er darauf, dass das Mobilisierungspotenzial seiner Partei aus seiner Sicht noch nicht ausgeschöpft sei.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Auch der Harz stimmt ab
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am Sonntag, 6. September 2026, statt. Nach Angaben der Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt sind die Wahllokale von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Die Entscheidung betrifft damit auch die Wahlberechtigten im Landkreis Harz und in Städten wie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg als Teil des landesweiten Urnengangs.
Erst nach der Wahl lässt sich zuverlässig beurteilen, ob sich der deutliche Vorsprung der AfD auch in eine parlamentarische Mehrheit übersetzt.
Für Schulze ist die Wahl zugleich die erste große Bewährungsprobe als Ministerpräsident. Seit dem 28. Januar führt er die Landesregierung. Der Landtag wählte ihn damals mit 58 Stimmen zum Regierungschef. Nun tritt er als Spitzenkandidat der CDU an und muss eine Partei in den Wahlkampf führen, die in den Umfragen weit hinter der AfD liegt.
Zum politischen Hintergrund gehört auch die Einstufung des AfD-Landesverbandes durch den Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt. Das Innenministerium führt den Landesverband weiterhin als gesichert rechtsextremistische Bestrebung. Diese Einstufung wird auch im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 aufgeführt.
Großer Vorsprung, offene Mehrheit – auch aus Sicht des Harzes
Die Lage vor der Landtagswahl ist damit klarer, als es der zugespitzte Satz allein vermuten lässt. Die AfD ist in Sachsen-Anhalt nach den derzeit verfügbaren Umfragen mit Abstand stärkste Kraft. Eine absolute Mehrheit hat sie nach diesen Zahlen jedoch nicht.
Ob dieser Vorsprung am 6. September für eine eigene Regierungsmehrheit reicht, hängt vom tatsächlichen Wahlergebnis, vom Abschneiden der kleineren Parteien und davon ab, wie viele Stimmen an der Fünf-Prozent-Hürde verloren gehen. Genau deshalb ist Schulzes Aussage sachlich richtig – auch wenn sie den erheblichen Rückstand der CDU nicht kleiner macht.
Für Sachsen-Anhalt und damit auch für den Harz bleibt die Regierungsfrage offen. Die AfD geht aus einer starken Position in die Schlussphase des Wahlkampfs, doch über die Mehrheiten entscheidet am Ende die gesamte Zusammensetzung des neuen Landtags.


















