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Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD führt – doch die Regierungsbildung bleibt offen

Abstrakte Wahlkarten zu AfD, CDU und möglichen Koalitionen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und im Harz

Symbolbild: KI-generiert. Die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt könnte nach der Landtagswahl schwierig werden; auch für den Harz entscheidet die landesweite Sitzverteilung.

Einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in mehreren Umfragen deutlich vor der CDU, verfehlt nach den aktuellen Projektionen aber die absolute Mehrheit. Für Sachsen-Anhalt und damit auch für den Harz stellt sich deshalb weniger die Frage nach einer einfachen Zweiermehrheit als danach, welche Regierung nach dem 6. September politisch überhaupt zustande kommen kann. Eine Koalition aus AfD und CDU hätte rechnerisch genügend Stimmen, wird von der CDU jedoch ausdrücklich ausgeschlossen.

Magdeburg, 5. September 2026. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte zu einer besonders komplizierten Regierungsbildung führen. Weniger die Frage nach dem ersten Platz sorgt für Spannung als die Mehrheitsverhältnisse dahinter: Die AfD führt in den jüngsten Erhebungen klar, die CDU folgt mit erheblichem Abstand, und die kleineren Parteien entscheiden voraussichtlich darüber, ob sich jenseits der AfD überhaupt eine tragfähige Mehrheit organisieren lässt.

Gewählt wird am Sonntag, 6. September. Bis zum Vorliegen des tatsächlichen Ergebnisses bleiben sämtliche Koalitionsmodelle rechnerische Szenarien. Besonders relevant ist dabei, welche Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Schon der Einzug oder das Ausscheiden einer kleineren Partei kann die Sitzverteilung deutlich verändern.

AfD in Sachsen-Anhalt klar vor der CDU

Die Forschungsgruppe Wahlen sieht die AfD in der jüngsten Projektion für das ZDF bei 41 Prozent. Die CDU kommt demnach auf 23 Prozent. Dahinter folgen Linke, SPD und Grüne. BSW und FDP liegen in dieser Erhebung unter fünf Prozent.

Auch andere Umfragen zeichnen ein ähnliches Bild. Eine INSA-Erhebung sah die AfD bei 43 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. Im Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest dimap lagen die beiden Parteien bei 42 beziehungsweise 22 Prozent. Die Werte unterscheiden sich im Detail, die politische Grundkonstellation ist jedoch in mehreren Erhebungen ähnlich: Die AfD liegt deutlich vorn, erreicht nach den derzeitigen Projektionen aber keine sichere absolute Mehrheit.

Gerade deshalb ist die Frage nach einer möglichen Koalition in Sachsen-Anhalt komplexer, als es die Umfragewerte zunächst vermuten lassen. Stärkste Kraft zu werden, bedeutet nicht automatisch, auch eine Regierung bilden zu können.

Was die Koalitionsfrage für den Harz bedeutet

Auch für den Harz, den Landkreis Harz und Städte wie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg wird am Sonntag derselbe neue Landtag gewählt. Welche Regierung anschließend in Magdeburg entsteht, hängt jedoch nicht von einzelnen regionalen Ergebnissen allein ab, sondern von der landesweiten Sitzverteilung und den politischen Koalitionsentscheidungen.

Eine Koalition aus AfD und CDU hätte nach den aktuellen Umfragewerten eine deutliche parlamentarische Mehrheit. Rein mathematisch wäre dieses Bündnis die mit Abstand einfachste Zweierkonstellation.

Politisch spricht derzeit jedoch nichts dafür. CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Sven Schulze hat unmittelbar vor der Wahl erneut ausgeschlossen, mit der AfD zu koalieren. Damit folgt er der bisherigen Linie seiner Partei. Die CDU Deutschlands lehnt seit einem Bundesparteitagsbeschluss aus dem Jahr 2018 Koalitionen und vergleichbare Formen der Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linkspartei ab.

Das Wichtigste in Kürze

Die AfD liegt vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in mehreren Umfragen deutlich vor der CDU, erreicht nach den aktuellen Projektionen aber keine sichere absolute Mehrheit. Eine AfD-CDU-Koalition wäre rechnerisch möglich, wird von der CDU jedoch ausgeschlossen, sodass auch eine Minderheitsregierung als Szenario diskutiert wird.

Wann?
Gewählt wird am Sonntag, 6. September.
Was ist bestätigt?
Die Forschungsgruppe Wahlen sieht die AfD in der jüngsten Projektion für das ZDF bei 41 Prozent.
Was bedeutet das?
Nach der aktuellen ZDF-Projektion reicht eine Kombination aus CDU, SPD und Grünen nicht für eine eigene Mehrheit im Landtag.
Was gilt konkret?
Wie die Tagesschau in ihrer Analyse zur Landtagswahl darlegte, könnte deshalb eine Minderheitsregierung zu einem der entscheidenden Szenarien werden.
Was ist noch offen?
Ob eine solche Minderheitsregierung tatsächlich zustande kommen könnte, ist vor der Wahl offen.

Stand:

Die rechnerische Mehrheit von AfD und CDU darf deshalb nicht mit einer realistischen Regierungsoption gleichgesetzt werden. Es gibt bislang keinen belastbaren Hinweis darauf, dass beide Parteien Gespräche über ein gemeinsames Regierungsbündnis vorbereiten.

Auch aus der AfD kommt kein konkretes Koalitionsangebot

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat seinerseits erklärt, sich nur dann zum Ministerpräsidenten wählen lassen zu wollen, wenn die AfD eine absolute Mehrheit erreicht und allein regieren kann. Damit setzt er öffentlich auf eine Alleinregierung statt auf ein Bündnis mit einer anderen Partei.

AfD-Bundeschef Tino Chrupalla äußerte sich zwar grundsätzlich offener für Gespräche nach der Wahl. Daraus lässt sich bislang aber kein konkretes Angebot an die CDU ableiten. Für die Regierungsbildung bleibt deshalb zunächst entscheidend, ob die AfD am Wahlabend tatsächlich nur stärkste Kraft wird oder sich ihr Stimmenanteil noch in Richtung einer absoluten Mehrheit verschiebt.

Das eigentliche Problem liegt bei einer Mehrheit ohne AfD

Deutlich schwieriger wird die Lage, wenn eine Regierung ohne Beteiligung der AfD gebildet werden soll. Nach der aktuellen ZDF-Projektion reicht eine Kombination aus CDU, SPD und Grünen nicht für eine eigene Mehrheit im Landtag.

Damit gerät die Linke zwangsläufig in den Blick. Rechnerisch könnte eine Kombination aus CDU, Linken, SPD und Grünen eine Mehrheit erreichen. Politisch steht auch diesem Modell jedoch die bisherige Haltung der CDU entgegen. Schulze schließt eine formelle Koalition mit der Linkspartei ebenfalls aus.

Wie die Tagesschau in ihrer Analyse zur Landtagswahl darlegte, könnte deshalb eine Minderheitsregierung zu einem der entscheidenden Szenarien werden. CDU, SPD und Grüne könnten eine Regierung bilden, ohne im Landtag selbst über die Mehrheit der Sitze zu verfügen. Für die Wahl des Ministerpräsidenten und später bei wichtigen Abstimmungen wäre eine solche Regierung dann auf Unterstützung außerhalb des eigenen Bündnisses angewiesen.

Minderheitsregierung würde neue Abhängigkeiten schaffen

Eine solche Konstruktion wäre keine klassische Koalition mit der Linken. Politisch würde dennoch die Frage entstehen, wie weit eine Duldung oder punktuelle Unterstützung reichen dürfte und welche Vereinbarungen dafür nötig wären.

Für die CDU wäre das ein schwieriger Balanceakt. Einerseits hat sie eine Koalition mit der Linken ausgeschlossen. Andererseits könnte eine Regierungsbildung ohne AfD bei einem Wahlergebnis nahe den aktuellen Umfragen kaum möglich sein, ohne zumindest bei einzelnen Entscheidungen auf Stimmen aus dem linken Lager angewiesen zu sein.

Ob eine solche Minderheitsregierung tatsächlich zustande kommen könnte, ist vor der Wahl offen. Ebenso offen ist, ob die Linke bereit wäre, einen CDU-geführten Ministerpräsidenten zu ermöglichen oder eine Regierung aus CDU, SPD und Grünen in zentralen Fragen zu stützen.

BSW könnte die Mehrheitsverhältnisse verschieben

Zusätzliche Unsicherheit bringt das BSW. In mehreren aktuellen Umfragen liegt die Partei unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Gelingt ihr am Wahlabend dennoch der Einzug in den Landtag, verändert sich die Sitzverteilung – und damit auch die Koalitionsarithmetik.

BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig hat eine sachbezogene Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Eine feste Koalition hat sie damit allerdings nicht angekündigt. Für die Frage, welche Regierung in Sachsen-Anhalt möglich wird, ist das BSW derzeit vor allem deshalb relevant, weil schon sein Einzug zusätzliche Sitze bindet und dadurch andere Mehrheiten erschweren oder neue Konstellationen eröffnen kann.

Ähnliches gilt für die Grünen. Sollten sie entgegen den derzeitigen Projektionen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, würde sich das Kräfteverhältnis im Landtag ebenfalls deutlich verändern. Vor diesem Hintergrund bleiben sämtliche Modelle bis zum Wahlabend vorläufig.

Welche Regierung in Sachsen-Anhalt derzeit denkbar ist

Aus den aktuellen Umfragen ergibt sich ein klarer Unterschied zwischen rechnerischen und politischen Möglichkeiten. Eine Koalition aus AfD und CDU wäre mathematisch sehr komfortabel, wird von der CDU aber ausgeschlossen. Eine Regierung aus CDU, SPD und Grünen dürfte nach den derzeitigen Projektionen keine Mehrheit haben. Eine breitere Koalition unter Einbeziehung der Linken wäre rechnerisch denkbar, wird von der CDU als formelles Bündnis ebenfalls abgelehnt.

Damit rückt ein Modell in den Vordergrund, das in klassischen Koalitionsdebatten häufig erst an zweiter Stelle steht: eine Minderheitsregierung. Sie könnte zum Ausweg werden, falls sich nach der Landtagswahl keine reguläre Mehrheit gegen die AfD bildet und die bisherigen Ausschlüsse bestehen bleiben.

Der Wahlabend entscheidet auch für den Harz

Die entscheidende Frage am 6. September ist deshalb nicht nur, ob die AfD stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt wird. Mindestens ebenso wichtig ist, wie viele Parteien in den Landtag einziehen und welche Sitzverteilung daraus entsteht.

Nach dem derzeitigen Stand liegt zwischen mathematischer Mehrheit und politisch möglicher Regierung ein erheblicher Abstand. AfD und CDU könnten zusammen problemlos regieren, wollen es nach den öffentlichen Positionen der CDU aber nicht. Die übrigen Parteien könnten wiederum nur unter schwierigen Bedingungen eine Alternative organisieren.

Für den Harz und das übrige Sachsen-Anhalt entscheidet sich damit erst nach der Auszählung, ob eine klassische Koalition zustande kommt oder Verhandlungen über ein Regierungsmodell ohne feste parlamentarische Mehrheit beginnen.

Quellen

  1. Landtagswahl am 6. September 2026Landeswahlleitung Sachsen-Anhalt
  2. ZDF-Politbarometer Extra II Sachsen-Anhalt September 2026ZDF
  3. Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: CDU vor der Zerreißprobe?Tagesschau
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