Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich in mehreren aktuellen Erhebungen ein ungewöhnlich stabiles Bild ab: Die AfD liegt mit mehr als 40 Prozent deutlich vor der CDU. Für den Harz gibt es dagegen keine eigene repräsentative Sonntagsfrage – frühere Wahlresultate zeigen dort jedoch, wie stark sich das Kräfteverhältnis seit 2021 verändert hat. Entscheidend wird sein, ob sich dieser Trend am 6. September auch in den vier Harzer Wahlkreisen bestätigt.
Magdeburg/Harz, 17. August 2026. Die Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt rückt näher, und die jüngsten Umfragen lassen kaum Zweifel an der derzeitigen Rangfolge der stärksten Parteien. Drei Erhebungen sehen die AfD klar vor der CDU. Dahinter beginnt die eigentliche Unsicherheit: Mehrere Parteien bewegen sich nahe an der Fünf-Prozent-Hürde, wodurch schon geringe Verschiebungen die spätere Zusammensetzung des Landtags verändern könnten.
Für den Landkreis Harz ist die Lage weniger eindeutig. Aktuelle regionale Umfragen für Halberstadt, Blankenburg, Wernigerode oder Quedlinburg liegen nicht vor. Wer wissen will, was die Landtagswahl 2026 im Harz bedeuten könnte, muss deshalb zwei Ebenen auseinanderhalten: den landesweiten Umfragetrend und die tatsächlichen Wahlergebnisse der vergangenen Jahre.
Landtagswahl 2026: AfD liegt in Sachsen-Anhalt deutlich vor der CDU
Die jüngsten Erhebungen zeigen eine bemerkenswerte Konstanz. Laut MDR sah Infratest dimap die AfD Ende Juli bei 41 Prozent, die CDU bei 24 Prozent. Die Linke kam auf 13 Prozent, die SPD auf sieben, die Grünen auf fünf und das BSW auf vier Prozent.
Eine Anfang August veröffentlichte INSA-Erhebung verstärkte dieses Bild. Dort erreichte die AfD 42 Prozent, die CDU lag bei 22 Prozent. Auch die Linke stand bei 13 Prozent. Die SPD kam auf sechs Prozent, das BSW auf fünf, Grüne und FDP auf jeweils vier Prozent.
Eine weitere Befragung von Pollytix sah die AfD Mitte August schließlich bei 43 Prozent und die CDU bei 23 Prozent. Für die Linke wurden erneut 13 Prozent ausgewiesen, für die SPD sieben, für die Grünen fünf, für das BSW vier und für die FDP zwei Prozent. Auftraggeber dieser Erhebung war die Kampagnenorganisation Campact.
| Erhebung | AfD | CDU |
|---|---|---|
| Infratest dimap | 41 % | 24 % |
| INSA | 42 % | 22 % |
| Pollytix | 43 % | 23 % |
Für die Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt ergibt sich daraus ein klarer Zwischenstand: Die AfD liegt in allen drei Erhebungen deutlich vor der CDU. Die Differenzen zwischen den Instituten sind vergleichsweise gering. Größer ist die Unsicherheit bei den kleineren Parteien – und genau dort könnte sich am Wahlabend entscheiden, welche Mehrheiten rechnerisch überhaupt möglich sind.
Die Fünf-Prozent-Hürde wird zum Schlüsselfaktor
Hinter AfD, CDU und Linken verläuft die Lage deutlich enger. Die SPD erreicht in den aktuellen Umfragen sechs bis sieben Prozent und liegt damit oberhalb der Sperrklausel. Für Grüne und BSW ist das Bild wesentlich offener.
- Die Grünen werden je nach Erhebung mit vier oder fünf Prozent gemessen.
- Das BSW liegt ebenfalls bei vier oder fünf Prozent.
- Die FDP bleibt in den genannten Umfragen unter fünf Prozent.
- Die Linke erreicht in allen drei Erhebungen 13 Prozent.
Damit geht es bei der Landtagswahl 2026 nicht nur um die Frage, welche Partei stärkste Kraft wird. Ebenso relevant ist, wie viele Parteien überhaupt in den Landtag einziehen. Schon ein Prozentpunkt mehr oder weniger kann die Sitzverteilung verändern.
Umfragen liefern dabei keine Vorhersage des späteren Wahlergebnisses. Sie messen politische Präferenzen in einem begrenzten Zeitraum und unterliegen statistischen Schwankungen. Besonders bei Parteien nahe der Fünf-Prozent-Marke ist deshalb Vorsicht geboten.
Das Wichtigste in Kürze
Aktuelle Umfragen sehen die AfD vor der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt deutlich vor der CDU. Für den Harz fehlen eigene repräsentative Umfragen, während frühere Wahlergebnisse einen deutlichen Wandel gegenüber 2021 zeigen.
- Was ist bestätigt?
- Drei Erhebungen sehen die AfD klar vor der CDU.
- Wo?
- Bei der Landtagswahl 2026 ist der Landkreis Harz auf vier Wahlkreise verteilt.
- Was gilt konkret?
- Halberstadt bildet den Wahlkreis 14, Blankenburg den Wahlkreis 15, Wernigerode den Wahlkreis 16 und Quedlinburg den Wahlkreis 17.
- Was bedeutet das?
- Die SPD erreicht in den aktuellen Umfragen sechs bis sieben Prozent und liegt damit oberhalb der Sperrklausel.
Im Harz fehlen aktuelle Umfragen – die Wahlergebnisse erzählen dennoch eine Geschichte
Für den Landkreis Harz oder seine vier Landtagswahlkreise gibt es derzeit keine aktuelle repräsentative Sonntagsfrage. Die landesweiten Zahlen dürfen deshalb nicht einfach auf die Region übertragen werden. Ein Wert von 42 oder 43 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt bedeutet nicht automatisch, dass die Partei in Halberstadt, Blankenburg, Wernigerode oder Quedlinburg ähnlich abschneiden wird.
Dennoch lässt sich die politische Entwicklung im Harz anhand vergangener Wahlen nachvollziehen. Und der Vergleich fällt deutlich aus.
2021 war der Harz noch klar von der CDU geprägt
Bei der Landtagswahl 2021 dominierte die CDU in den Harzer Wahlkreisen. In Wernigerode erreichte sie bei den Zweitstimmen 39,0 Prozent, während die AfD auf 17,7 Prozent kam. In Blankenburg lagen 38,9 Prozent für die CDU und 18,8 Prozent für die AfD gegenüber. In Quedlinburg waren es 38,0 zu 19,7 Prozent.
Auch der Wahlkreis Halberstadt ging damals an die CDU. Die Ausgangslage war damit eine völlig andere als jene, die die landesweiten Umfragen vor der Landtagswahl 2026 derzeit zeigen.
Dieser Unterschied ist für die Einordnung des Harzes zentral. Vor fünf Jahren war die CDU in der Region eindeutig die stärkste Kraft. Danach veränderten sich die Ergebnisse bei anderen Wahlen spürbar.
Bei der Europawahl lag die AfD im Landkreis Harz bereits vorn
Bei der Europawahl 2024 erreichte die AfD im Landkreis Harz 29,8 Prozent. Die CDU kam auf 24,7 Prozent. Dahinter folgten die SPD mit neun Prozent, die Linke mit 4,4 Prozent und die Grünen mit 3,3 Prozent.
Damit hatte sich das Verhältnis gegenüber der Landtagswahl 2021 umgekehrt. Aus einer deutlichen CDU-Führung war bei einer anderen Wahl ein Vorsprung der AfD geworden.
Noch größer war der Abstand bei der Bundestagswahl im Februar 2025 im Bundestagswahlkreis 68 Harz. Dort erreichte die AfD 36,96 Prozent der Zweitstimmen, die CDU 19,57 Prozent. Dieser Vergleich hat allerdings eine wichtige Einschränkung: Der Bundestagswahlkreis ist nicht mit dem Landkreis Harz identisch. Zu ihm gehörten auch Aschersleben und Seeland.
Das Bundestagswahlergebnis kann deshalb nicht als exaktes Stimmungsbild des Landkreises gewertet werden. Es zeigt aber, dass der politische Wandel im größeren Harzer Wahlraum nicht nur in einer einzelnen Wahl sichtbar war.
Vier Harzer Wahlkreise stehen am 6. September im Fokus
Bei der Landtagswahl 2026 ist der Landkreis Harz auf vier Wahlkreise verteilt. Halberstadt bildet den Wahlkreis 14, Blankenburg den Wahlkreis 15, Wernigerode den Wahlkreis 16 und Quedlinburg den Wahlkreis 17. Die jeweiligen Wahlkreise umfassen zusätzlich weitere Städte und Gemeinden der Region.
Wie diese Wahlkreise tatsächlich abstimmen werden, lässt sich aus dem derzeitigen Datenstand nicht seriös vorhersagen. Landesweite Zweitstimmenumfragen beantworten auch nicht die Frage, wer ein Direktmandat gewinnt. Dort spielen Kandidaten, lokale Bekanntheit und die Zusammensetzung des jeweiligen Wahlkreises eine eigene Rolle.
Gerade deshalb dürfte der Blick auf den Harz am Wahlabend besonders interessant werden. Die Region verbindet zwei sehr unterschiedliche Befunde: eine Landtagswahl 2021, bei der die CDU klar dominierte, und spätere Europa- und Bundestagswahlen, bei denen die AfD deutlich stärker abschnitt.
Der Harz zeigt, wie offen die regionale Wirkung des Landestrends bleibt
Die Umfragen zur Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt senden wenige Wochen vor dem Wahltag ein klares Signal: Die AfD liegt landesweit deutlich vor der CDU, während mehrere kleinere Parteien um den Einzug in den Landtag kämpfen. Über die konkreten Verhältnisse im Harz sagen diese Zahlen jedoch nur begrenzt etwas aus.
Für die Region gibt es keine eigene aktuelle Umfrage. Was vorhanden ist, sind belastbare Wahlergebnisse aus den vergangenen Jahren – und sie zeigen einen erheblichen Wandel. 2021 gewann die CDU noch die Harzer Landtagswahlkreise, 2024 lag die AfD bei der Europawahl im Landkreis vor ihr, 2025 fiel der Abstand im größeren Bundestagswahlkreis noch deutlicher aus.
Ob sich diese Entwicklung bei der Landtagswahl am 6. September fortsetzt, wird erst das Wahlergebnis zeigen. Dann wird sich auch beantworten lassen, ob der landesweite Vorsprung der AfD im Harz ähnlich stark sichtbar wird – oder ob die vier Wahlkreise erneut ein eigenes regionales Muster hervorbringen.


















