Ein CDU-Kommunalpolitiker aus der Altmark stellt sich wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt offen hinter die AfD. Bernd Prange, ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe, will die Partei am 6. September wählen, hat ihr nach eigenen Angaben 10.000 Euro gespendet und hofft auf weitere konservative Wähler, die seinem Beispiel folgen. Der Konflikt betrifft den landesweiten Wahlkampf und damit auch die Wähler im Harz.
Altmärkische Höhe, 20. August 2026. Bernd Prange ist ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe im Landkreis Stendal, sitzt für die CDU im Kreistag und gehört der Partei weiterhin an. Nun hat er sich öffentlich gegen den politischen Kurs seiner eigenen Partei gestellt und zugleich für deren direkten Konkurrenten ausgesprochen.
In einem offenen Schreiben kündigt Prange an, bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September die AfD zu wählen. Nach übereinstimmenden Medienberichten bleibt es nicht bei einer persönlichen Entscheidung. Der CDU-Kommunalpolitiker verbindet seine Ankündigung mit der Hoffnung, dass weitere konservative Wähler ebenso abstimmen.
Wie der MDR berichtet, hat Prange zudem insgesamt 10.000 Euro an den AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt gespendet. Nach seinen Angaben erfolgten zwei Zahlungen über jeweils 5.000 Euro. Ein Sprecher des Landesverbandes bestätigte gegenüber Medien den Eingang der Überweisungen.
CDU-Bürgermeister wirbt offen für die AfD
Der Fall ist deshalb politisch brisant, weil Prange nicht nur seinen Unmut über die CDU formuliert. Er stellt sich öffentlich hinter eine konkurrierende Partei und verbindet das mit einem konkreten Wahlwunsch. In seinem Schreiben kritisiert er die politische Entwicklung der CDU und erklärt, konservative Positionen dort zunehmend nicht mehr vertreten zu sehen.
Besonders deutlich wird seine Haltung bei der Frage nach dem Wahlausgang. Prange wünscht sich einen so starken Erfolg der AfD, dass sie in Sachsen-Anhalt allein regieren könnte. Einen solchen Ausgang verbindet er mit der Erwartung, die CDU müsse ihre politische Linie grundlegend überdenken.
Damit geht der Vorstoß deutlich über eine innerparteiliche Kursdebatte hinaus. Prange fordert nicht nur eine andere Strategie im Umgang mit der AfD. Er unterstützt sie ausdrücklich als Wahloption und hofft zugleich auf zusätzliche Stimmen aus dem konservativen Lager.
Mehrere Medien haben das Schreiben als „Brandbrief“ bezeichnet. Präziser ist die Bezeichnung offener Brief: Das Dokument richtet sich nach den vorliegenden Berichten an die CDU in Sachsen-Anhalt und an die Öffentlichkeit. Inhaltlich ist die Botschaft eindeutig: Ein amtierender CDU-Bürgermeister empfiehlt die Wahl der AfD und stellt sich damit öffentlich gegen die Linie seiner eigenen Partei.
10.000 Euro für den politischen Konkurrenten
Zusätzliche Schärfe erhält der Vorgang durch die finanzielle Unterstützung. Prange hat nach eigenen Angaben zweimal 5.000 Euro an die AfD Sachsen-Anhalt überwiesen. Die beiden Zahlungen seien bewusst und nach längerer Überlegung erfolgt.
Die Spenden sind nicht nur politisch bemerkenswert, sondern auch parteirechtlich relevant. Im Statut der CDU ist geregelt, dass eine erhebliche finanzielle oder sonstige Unterstützung einer anderen Partei einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Ordnung der eigenen Partei darstellen kann.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Prange automatisch aus der CDU ausgeschlossen wäre. Dafür wäre ein formelles Verfahren notwendig. Über einen Parteiausschluss entscheidet das zuständige Parteigericht auf Grundlage eines entsprechenden Antrags.
Genau an diesem Punkt liegt derzeit die offene Frage. Die CDU prüft mögliche Konsequenzen, ein Ausschluss ist jedoch nicht beschlossen.
Das Wichtigste in Kürze
CDU-Kommunalpolitiker Bernd Prange unterstützt vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt öffentlich die AfD und hat dem Landesverband nach eigenen Angaben 10.000 Euro gespendet. Die CDU prüft mögliche parteirechtliche Konsequenzen.
- Was ist passiert?
- Wie der MDR berichtet, hat Prange zudem insgesamt 10.000 Euro an den AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt gespendet.
- Was bedeutet das?
- Die Spenden sind nicht nur politisch bemerkenswert, sondern auch parteirechtlich relevant.
- Was ist noch offen?
- Genau an diesem Punkt liegt derzeit die offene Frage. Die CDU prüft mögliche Konsequenzen, ein Ausschluss ist jedoch nicht beschlossen.
- Was ist bestätigt?
- Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft.
Warum der Fall auch für den Harz relevant ist
Die Auseinandersetzung spielt zwar in der Altmark, fällt aber mitten in den landesweiten Wahlkampf. Am 6. September 2026 wird in ganz Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Damit betrifft die politische Debatte auch den Landkreis Harz und die dortigen Wähler in Städten wie Wernigerode, Quedlinburg und Halberstadt, ohne dass Pranges kommunales Amt selbst einen unmittelbaren Bezug zum Harz hat.
Die Landes-CDU reagierte deutlich auf den Vorgang. CDU-Generalsekretär Mario Karschunke erklärte nach Angaben des MDR, die Berichte würden sehr ernst genommen. Sollte sich der geschilderte Sachverhalt bestätigen, handele es sich um einen sehr schwerwiegenden parteirechtlichen Vorgang.
Der zuständige CDU-Kreisvorstand soll nun beraten, wie mit Pranges Verhalten umzugehen ist. Dabei kann auch ein Parteiausschlussverfahren eine Rolle spielen. Ob ein solcher Antrag tatsächlich gestellt wird, ist bislang offen.
Für die CDU ist der Fall heikel, weil mehrere Ebenen zusammenkommen. Prange ist nicht nur Parteimitglied, sondern gewählter Kommunalpolitiker. Zugleich unterstützt er öffentlich die AfD, spendet an deren Landesverband und wirbt wenige Wochen vor der Landtagswahl für einen Wahlerfolg der Partei.
Bürgermeisteramt und Kreistagsmandat
Prange bekleidet ein kommunales Wahlamt. Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt führt ihn als ehrenamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe. Bei der Bürgermeisterwahl am 8. Oktober 2023 trat er als einziger Kandidat an und erhielt alle 472 gültigen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 32,5 Prozent.
Hinzu kommt sein Mandat im Kreistag des Landkreises Stendal. Gerade diese Verbindung aus Bürgermeisteramt, CDU-Mitgliedschaft und öffentlicher Unterstützung der AfD macht den Vorgang über einen persönlichen Parteistreit hinaus relevant.
Prange verweist nach den vorliegenden Berichten auch auf Erfahrungen aus der kommunalpolitischen Arbeit. Die Zusammenarbeit mit AfD-Vertretern im Kreistag beschreibt er als konstruktiv. Daraus leitet er seine Kritik an der bisherigen Abgrenzung der CDU gegenüber der AfD ab.
Für die politische Bewertung ist entscheidend, zwischen Pranges eigener Sicht und überprüfbaren Tatsachen zu trennen. Gesichert sind seine angekündigte AfD-Wahl, die Werbung um weitere konservative Stimmen, seine finanzielle Unterstützung für den Landesverband und sein Wunsch nach einer AfD-Alleinregierung.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt rückt näher
Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes treten 16 Parteien sowie mehrere Einzelbewerber an.
Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Die Behörde begründet diese Einstufung unter anderem mit Positionen, die aus ihrer Sicht gegen Menschenwürde und zentrale Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gerichtet sind.
Für die CDU verschärft das den innerparteilichen Konflikt. Ein eigenes Mitglied unterstützt nicht nur eine konkurrierende Partei, sondern einen Landesverband, den die zuständige Verfassungsschutzbehörde entsprechend einordnet.
Politisch lässt sich die Auseinandersetzung nicht auf einen einzelnen Satz oder eine spontane Äußerung reduzieren. Pranges Haltung zeigt sich in mehreren konkreten Schritten: Er kündigt seine AfD-Wahl an, wirbt um Nachahmer, unterstützt den Landesverband finanziell und erklärt, er wünsche sich eine AfD-Alleinregierung.
Entscheidung der CDU bleibt offen
Der entscheidende nächste Schritt liegt bei der CDU. Noch ist offen, ob der zuständige Kreisverband ein formelles Parteiausschlussverfahren anstößt oder andere parteirechtliche Maßnahmen prüft.
Bis dahin bleibt der politische Widerspruch bestehen: Bernd Prange ist nach dem derzeit bekannten Stand weiterhin CDU-Mitglied und unterstützt zugleich öffentlich die AfD im laufenden Landtagswahlkampf.
Für Wähler im Harz ist der Fall damit vor allem Teil einer landesweiten Auseinandersetzung über den Kurs der CDU vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Welche parteirechtlichen Folgen Pranges Unterstützung für die AfD tatsächlich hat, muss die Partei noch entscheiden.


















