Beim BSW Sachsen-Anhalt verschärft sich wenige Wochen vor der Landtagswahl ein offener Richtungsstreit, der auch für Wählerinnen und Wähler im Harz relevant ist. 21 Mitglieder haben ihren Austritt angekündigt, darunter mehrere Funktionsträger aus drei Kreisverbänden. Im Zentrum stehen Vorwürfe gegen den Führungsstil der Landespartei und der Konflikt über den Umgang mit der AfD.

Magdeburg, 10. August 2026. Für das BSW Sachsen-Anhalt kommt der Konflikt zur denkbar ungünstigen Zeit. Kurz vor der Landtagswahl am 6. September haben 21 Mitglieder ihren Austritt angekündigt. Unter ihnen sind mehrere Personen, die bislang Verantwortung in Kreisverbänden oder im Landesverband getragen haben.

Nach Angaben der Mitteldeutschen Zeitung berufen sich die Austretenden auf ein gemeinsames Schreiben, in dem sie mit dem Kurs der Landesführung abrechnen. Genannt werden unter anderem Sylvia Winkelmann-Witkowsky, Katja Wendland und Harald Koch. Betroffen sind damit auch die Kreisverbände Halle-Saalekreis, Burgenlandkreis und Mansfeld-Südharz.

BSW Sachsen-Anhalt: Kritik an Führung und AfD-Kurs

Der Bruch entzündet sich nicht an einem einzelnen Beschluss. Die Austretenden beschreiben vielmehr einen länger gewachsenen Konflikt mit der Führung des BSW Sachsen-Anhalt. Sie beklagen mangelnde Transparenz, Auseinandersetzungen um Ämter und eine aus ihrer Sicht autoritäre Parteikultur.

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Besonders scharf fällt der Vorwurf einer Kultur des Misstrauens und der Überwachung“ aus. Diese Formulierung stammt aus dem Austrittsschreiben und beschreibt die Sicht der Unterzeichner. Unabhängig bestätigt ist diese Einschätzung nicht.

Ein weiterer Streitpunkt ist der Umgang mit der AfD. Die Austretenden werfen der Landespartei vor, sich sprachlich und politisch Positionen der AfD anzunähern. Auch hier ist eine klare Trennung nötig: Belegt ist der Vorwurf. Nicht belegt ist eine formelle Zusammenarbeit, eine Koalitionsabsprache oder ein gemeinsames Regierungsmodell von BSW und AfD.

Warum der Umgang mit der AfD das BSW spaltet

Der Streit hat einen konkreten politischen Hintergrund. Das BSW Sachsen-Anhalt lehnt eine klassische Brandmauer gegenüber der AfD ab. Stattdessen setzt die Partei auf wechselnde Mehrheiten im Landtag und vertritt die Position, Sachanträge nicht danach zu bewerten, welche Fraktion ihnen zustimmt.

Auch auf Bundesebene hat das BSW zuletzt für einen offeneren politischen Umgang mit der AfD geworben. Die Parteispitze kritisierte die bisherige Abgrenzungsstrategie und suchte den direkten Austausch. Daraus lässt sich eine bewusste Distanz zur traditionellen Brandmauerpolitik ableiten. Eine feste politische Partnerschaft lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Gleichzeitig hat das BSW in Sachsen-Anhalt erklärt, weder CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze noch AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen zu wollen. Gerade dieser Widerspruch prägt die Debatte: Die Partei lehnt eine feste Abgrenzung ab, will sich aber zugleich nicht auf eine Regierungsunterstützung für die AfD festlegen.

Die zentralen Punkte des Konflikts

  • 21 Mitglieder des BSW Sachsen-Anhalt haben ihren Austritt angekündigt.
  • Unter ihnen befinden sich mehrere Funktionsträger aus drei Kreisverbänden.
  • Die Austretenden kritisieren Führungsstil, Transparenz und innerparteilichen Umgang.
  • Ein weiterer Vorwurf betrifft den politischen Kurs gegenüber der AfD.
  • Eine formelle Zusammenarbeit zwischen BSW und AfD ist nicht belegt.
  • Die Landesführung weist die Kritik zurück und verteidigt ihren Kurs gegen eine starre Brandmauer.

Das Wichtigste in Kürze

Beim BSW Sachsen-Anhalt haben 21 Mitglieder kurz vor der Landtagswahl ihren Austritt angekündigt. Im Mittelpunkt stehen Kritik am Führungsstil und der Streit über den Umgang mit der AfD.

Was ist passiert?
Kurz vor der Landtagswahl am 6. September haben 21 Mitglieder ihren Austritt angekündigt.
Wer ist betroffen?
Unter ihnen sind mehrere Personen, die bislang Verantwortung in Kreisverbänden oder im Landesverband getragen haben.
Was ist bestätigt?
Nicht belegt ist eine formelle Zusammenarbeit, eine Koalitionsabsprache oder ein gemeinsames Regierungsmodell von BSW und AfD.
Was bedeutet das?
Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung verfügte das BSW Sachsen-Anhalt zuletzt über 504 Mitglieder; die Zahl beruht auf Parteiangaben.
Was ist noch offen?
Ob daraus konkrete Probleme im Wahlkampf entstehen, lässt sich bislang nicht belastbar feststellen.

Stand: · Quellen

Landeschef Dittrich spricht von grundlegenden Differenzen

BSW-Landeschef John Lucas Dittrich widerspricht der Darstellung der Austretenden. Nach Angaben der Mitteldeutschen Zeitung spricht er von „unüberbrückbaren inhaltlichen Differenzen“. Aus seiner Sicht liegen die Ursachen des Konflikts damit nicht vor allem in Fragen des Führungsstils, sondern in unterschiedlichen politischen Vorstellungen.

Dittrich verteidigt zugleich die Linie des BSW Sachsen-Anhalt gegenüber der AfD. Die Partei wolle Sachfragen nicht automatisch danach entscheiden, wer einem Vorschlag zustimmt. Genau dieser Ansatz stößt bei den nun austretenden Mitgliedern auf Widerstand.

Neu ist der Konflikt nicht. Bereits Ende 2025 hatte es im BSW Sachsen-Anhalt erhebliche Auseinandersetzungen um die Führung des Landesverbandes gegeben. Auf einem Sonderparteitag wurden Teile des Vorstandes ausgetauscht. Schon damals gehörte der Umgang mit der AfD zu den umstrittenen Themen.

21 Austritte treffen einen kleinen Landesverband spürbar

Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung verfügte das BSW Sachsen-Anhalt zuletzt über 504 Mitglieder; die Zahl beruht auf Parteiangaben. Gemessen daran entsprechen 21 angekündigte Austritte gut vier Prozent des bisherigen Mitgliederbestands.

Mitgliederzahl laut Parteiangaben504
Angekündigte Austritte21
Betroffene Kreisverbände mit FührungspersonalHalle-Saalekreis, Burgenlandkreis, Mansfeld-Südharz
Landtagswahl6. September 2026

Politisch schwerer wiegt allerdings, wer geht. Wenn Vorsitzende und frühere Mitglieder der Landesführung austreten, verliert das BSW Sachsen-Anhalt nicht nur Mitglieder, sondern auch Erfahrung und organisatorische Verantwortung. Ob daraus konkrete Probleme im Wahlkampf entstehen, lässt sich bislang nicht belastbar feststellen.

Auch der formale Stand der Austritte war zunächst nicht vollständig geklärt. Dittrich erklärte zu Beginn der Berichterstattung, ihm lägen die Erklärungen noch nicht vollständig vor. Deshalb ist es präziser, von angekündigten oder erklärten Austritten zu sprechen.

Was der BSW-Streit für Sachsen-Anhalt und den Harz bedeutet

Der Zeitpunkt verleiht dem Streit zusätzliche Bedeutung. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt. Das BSW bewegt sich in Umfragen im Bereich der Fünf-Prozent-Hürde. Für eine kleinere Partei kann ein offener Führungs- und Richtungskonflikt deshalb besonders schwer wiegen.

Für die Harzregion steht dabei dieselbe landespolitische Richtungsentscheidung im Mittelpunkt wie im übrigen Sachsen-Anhalt. Der Streit betrifft die Positionierung einer Partei, die bei der kommenden Landtagswahl um den Einzug in das Landesparlament kämpft.

Hinzu kommt, dass der Umgang mit der AfD den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ohnehin prägt. Der AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz des Landes als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Entsprechend aufmerksam wird beobachtet, wie sich andere Parteien gegenüber der AfD positionieren.

Das BSW versucht dabei einen eigenen Weg: keine formelle Unterstützung für einen AfD-Ministerpräsidenten, zugleich aber auch keine klassische Brandmauer. Genau diese Linie wird nun zum innerparteilichen Belastungstest.

Der Richtungsstreit bleibt auch im Harz ein Wahlkampfthema

Die 21 angekündigten Austritte machen sichtbar, wie tief der Konflikt im BSW Sachsen-Anhalt reicht. Die Austretenden stellen sowohl den Führungsstil als auch den Kurs gegenüber der AfD infrage. Die Landesführung weist die Vorwürfe zurück und hält an ihrer politischen Linie fest.

Von einer belegten Allianz mit der AfD kann keine Rede sein. Belegt ist jedoch, dass das BSW die Brandmauerpolitik ausdrücklich ablehnt – und dass genau diese Haltung innerhalb des Landesverbandes auf erheblichen Widerstand stößt. Für Sachsen-Anhalt und damit auch für den Harz bleibt vor der Landtagswahl offen, ob der Streit auf die 21 Mitglieder begrenzt bleibt oder weitere personelle und organisatorische Folgen hat.