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Harzburger Zeitzeugnisse

Historische Harzburg-Ansichten neu im Archiv – Aquarell von 1863 gibt Rätsel auf

Historische Ansichtskarten mit Burgmotiven liegen neben einer Archivmappe und einer Lupe auf einem Tisch.
Symbolbild: KI-generiert. Historische Ansichtskarten und Archivmaterial stehen sinnbildlich für die neu gesicherten Harzburg-Ansichten und die Arbeit des Harz-History-Archivs.

Zwei mehr als 100 Jahre alte Künstler-Ansichtskarten erweitern das Harz-History-Archiv der Bad Harzburg-Stiftung. Die historischen Harzburg-Ansichten zeigen die alte Burg in künstlerischen Darstellungen und waren selbst Kennern der örtlichen Geschichte wenig geläufig. Gleichzeitig beschäftigt die Heimatforscher ein Aquarell von 1863, dessen Motiv zwar eine konkrete Spur liefert, dessen Urheber aber weiterhin unbekannt ist.

Bad Harzburg, 21. September 2026. Auf den ersten Blick sind es zwei alte Postkarten. Doch für die historische Dokumentation der Harzburg haben die neu gesicherten Stücke einen besonderen Wert. Der Förderverein Historischer Burgberg Bad Harzburg hat zwei Künstler-Ansichtskarten aus den 1910er Jahren in seinen Bestand aufgenommen und anschließend dem Harz-History-Archiv der Bad Harzburg-Stiftung zur Verfügung gestellt.

Die Motive führen weit zurück in die Geschichte der Stadt. Sie zeigen nicht das Bad Harzburg des frühen 20. Jahrhunderts, sondern künstlerische Vorstellungen der wesentlich älteren Burganlage. Eine Ansicht trägt die Bezeichnung „Die alte Harzburg im Jahre 1500“, die andere „Alte Harzburg, 1574“.

Nach Angaben der Bad Harzburg-Stiftung waren diese Darstellungen selbst Kennern der Harzburger Geschichte bislang wenig geläufig. Nun werden sie Teil einer Sammlung, die historische Bilder, Dokumente und private Bestände aus der Region digital sichtbar machen soll.

Historische Harzburg-Ansichten aus den 1910er Jahren

Die beiden neu gesicherten Stücke sind keine Fotografien der damaligen Burganlage. Es handelt sich um Künstler-Ansichtskarten: historische Postkarten, auf denen ältere Darstellungen der Harzburg reproduziert wurden. Damit erzählen sie gleich auf zwei Ebenen von der Vergangenheit. Sie zeigen Vorstellungen der mittelalterlichen beziehungsweise frühneuzeitlichen Burg und sind zugleich selbst Zeugnisse der frühen touristischen Bildkultur in Bad Harzburg.

Besonders genau lässt sich die Geschichte einer der beiden Ansichtskarten verfolgen. Auf der Karte mit dem Motiv „Alte Harzburg, 1574“ ist der Poststempel erhalten geblieben. Er dokumentiert, dass sie am 8. April 1912 von Bad Harzburg nach Berlin geschickt wurde.

Als Herausgeber ist Ernst Behnecke überliefert. Behnecke betrieb das Hotel Burgberg auf dem Bad Harzburger Burgberg. Wer die künstlerische Vorlage der historischen Harzburg-Ansicht ursprünglich geschaffen hat, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Ein Herausgeber ist nicht zwangsläufig auch der Urheber des Motivs. Einen eindeutig belegten Künstler nennen die bekannten Unterlagen nicht.

Die Ansichtskarten kommen ins Harz-History-Archiv

Gesichert wurden die beiden historischen Ansichtskarten durch den Förderverein Historischer Burgberg Bad Harzburg. Der Verein stellte sie anschließend dem Archiv der Bad Harzburg-Stiftung zur Verfügung. Die Stiftung beschreibt die Übergabe sinngemäß als Dauerleihgabe.

Für das Harz-History-Archiv sind solche Stücke nicht allein wegen ihres Alters interessant. Historische Ansichtskarten können mehrere Ebenen regionaler Geschichte miteinander verbinden: das dargestellte Motiv, den Zeitpunkt ihrer Herstellung, ihren Herausgeber und – wenn Poststempel oder andere Spuren erhalten sind – ihre tatsächliche Nutzung.

Bei der 1912 verschickten Karte kommt genau das zusammen. Eine künstlerische Darstellung der alten Harzburg wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Postkarte produziert, in Bad Harzburg verkauft oder genutzt und schließlich nach Berlin geschickt. Mehr als ein Jahrhundert später ist dieser Weg zumindest in Teilen noch nachvollziehbar.

Das Wichtigste in Kürze

Zwei historische Künstler-Ansichtskarten aus den 1910er Jahren erweitern das Harz-History-Archiv in Bad Harzburg. Bei einem Aquarell von 1863 bleiben dagegen die Urheberschaft und die endgültige Zuordnung des Motivs offen.

Was ist passiert?
Der Förderverein Historischer Burgberg Bad Harzburg hat zwei Künstler-Ansichtskarten aus den 1910er Jahren in seinen Bestand aufgenommen und anschließend dem Harz-History-Archiv der Bad Harzburg-Stiftung zur Verfügung gestellt.
Wo?
Der Förderverein Historischer Burgberg Bad Harzburg hat zwei Künstler-Ansichtskarten aus den 1910er Jahren in seinen Bestand aufgenommen und anschließend dem Harz-History-Archiv der Bad Harzburg-Stiftung zur Verfügung gestellt.
Wann?
Er dokumentiert, dass sie am 8. April 1912 von Bad Harzburg nach Berlin geschickt wurde.
Was ist noch offen?
Nach Angaben der Bad Harzburg-Stiftung ließ sich bislang nicht klären, wer das Aquarell geschaffen hat.

Stand:

Die Bezeichnung der Stücke als historische „Schätze“, die im Umfeld des Archivs und in der Berichterstattung verwendet wird, ist dabei kulturhistorisch zu verstehen. Ein finanzieller Wert ist nicht dokumentiert. Ebenso gibt es bislang keinen Beleg dafür, dass die beiden Ansichtskarten Unikate sind.

Ein Aquarell von 1863 führt zu einem ungelösten Rätsel

Während sich die beiden Künstler-Ansichtskarten vergleichsweise gut einordnen lassen, ist ein weiteres historisches Bild deutlich schwerer zu entschlüsseln. Ein Sammler hatte dem Förderverein das Foto eines Aquarells zukommen lassen. Auf dem Werk steht die Bezeichnung „Harzburg neue Schloß Ruine“. Es ist auf den 9. September 1863 datiert.

Das Datum ist damit bekannt. Der Künstler nicht.

Nach Angaben der Bad Harzburg-Stiftung ließ sich bislang nicht klären, wer das Aquarell geschaffen hat. Auch die genaue Bedeutung des Motivs war zunächst offen. Eine Spur führt jedoch zu einem Bauprojekt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das nie vollendet wurde.

Zeigt das Bild ein aufgegebenes Jagdschloss?

Der Bad Harzburger Heimatforscher Harry Plaster brachte das Motiv mit Herzog Wilhelm von Braunschweig in Verbindung. Dieser wollte um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Jagdschloss in der Gegend bei Silberborn errichten lassen.

Historische Angaben im Archiv von Harry Plaster stützen den Hintergrund dieser Vermutung. Demnach sollte das Jagdschloss in den Gestütswiesen unterhalb des Elfensteins entstehen. Das Vorhaben wurde um 1850 nach Auseinandersetzungen mit Bündheimern aufgegeben.

Plaster hält es für wahrscheinlich, dass auf dem 1863 entstandenen Aquarell Überreste dieses nicht vollendeten Bauprojekts dargestellt sind. Bewiesen ist die Zuordnung allerdings nicht. Auch die Bad Harzburg-Stiftung behandelt sie ausdrücklich als wahrscheinliche Erklärung und nicht als gesicherten Befund.

Damit bleibt zwischen dem abgebrochenen Jagdschloss-Projekt und dem 13 Jahre später datierten Aquarell eine historische Verbindung, die plausibel erscheint, aber nicht abschließend dokumentiert ist. Für die Archivarbeit ist genau diese Trennlinie entscheidend: Was lässt sich anhand von Quellen nachweisen – und was bleibt eine begründete Vermutung?

Der Maler des historischen Bildes bleibt unbekannt

Die zweite offene Frage betrifft den Urheber. Wer 1863 zur Staffelei griff und die vermeintliche Schlossruine festhielt, ist bislang nicht bekannt. Die Recherchen der Bad Harzburg-Stiftung führten nach deren Angaben zu keiner eindeutigen Identifizierung.

Auch über das Baumaterial des aufgegebenen Jagdschlosses existieren Überlieferungen. Ein Teil der bereits vorhandenen Steine soll demnach in der Umgebung verblieben sein, anderes Material könnte später zur Marienburg bei Nordstemmen gelangt sein. Diese Angaben beruhen jedoch auf lokaler Überlieferung beziehungsweise Chronikangaben. Sie sind nicht in derselben Weise abgesichert wie die Existenz des damaligen Bauvorhabens.

Das Aquarell bleibt deshalb vorerst ein historisches Puzzle. Sein Alter ist dokumentiert, sein Titel beziehungsweise seine Beschriftung ist bekannt, und für das dargestellte Motiv gibt es eine nachvollziehbare These. Künstler und eindeutige Zuordnung fehlen jedoch.

Harz-History bewahrt historische Bilder aus der Region

Die neuen Harzburg-Ansichten stehen für eine Archivarbeit, die in Bad Harzburg seit Jahren vorangetrieben wird. Die Bad Harzburg-Stiftung bündelt historische Materialien und macht Bestände aus privaten Sammlungen, Archiven und Museen digital zugänglich. Gerade Stücke aus Privatbesitz können dadurch einem größeren Publikum erschlossen und in einen regionalgeschichtlichen Zusammenhang eingeordnet werden.

Zu den umfangreichen historischen Bildbeständen der Stiftung gehört auch das Herbert-Ahrens-Fotoarchiv. Es umfasst nach Angaben der Stiftung inzwischen knapp 50.000 online zugängliche Bilder sowie rund 20.000 Texte. Der Pressefotograf Herbert Ahrens dokumentierte zwischen 1945 und 1996 vor allem Bad Harzburg und den Harz.

Die beiden neu gesicherten Künstler-Ansichtskarten sind von diesem fotografischen Nachlass zu unterscheiden. Sie gehören zur breiteren historischen Archivarbeit rund um Harz-History. Der häufig vereinfachend verwendete Begriff eines Harzer Fotoarchivs umfasst damit unterschiedliche Sammlungen und Formen visueller Überlieferung – von Pressefotografien bis zu historischen Ansichtskarten.

Gerade letztere können Informationen bewahren, die über das eigentliche Motiv hinausgehen. Poststempel, Herausgeberangaben, Beschriftungen und Datierungen helfen dabei, Bilder zeitlich und gesellschaftlich einzuordnen. Aus einem alten Kartenmotiv wird so ein kleines Dokument seiner Epoche.

Wenn alte Bilder neue Fragen stellen

Mit den beiden Künstler-Ansichtskarten wächst das Harz-History-Archiv um zwei Zeugnisse aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Sie zeigen, wie die alte Harzburg damals dargestellt und über Postkarten verbreitet wurde. Der erhaltene Stempel einer Karte macht sogar einen einzelnen Moment dieser Geschichte greifbar: den Versand von Bad Harzburg nach Berlin im April 1912.

Das Aquarell von 1863 erzählt eine andere Geschichte. Hier beginnt die Recherche dort, wo die gesicherten Informationen enden. Die mögliche Verbindung zu Herzog Wilhelms aufgegebenem Jagdschloss liefert eine historische Spur, doch weder das Motiv noch der Künstler sind abschließend identifiziert.

So stehen am Ende drei historische Bilder, aber unterschiedliche Erkenntnisstände. Bei den Ansichtskarten lassen sich wesentliche Stationen nachvollziehen. Beim Aquarell bleiben zentrale Fragen offen. Für das Harz-History-Archiv ist beides von Bedeutung: das Bewahren dessen, was bekannt ist – und die genaue Kennzeichnung dessen, was noch erforscht werden muss.

Quellen

  1. Harzburg-Schatz im Stiftungs-ArchivBad Harzburg-Stiftung
  2. Die Harzburg mit Künstleraugen gesehenFörderverein Historischer Burgberg Bad Harzburg
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