Bei Bauvorbereitungen in Quedlinburg im Landkreis Harz ist ein vergessener Luftschutz-Deckungsgraben aus dem Zweiten Weltkrieg wiederentdeckt worden. Die unterirdische Anlage war in der DDR teilweise verfüllt und später mit einem Spielplatz überbaut worden. Archäologen haben den Fund dokumentiert – offen war zuletzt, wie das Bauwerk mit dem geplanten Hausbau vereinbart werden kann.
Quedlinburg, 13. August 2026. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Befund bei Erdarbeiten wirkte, entpuppte sich als Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei den Vorbereitungen für den Bau eines Einfamilienhauses kam in Quedlinburg im Landkreis Harz die Abdeckung eines Betongewölbes zum Vorschein. Die anschließende Untersuchung zeigte: Unter dem Grundstück liegt ein Luftschutz-Deckungsgraben, der über Jahrzehnte aus dem Blick geraten war.
Nach Angaben des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt handelt es sich um eine Luftschutzanlage aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Sie war nicht als massiver Bunker ausgelegt, sondern als vergleichsweise einfacher Schutzbau. Solche Deckungsgräben sollten Menschen vor Beschuss, Splittern und herabstürzenden Trümmern schützen. Gegen einen direkten Bombentreffer boten sie keinen ausreichenden Schutz.
Luftschutzanlage in Quedlinburg im Harz bei Hausbau entdeckt
Der Fund wurde im Vorfeld eines geplanten privaten Bauvorhabens gemacht. Sichtbar wurde zunächst die Abdeckung eines etwa 2,50 Meter breiten Betongewölbes. Erst die archäologische Untersuchung machte deutlich, wie groß die Anlage tatsächlich ist.
Der Hauptgang des Luftschutz-Deckungsgrabens misst rund 20 Meter und ist etwa 2,50 Meter breit. Einschließlich zweier Seitenarme für die damaligen Ein- und Ausgänge erstreckt sich die Anlage über ungefähr 20 mal 14 Meter. Die Innenhöhe wird auf rund zwei Meter geschätzt.
| Merkmal | Dokumentierter Befund |
|---|---|
| Hauptgang | rund 20 Meter lang |
| Breite | etwa 2,50 Meter |
| Gesamtausdehnung | ungefähr 20 mal 14 Meter |
| Innenhöhe | rund zwei Meter |
| Lüftung | fünf Öffnungen von jeweils etwa 25 mal 25 Zentimetern |
Damit ist der Quedlinburger Fund deutlich mehr als ein einzelner Mauerrest. Erhalten geblieben ist ein zusammenhängender unterirdischer Bau, dessen Struktur noch nachvollziehbar ist. Für die Archäologie liegt der Wert vor allem darin, einen konkreten Blick auf den zivilen Luftschutz während des Zweiten Weltkriegs zu ermöglichen.
Ein Deckungsgraben war kein vollwertiger Bunker
Die Bauweise zeigt, dass es sich nicht um einen schwer befestigten Schutzraum handelte. Der Luftschutz-Deckungsgraben wurde abschnittsweise aus unbewehrtem Stampfbeton errichtet. Die Seitenwände sind ungefähr 45 Zentimeter stark, die halbrunde Decke rund 20 Zentimeter. Eine Stahlarmierung wurde nicht verwendet.
Im Inneren verfügte die Anlage über technische und bauliche Elemente, die für ihren damaligen Zweck notwendig waren. In der Decke befinden sich fünf Lüftungsöffnungen. Zudem ließ sich der Innenraum durch zwei schleusenartig angelegte doppelte Türeinbauten abriegeln.
Die Bezeichnung Luftschutz-Deckungsgraben ist deshalb entscheidend. Umgangssprachlich werden unterirdische Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg schnell als Bunker bezeichnet. Im Quedlinburger Fall wäre das zu ungenau. Die Konstruktion sollte Schutz in bestimmten Gefahrensituationen bieten, besaß aber nicht die Widerstandsfähigkeit eines massiven Luftschutzbunkers.
Das Wichtigste in Kürze
In Quedlinburg im Landkreis Harz ist bei Vorbereitungen für einen Hausbau ein Luftschutz-Deckungsgraben aus dem Zweiten Weltkrieg wiederentdeckt worden. Die Anlage ist archäologisch dokumentiert, während ihr dauerhafter Umgang zuletzt noch nicht abschließend geklärt war.
- Was ist passiert?
- Bei den Vorbereitungen für den Bau eines Einfamilienhauses kam in Quedlinburg im Landkreis Harz die Abdeckung eines Betongewölbes zum Vorschein.
- Was ist bestätigt?
- Der Hauptgang des Luftschutz-Deckungsgrabens misst rund 20 Meter und ist etwa 2,50 Meter breit.
- Was bedeutet das?
- Zu DDR-Zeiten wurde der Deckungsgraben teilweise verfüllt.
- Wer ist betroffen?
- Nach einem Bericht von MDR Sachsen-Anhalt darf die Familie ihr geplantes Haus grundsätzlich bauen.
- Was ist noch offen?
- Eine abschließende Entscheidung zum weiteren Umgang mit dem Bauwerk war zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht.
In der DDR verfüllt und später überbaut
Dass die Anlage jahrzehntelang kaum noch wahrgenommen wurde, hängt mit ihrer späteren Nutzungsgeschichte zusammen. Zu DDR-Zeiten wurde der Deckungsgraben teilweise verfüllt. Das Material gelangte nach den Befunden über die Lüftungsschächte in den Innenraum und reichte an einigen Stellen bis auf ungefähr zwei Drittel der ursprünglichen Höhe.
Damit verschwand ein erheblicher Teil des Bauwerks aus dem unmittelbaren Blickfeld. Später wurde das Gelände mit einem Spielplatz überbaut. Der Luftschutz-Deckungsgraben geriet schließlich in Vergessenheit.
Erst das geplante Einfamilienhaus führte dazu, dass die unterirdische Anlage erneut sichtbar wurde. Der Fund ist deshalb weniger eine klassische Neuentdeckung als eine Wiederentdeckung: Das Bauwerk war vorhanden, wurde überformt und über Jahrzehnte nicht mehr als historisches Relikt wahrgenommen.
Technische Spuren sind im Inneren noch vorhanden
Bei der Untersuchung stießen die Archäologen auch auf Überreste der früheren Ausstattung. Erhalten blieben Eisenschellen, an denen einst elektrische Leitungen befestigt waren. Zudem wurde ein Sicherungskasten mit Kabelresten dokumentiert.
Von möglichen Sitzbänken, wie sie in solchen Schutzanlagen vorhanden gewesen sein könnten, ließ sich dagegen nichts mehr nachweisen. Ein blind endender Abschnitt im nordöstlichen Teil des Deckungsgrabens könnte nach Einschätzung der Fachleute möglicherweise als Standort eines Notaborts vorgesehen gewesen sein. Sicher belegt ist diese Funktion jedoch nicht.
- Das Bauwerk stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.
- Ein genaues Baujahr ist bislang nicht veröffentlicht.
- Wie viele Menschen dort gleichzeitig Schutz finden konnten, ist nicht bekannt.
- Eine konkrete Nutzung während einzelner Luftangriffe ist nicht belegt.
- Auch zur ursprünglichen Bauherrschaft liegen bislang keine gesicherten Angaben vor.
Gerade diese offenen Punkte begrenzen die historische Einordnung. Der bauliche Zweck des Luftschutz-Deckungsgrabens ist klar, doch wann genau er errichtet wurde und in welchem Umfang er tatsächlich genutzt wurde, lässt sich auf Grundlage der bislang veröffentlichten Informationen nicht bestimmen.
Geplanter Hausbau in Quedlinburg bleibt grundsätzlich möglich
Für die Eigentümer des Grundstücks ist der archäologische Fund nicht nur historisch interessant, sondern vor allem praktisch relevant. Nach einem Bericht von MDR Sachsen-Anhalt darf die Familie ihr geplantes Haus grundsätzlich bauen.
Ungeklärt war zuletzt allerdings, was dauerhaft mit dem Luftschutz-Deckungsgraben geschehen soll. Als Möglichkeit wurde geprüft, die Anlage zu verfüllen. Sollte dagegen ein Abriss erforderlich werden, könnten nach dem damals bekannten Stand Kosten auf die Bauherren zukommen.
Eine abschließende Entscheidung zum weiteren Umgang mit dem Bauwerk war zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht. Damit bleibt die zentrale Frage bestehen, wie die dokumentierte Anlage und das geplante Bauvorhaben miteinander vereinbart werden können.
Zwischen Archäologie und privatem Bauvorhaben im Harz
Der Quedlinburger Fund zeigt, wie unmittelbar jüngere Geschichte in heutige Bauprojekte im Landkreis Harz hineinreichen kann. Anders als bei mittelalterlichen Fundamenten oder frühgeschichtlichen Siedlungsspuren stammt der Luftschutz-Deckungsgraben aus einer Epoche, deren bauliche Überreste vielerorts noch vorhanden sind, aber nicht immer sichtbar oder dokumentiert sind.
Im konkreten Fall treffen zwei sehr unterschiedliche Interessen aufeinander. Für die Archäologie ist die Anlage ein materielles Zeugnis des zivilen Luftschutzes während des Zweiten Weltkriegs. Für die Grundstückseigentümer geht es zugleich um die Frage, wie ein geplantes Wohnhaus realisiert werden kann.
Dass der Deckungsgraben ausgerechnet bei einem heutigen Hausbau wieder zum Vorschein kam, verleiht dem Fund seine besondere lokale Bedeutung. Er macht ein Stück Quedlinburger Geschichte im Harz sichtbar, das über Jahrzehnte unter einem später genutzten Grundstück verborgen geblieben war.
Ein historischer Befund mit offener Zukunft
Die wichtigsten Fakten sind inzwischen dokumentiert: Unter dem Grundstück befindet sich ein rund 20 Meter langer Luftschutz-Deckungsgraben aus dem Zweiten Weltkrieg, der in der DDR teilweise verfüllt und anschließend überbaut wurde. Seine Konstruktion, Lüftungsöffnungen und Teile der technischen Ausstattung sind noch nachvollziehbar.
Offen bleibt hingegen, wie dauerhaft mit der Anlage umgegangen wird. Der geplante Hausbau in Quedlinburg im Landkreis Harz ist grundsätzlich möglich, doch die konkrete Lösung für den unterirdischen Bestand war zuletzt noch nicht abschließend geklärt. Damit ist der archäologische Teil der Geschichte weitgehend erfasst – die praktische Zukunft des Quedlinburger Luftschutz-Deckungsgrabens dagegen noch nicht.
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