Felssicherung im Okertal
B498 im Harz: Hubschrauber bringt Steinschlag-Schutz an die Rabenklippen

Felssicherung im Okertal

Im Okertal ist die Sicherung der B498 gegen Steinschlag einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Ein Hubschrauber hat einen neuen Fangzaun in den schwer zugänglichen oberen Bereich der Rabenklippen gebracht. Abgeschlossen ist die Maßnahme damit noch nicht: Die endgültige Montage und weitere Sicherungsarbeiten sollen bis Ende Oktober folgen.
Goslar, 11. September 2026. Hoch über der B498 hängen Felsblöcke, die seit Jahren als Risiko gelten. Die steilen Rabenklippen im Okertal gehören zu jenen Straßenabschnitten im Harz, an denen Geologie unmittelbar zur Verkehrsfrage wird. Nun ist dort ein zusätzlicher Fangzaun an seinen vorgesehenen Platz gebracht worden.
Nach Angaben der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr kam dafür am 8. September ein Hubschrauber zum Einsatz. Er transportierte Teile der Sicherungsanlage in den oberen Bereich des Hangs, der auf herkömmlichem Weg kaum erreichbar ist. Der Einsatz markiert einen wichtigen Schritt bei der Felssicherung entlang der B498 zwischen Goslar-Oker und der Okertalsperre.
Für den Hubschraubereinsatz musste die B498 zwischen der Staumauer der Okertalsperre und Romkerhall zeitweise vollständig gesperrt werden. Vorgesehen war eine Sperrung von rund drei Stunden. Der Verkehr wurde währenddessen über Bad Harzburg und die B4 umgeleitet.
Die spektakulärste Phase der Arbeiten ist damit erledigt. Vollständig installiert ist der neue Fangzaun allerdings noch nicht. Die Anlage wurde zunächst in den oberen Hangbereich gebracht und dort positioniert. Die abschließende Montage erfolgt erst in den kommenden Wochen.
Gerade dieser Unterschied ist für die Einordnung wichtig. Der neue Schutzzaun steht noch nicht als fertiges Bauwerk am Hang. Die Sicherung der B498 bleibt bis zum Abschluss der Restarbeiten eine laufende Maßnahme.
Die Rabenklippen gelten seit längerem als problematischer Abschnitt im Okertal. Untersuchungen der Felsböschung hatten gezeigt, dass sich vor allem weiter oben am Hang größere Gesteinsblöcke befinden, die sich lösen und in Richtung Straße bewegen könnten.
Die Landesbehörde spricht von einem hohen Steinschlagrisiko. Der zusätzliche Fangzaun soll deshalb nicht erst unmittelbar über der Fahrbahn wirken, sondern herabfallendes Gestein möglichst früh abfangen. Je weiter oben ein Felsbrocken gestoppt wird, desto weniger Strecke bleibt ihm, um beim Absturz oder Abrollen Geschwindigkeit aufzunehmen.
Für die B498 ist das von besonderer Bedeutung. Die Bundesstraße führt durch das enge Okertal im Harz und verläuft stellenweise dicht entlang steiler Felswände. Zwischen Fahrbahn und Hang bleibt nur wenig Raum, um natürliche Bewegungen des Gesteins abzufangen.
An den Rabenklippen im Okertal wird die B498 gegen Steinschlag gesichert. Ein neuer Fangzaun wurde per Hubschrauber in den schwer zugänglichen oberen Hang gebracht, die abschließende Montage steht noch aus.
Die aktuelle Felssicherung ist nicht die erste Maßnahme an dieser Stelle. Bereits nach Kontrollen im Jahr 2020 waren gelockerte und kritische Bereiche der Felswand festgestellt worden. Im März 2021 verschärfte sich die Lage so weit, dass die B498 zwischen Romkerhall und der Okertalsperre vollständig gesperrt werden musste.
Damals bestand nach Angaben der Straßenbaubehörde akute Felssturzgefahr. Frost und winterliche Witterung konnten die Stabilität der Felswand zusätzlich beeinträchtigen. Als unmittelbare Schutzmaßnahme wurde anschließend ein Fangzaun im unteren Bereich der Böschung errichtet.
Dieser vorhandene Zaun ist rund 120 Meter lang. Er ist nicht mit dem neuen Sicherungssystem zu verwechseln, das nun weiter oben an den Rabenklippen montiert wird. Beide Anlagen erfüllen unterschiedliche Aufgaben innerhalb desselben Schutzkonzepts: Sie sollen verhindern, dass größere Gesteinsmassen ungebremst bis zur B498 gelangen.
Mit dem zusätzlichen Fangzaun verlagert sich ein Teil der Steinschlagsicherung weiter nach oben in den Hang. Das ist technisch anspruchsvoller, weil der Bereich schwer zugänglich ist. Genau deshalb war der Einsatz eines Hubschraubers notwendig.
Bauteile in dieser Lage mit schweren Fahrzeugen oder über provisorische Wege an ihren Bestimmungsort zu bringen, ist kaum möglich. Der Lufttransport bot die Möglichkeit, den Fangzaun gezielt dort abzusetzen, wo er anschließend befestigt und fertig montiert werden kann.
Der Aufwand zeigt, wie komplex die Arbeiten an der B498 sind. Es geht nicht allein um die Montage einer Schutzanlage. Die Bauarbeiten müssen mit der Beschaffenheit des Hangs, den Verkehrsbedingungen im Okertal und den Vorgaben des Naturschutzes abgestimmt werden.
Mit dem Bau des zusätzlichen oberen Fangzauns war bereits 2025 begonnen worden. Die Arbeiten konnten jedoch nicht ohne Unterbrechung fortgesetzt werden. Nach Angaben der Landesbehörde mussten einzelne Bauphasen aus Naturschutzgründen pausieren.
Die Rabenklippen sind nicht nur ein schwieriger geologischer Bereich, sondern zugleich ein sensibler Lebensraum. Brut- und Setzzeiten begrenzen die Zeitfenster für Arbeiten am Fels. Auch Falken im Bereich der Klippen spielen bei der Planung eine Rolle.
Schon frühere Felssicherungen an der B498 mussten mit dem Schutz eines Falkenhorstes abgestimmt werden. Damit treffen an den Rabenklippen zwei Anforderungen unmittelbar aufeinander: die Verkehrssicherheit auf der Bundesstraße und der Schutz eines ökologisch empfindlichen Felsraums.
Nach derzeitiger Planung sollen die verbleibenden Felssicherungsarbeiten bis Ende Oktober 2026 abgeschlossen werden. Bis dahin muss der neue Fangzaun endgültig montiert werden. Zudem soll der bereits vorhandene untere Fangzaun instand gesetzt werden.
Für Autofahrer bedeutet das, dass die Baustelle trotz des abgeschlossenen Hubschraubereinsatzes noch nicht verschwunden ist. Seit Anfang August liefen die Arbeiten grundsätzlich unter halbseitiger Verkehrsführung mit Ampelregelung. Die Vollsperrung am 8. September war dagegen ausschließlich für den Hubschraubereinsatz vorgesehen.
Eine dauerhafte Vollsperrung lässt sich daraus nicht ableiten. Wie sich die Verkehrsführung im weiteren Verlauf konkret entwickelt, hängt vom Fortgang der Arbeiten ab.
Die B498 ist eine wichtige Verbindung zwischen Goslar und dem Oberharz. Gerade im Okertal folgt sie über weite Strecken dem engen Talverlauf. Dort stehen steile Hänge unmittelbar neben der Fahrbahn, was Sicherungsarbeiten aufwendig und räumlich schwierig macht.
Für den zusätzlichen Fangzaun waren in einer früheren Planungsphase Kosten von rund 500.000 Euro genannt worden. Diese Summe stammt aus dem damaligen Planungsstand. Eine aktuelle Endabrechnung oder eine neue Gesamtsumme für die laufende Felssicherung wurde in den jüngsten Angaben der Landesbehörde nicht genannt.
Auch deshalb lässt sich die Maßnahme derzeit vor allem technisch einordnen: Der neue Fangzaun erweitert das bestehende Schutzsystem an einem Abschnitt, der schon mehrfach wegen möglicher Felsstürze gesichert werden musste.
Mit dem Hubschraubereinsatz ist der sichtbarste Teil der aktuellen Bauphase beendet. Der zusätzliche Fangzaun befindet sich dort, wo er künftig herabfallendes Gestein aufnehmen soll. Seine endgültige Funktion erhält er aber erst nach der vollständigen Montage.
Bis Ende Oktober sollen die Arbeiten an den Rabenklippen nach aktuellem Stand abgeschlossen sein. Erst dann ist die laufende Felssicherung an der B498 beendet. Dass dort auch künftig genau hingesehen werden muss, zeigt schon die Vorgeschichte des Abschnitts: Im Harz bleibt die steile Felswand über der Straße ein Bereich, in dem Verkehrssicherheit und Natur eng miteinander verknüpft sind.
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