Vogelwahl im Harz
Vogel des Jahres 2027: Auch in Goslar läuft die Abstimmung

Vogelwahl im Harz

Fünf Arten, eine Stimme: Bei der Wahl zum Vogel des Jahres 2027 treten Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel gegeneinander an. Bis zum 15. Oktober läuft die bundesweite Online-Abstimmung, auf die auch der NABU Goslar aufmerksam macht. Hinter den Kandidaturen stehen unterschiedliche Fragen des Vogel- und Lebensraumschutzes – zwei der nominierten Arten gelten in Niedersachsen als gefährdet.
Goslar, 19. September 2026. Wer dem Rebhuhn als Vogel des Jahres nachfolgt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Seit dem 8. September können Interessierte bei der öffentlichen Wahl zum Vogel des Jahres 2027 ihre Stimme abgeben. Das digitale Wahllokal schließt am 15. Oktober um 11 Uhr.
Zur Auswahl stehen fünf sehr unterschiedliche Kandidaten: Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel. Organisiert wird die Abstimmung vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und seinem bayerischen Partner, dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Auch der NABU Goslar weist auf die laufende Wahl hin.
Ein lokaler Wahltermin verbirgt sich dahinter allerdings nicht. Abgestimmt wird bundesweit online. Wer seine Stimme abgibt, entscheidet damit nicht nur über einen Titel: Die fünf Kandidaten lenken den Blick auf unterschiedliche Lebensräume und Probleme des Vogelschutzes – von fehlenden Brutplätzen über den Zustand von Fließgewässern bis zum Erhalt von Feuchtgebieten.
Bevor die Öffentlichkeit entscheidet, treffen Fachleute eine Vorauswahl. Nach Angaben von NABU und LBV wurden die fünf Kandidaten für den Vogel des Jahres 2027 anhand von Naturschutzkriterien ausgewählt. Jede Art steht dabei für ein eigenes Thema.
So verschieden die Kandidaten aussehen und leben, so unterschiedlich sind die Themen hinter ihrer Nominierung. Die Wahl zum Vogel des Jahres ist damit zugleich ein Instrument der Naturschutzverbände, um Lebensräume und Gefährdungen stärker in die Öffentlichkeit zu rücken.
Für Niedersachsen hat die Auswahl einen besonderen Aspekt. Mehlschwalbe und Trauerschnäpper werden in der Roten Liste der Brutvögel Niedersachsens und Bremens in Kategorie 3 und damit als gefährdet geführt. Bei beiden weist die Liste zudem einen kurzfristig abnehmenden Bestandstrend aus.
Fünf Vogelarten stehen bei der bundesweiten Wahl zum Vogel des Jahres 2027 zur Auswahl. Auch der NABU Goslar macht im Harz auf die bis zum 15. Oktober laufende Abstimmung aufmerksam.
Grundlage dafür ist die vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz veröffentlichte Rote Liste. Sie macht aus der bundesweiten Abstimmung auch ein regional relevantes Thema: Zwei der fünf Anwärter auf den Titel Vogel des Jahres 2027 gehören in Niedersachsen zu den gefährdeten Brutvogelarten.
Besondere Aufmerksamkeit bekommt derzeit der Trauerschnäpper. Der NABU Südost-Niedersachsen greift seine Kandidatur auf; auch RegionalHeute stellte die Art in der Berichterstattung über die aktuelle Wahl in den Mittelpunkt. Der Trauerschnäpper kommt auch in Südost-Niedersachsen vor.
Für die Fortpflanzung ist der Trauerschnäpper auf geeignete Höhlen angewiesen. Alte Bäume können solche Brutplätze bieten. Der NABU Südost-Niedersachsen nennt die Art zudem im Zusammenhang mit Nistkästen in naturnahen Gärten.
Bei der Wahl verschafft ihm das keinen Sonderstatus. Der Trauerschnäpper ist einer von fünf gleichberechtigten Kandidaten. Ein belastbarer öffentlicher Zwischenstand, aus dem sich ein derzeit führender Vogel ableiten ließe, liegt nach den offiziellen Informationen nicht vor.
Damit wäre es verfrüht, einzelnen Arten besondere Siegchancen zuzuschreiben. Erst wenn die Abstimmung beendet ist, steht fest, welcher Kandidat die meisten Stimmen erhalten hat.
Das Wahlverfahren ist bewusst niedrigschwellig gehalten. Pro Person ist eine Stimme vorgesehen. Wer online abstimmt, muss diese anschließend über einen per E-Mail verschickten Link bestätigen. Damit soll die abgegebene Stimme verifiziert werden.
Zusätzlich wird die Postleitzahl erfasst. Das ermöglicht den Organisatoren, das Ergebnis nicht nur bundesweit zu betrachten, sondern später auch regionale Unterschiede auszuwerten.
Für Goslar ist genau das interessant. Eine eigene Wahl zum Vogel des Jahres findet hier zwar nicht statt. Stimmen aus der Region fließen jedoch in die bundesweite Entscheidung ein und lassen sich über die Postleitzahl regional zuordnen. Der NABU Goslar macht deshalb auch vor Ort auf die Abstimmung aufmerksam.
Wie die fünf Kandidaten speziell bei Wählerinnen und Wählern aus Goslar abschneiden, lässt sich derzeit allerdings nicht seriös beantworten. Aktuelle lokale Abstimmungszahlen sind nicht öffentlich belastbar dokumentiert.
Die Kür des Jahresvogels ist längst eine feste Größe im deutschen Naturschutz. Bereits seit 1971 wird ein Vogel des Jahres bestimmt. Das Verfahren hat sich seitdem verändert: Heute fällt die endgültige Entscheidung öffentlich, nachdem Fachleute die Kandidaten ausgewählt haben.
Der aktuelle Titelträger ist das Rebhuhn, Vogel des Jahres 2026. Wer ihm nachfolgt, entscheidet sich am 15. Oktober. Um 11 Uhr endet nach Angaben der Organisatoren die Abstimmung. Der Gewinner soll noch am selben Tag feststehen und trägt den Titel anschließend für das Jahr 2027.
Die Auszeichnung ist nicht nur symbolisch. NABU und LBV nutzen den jeweiligen Jahresvogel, um über einen längeren Zeitraum auf dessen Lebensbedingungen, Lebensräume und Gefährdungen aufmerksam zu machen. Der Titel bündelt öffentliche Aufmerksamkeit auf eine einzelne Art – und damit häufig auf ein Naturschutzproblem, das weit über diese Art hinausreicht.
Gerade die Kandidaten des Jahres 2027 zeigen diese Bandbreite. Bei der Mehlschwalbe geht es unter anderem um Brutplätze an Gebäuden und verfügbare Insekten. Der Kranich lenkt den Blick auf Feuchtgebiete. Die Wasseramsel steht für naturnahe, saubere Fließgewässer. Beim Trauerschnäpper spielen Baumhöhlen und klimatische Veränderungen eine Rolle, während der Kolkrabe auch für die Geschichte einer lange verfolgten Vogelart steht.
Die Abstimmung verbindet damit sehr unterschiedliche Lebensräume unter einer gemeinsamen Frage. Wer den Titel erhält, ist offen. Welche Themen auf dem Stimmzettel stehen, ist dagegen schon jetzt deutlich.
Bis zum Ende der Wahl bleibt das Rennen zwischen Kolkrabe, Kranich, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Wasseramsel offen. Auch aus Goslar können bis zum 15. Oktober Stimmen abgegeben werden. Dass der örtliche NABU auf die Wahl aufmerksam macht, gibt der bundesweiten Aktion einen unmittelbaren regionalen Bezug.
Für Niedersachsen steckt zugleich mehr dahinter als eine Popularitätswahl. Mit Mehlschwalbe und Trauerschnäpper stehen zwei Arten zur Auswahl, die hier als gefährdet gelten. Andere Kandidaten rücken Feuchtgebiete, Fließgewässer oder den Umgang mit heimischen Vogelarten in den Mittelpunkt. Welches dieser Themen 2027 besonders viel Aufmerksamkeit bekommen wird, entscheidet sich mit dem Ergebnis der Wahl zum Vogel des Jahres 2027.
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