Einradsport im Harz
Einrad-WM 2026: Geschwister aus Dingelstedt schaffen den Sprung auf die internationale Bühne

Einradsport im Harz

Zwei Geschwister aus Dingelstedt haben geschafft, worauf sie über mehrere Wettkampfsaisons hingearbeitet hatten: Florian und Paulina Lodahl qualifizierten sich für die Einrad-WM 2026 und starteten bei der UNICON 22 im österreichischen Steyr. Für den SV Fortuna Dingelstedt markiert die Teilnahme einen besonderen Punkt in einer Entwicklung, die mit regionalen Wettkämpfen begann und bis auf die internationale Bühne führte.
Dingelstedt am Huy, 20. September 2026. Vier Einräder, sechs Kinder – so begann 2007 die Geschichte einer Sportgruppe, aus der Jahre später WM-Teilnehmer hervorgehen sollten. Inzwischen ist der SV Fortuna Dingelstedt im Einrad-Freestyle weit über den Huy hinaus präsent. Florian und Paulina Lodahl haben das in diesem Sommer unterstrichen: Die Geschwister starteten bei der Einrad-WM in Österreich.
Vom 25. Juli bis 7. August 2026 fand in Steyr die UNICON 22 statt. Das internationale Treffen verbindet eine Convention mit Wettbewerben in verschiedenen Einraddisziplinen; in diesem Rahmen werden Weltmeisterschaften ausgetragen. Florian und Paulina gingen dort für Dingelstedt im Freestyle mit Einzelküren an den Start.
Die Teilnahme kam nicht überraschend. Hinter ihr stehen Jahre im Wettkampfsport, Platzierungen bei norddeutschen und deutschen Meisterschaften – und ein erster WM-Anlauf, der noch nicht zur Reise führte.
Dass beide tatsächlich in Steyr antreten konnten, stand bereits Monate vor der Einrad-WM fest. Nach Angaben des Landesverbands Radsport Sachsen-Anhalt hatten sich Florian und Paulina Lodahl für die Weltmeisterschaften 2026 qualifiziert. Paulina wurde dabei im U11-Bereich geführt, Florian im Junior-Expert-Bereich.
Auch eine Nachbetrachtung von Einradfahren in Sachsen bestätigt die Starts der beiden Geschwister: Florian und Paulina präsentierten in Österreich Einzelküren im Freestyle. Paulina ist zudem in der offiziellen Datenbank der UNICON als deutsche Teilnehmerin im Freestyle Individual U11 weiblich verzeichnet.
Was die verfügbaren Quellen dagegen nicht zweifelsfrei hergeben, ist eine herausragende WM-Platzierung oder eine Medaille. Die Geschichte der Dingelstedter Geschwister braucht eine solche Zuspitzung allerdings auch nicht. Schon die Qualifikation für die internationale Meisterschaft zeigt, welche Entwicklung die beiden genommen haben.
Die Ergebnisse der vergangenen Jahre zeichnen diesen Weg nach. Florian Lodahl gehörte schon früh zu den erfolgreichen Nachwuchsfahrern. Bei der Deutschen Meisterschaft 2023 gewann er in der Altersklasse U11 Silber. Paulina erreichte dort den vierten Platz. Florian hatte zuvor außerdem die norddeutsche U11-Meisterschaft gewonnen.
Mit dem Wechsel in höhere Alters- und Leistungsklassen wurde die Konkurrenz nicht kleiner. Bei der Norddeutschen Meisterschaft 2024 erreichte Florian im Junior Expert mit seiner Kür „Frosch Rock’n’Roll“ Rang drei.
Auch Paulina sammelte weitere Platzierungen. 2025 wurde sie bei der Norddeutschen Meisterschaft in U11 mit ihrer Kür „Alien-Tanz“ Dritte. Bei der Deutschen Meisterschaft derselben Saison belegte sie den vierten Platz.
Florian und Paulina Lodahl vom SV Fortuna Dingelstedt qualifizierten sich für die Einrad-WM 2026 und starteten bei der UNICON 22 in Steyr. Die Teilnahme folgte auf mehrere Jahre mit Platzierungen bei norddeutschen und deutschen Meisterschaften.
Die Geschwister stehen dabei nicht nur einzeln auf dem Einrad. 2025 traten sie gemeinsam in der Paarkür U13 an. Bei der Norddeutschen Meisterschaft erreichten sie Rang sechs, bei der Deutschen Meisterschaft Platz drei. Florian wurde dort außerdem im Einzel der U13 Fünfter.
Es sind Resultate, die erklären, warum die Einrad-WM in Österreich nicht als einmaliger Ausflug zu verstehen ist. Die Lodahls hatten sich über mehrere Wettbewerbsstufen für den internationalen Start empfohlen.
Dabei hätte die Geschichte schon zwei Jahre früher eine internationale Wendung nehmen können. Nach ihren Leistungen bei der Deutschen Meisterschaft 2023 erhielten Florian und Paulina die Möglichkeit, an der WM 2024 in den USA teilzunehmen.
Die Reise kam nicht zustande. Laut Landesverband Radsport Sachsen-Anhalt sprachen das junge Alter der beiden und die hohen Kosten dagegen. Stattdessen fiel die Entscheidung, weiterzutrainieren und eine erneute Qualifikation anzustreben.
Damit bekam die WM 2026 früh eine besondere Bedeutung. Aus einem möglichen Start in den USA wurde ein sportliches Ziel für die folgenden Jahre. Im Dezember 2025 war schließlich klar: Florian und Paulina hatten die Qualifikation geschafft. Diesmal blieb es nicht bei der Aussicht auf eine Weltmeisterschaft. Im Sommer reisten sie nach Österreich.
Die Geschichte der beiden ist eng mit der Entwicklung des SV Fortuna Dingelstedt verbunden. Die Einradgruppe des Vereins entstand 2007 – zunächst mit sechs Kindern und vier Einrädern. Später wuchs sie auf rund 30 Mitglieder.
Aus der kleinen Gruppe entwickelte sich eine Abteilung, die im Einrad-Freestyle in Sachsen-Anhalt eine besondere Stellung einnimmt. Der Landesverband bezeichnet den SV Fortuna Dingelstedt als den einzigen Verein des Landes, der in dieser Disziplin aktiv ist. Seit 2024 wird die Sparte wegen ihrer Medaillenerfolge bei deutschen Nachwuchsmeisterschaften zudem als LSB-Talentstützpunkt geführt.
Cheftrainerin der Dingelstedter Einradfahrer ist Annika Lodahl. Zum Trainerteam gehören nach Angaben des Vereins außerdem Steffi Erdmann und Johanna Nowakowski, die sich um Anfänger und Nachwuchs kümmern.
Dass diese Arbeit bis zur Einrad-WM führen kann, war beim Aufbau der Gruppe kaum selbstverständlich. Dingelstedt ist ein Ortsteil der Gemeinde Huy. Eine große Leistungssportstruktur steht hinter den Erfolgen nicht; dokumentiert ist vielmehr ein über Jahre gewachsener Vereinssport, dessen Nachwuchs regelmäßig bei regionalen und nationalen Wettbewerben antritt.
Mit dem Einrad eine Strecke zu bewältigen, ist das eine. Freestyle im Wettkampf ist etwas anderes. Die Fahrer präsentieren einstudierte Küren und zeigen dabei technische Elemente innerhalb eines gestalteten Auftritts. Die Wettbewerbe reichen von Nachwuchsklassen bis in den Expert-Bereich.
Für Florian und Paulina bedeutete das in den vergangenen Jahren immer neue Konkurrenz und neue Anforderungen. Ihre Resultate zeigen zugleich, wie kontinuierlich beide an Wettkämpfen teilnahmen: norddeutsche Meisterschaften, deutsche Meisterschaften, Einzel- und Paarküren. Dann folgte die Einrad-WM.
Gerade diese Entwicklung macht den Start in Steyr für den Verein relevant. Er steht nicht allein, sondern am vorläufigen Ende einer Reihe dokumentierter Wettkampferfolge.
Bei der UNICON 22 traf sich die internationale Einradszene für knapp zwei Wochen in Steyr. Die Veranstaltung umfasst zahlreiche Disziplinen und Wettbewerbe. Für die Dingelstedter lag der Schwerpunkt im Freestyle.
Die Bezeichnung „Weltklasse“ mag für einen zugespitzten Aufmacher verlockend sein. Sportlich belastbar ist zunächst etwas anderes: Florian und Paulina Lodahl hatten die Voraussetzungen für die Teilnahme erfüllt und sich für die Einrad-WM qualifiziert. Eine Medaille oder ein Spitzenrang bei der WM ist auf Grundlage der verfügbaren Angaben nicht gesichert.
Das schmälert die lokale Dimension nicht. Ein Verein, dessen Einradgruppe einst mit wenigen Kindern und Rädern begann, brachte zwei Geschwister zu einem internationalen Wettbewerb. Und aus dem Vorhaben, nach der ausgelassenen WM in den USA weiterzumachen, wurde zwei Jahre später eine tatsächliche WM-Teilnahme.
Die Reise nach Steyr erzählt deshalb mindestens ebenso viel über den SV Fortuna Dingelstedt wie über Florian und Paulina Lodahl. Seit 2007 ist dort eine Einradabteilung gewachsen, deren Fahrer inzwischen regelmäßig bei Meisterschaften antreten. Der Status als Talentstützpunkt und die nationalen Nachwuchserfolge zeigen, dass daraus eine feste Struktur entstanden ist.
Für die Geschwister schließt sich mit Österreich zugleich ein Kreis. 2023 war eine Weltmeisterschaft bereits greifbar, doch die Reise in die USA blieb aus. Sie trainierten weiter, stellten neue Küren zusammen, starteten bei Meisterschaften und erreichten erneut die erforderliche Qualifikation.
Im Sommer 2026 führte dieser Weg schließlich nach Steyr. Nicht eine unbelegte Medaille macht den Auftritt bemerkenswert, sondern der Weg dorthin: von Dingelstedt am Huy über die deutschen Meisterschaften bis zur Einrad-WM.
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