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Kunst im Harz

Modernes Abendmahl im Harz: Neuplatendorf bekommt zeitgenössisches Altarbild

Moderner dreiteiliger Altar mit zeitgenössischem Gemälde in einem neutralen Kirchenraum im Kontext des Harzes
Symbolbild: KI-generiert. Ein modernes Altarbild steht sinnbildlich für zeitgenössische Kunst in einem Kirchenraum und das Kunstprojekt in Neuplatendorf im Harz.

Die Dorfkirche Neuplatendorf bekommt einen ungewöhnlichen neuen Blickfang: Ein dreiteiliges Altarbild des halleschen Malers Sven Großkreutz überträgt das letzte Abendmahl in eine sichtbar gegenwärtige Bildwelt. Jesus trägt Sandalen mit DDR-Bezug, andere Figuren erscheinen in Turnschuhen oder Halbstiefeln. An diesem Sonntag soll das über mehrere Jahre entwickelte Kunstprojekt beim Erntedank-Gottesdienst eingeweiht werden.

Neuplatendorf, 4. Oktober 2026. Hinter dem Altar der kleinen Dorfkirche verändert sich an diesem Sonntag etwas Grundsätzliches. Wo der Kirchenraum bislang vergleichsweise schlicht gestaltet war, zieht ein neues Altarbild die Aufmerksamkeit auf sich. Drei Tafeln, geschaffen vom Maler und Grafiker Sven Großkreutz, erzählen eine der bekanntesten Geschichten des Christentums neu: das letzte Abendmahl.

Großkreutz versucht dabei keine historisierende Rekonstruktion. Seine Figuren stehen erkennbar in der Gegenwart. Kleidung und Schuhe brechen mit vertrauten Darstellungen, ohne das biblische Motiv unkenntlich zu machen. Das neue Altarbild in Neuplatendorf verbindet damit religiöse Tradition mit zeitgenössischer Malerei – und rückt zugleich Menschen und Tätigkeiten in den Vordergrund, die in klassischen Abendmahlsbildern kaum vorkommen.

Neues Altarbild in Neuplatendorf zeigt ein modernes Abendmahl

Jesus erscheint bei Großkreutz als junger Mann. An seinen Füßen trägt er sogenannte Jesuslatschen. Die Sandalen haben zugleich einen Bezug zur DDR-Alltagskultur, in der entsprechendes Schuhwerk verbreitet und begehrt war. Andere Figuren sind mit Turnschuhen oder Halbstiefeln dargestellt. Wie der MDR über das Kunstprojekt berichtet, setzt der Künstler damit bewusst Elemente aus der Gegenwart in die biblische Szene.

Der 1970 in Luckenwalde geborene Großkreutz wuchs in Aschersleben auf. Er studierte zunächst an der Burg Giebichenstein in Halle, später an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Heute lebt und arbeitet er in Halle.

Für das Altarbild in Neuplatendorf beschränkt sich Großkreutz nicht auf die bekannte Tischszene. Ihn interessiert auch das, was davor geschehen sein muss. Bevor Jesus und seine Jünger zusammenkommen konnten, musste jemand den Raum vorbereiten. Tische mussten gestellt, Brot und Wein besorgt werden. Gerade diese meist unsichtbare Arbeit wurde schon während der Entwicklung des Bildkonzepts zu einem Thema.

Eine kirchliche Darstellung aus der Entstehungsphase nennt deshalb neben den Jüngern auch eine Frau und ein Kind als Figuren der drei Bildtafeln. Der Blick weitet sich damit von der prominenten biblischen Szene auf die Gemeinschaft, die sie umgibt.

Die Entscheidung fiel nicht allein im Atelier

Das Wichtigste in Kürze

Die Dorfkirche Neuplatendorf im Harz erhält ein dreiteiliges, zeitgenössisches Altarbild von Sven Großkreutz. Die Einweihung ist am 4. Oktober 2026 im Rahmen des Erntedank-Gottesdienstes vorgesehen.

Was ist passiert?
Im Mittelpunkt stehen die drei Tafeln des neuen Altarbildes.
Wann?
Um 15 Uhr soll der Erntedank-Gottesdienst beginnen, in dessen Rahmen die Gemälde eingeweiht werden.
Was ist bestätigt?
Veranstalter ist das Evangelische Kirchspiel Falkenstein/Harz.
Was bedeutet das?
Das neue Altarbild in Neuplatendorf verbindet damit religiöse Tradition mit zeitgenössischer Malerei – und rückt zugleich Menschen und Tätigkeiten in den Vordergrund, die in klassischen Abendmahlsbildern kaum vorkommen.

Stand:

Dass nun zeitgenössische Kunst einen zentralen Platz in der Dorfkirche einnimmt, ist das Ergebnis eines längeren Prozesses. Die ersten Überlegungen reichen bis ins Jahr 2023 zurück. Großkreutz entwickelte damals gemeinsam mit Interessierten vor Ort Ideen für die Gestaltung. Im Dezember lagen zwei Entwürfe vor. Bei der Auswahl konnten Einwohnerinnen und Einwohner aus Neuplatendorf mitentscheiden.

Damit unterscheidet sich die Entstehung des neuen Altarbildes von einem klassischen Auftragswerk, bei dem Motiv und Ausführung weitgehend zwischen Auftraggeber und Künstler ausgehandelt werden. In Neuplatendorf wurde die Frage, was künftig hinter dem Altar zu sehen sein sollte, auch zu einer Angelegenheit des Ortes.

Parallel musste die Finanzierung gesichert werden. Nach Angaben des MDR begann Großkreutz bereits mit seiner Arbeit, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht sämtliche finanziellen Fragen geklärt waren. Später kamen Sponsoren hinzu. Auch die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt beteiligte sich an dem Vorhaben. Dadurch konnte das Projekt erweitert werden.

Bis kurz vor der Fertigstellung spielte die Unterstützung aus dem Umfeld der Kirche eine Rolle. Noch im September 2026 fand in Neuplatendorf ein Konzert statt, bei dem um Spenden für das künftige Altarbild gebeten wurde. Statt eines Eintrittspreises sollten die Einnahmen dem Kunstprojekt zugutekommen.

Aus drei Tafeln wurde ein größeres Kunstprojekt

Im Mittelpunkt stehen die drei Tafeln des neuen Altarbildes. Dabei blieb es allerdings nicht. Nach Angaben des MDR gehören drei weitere Bilder zum erweiterten Projekt. Die offizielle Ankündigung für das Erntedankfest spricht entsprechend von der Einweihung mehrerer Gemälde.

Die zusätzlichen Werke sollen weitere bislang ungestaltete Flächen der Kirche einbeziehen. Welche Gemälde bei der Feier im Einzelnen präsentiert und eingeweiht werden, geht aus den veröffentlichten Veranstaltungsinformationen nicht vollständig hervor. Sicher ist jedoch: Mit dem Altarbild erhält der bislang zurückhaltend gestaltete Kirchenraum einen neuen visuellen Schwerpunkt.

Die Dorfkirche selbst ist vergleichsweise schlicht ausgestattet. Die Stadt Falkenstein/Harz beschreibt unter anderem ein hölzernes Muldengewölbe und eine einfache spätbarocke Ausstattung. Gerade vor diesem Hintergrund fällt die Entscheidung für großformatige zeitgenössische Malerei ins Gewicht. Das neue Altarbild in Neuplatendorf tritt nicht als historisches Ausstattungsstück auf, sondern als bewusst gegenwärtige Ergänzung eines älteren Kirchenraums.

Einweihung beim Erntedankfest am 4. Oktober

Die öffentliche Einweihung ist für diesen Sonntag vorgesehen. Nach Angaben der Stadt Falkenstein/Harz und des Evangelischen Kirchspiels Falkenstein/Harz beginnt das Erntedankfest um 14 Uhr mit Kaffee und Kuchen vor der Kirche. Um 15 Uhr soll der Erntedank-Gottesdienst beginnen, in dessen Rahmen die Gemälde eingeweiht werden.

Danach ist Gelegenheit vorgesehen, über die neuen Arbeiten ins Gespräch zu kommen. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Poulenc Trio. Für 17 Uhr ist ein gemeinsames Abendessen mit offenem Ausklang angekündigt. Veranstalter ist das Evangelische Kirchspiel Falkenstein/Harz. Ein Eintrittspreis wird in der offiziellen Ankündigung nicht genannt.

Die zeitliche Einordnung ist dabei entscheidend: Am Vormittag des 4. Oktober steht die Einweihung noch bevor. Von einem bereits enthüllten oder eingeweihten Altarbild kann zu diesem Zeitpunkt deshalb noch nicht die Rede sein. Erst mit dem Gottesdienst am Nachmittag wird das mehrjährige Projekt offiziell seinem kirchlichen Zweck übergeben.

Ein bekanntes Motiv, aber ein anderer Blick darauf

Das letzte Abendmahl gehört zu den am häufigsten dargestellten Szenen der christlichen Kunst. Großkreutz verändert in Neuplatendorf nicht die zugrunde liegende Erzählung, wohl aber deren Bildsprache. Seine Figuren tragen keine Kleidung, die möglichst exakt eine historische Epoche nachbilden soll. Gegenwärtige Schuhe, vertraute Kleidungsstücke und Bezüge zur jüngeren Alltagsgeschichte holen die Szene näher an die Lebenswelt heutiger Betrachter.

Mindestens ebenso prägend ist die Verschiebung der Perspektive. Nicht nur Jesus und seine Jünger zählen. Auch die Frage, wer ein gemeinsames Essen überhaupt möglich macht, findet Eingang in das Bildkonzept. Das neue Altarbild verbindet damit die prominente biblische Erzählung mit einem Blick auf Gemeinschaft und Vorbereitung.

Für Neuplatendorf ist diese Interpretation nicht von außen über den Ort gestülpt worden. Dass Einwohner zwischen Entwürfen wählen konnten, die Finanzierung durch verschiedene Unterstützer getragen wurde und bis zuletzt Spenden für das Vorhaben gesammelt wurden, gehört zur Geschichte des Werkes ebenso wie die Arbeit des Künstlers.

Wie Neuplatendorf auf das neue Altarbild reagiert, zeigt sich erst nach der Einweihung

Mit dem Gottesdienst am Sonntagnachmittag erreicht ein Projekt seinen vorläufigen Abschluss, das 2023 mit ersten Überlegungen begonnen hatte. Aus Entwürfen und Diskussionen wurde ein dreiteiliges Altarbild, aus der zunächst offenen Finanzierung ein erweitertes Kunstvorhaben für die Dorfkirche.

Wie Gemeindemitglieder und Besucher die moderne Darstellung aufnehmen, lässt sich vor der Einweihung nicht seriös beurteilen. Fest steht bislang nur, was sie ab diesem Sonntag sehen sollen: ein letztes Abendmahl, das als biblische Szene erkennbar bleibt und dennoch sichtbar in die Gegenwart reicht. Für die Dorfkirche Neuplatendorf bedeutet das mehr als neue Bilder an einer bislang schlichten Fläche. Ein zentraler Bereich des Kirchenraums bekommt erstmals eine zeitgenössische künstlerische Handschrift.

Quellen

  1. Neues Altarbild: Moderne Kunst für Kirche in NeuplatendorfMDR
  2. Erntedankfest & Einweihung der GemäldeStadt Falkenstein/Harz
  3. Vita Sven GroßkreutzStadt Aschersleben
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