Wasserreserven im Harz
Harzer Talsperren deutlich unter Durchschnitt: Warum das Trinkwasser trotzdem sicher ist

Wasserreserven im Harz

Die Talsperren im Harz sind nach Monaten mit wenig Niederschlag deutlich schwächer gefüllt als gewöhnlich. Während die Trinkwasserspeicher nur noch 45 Prozent ihrer Kapazität erreichen, ist der Wasserstand der Okertalsperre auf ein historisches Tief gesunken. Die Versorgung von rund zwei Millionen Menschen in Niedersachsen und Bremen gilt dennoch als gesichert. Wie sich die Lage entwickelt, hängt nun wesentlich von den Niederschlägen im kommenden Winter ab.
Harz/Hildesheim, 20. Oktober 2026. In den Talsperren des Westharzes fehlt Wasser. Nach mehreren niederschlagsarmen Monaten liegen die Füllstände der Trinkwasserspeicher erheblich unter dem für diese Jahreszeit üblichen Niveau. Die Harzwasserwerke melden eine Auslastung von lediglich 45 Prozent. Im langjährigen Durchschnitt sind es Mitte Oktober rund 67 Prozent.
Die Differenz von 22 Prozentpunkten zeigt, wie stark die Trockenheit die Wasserreserven inzwischen beeinflusst. Besonders deutlich wird das an der Okertalsperre im Landkreis Goslar. Dort sank der Füllstand am 19. Oktober auf 16,6 Prozent – ein historischer Tiefstand.
Für die Trinkwasserversorgung im Nordwesten Deutschlands hat das bislang keine unmittelbaren Folgen. Nach Angaben der Harzwasserwerke ist die Belieferung der angeschlossenen Versorgungsunternehmen weiterhin gewährleistet. Möglich macht das ein weit verzweigtes System aus Talsperren, Wasserwerken und Fernleitungen. Die niedrigen Speicherstände werfen dennoch die Frage auf, wie viel Niederschlag nötig sein wird, um die Reserven wieder aufzufüllen.
Die Okertalsperre zählt zu den größten Wasserspeichern im Harz. Ihr maximales Rückhaltevolumen beträgt rund 46,9 Millionen Kubikmeter. Von dieser Kapazität war am 19. Oktober nur noch ein kleiner Teil gefüllt. Wie der Norddeutsche Rundfunk berichtete, fiel der Wasserstand mit 16,6 Prozent unter den bisherigen Tiefstwert von rund 17 Prozent aus dem Dezember 2022.
Der Rückgang vollzog sich über mehrere Monate. Ende Juli lag der Füllstand noch bei ungefähr 32 Prozent, Ende September waren es rund 19 Prozent. Seither gingen die Reserven weiter zurück.
Der außergewöhnlich niedrige Pegel der Okertalsperre ist allerdings nicht mit dem Zustand sämtlicher Speicher gleichzusetzen. Die Talsperren im Harz unterscheiden sich in Größe, Zuflüssen und Funktion. Entsprechend unterschiedlich fallen ihre Wasserstände aus. Der gemeinsame Füllstand der Trinkwassertalsperren liegt mit 45 Prozent zwar ebenfalls deutlich unter dem Durchschnitt, aber erheblich über dem Wert der Okertalsperre.
Die Ursachen reichen bis in den Sommer zurück. Juli, August und September waren nach Angaben der Harzwasserwerke deutlich zu trocken. Auch im Oktober blieb der erhoffte kräftige Niederschlag bislang aus.
An der Wetterstation Schulenberg wurden nach einem Bericht des NDR im bisherigen Oktober rund 52 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Das entspricht ungefähr der Hälfte der dort üblichen Niederschlagsmenge.
Dass die Wasserreserven bereits vor dem Herbst unter Druck standen, zeigen frühere Messwerte. Am 24. Juni meldeten die Harzwasserwerke für ihre Trinkwassertalsperren einen Füllstand von 69 Prozent. Der langjährige Vergleichswert betrug damals 79 Prozent. Schon zu Beginn des Sommers fehlten damit zehn Prozentpunkte gegenüber dem üblichen Niveau.
Die aktuelle Situation ist folglich nicht allein auf wenige regenarme Oktoberwochen zurückzuführen. Über einen längeren Zeitraum blieb die Auffüllung der Speicher hinter dem gewohnten Verlauf zurück. Für die Wasserwirtschaft ist dabei nicht nur entscheidend, wie viel Regen fällt. Maßgeblich ist auch, welche Wassermengen tatsächlich in den Talsperren ankommen und wie viel Wasser gleichzeitig abgegeben wird.
So ungewöhnlich die Wasserstände einzelner Talsperren im Harz sind: Einen akuten Trinkwassermangel melden die Harzwasserwerke nicht. Das Unternehmen hält die Versorgung weiterhin für gesichert. Das geht aus einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur vom 20. Oktober hervor, die sich auf Angaben des Betreibers stützt.
Die Trinkwassertalsperren im Harz waren am 20. Oktober 2026 nur zu 45 Prozent gefüllt, während die Okertalsperre einen historischen Tiefstand erreichte. Die Harzwasserwerke halten die Trinkwasserversorgung in Niedersachsen und Bremen weiterhin für gesichert.
Die Harzwasserwerke beliefern rund 70 Geschäftskunden, darunter Stadtwerke und kommunale Wasserversorger. Über deren Netze erreicht das Trinkwasser ungefähr zwei Millionen Menschen in Niedersachsen und Bremen. Jährlich speist das Unternehmen rund 90 Millionen Kubikmeter in die regionalen Versorgungsnetze ein.
Die niedrigen Füllstände sind deshalb zwar für die langfristige Bewirtschaftung der Wasserreserven relevant. Sie lassen sich aber nicht unmittelbar in eine drohende Versorgungslücke für Haushalte übersetzen. Denn das Trinkwasser stammt nicht ausschließlich aus einem einzelnen Stausee.
Rund 60 Prozent des von den Harzwasserwerken gelieferten Trinkwassers werden aus den Westharzer Talsperren gewonnen. Den übrigen Teil liefern Grundwasserwerke. Beide Ressourcen sind in ein überregionales Versorgungssystem eingebunden.
Das Leitungsnetz des Unternehmens erstreckt sich über etwa 520 Kilometer. Es verbindet Wassergewinnungsanlagen mit den Versorgungsgebieten zwischen Göttingen, Wolfsburg und Bremen. Dazu gehören auch die Räume Hildesheim und Hannover sowie weitere Teile Niedersachsens.
Eine zentrale Rolle spielt die gemeinsame Bewirtschaftung der Speicher. Über das Nordharz-Verbundsystem können die Oker- und Innerstetalsperre die Granetalsperre bei der Trinkwasserproduktion unterstützen. Wasser aus unterschiedlichen Anlagen lässt sich dadurch innerhalb des Systems nutzen.
Gerade bei der Okertalsperre ist diese Unterscheidung wichtig. Sie verfügt selbst über kein eigenes Trinkwasserwerk. Ihr Wasser kann jedoch über das Verbundsystem für die Versorgung von Bedeutung sein. Ein extrem niedriger Füllstand an diesem Standort bedeutet daher nicht, dass in gleichem Umfang Trinkwasser für die angeschlossenen Haushalte fehlt.
Wie viel Wasser den einzelnen Regionen zur Verfügung steht, hängt vielmehr von der gesamten Bewirtschaftung ab: den vorhandenen Reserven, den Zuflüssen, den Entnahmen und den Möglichkeiten zur Verteilung zwischen den Anlagen.
Die Bedeutung der Talsperren im Harz endet nicht an den Grenzen der Mittelgebirgsregion. Über Fernleitungen gelangt das Wasser bis in den Nordwesten Niedersachsens und nach Bremen.
Nach Angaben der Harzwasserwerke deckt das Unternehmen ungefähr 40 Prozent des Bremer Trinkwasserbedarfs. Eine wichtige Verbindung ist die Fernwasserleitung Söse-Nord, die Wasser aus dem Harz in Richtung Diepholz und Bremen transportiert.
Wie abhängig eine einzelne Kommune von den Harzer Speichern ist, unterscheidet sich allerdings je nach örtlicher Versorgung. Die Stadtwerke und Wasserverbände beziehen ihr Wasser aus unterschiedlichen Quellen und Versorgungsstrukturen. Aus dem durchschnittlichen Füllstand der Harzer Talsperren lässt sich deshalb keine einheitliche Aussage über die Versorgungslage sämtlicher Städte im Nordwesten ableiten.
Die Wasserversorgung aus den Talsperren erfordert eine laufende Abstimmung zwischen verschiedenen Aufgaben. Neben der Trinkwassergewinnung dienen die Anlagen auch dazu, Wasserabgaben an Flüsse zu regulieren. Bei anhaltender Trockenheit müssen die verfügbaren Mengen entsprechend bewirtschaftet werden.
Nach Angaben der Harzwasserwerke stehen dafür mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:
Diese Maßnahmen sind Teil der technischen und betrieblichen Möglichkeiten des Versorgungssystems. Sie bedeuten nicht, dass bereits eine Notfallversorgung eingerichtet wurde.
Für private Haushalte sind nach den vorliegenden Angaben keine allgemeinen Trinkwasserrationierungen oder vergleichbaren Einschränkungen angekündigt. Ebenso fehlt eine belastbare Prognose, nach der die Versorgung in bestimmten Städten innerhalb eines festgelegten Zeitraums gefährdet wäre.
Eine pauschale Antwort darauf lässt sich aus den aktuellen Füllständen nicht ableiten. Die Prozentwerte beschreiben zunächst, welcher Anteil der jeweiligen Speicherkapazität mit Wasser gefüllt ist. Sie sagen für sich genommen nicht aus, wie lange die Trinkwasserversorgung aufrechterhalten werden kann.
Dafür wären weitere Angaben erforderlich: etwa zu den laufenden Wasserentnahmen, den verfügbaren Grundwassermengen, den künftigen Zuflüssen und der Verteilung zwischen den verschiedenen Anlagen. Eine konkrete Reichweitenprognose haben die Harzwasserwerke im Zusammenhang mit den aktuellen Zahlen nicht veröffentlicht.
Die Aussage, dass die Versorgung derzeit gesichert ist, bleibt damit von der Frage zu unterscheiden, wie sich die Reserven bei fortgesetzter Trockenheit entwickeln würden.
Für die weitere Entwicklung richtet sich der Blick auf die kommenden Monate. Die Harzwasserwerke verweisen darauf, dass insbesondere die Niederschläge im Winter und die Schneeschmelze zur Wiederauffüllung der Talsperren beitragen.
Ob die Speicher ihren derzeitigen Rückstand aufholen können, hängt wesentlich von den tatsächlichen Niederschlagsmengen und den daraus entstehenden Zuflüssen ab. Eine verlässliche Vorhersage über die Füllstände im kommenden Frühjahr lässt sich aus den bisherigen Messwerten nicht treffen.
Die Differenz zum langjährigen Durchschnitt ist beträchtlich. Mit 45 Prozent liegen die Trinkwassertalsperren derzeit deutlich unter dem üblichen Oktoberwert von 67 Prozent. Für die Wasserwirtschaft ist deshalb nicht allein entscheidend, ob es in den nächsten Wochen regnet. Es kommt darauf an, wie sich die Wasserbilanz über die gesamte niederschlagsreiche Jahreszeit entwickelt.
Die Talsperren im Harz zeigen nach dem trockenen Sommer und Herbst eine ungewöhnlich angespannte Speicherlage. Besonders die Okertalsperre fällt mit ihrem historischen Tiefstand auf. Auch die Trinkwassertalsperren insgesamt bleiben erheblich hinter den langjährigen Vergleichswerten zurück.
Für die rund zwei Millionen Menschen, die über das System der Harzwasserwerke versorgt werden, hat sich daraus bislang kein akuter Engpass ergeben. Die Kombination aus mehreren Talsperren, Grundwasserwerken und Fernleitungen ermöglicht es dem Betreiber, die vorhandenen Ressourcen gemeinsam zu nutzen.
Die niedrigen Wasserstände verlieren dadurch jedoch nicht an Bedeutung. Sie dokumentieren, wie deutlich sich mehrere niederschlagsarme Monate auf die Speicherreserven ausgewirkt haben. Ob sich die Lage entspannt, wird sich erst mit den weiteren Niederschlägen und Zuflüssen zeigen. Die Versorgung ist gegenwärtig gesichert – die Wiederauffüllung der Talsperren steht noch aus.
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