Seit der Neuordnung der Abfallwirtschaft im Landkreis Göttingen häufen sich Beschwerden über verspätete oder ausgefallene Leerungen. Besonders betroffen waren zeitweise der Altkreis Osterode am Harz und mehrere Gemeinden im übrigen Kreisgebiet. Eine flächendeckende Krise wie im Frühsommer 2025 ist derzeit zwar nicht dokumentiert – doch von einer dauerhaft stabilen Müllabfuhr kann noch keine Rede sein.
Osterode am Harz/Göttingen, 3. August 2026. Überfüllte Behälter, liegen gebliebene Säcke, verspätete Touren: Die Müllabfuhr im Landkreis Göttingen ist seit Anfang 2025 wiederholt zum Ärgernis geworden. Besonders deutlich zeigte sich das Problem im Frühsommer vergangenen Jahres. In mehreren Orten blieben Abfälle über längere Zeit stehen, Beschwerden häuften sich, der Landkreis erhöhte den Druck auf beteiligte Entsorger.
Heute wirkt die Lage ruhiger. Eine vergleichbare, kreisweit sichtbare Störung ist derzeit nicht bekannt. Doch dieser Eindruck erzählt nur einen Teil der Geschichte. Noch im Juni 2026 fiel die Altglassammlung in Teilen des Altkreises Osterode aus. Bereits im Februar hatte der Landkreis erneut über zahlreiche nicht erfolgte Leerungen informiert.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob es aktuell weniger auffällige Müllberge gibt. Entscheidend ist, ob die Müllabfuhr im Landkreis Göttingen inzwischen verlässlich genug arbeitet, um aus einzelnen Störungen keinen Dauerzustand werden zu lassen. Genau dafür fehlen bislang belastbare Vergleichszahlen.
Ein neues Abfallsystem für den Harz – und alte Schwächen
Zum 1. Januar 2025 wurden die zuvor getrennten Abfallwirtschaften der Altkreise Göttingen und Osterode am Harz zusammengeführt. Ziel war eine einheitlichere Organisation mit gemeinsamen Regeln, abgestimmten Leistungen und einer übergreifenden Gebührenstruktur. Die Stadt Göttingen gehört allerdings nicht zu diesem System. Sie organisiert ihre Abfallentsorgung weiterhin selbstständig.
Für viele Haushalte im Kreisgebiet änderten sich mit der Neuordnung die gewohnten Abläufe. Die Gelbe Tonne wurde grundsätzlich im gesamten Landkreis eingeführt. Im Altkreis Osterode entfiel damit die Entsorgung von Metallverpackungen über die bisherigen Wertstoffkartons. Diese blieben zunächst für Altglas vorgesehen.
Auf dem Papier entstand damit mehr Einheitlichkeit. In der Praxis traten jedoch schnell neue Reibungen auf. Ein Grund dafür liegt in der Vielzahl der Zuständigkeiten. Was Bürger als ein gemeinsames Problem wahrnehmen, verteilt sich organisatorisch auf mehrere Auftraggeber, Entsorgungsunternehmen und Abfallarten.
| Abfallart | Zuständigkeit | Bekannte Störungen |
|---|---|---|
| Gelbe Tonne und Gelbe Säcke | Duale Systeme und beauftragter Entsorger | Verspätete oder ausgefallene Abholungen, vor allem 2025 |
| Altglas im Altkreis Osterode | Beauftragtes Entsorgungsunternehmen | Wiederholte Ausfälle bis Juni 2026 |
| Rest-, Bio-, Papier- und Sperrmüll | Landkreis und kommunale Auftragnehmer | Einzelne Störungen und Beschwerden |
Wochenlange Ausfälle im Sommer 2025
Wie der NDR berichtete, blieben im Juni 2025 in mehreren Teilen des Landkreises Abfälle über längere Zeit stehen. Betroffen waren unter anderem Orte in den Gemeinden Gleichen, Rosdorf und Friedland sowie Rüdershausen und Tiftlingerode im Altkreis Osterode.
Für die Gelben Tonnen war das Unternehmen FKI zuständig. Es erklärte die damaligen Probleme mit Personalmangel und fehlenden Fahrzeugen. Zusätzliches Personal und weitere Müllwagen sollten die Müllabfuhr stabilisieren. Eine Normalisierung wurde bis zum Ende des Sommers in Aussicht gestellt.
Der Landkreis beließ es nicht bei öffentlichen Mahnungen. Nach Angaben der Kreisverwaltung wurden zugesagte Leerungen nicht eingehalten. Die Verwaltung forderte deshalb das zuständige duale System Interzero zum Eingreifen auf. Zudem war bereits eine Vertragsstrafe in fünfstelliger Höhe verhängt worden.
Die Auseinandersetzung machte sichtbar, wie begrenzt der unmittelbare Einfluss des Landkreises bei Verpackungsabfällen ist. Gelbe Tonnen gehören nicht zur klassischen kommunalen Abfallentsorgung. Die Verantwortung liegt bei den dualen Systemen, die private Unternehmen mit der Sammlung beauftragen. Für Betroffene spielt diese juristische Trennung im Alltag kaum eine Rolle. Für die Frage, wer bei Ausfällen handeln muss, ist sie jedoch entscheidend.
Auch 2026 blieb die Müllabfuhr störanfällig
Mit dem Jahreswechsel verschwanden die Probleme nicht. Anfang Februar 2026 teilte der Landkreis mit, dass weiterhin zahlreiche Beschwerden über ausgebliebene Leerungen eingingen. Winterliche Straßenverhältnisse hatten die Abfuhr zuvor erschwert. Nach der Entspannung der Wetterlage erwartete die Verwaltung, dass Rückstände zügig abgearbeitet würden.
Aus den öffentlich zugänglichen Angaben geht allerdings nicht vollständig hervor, welche Orte und Abfallarten besonders betroffen waren. Ebenso bleibt offen, welcher Auftragnehmer in welchem Umfang verantwortlich war. Damit fehlt ein präzises Bild davon, wie stark die Müllabfuhr im Landkreis Göttingen tatsächlich beeinträchtigt war.
Gerade diese Lücke erschwert jede eindeutige Bewertung. Einzelne Störungsmeldungen zeigen, dass Touren ausfielen. Sie sagen aber wenig darüber aus, ob die Zahl der Probleme insgesamt gesunken ist, ob Nachleerungen schneller erfolgen oder ob bestimmte Regionen besonders häufig betroffen sind.
Altglas bleibt im Altkreis Osterode am Harz ein Problem
Im Altkreis Osterode rückte 2026 vor allem die Altglassammlung in den Mittelpunkt. Bereits im März blieben Wertstoffkartons in Teilen der Region stehen. Am 25. Juni meldete der Landkreis erneut Einschränkungen. Betroffen waren unter anderem Herzberg am Harz, Sieber und Elbingerode.
Als Grund nannte die Kreisverwaltung erhebliche krankheitsbedingte Personalausfälle beim zuständigen Entsorgungsunternehmen Veolia. Damit unterschied sich dieser Fall von den Problemen bei der Gelben Tonne, für die ein anderer Entsorger verantwortlich war.
Der Landkreis plant bereits einen Systemwechsel. Zum 1. Januar 2028 soll Altglas im Altkreis Osterode nicht mehr über Wertstoffkartons, sondern über Depotcontainer gesammelt werden. Dafür müssen Landkreis und Gemeinden geeignete Standorte finden.
Ob diese Umstellung die Zuverlässigkeit der Altglassammlung verbessert, ist offen. Sie verändert zunächst vor allem den Weg der Entsorgung: Statt Altglas vor dem Grundstück bereitzustellen, müssten Bürger es künftig zu Sammelcontainern bringen.
Die entscheidenden Zahlen fehlen
Ob sich die Müllabfuhr zwischen Osterode und dem übrigen Kreisgebiet seit den massiven Problemen im Jahr 2025 spürbar verbessert hat, lässt sich derzeit nicht belastbar beantworten. Dafür wären Kennzahlen nötig, die öffentlich nicht in ausreichender Form vorliegen.
- Wie viele Beschwerden gingen 2025 und 2026 ein?
- Wie viele Leerungen fielen vollständig aus?
- Wie schnell wurden ausgefallene Touren nachgeholt?
- Gab es weitere Vertragsstrafen oder Zahlungskürzungen?
- Haben zusätzliche Fahrzeuge und neues Personal die Lage dauerhaft stabilisiert?
Ohne solche Daten bleibt die Bewertung zwangsläufig vorläufig. Die öffentlich bekannten Meldungen liefern Momentaufnahmen, keine belastbare Entwicklungslinie. Sie belegen weder eine ununterbrochene Krise noch eine nachhaltige Lösung.
Ein Problem, mehrere Verantwortliche
Die Debatte wird zusätzlich dadurch erschwert, dass nicht jedes Entsorgungsproblem dieselbe Ursache hat. Neben Gelben Tonnen und Altglas gilt inzwischen auch die Situation bei Altkleidern als angespannt. In mehreren Gemeinden wurden Container abgebaut, während verbliebene gemeinnützige Sammelstellen teilweise stark ausgelastet sind.
Auch hier erleben Bürger zunächst nur das sichtbare Ergebnis: überfüllte Container, fehlende Annahmestellen oder liegen gebliebene Abfälle. Hinter den Problemen stehen jedoch unterschiedliche Verträge, Märkte und Zuständigkeiten.
Bei Restmüll, Biomüll, Papier und Sperrmüll kann der Landkreis unmittelbarer auf seine Auftragnehmer einwirken. Bei der Gelben Tonne sind hingegen die dualen Systeme in der Verantwortung. Beim Altglas wiederum gelten eigene vertragliche Strukturen. Wer die Müllabfuhr im Landkreis Göttingen beurteilen will, muss deshalb genauer unterscheiden, als es der Sammelbegriff vermuten lässt.
Im Harz ist weniger Chaos noch keine verlässliche Lösung
Im Vergleich zum Frühsommer 2025 ist die Lage derzeit weniger dramatisch. Eine ähnlich breite Welle ausgefallener Abholungen ist im Sommer 2026 nicht dokumentiert. Das spricht für eine Entspannung, möglicherweise auch für Verbesserungen im laufenden Betrieb.
Ein Beleg für dauerhaft zuverlässige Abläufe ist das jedoch nicht. Die Beschwerden aus dem Winter und die erneuten Ausfälle bei der Altglassammlung zeigen, dass die Müllabfuhr weiterhin störanfällig bleibt.
Ob aus der Neuordnung am Ende tatsächlich ein stabileres System für den Altkreis Osterode am Harz und das übrige Kreisgebiet entsteht, wird sich nicht an einzelnen ruhigen Wochen entscheiden. Maßgeblich ist, ob Touren verlässlich gefahren, Ausfälle rasch nachgeholt und Zuständigkeiten transparent benannt werden. Solange belastbare Leistungsdaten fehlen, bleibt nur eine nüchterne Bilanz: Das sichtbare Chaos hat nachgelassen. Der Ärger mit dem Müll in der Harzregion ist damit noch nicht erledigt.
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