Der Harzer Naturistenstieg bei Wippra galt bei seiner Eröffnung 2010 als erster offizieller Nacktwanderweg Deutschlands. Aus der einst mit bis zu 18 Kilometern beworbenen Strecke ist inzwischen ein rund 5,3 Kilometer langer Rundweg geworden. Der Weg existiert weiter – doch seine wechselvolle Geschichte ist heute deutlich weniger bekannt als der große Medienrummel seiner Anfangsjahre.

Wippra, 21. Juli 2026. Zwischen dichtem Wald, schmalen Pfaden und dem Umfeld der Talsperre Wippra verläuft einer der ungewöhnlichsten Wanderwege im Harz. Der Harzer Naturistenstieg wurde für Menschen geschaffen, die ohne Kleidung durch die Natur wandern möchten. Bekleidete Besucher dürfen die Strecke ebenfalls nutzen.

Als der Nacktwanderweg im Harz vor mehr als 15 Jahren eröffnet wurde, berichteten Medien aus ganz Deutschland darüber. Die Idee war neu, die Reaktionen entsprechend groß. Inzwischen ist es ruhiger um den Weg geworden. Er wurde mehrfach verändert, deutlich verkürzt und 2025 noch einmal neu ausgewiesen. Verschwunden ist er jedoch nicht.

Wie der Nacktwanderweg im Harz entstand

Die Anfänge des Harzer Naturistenstiegs reichen bis ins Jahr 2008 zurück. Damals wurde öffentlich über eine Route zwischen Dankerode, der Wippertalsperre und Wippra diskutiert. Als einer der maßgeblichen Initiatoren galt Heinz Ludwig, der zu jener Zeit einen Campingplatz in Dankerode betrieb.

Seine Idee zielte auf einen fest ausgewiesenen Wanderweg für Naturisten. Nacktwanderungen gab es schon vorher, meist privat organisiert oder auf wenig frequentierten Strecken. Neu war der Versuch, ein solches Angebot offiziell zu kennzeichnen und touristisch zu bewerben.

Die damalige Kommunalpolitik begegnete dem Vorhaben grundsätzlich offen. Noch bevor eine endgültige Streckenführung feststand, sorgte das Projekt bundesweit für Aufmerksamkeit. In der frühen Planungsphase war von einer Route mit ungefähr 18 Kilometern Länge die Rede.

Ein ungewöhnliches Projekt mit großer Resonanz

Der geplante Nacktwanderweg im Harz traf einen Nerv. Das Thema verband Wandertourismus, Freikörperkultur und die Frage, wie öffentliche Wege von unterschiedlichen Gruppen gemeinsam genutzt werden können. Genau diese Mischung machte den Naturistenstieg weit über Sachsen-Anhalt hinaus bekannt.

Im Mittelpunkt stand nicht die Abgrenzung von anderen Wanderern. Vielmehr sollte die Beschilderung für Klarheit sorgen. Wer den Weg betrat, sollte wissen, dass dort unbekleidete Menschen unterwegs sein konnten. Zugleich blieb die Strecke für alle zugänglich.

Die häufig verwendete Bezeichnung als erster offizieller Nacktwanderweg Deutschlands bezog sich auf diesen öffentlichen Charakter. Nacktwandern selbst war zu diesem Zeitpunkt längst Teil der Freikörperkultur. Neu war die ausdrücklich ausgewiesene Route.

Eröffnung 2010 – ohne großes Zeremoniell

Im Frühjahr 2010 wurde der Harzer Naturistenstieg freigegeben. Eine große offizielle Eröffnungsfeier fand offenbar nicht statt. Dennoch entwickelte sich der Weg schnell zu einer touristischen Besonderheit. Hinweisschilder kündigten an, dass Wanderer auf der Strecke unbekleideten Menschen begegnen könnten.

Eine Pflicht zum Nacktwandern bestand nicht. Auch bekleidete Besucher durften und dürfen den Weg nutzen. Damit blieb der Naturistenstieg ein öffentlicher Wanderweg – allerdings mit einem ungewöhnlichen Schwerpunkt.

Schon in den ersten Jahren zeigte sich, dass die genaue Länge des Weges schwer auf eine einzige Zahl zu reduzieren war. Verschiedene Angaben bezogen sich auf unterschiedliche Planungsstände und Streckenführungen.

Zeitraum Streckenlänge Einordnung
Planungsphase ab 2008 rund 18 Kilometer ursprünglich vorgesehene Verbindung im Raum Dankerode, Wippertalsperre und Wippra
Nach der Änderung 2011 rund 13 Kilometer weitgehend neu geführte Route
Seit Juni 2025 rund 5,3 Kilometer aktuell ausgewiesener Rundweg bei Wippra

Warum unterschiedliche Längen genannt werden

Die Angaben von 18, 13 und 5,3 Kilometern stehen nicht zwingend im Widerspruch. Sie markieren vielmehr verschiedene Phasen des Harzer Naturistenstiegs. Die ursprüngliche Planung sah eine deutlich längere Verbindung vor. Bereits 2011 wurde die Wegeführung jedoch fast vollständig verändert.

In späteren Berichten tauchte deshalb häufig eine Länge von etwa 13 Kilometern auf. Manche touristischen Darstellungen hielten dennoch an den früheren 18 Kilometern fest. Dadurch entstand über Jahre ein uneinheitliches Bild.

Die aktuelle Streckenführung ist wesentlich kürzer. Im Mai 2025 wurde der Naturistenstieg erneut überarbeitet. Seit dem 1. Juni 2025 wird ein Rundweg von ungefähr 5,3 Kilometern ausgewiesen.

Aus der langen Strecke wurde ein kurzer Rundweg

Der heutige Nacktwanderweg im Harz beginnt im Umfeld der Talsperre Wippra und führt durch die bewaldete Landschaft. Für die aktuelle Route steht ein digitaler Streckenverlauf zur Verfügung. Damit ist der Weg weiterhin offiziell präsent und touristisch auffindbar.

Warum die frühere Strecke so deutlich verkürzt wurde, ist öffentlich nicht umfassend dokumentiert. Ebenso bleibt unklar, wer die Änderung im Einzelnen veranlasste und welche organisatorischen Gründe dafür ausschlaggebend waren.

Fest steht: Der Naturistenstieg hat einen großen Teil seiner früheren Länge verloren. Aus einem ambitionierten Projekt mit bis zu 18 Kilometern wurde ein kompakter Rundweg.

Was über den heutigen Zustand bekannt ist

Belastbare Besucherzahlen liegen nicht vor. Es ist daher nicht bekannt, wie viele Menschen den Harzer Naturistenstieg jährlich nutzen, woher sie anreisen oder welche Bedeutung die Strecke noch für den regionalen Tourismus besitzt.

Einzelne Nutzerberichte aus den vergangenen Jahren erwähnen Probleme bei der Orientierung, schwache Markierungen und teilweise schwer erkennbare Wegabschnitte. Solche Beobachtungen können auf Pflegebedarf hinweisen. Eine offizielle Bestandsaufnahme ersetzen sie nicht.

Auch die Zuständigkeiten sind öffentlich nicht vollständig transparent. Wer den Weg dauerhaft kontrolliert, Beschilderungen erneuert oder einzelne Abschnitte pflegt, ist aus den verfügbaren Angaben nicht eindeutig ersichtlich.

Freikörperkultur trifft Wandertourismus

Der Harzer Naturistenstieg steht in einer langen Tradition der Freikörperkultur. Für deren Anhänger geht es beim Nacktwandern nicht um Provokation, sondern um ein unmittelbares Erleben von Landschaft und Körper. Der Weg bei Wippra sollte dafür einen ruhigen, wenig frequentierten Raum schaffen.

Sein Konzept unterscheidet ihn bis heute von einem abgeschlossenen FKK-Gelände. Der Naturistenstieg ist frei zugänglich und bleibt Teil des öffentlichen Wegenetzes. Unbekleidete und bekleidete Wanderer nutzen dieselbe Route.

  • Der Weg ist ausdrücklich für Nacktwanderer vorgesehen.
  • Bekleidete Besucher dürfen ihn ebenfalls nutzen.
  • Hinweise sollen auf mögliche Begegnungen aufmerksam machen.
  • Die Strecke verläuft durch Waldgebiete bei Wippra.
  • Die aktuelle Route ist deutlich kürzer als frühere Varianten.

Gerade dieses Nebeneinander war von Anfang an Teil des Projekts. Der Nacktwanderweg im Harz sollte keinen exklusiven Raum schaffen, sondern eine öffentliche Strecke mit besonderem Nutzungshinweis.

Zwischen früherem Medienrummel und heutiger Realität

Fast vergessen ist der Harzer Naturistenstieg nicht. Dafür wird er weiterhin touristisch geführt und mit einem aktuellen Streckenverlauf angeboten. Doch die öffentliche Aufmerksamkeit von 2008 bis 2011 ist verflogen.

Damals stand der Weg für eine ungewöhnliche Idee, die bundesweit diskutiert wurde. Heute ist er vor allem ein kurzer Rundweg mit einer bemerkenswerten Vorgeschichte. Von den einst geplanten 18 Kilometern sind rund 5,3 Kilometer geblieben.

Offen bleibt, wie der Weg künftig gepflegt wird, wie stark er tatsächlich genutzt wird und welche Rolle er noch für den Tourismus im südöstlichen Harz spielt. Sicher ist nur: Der Naturistenstieg existiert weiter. Seine Geschichte erzählt von großer Aufmerksamkeit, mehrfachen Veränderungen und einem Projekt, das kleiner geworden ist, ohne ganz zu verschwinden.