Der Quedlinburger Künstler Ekkehard Franz zeigt in der Alten Kirche Bad Suderode Malereien und Holzobjekte aus mehreren Jahrzehnten. Seine Ausstellung „Märchenhaft“ verbindet vertraute Erzählmotive mit offenen Bildwelten, Zeichen und Figuren. Noch bis Anfang September ist die Schau im Landkreis Harz zu sehen – allerdings kann der Zugang an einzelnen Veranstaltungstagen eingeschränkt sein.

Bad Suderode, 3. August 2026. Ein Märchen beginnt gewöhnlich mit einer klaren Ordnung: Es gibt eine Aufgabe, eine Gefahr, eine Prüfung. Am Ende steht eine Lösung. In der Ausstellung „Märchenhaft“ von Ekkehard Franz ist das anders. Der Quedlinburger Künstler greift Motive aus der Welt der Märchen auf, löst sie jedoch aus festen Erzählabläufen. Zurück bleiben Landschaften, Figuren, Zeichen und Objekte, die keine eindeutige Lesart vorgeben.

Der Quedlinburger Künstler Ekkehard Franz zeigt in der Alten Kirche Bad Suderode Malereien und Holzobjekte aus mehreren Jahrzehnten. Nach Angaben des Freundeskreises Alte Kirche Bad Suderode läuft die Ausstellung noch bis zum 1. September 2026. Geöffnet ist sie dienstags und samstags jeweils von 15 bis 17 Uhr. Bei parallel stattfindenden Veranstaltungen kann der Zugang eingeschränkt sein oder vollständig entfallen.

Ausstellung in Bad Suderode zeigt mehr als klassische Märchenbilder

Der Titel „Märchenhaft“ weckt zunächst die Erwartung, bekannte Geschichten in gemalter Form wiederzufinden. Doch die Arbeiten von Ekkehard Franz folgen keinem klassischen Illustrationsprinzip. Sie erzählen nicht Szene für Szene, erklären keine Handlung und führen auch nicht durch die vertrauten Stationen eines Märchens.

Stattdessen arbeitet Franz mit einzelnen Versatzstücken. Figuren treten in Landschaften auf, Zeichen unterbrechen die Bildfläche, Holzobjekte erweitern die Malerei in den Raum. Manche Motive erinnern an vertraute Erzählwelten, andere bleiben unbestimmt. Die Arbeiten öffnen Assoziationsräume, ohne deren Bedeutung festzuschreiben.

Der Verband Bildender Künstler Thüringen beschreibt die Arbeiten als Hommage an das Reich der Fantasie. Märchen begleiten Ekkehard Franz demnach seit seiner Kindheit. In seinem Werk erscheinen sie jedoch nicht als nostalgische Rückschau, sondern als Ausgangspunkt einer eigenständigen künstlerischen Sprache.

Die Bilder können rätselhaft wirken, weil sie keine abschließende Erklärung mitliefern. Von bestimmten „Wahrheiten“, die der Künstler vermitteln wolle, kann nach der öffentlich dokumentierten Quellenlage jedoch nicht gesprochen werden. Belegt sind seine Beschäftigung mit Fantasie, Märchenmotiven und symbolischen Bildwelten – nicht eine fest umrissene Botschaft.

„Märchenhaft“ hat eine längere Ausstellungsgeschichte

Die Präsentation in Bad Suderode ist keine kurzfristig für den Quedlinburger Ortsteil entwickelte Werkreihe. Bereits 2023 war in Erfurt eine Ausstellung von Ekkehard Franz unter demselben Titel zu sehen. Damals wurde sie als Zusammenstellung von Arbeiten aus rund 40 Schaffensjahren angekündigt.

Ob die heutige Präsentation in der Alten Kirche vollständig mit jener Ausstellung übereinstimmt, ist nicht dokumentiert. Auch eine genaue Liste der aktuell gezeigten Werke liegt öffentlich nicht vor. Sicher ist, dass in Bad Suderode Malereien und Holzobjekte präsentiert werden, die das langjährige Interesse des Künstlers an fantastischen und erzählerischen Motiven sichtbar machen.

Aus der früheren Ausstellung sind einzelne Arbeiten bekannt. Dazu gehörte ein Werk mit Bezug zu Hans Christian Andersens Märchen von der Nachtigall. Zudem wurde ein Ölgemälde aus dem Jahr 1984 gezeigt. Ob diese Arbeiten nun ebenfalls im Landkreis Harz zu sehen sind, ist nicht bestätigt und sollte deshalb nicht vorausgesetzt werden.

Die fehlende Werkliste ist mehr als ein formales Detail. Sie bedeutet, dass sich „Märchenhaft“ derzeit vor allem über den thematischen Rahmen beschreiben lässt. Der öffentliche Eindruck entsteht aus dem Zusammenspiel von Ölmalerei, Holzobjekten, Landschaften und symbolhaften Figuren – nicht aus einem vollständig dokumentierten Ausstellungskatalog.

Vom Orgelbau zur bildenden Kunst

Ekkehard Franz wurde 1947 in Dedeleben geboren. Nach dem Abitur in Thale begann er zunächst eine Ausbildung zum Orgelbauer bei der Firma Eule in Bautzen. Danach studierte er von 1970 bis 1975 an der damaligen Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle.

Seit seinem Abschluss als Diplom-Designer arbeitet Franz freiberuflich als bildender Künstler. Sein Spektrum reicht von Malerei und Holzobjekten bis zu Arbeiten auf Holz und Kunst im öffentlichen Raum. Die Ausstellung „Märchenhaft“ in Bad Suderode bündelt zwei dieser Bereiche: die Malerei und das plastische Arbeiten mit Holz.

Die frühe handwerkliche Ausbildung gehört zu seinem künstlerischen Werdegang, ohne dass daraus eine unmittelbare Deutung der heutigen Werke abgeleitet werden kann. Sichtbar ist jedoch, wie konsequent Material und Gestaltung in seiner Biografie miteinander verbunden sind. Holz dient Franz nicht nur als Untergrund, sondern auch als eigenständiges Ausdrucksmittel.

Kunstort im Harz: Die Alte Kirche als Ausstellungsraum

Mit der Alten Kirche Bad Suderode hat „Märchenhaft“ einen Ort gefunden, der sich deutlich von einem neutralen Galerieraum unterscheidet. Das historische Gebäude im Quedlinburger Stadtgebiet wird heute für Konzerte, Lesungen und wechselnde Ausstellungen genutzt. Verantwortlich ist der Freundeskreis Alte Kirche Bad Suderode.

Die Ausstellung wurde am 4. Juli 2026 eröffnet. Einzelne Veranstaltungskalender nennen den 5. Juli als Beginn der regulären Laufzeit. Daraus ergibt sich kein zwingender Widerspruch: Der frühere Termin bezeichnet die Vernissage, der spätere offenbar den Beginn des normalen Ausstellungsbetriebs.

Für Besucher aus Quedlinburg und der weiteren Harzregion ist vor allem der Hinweis auf mögliche Schließungen wichtig. Wenn in der Alten Kirche andere Veranstaltungen stattfinden, kann „Märchenhaft“ zeitweise nicht zugänglich sein. Wer gezielt wegen der Ausstellung nach Bad Suderode fährt, sollte deshalb die aktuellen Angaben des Veranstalters beachten.

Die wichtigsten Informationen zur Ausstellung

Ausstellung„Märchenhaft“
KünstlerEkkehard Franz
OrtAlte Kirche Bad Suderode, Schulstraße 18
Laufzeitbis 1. September 2026
Öffnungszeitendienstags und samstags, jeweils 15 bis 17 Uhr
HinweisBei parallelen Veranstaltungen kann die Ausstellung geschlossen bleiben.

Ein belastbar bestätigter Eintrittspreis liegt öffentlich nicht vor. Deshalb lässt sich weder ein kostenfreier Besuch noch eine bestimmte Eintrittshöhe seriös angeben.

Märchen als Ausgangspunkt, nicht als Anleitung

Die Ausstellung zeigt, wie weit sich ein vertrautes kulturelles Thema öffnen lässt. Ekkehard Franz übernimmt Märchen nicht als fertige Geschichten. Er zerlegt sie in Stimmungen, Figuren und Zeichen. Daraus entstehen Arbeiten, die weder eindeutig erzählen noch vollständig schweigen.

Das unterscheidet seine Bildwelten von klassischer Märchenillustration. Die Werke liefern keine Gebrauchsanweisung für ihre Betrachtung. Sie stellen Motive bereit, setzen Spuren und überlassen dem Publikum, welche Verbindungen daraus entstehen.

Auch der Begriff des Rätselhaften passt nur in diesem Sinn: nicht als konkrete Aufgabe mit einer richtigen Lösung, sondern als Wirkung offener Bilder. Was eine Figur bedeutet, warum ein Zeichen an einer bestimmten Stelle auftaucht oder welche Geschichte hinter einer Landschaft stehen könnte, bleibt dem Blick der Besucher überlassen.

Was die Ausstellung für Quedlinburg und den Harz sichtbar macht

Ekkehard Franz zeigt in Bad Suderode keine Sammlung bebilderter Märchentexte. Seine Ausstellung führt vielmehr vor, wie sich vertraute Erzählstoffe in eine persönliche künstlerische Sprache übersetzen lassen. Malerei und Holzobjekte stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander.

Für Quedlinburg und die Harzregion ist „Märchenhaft“ damit zugleich eine Begegnung mit dem langjährigen Werk eines regional verbundenen Künstlers. Der Titel beschreibt weniger ein fest umrissenes Thema als eine Haltung: Wirklichkeit wird nicht verlassen, aber erweitert. Wer eindeutige Antworten sucht, wird sie in der Alten Kirche kaum finden. Wer sich auf offene Bildwelten einlässt, dürfte gerade darin den Kern der Ausstellung entdecken.

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