Am Liebfrauenturm in Wernigerode zeichnet sich eine seltene Gelegenheit ab: Noch bevor das aufwendige Schutzgerüst wieder verschwindet, könnte es einen besonderen Besucheraufstieg geben. Bestätigt sind die laufende Sanierung, die Höhe des Turms und die Aussichtsplattform – offen bleiben bislang jedoch Termin, Anmeldung und der genaue Zugang.

Wernigerode, 27. Juli 2026. Der Liebfrauenturm ist derzeit kaum zu übersehen. Ein massives Schutz- und Stützgerüst umschließt den rund 60 Meter hohen Turm des Konzerthauses Liebfrauen und verändert vorübergehend die Silhouette der Innenstadt. Die Konstruktion ist Teil einer umfangreichen Sanierung, die Schäden am Turmhelm beheben und das historische Bauwerk langfristig sichern soll.

Nun rückt ein weiterer Aspekt in den Mittelpunkt: Vor dem Abbau des Gerüsts ist offenbar ein besonderer Besucheraufstieg vorgesehen. Für Wernigerode wäre das eine ungewöhnliche Möglichkeit, den Liebfrauenturm aus einer Perspektive zu erleben, die nach Abschluss der Arbeiten kaum noch zugänglich sein dürfte.

Wie dieser Aufstieg genau organisiert wird, ist allerdings noch nicht verbindlich veröffentlicht. Weder ein konkretes Datum noch Uhrzeiten, Teilnahmebedingungen oder ein Anmeldeverfahren waren zuletzt auf den offiziellen Seiten des Konzerthauses oder der Stadt zu finden. Auch die entscheidende Frage bleibt offen: Dürfen Besucher tatsächlich auf das Baugerüst – oder führt der Weg lediglich über die regulären Treppen im Inneren des Liebfrauenturms?

Liebfrauenturm wird wegen erheblicher Schäden saniert

Die Arbeiten am Liebfrauenturm sind keine kosmetische Reparatur. Die Schieferdeckung des Turmhelms war seit Längerem schadhaft. Bei Untersuchungen zeigte sich, dass auch die darunterliegende Konstruktion betroffen ist. Bretter waren teilweise morsch, tragende Holzbalken angegriffen.

Damit ging es nicht mehr nur um den Erhalt des historischen Erscheinungsbildes. Beschädigte oder lose Bauteile konnten im Umfeld des Turms zu einem Sicherheitsrisiko werden. Um die betroffenen Bereiche vollständig zu erreichen und die Arbeiten fachgerecht ausführen zu können, wurde der Liebfrauenturm großflächig eingerüstet.

Das Gerüst dient dabei nicht allein als Arbeitsplattform. Es übernimmt zugleich Schutz- und Stützfunktionen. Zusammen mit dem Turm erreicht die Konstruktion eine Höhe von mehr als 60 Metern. Errichtet wurde sie von einem Unternehmen aus Wernigerode.

Sanierung kostet knapp eine Million Euro

Der finanzielle Rahmen für die Sanierung liegt nach früheren Angaben bei knapp einer Million Euro. Unterstützt wird das Projekt unter anderem über das Programm Lebendige Innenstädte, durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und den Landkreis Harz.

Der Konzertbetrieb im ehemaligen Kirchengebäude soll durch die Arbeiten grundsätzlich weiterlaufen. Im unmittelbaren Umfeld des Liebfrauenturms gibt es jedoch Einschränkungen. Parkplätze auf der Turmseite wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt oder stehen während der Bauphase nur eingeschränkt zur Verfügung.

Wie lange das Gerüst noch stehen bleibt, ist derzeit nicht konkret öffentlich benannt. Genau daran hängt aber die Frage, ob der angekündigte Besucheraufstieg tatsächlich die letzte Gelegenheit vor dem Abbau sein wird.

Was über den Besucheraufstieg bekannt ist

Gesichert ist, dass der Liebfrauenturm grundsätzlich einen weiten Blick über Wernigerode ermöglicht. Im Inneren befindet sich eine Aussichtsplattform in etwa 30 Metern Höhe. Von dort öffnet sich der Blick über die Dächer der Innenstadt und auf die umliegenden Höhenzüge.

Ein Zugang über das Baugerüst wäre dennoch etwas anderes als ein gewöhnlicher Turmbesuch. Die Konstruktion führt bis in Bereiche, die regulär nicht betreten werden können. Sollte sie für Besucher freigegeben werden, dürfte der Aufstieg nur unter enger Begleitung und mit klaren Sicherheitsvorgaben möglich sein.

Welche Regeln gelten, ist bislang offen. Es gibt keine bestätigten Angaben zu Mindestalter, Schuhwerk, körperlicher Eignung oder einer möglichen Helmpflicht. Ebenso wenig ist bekannt, ob der Aufstieg bei starkem Wind, Regen oder Gewitter abgesagt werden müsste.

Der derzeit bekannte Stand

Aspekt Bekannter Stand
Ort Konzerthaus Liebfrauen in Wernigerode
Turmhöhe Rund 60 Meter
Aussichtsplattform Etwa 30 Meter über dem Boden
Grund der Arbeiten Schäden an Schieferdeckung, Brettern und tragenden Holzteilen
Besucheraufstieg Medial angekündigt, Einzelheiten noch nicht vollständig bestätigt
Termin und Anmeldung Noch nicht belastbar veröffentlicht

Diese Fragen müssen noch beantwortet werden

Damit aus der Ankündigung ein verlässlicher Veranstaltungshinweis wird, fehlen mehrere praktische Angaben. Dazu zählen vor allem:

  • das genaue Datum und mögliche Zeitfenster,
  • der Treffpunkt am Konzerthaus Liebfrauen,
  • die Zahl der verfügbaren Plätze,
  • ein mögliches Anmelde- oder Reservierungsverfahren,
  • eventuelle Eintrittskosten,
  • Alters- und Sicherheitsvorgaben,
  • der konkrete Zugang zum Liebfrauenturm oder Gerüst,
  • Regelungen bei ungünstiger Witterung.

Solange diese Punkte nicht offiziell bestätigt sind, bleibt auch die Formulierung einer „letzten Chance“ zu weitgehend. Sie wäre nur dann gerechtfertigt, wenn Bauherr oder Veranstalter ausdrücklich erklären, dass nach diesem Termin kein vergleichbarer Zugang mehr möglich sein wird.

Der Liebfrauenturm prägt die Silhouette von Wernigerode

Der Liebfrauenturm gehört zu den markanten Bauwerken der Stadt. Die frühere Liebfrauenkirche wird seit 2022 als Konzerthaus Liebfrauen genutzt. Eigentümerin und Betreiberin ist die Kulturstiftung Wernigerode.

Der neugotische Turm entstand nach Angaben des Konzerthauses im Jahr 1891. Mit seiner Höhe und der exponierten Lage prägt er den Blick auf die Innenstadt. Seine Sanierung ist deshalb weit mehr als eine technische Maßnahme. Es geht zugleich um die Sicherung eines Denkmals, das fest zum Stadtbild von Wernigerode gehört.

Die Arbeiten am Turmhelm sind anspruchsvoll. Geschädigte Holzteile müssen ersetzt, die Schieferdeckung erneuert und möglichst viel historische Substanz erhalten werden. Hinzu kommt die besondere Lage: In dieser Höhe sind Materialtransport, Arbeitsschutz und Witterung erheblich aufwendiger als bei einer gewöhnlichen Dachsanierung.

Eine außergewöhnliche Aussicht – noch ohne feste Termine

Ein Besucheraufstieg am Liebfrauenturm dürfte auf großes Interesse stoßen. Die Aussicht über Wernigerode, die Nähe zur Baustelle und der Zugang zu sonst verschlossenen Bereichen machen das Vorhaben außergewöhnlich. Gerade das Gerüst eröffnet eine Perspektive, die nach Abschluss der Sanierung wieder verschwindet.

Noch aber fehlt die offizielle Mitteilung, die Interessierten Planungssicherheit gibt. Erst wenn Termin, Zugang, Anmeldung und Sicherheitsbedingungen feststehen, lässt sich beurteilen, wie viele Menschen tatsächlich teilnehmen können und ob der Aufstieg bis in die oberen Gerüstebenen führt.

Bis dahin bleibt der belegbare Kern klar: Der Liebfrauenturm wird umfassend saniert, das Gerüst ist nur vorübergehend Teil des Stadtbildes, und ein besonderer Besucherzugang ist angekündigt. Ob daraus tatsächlich die letzte Gelegenheit für einen Aufstieg vor dem Gerüstabbau wird, muss nun verbindlich bestätigt werden.