Wenige Tage nach dem Tod einer dreiköpfigen Familie ist der Harzturm in Torfhaus wieder für Besucher geöffnet. Die Polizei hat ihre Ermittlungen abgeschlossen und weder Hinweise auf einen technischen Defekt noch auf die Beteiligung weiterer Personen gefunden. Unklar bleibt, wann genau der Betreiber den regulären Betrieb wieder aufgenommen hat und wie das Team mit den Folgen des Geschehens umgeht.

Torfhaus, 20. Juli 2026. Am Harzturm in Torfhaus hat der Besucherbetrieb wieder begonnen. Auf der Internetseite des Betreibers wurde das Ausflugsziel am Montag erneut als geöffnet geführt. Lediglich die Erlebnisrutsche „Rasantia“ blieb nach den aktuellen Angaben wegen der Witterung außer Betrieb.

Der 65 Meter hohe Harzturm war nach dem tödlichen Vorfall am Donnerstag, dem 16. Juli, zunächst geschlossen worden. Für den darauffolgenden Freitag hatte der Betreiber ausdrücklich angekündigt, die Anlage nicht zu öffnen. Danach blieb zunächst offen, wie lange die Schließung dauern sollte. Eine gesonderte Mitteilung zum genauen Zeitpunkt der Wiedereröffnung veröffentlichte der Betreiber bislang nicht.

Die Rückkehr zum normalen Betrieb erfolgt damit nur wenige Tage nach einem Ereignis, das Mitarbeitende, Besucher und Einsatzkräfte schwer belastet haben dürfte. Zugleich steht inzwischen fest: Nach dem bisherigen Ermittlungsstand war der Tod der Familie weder Folge eines technischen Versagens noch eines Eingriffs durch Dritte.

Polizei beendet Ermittlungen am Harzturm

Am Donnerstagnachmittag waren drei Menschen vom Harzturm in Torfhaus gestürzt und noch am Ort des Geschehens gestorben. Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste und ein Kriseninterventionsteam rückten an. Die Einsatzstelle wurde abgesperrt, Sichtschutzwände sollten den Bereich vor neugierigen Blicken schützen.

Bei den Toten handelte es sich nach Angaben der Polizei um eine Mutter, einen Vater und deren Kind. Weitere persönliche Angaben machten die Ermittler nicht. Auch das Alter des Kindes wurde nicht veröffentlicht.

Nach Abschluss der Untersuchungen geht die Polizei davon aus, dass die Eltern gemeinsam mit dem Kind vom Turm sprangen. Hinweise auf die Beteiligung weiterer Personen fanden die Ermittler nicht. Ebenso ergaben sich keine Anhaltspunkte für Mängel an der Konstruktion oder für ein technisches Problem am Harzturm.

Die Ermittlungen wurden deshalb am Montag eingestellt. Einzelheiten dazu, wie die Polizei den Ablauf rekonstruierte, wurden öffentlich nicht erläutert. Auch zu möglichen Motiven oder zu den persönlichen Hintergründen der Familie liegen keine gesicherten Informationen vor.

Damit ist klar, dass der Vorfall nicht als Unfall infolge eines Defekts am Harzturm einzuordnen ist. Für die Berichterstattung bleibt eine zurückhaltende Sprache geboten. Spekulationen über Ursachen, familiäre Hintergründe oder den genauen Ablauf verbieten sich, solange dazu keine belastbaren Angaben vorliegen.

Der Betreiber spricht von tiefer Betroffenheit

Der Betreiber des Harzturms hatte nach dem Geschehen seine Bestürzung zum Ausdruck gebracht. Geschäftsführer Roman Plate verwies darauf, dass der Vorfall besonders bei jenen Mitarbeitenden Spuren hinterlassen habe, die unmittelbar damit konfrontiert waren.

Die Schließung am Freitag war deshalb mehr als eine organisatorische Reaktion auf einen laufenden Polizeieinsatz. Sie verschaffte dem Team Zeit, die ersten Stunden nach dem Geschehen zu bewältigen. Ob darüber hinaus psychologische Unterstützung für Beschäftigte oder Augenzeugen angeboten wurde, ist nicht öffentlich bekannt.

Gerade an einem touristischen Ort wie dem Harzturm trifft ein solcher Vorfall auf Menschen, die dort mit einer völlig anderen Erwartung ankommen: Familien, Tagesgäste, Wanderer und Urlauber. Diese Diskrepanz dürfte die Belastung für Anwesende zusätzlich verstärkt haben. Gesicherte Angaben über die Zahl möglicher Augenzeugen liegen jedoch nicht vor.

Harzturm Torfhaus wieder im Besucherbetrieb

Der Harzturm in Torfhaus zählt zu den auffälligsten neuen Ausflugszielen im Oberharz. Er liegt im niedersächsischen Landkreis Goslar, nahe der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Für Besucher aus Wernigerode und dem Ostharz ist die Anlage gut erreichbar, sie befindet sich jedoch nicht im Stadtgebiet von Wernigerode.

Die Anlage wurde im November 2023 zunächst mit Einschränkungen eröffnet. Seit Juli 2024 standen grundsätzlich alle vorgesehenen Attraktionen zur Verfügung. Der Harzturm verbindet Aussichtspunkt, Erlebnisarchitektur und touristische Angebote in einer markanten Holz-Stahl-Konstruktion.

Das bietet der Harzturm in Torfhaus

  • Der Aussichtsturm ist 65 Meter hoch.
  • Besucher können zwei Aussichtsplattformen nutzen.
  • In rund 45 Metern Höhe befindet sich ein gläserner Skywalk.
  • Der Aufstieg ist über Treppen oder einen Aufzug möglich.
  • Zur Anlage gehört die rund 110 Meter lange Erlebnisrutsche „Rasantia“.

Der Betreiber bezeichnet die Anlage als höchsten Aussichtsturm Deutschlands in Holz-Stahl-Bauweise. Die Baukosten wurden mit rund zehn Millionen Euro angegeben. Bund und Land förderten das Projekt mit etwa 1,4 Millionen Euro.

Standort Torfhaus im Landkreis Goslar
Höhe 65 Meter
Erste Öffnung November 2023, zunächst eingeschränkt
Vollständiger Betrieb Seit Juli 2024
Aktueller Stand Besucherbetrieb wieder aufgenommen, Rutsche am 20. Juli wetterbedingt geschlossen

Die Wiedereröffnung des Harzturms lässt sich derzeit vor allem aus den aktuellen Angaben des Betreibers zum laufenden Betrieb ableiten. Eine ausführliche Pressemitteilung, in der der genaue Zeitpunkt und die Gründe für die Wiederaufnahme erläutert werden, liegt nicht vor.

Damit bleibt offen, ob Besucher bereits am Wochenende wieder auf den Harzturm konnten oder ob der Betrieb erst am Montag startete. Ebenfalls nicht bekannt ist, ob einzelne Bereiche zunächst nur eingeschränkt zugänglich waren. Sicher ist lediglich, dass die Rutsche am Montag wegen der Wetterlage geschlossen blieb. Einen Zusammenhang mit dem tödlichen Vorfall stellte der Betreiber nicht her.

Sicherheit des Turms nicht infrage gestellt

Für Besucher ist vor allem ein Punkt von Bedeutung: Nach den polizeilichen Erkenntnissen gibt es keine Hinweise darauf, dass die Sicherheit des Harzturms durch einen technischen Mangel beeinträchtigt war. Die Ermittler fanden weder einen Defekt noch andere Hinweise darauf, dass die Konstruktion eine Rolle bei dem Geschehen spielte.

Die Wiederaufnahme des Betriebs ist deshalb nicht als Abschluss einer technischen Überprüfung nach einem Unfall zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um die Rückkehr eines touristischen Betriebs nach einer vorübergehenden Schließung infolge eines tödlichen Ereignisses.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Der Harzturm wurde nicht wegen eines festgestellten Sicherheitsproblems geschlossen, sondern im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz und der Belastung der Beteiligten. Der laufende Betrieb steht damit nicht im Widerspruch zum Ermittlungsstand.

Gleichzeitig endet mit der Öffnung nicht automatisch die Aufarbeitung. Für Beschäftigte, Augenzeugen und Einsatzkräfte kann ein solches Geschehen lange nachwirken. Darüber hinaus dürfte der Betreiber in den kommenden Tagen genau beobachten, wie Besucher auf den Vorfall reagieren und wie sich der Alltag an der Anlage entwickelt.

Der Betrieb läuft weiter, die Folgen bleiben

Der Harzturm in Torfhaus ist wieder geöffnet, doch der Ort hat sich durch die Ereignisse verändert. Für Besucher bleibt er ein Aussichtsziel im Oberharz, für unmittelbar Beteiligte ist er seit dem 16. Juli mit einer schweren Erfahrung verbunden.

Die polizeilichen Ermittlungen sind abgeschlossen. Ein technischer Defekt wurde ausgeschlossen, ebenso die Beteiligung weiterer Personen. Damit ist der rechtliche und kriminalistische Teil vorerst beendet. Die menschlichen Folgen lassen sich nicht ähnlich klar eingrenzen.

Der Alltag am Harzturm kehrt zurück. Für diejenigen, die den Vorfall miterlebt haben oder im Einsatz waren, dürfte er dennoch noch lange nicht wieder selbstverständlich sein.