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Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Schulze und Siegmund streiten über Migration, Milliarden und Macht

Zwei Rednerpulte mit Spaten und Tankquittung als Symbol für den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt und im Harz

Symbolbild: KI-generiert. Das Motiv steht für das Wahlkampfduell zwischen Sven Schulze und Ulrich Siegmund vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, die auch den Harz betrifft.

Vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben sich CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ein direktes Wahlkampfduell geliefert. Im Mittelpunkt standen Migration, Fachkräfte, Bildung, Staatsfinanzen und die Frage, welche Regierung nach der Wahl überhaupt möglich wäre. Auch für die Wählerinnen und Wähler im Harz zeigte die Debatte, wie weit die politischen Vorstellungen beider Kandidaten auseinanderliegen.

Halle, 2. September 2026. Beim direkten Duell von Mitteldeutscher Zeitung und Magdeburger Volksstimme standen sich Sven Schulze und Ulrich Siegmund wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gegenüber. Der CDU-Spitzenkandidat und der AfD-Herausforderer nutzten die Debatte, um zentrale Konfliktlinien des Wahlkampfs noch einmal deutlich zu markieren.

Schon der Einstieg zeigte, wie unterschiedlich beide Kandidaten ihre politischen Botschaften setzen wollten. Schulze brachte einen Spaten mit, der für Investitionen und Ausbildung stehen sollte. Siegmund hielt eine Tankquittung hoch und verwies auf einen Dieselpreis von 2,20 Euro pro Liter. Zwei Gegenstände standen damit für unterschiedliche politische Schwerpunkte: hier Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung, dort Belastungen und Kosten.

Migration und Fachkräfte prägen den Wahlkampf auch im Harz

Besonders scharf verlief das Duell zwischen Siegmund und Schulze beim Thema Migration. Der AfD-Spitzenkandidat forderte einen deutlich restriktiveren Kurs und drängte auf mehr Abschiebungen. Schulze verwies dagegen auf die praktischen Grenzen der Landespolitik. Nicht jede Abschiebung könne von Sachsen-Anhalt allein durchgesetzt werden, etwa wenn Herkunftsstaaten ihre Staatsbürger nicht zurücknähmen.

Gleichzeitig führte der CDU-Spitzenkandidat die wirtschaftliche Seite der Zuwanderungsdebatte ins Feld. Sachsen-Anhalt brauche Arbeitskräfte, unter anderem in der Pflege, im Gesundheitswesen und im Maschinenbau. Siegmund setzte dem entgegen, stärker auf Rückkehrer, berufliche Orientierung und Bürokratieabbau zu setzen. Diese landespolitische Auseinandersetzung betrifft damit auch den Harz als Teil Sachsen-Anhalts und gehört zu den zentralen Fragen vor der Wahl.

Schulze konfrontierte seinen Konkurrenten zudem mit einer Formulierung aus dem AfD-Programm und wollte wissen, was mit „kulturfremden“ Fachkräften gemeint sei. Wie WELT über das Duell berichtete, beantwortete Siegmund diese konkrete Frage nicht unmittelbar, sondern verwies unter anderem auf importierte Konflikte und den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt.

Der Gegensatz war damit deutlich: Schulze argumentierte mit dem Arbeitskräftebedarf des Landes, Siegmund mit Begrenzung und einer grundsätzlich strengeren Migrationspolitik.

Streit um Milliarden, Einsparungen und Wahlversprechen

Ein zweiter Schwerpunkt des Wahlkampfduells war die Finanzpolitik. Siegmund erklärte, Sachsen-Anhalt könne zwischen 300 und 500 Millionen Euro einsparen. Als mögliche Bereiche nannte er unter anderem Verwaltung, Förderprogramme, Migration und unbesetzte Stellen.

Schulze stellte dagegen die Finanzierbarkeit der AfD-Pläne infrage. Hintergrund ist eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle. Für jene Maßnahmen des AfD-Wahlprogramms, die sich konkret beziffern ließen, hatte das Institut eine jährliche Finanzierungslücke von mindestens 2,2 Milliarden Euro errechnet.

Damit wurde aus der grundsätzlichen Debatte über Sparen und Investieren eine konkrete Frage: Welche Versprechen lassen sich im Landeshaushalt tatsächlich finanzieren?

Kostenloses Essen an Schulen wird zum Rechenbeispiel

Das Wichtigste in Kürze

Sven Schulze und Ulrich Siegmund haben sich wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt über Migration, Finanzen, Bildung und mögliche Regierungsmehrheiten gestritten. Die landespolitischen Entscheidungen betreffen auch die Harzregion.

Was ist passiert?
Beim direkten Duell von Mitteldeutscher Zeitung und Magdeburger Volksstimme standen sich Sven Schulze und Ulrich Siegmund wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gegenüber.
Wann?
Halle, 2. September 2026.
Was ist bestätigt?
Siegmund machte deutlich, dass er eine AfD-Alleinregierung anstrebt.

Stand:

Greifbar wurde dieser Konflikt bei der Frage nach kostenloser Verpflegung für Kinder. Die AfD sieht kostenlose Kita- beziehungsweise Schulspeisung vor. Schulze sagte, er könne einem solchen Ziel grundsätzlich etwas abgewinnen, verwies jedoch auf die Kosten. Im Duell nannte er eine Größenordnung von rund einer Million Euro pro Tag.

Damit rückte erneut die Gegenfinanzierung in den Mittelpunkt. Die Diskussion drehte sich nicht nur darum, welche Leistung politisch gewünscht ist, sondern wer sie dauerhaft bezahlen soll.

Bildungspolitik: Leistung, Sicherheit und Problemschulen

Auch die Schulen spielten im Duell Siegmund gegen Schulze eine wichtige Rolle. Siegmund forderte eine stärkere Orientierung am Leistungsprinzip und sprach sich dafür aus, verbindliche Schullaufbahnempfehlungen wieder einzuführen.

Zur Sprache kam außerdem eine umstrittene Forderung seines Parteikollegen Hans-Thomas Tillschneider. Dieser hatte Sicherheitskräfte mit Tränengas auf Problemschulhöfen ins Gespräch gebracht. Siegmund bezeichnete die Äußerung zunächst als „satirische Überspitzung“, machte zugleich aber deutlich, dass er Sicherheitskräfte an besonders problematischen Schulen grundsätzlich für sinnvoll hält.

Schulze lehnte einen solchen Ansatz ab. Die Debatte zeigte damit auch in der Bildungspolitik unterschiedliche Grundlinien: Während Siegmund stärker auf Disziplin, Leistung und Sicherheit setzte, grenzte sich Schulze von einer sicherheitspolitischen Behandlung schulischer Probleme ab.

Siegmund will den Verfassungsschutz umbauen

Besondere politische Brisanz hatte der Abschnitt über den Landesverfassungsschutz. Siegmund kündigte für den Fall eines Wahlsiegs einen Umbau der Behörde an. Sie solle sich nach seiner Vorstellung stärker auf Straftäter, Terroristen und Gewalttäter konzentrieren. Zugleich warf er dem Verfassungsschutz vor, politische Opposition zu bekämpfen.

Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die AfD weist diese Einstufung zurück.

Damit berührte das Duell einen Konflikt, der weit über klassischen Wahlkampf hinausgeht. Ein möglicher AfD-Ministerpräsident würde Einfluss auf eine Landesregierung gewinnen, zu deren staatlichen Strukturen auch jene Behörde gehört, die seine eigene Partei beobachtet.

Briefwahl und Anerkennung des Wahlergebnisses

Kontrovers wurde es auch bei der Briefwahl. Siegmund sprach sich dafür aus, diese grundsätzlich wieder stärker auf begründete Ausnahmefälle zu beschränken. Im Zusammenhang mit der Briefwahl thematisierte er mögliche Manipulationen.

Schulze widersprach dem Eindruck, es gebe massenhaften Wahlbetrug. Siegmund stellte zugleich klar, dass er das Ergebnis der Landtagswahl akzeptieren werde.

Damit blieb der Konflikt zwar bestehen, eine offene Infragestellung des Wahlausgangs nahm Siegmund im Duell jedoch nicht vor.

Faktencheck nach dem Duell

Nicht alle Zahlen, die im Wahlkampfduell genannt wurden, hielten einer nachträglichen Überprüfung gleichermaßen stand. Die Deutsche Presse-Agentur überprüfte mehrere Aussagen Siegmunds.

Eine davon betraf Messerdelikte in Sachsen-Anhalt. Siegmund hatte erklärt, 30 Prozent der Tatverdächtigen seien syrischer Herkunft. Laut dpa trifft diese Darstellung so nicht zu. Syrische Staatsangehörige machten demnach rund 30 Prozent der nichtdeutschen Tatverdächtigen aus, ihr Anteil an allen Tatverdächtigen lag jedoch bei etwa 13 Prozent.

Bestätigt wurde dagegen eine andere Aussage Siegmunds: Demnach erwäge etwa jeder fünfte junge Deutsche, auszuwandern. Eine zugrunde gelegte Studie weist für die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen einen Anteil von 21 Prozent aus.

Einordnungsbedarf bestand außerdem bei den Kosten für Abschiebehaft. Siegmund hatte von Kosten in Millionenhöhe pro Person gesprochen. Bei einer geplanten Einrichtung wurden zwar Baukosten von rund 37,4 Millionen Euro für 30 Plätze genannt. Ein Haftplatz wird allerdings über Jahre hinweg von unterschiedlichen Personen genutzt. Die Baukosten eines Platzes lassen sich deshalb nicht als individuelle Kosten für eine einzelne abgeschobene Person darstellen.

Die Machtfrage bleibt am Ende offen

Je näher die Debatte ihrem Ende kam, desto stärker rückte die Frage in den Vordergrund, wer Sachsen-Anhalt nach der Wahl regieren könnte. Siegmund machte deutlich, dass er eine AfD-Alleinregierung anstrebt. Zum Ministerpräsidenten wolle er sich nach eigener Aussage nur mit einer stabilen eigenen Mehrheit wählen lassen.

Schulze wiederum schloss aus, AfD- oder Linken-Politiker in ein von ihm geführtes Kabinett aufzunehmen. Bei der Frage, ob eine CDU-geführte Regierung möglicherweise von der Linken toleriert werden könnte, legte er sich im Duell nicht eindeutig fest.

Damit endete die Auseinandersetzung dort, wo dieser Wahlkampf besonders relevant wird: bei den rechnerischen und politischen Möglichkeiten nach dem Wahltag. Das direkte Duell zwischen Siegmund und Schulze zeigte deutliche Unterschiede bei Migration, Staatsverständnis, Bildung und Haushaltspolitik. Eine belastbare Aussage darüber, wer die Debatte „gewonnen“ hat, lässt sich daraus nicht ableiten.

Für den Harz entscheidet am Ende die landesweite Mehrheit

Auch aus Sicht der Harzregion hat das Duell die politischen Gegensätze vor der Landtagswahl noch einmal konzentriert sichtbar gemacht. Siegmund setzte auf einen harten Kurs bei Migration, einen Umbau staatlicher Strukturen und weitreichende politische Veränderungen. Schulze stellte dem die Notwendigkeit von Arbeitsmigration, finanzielle Machbarkeit und Kontinuität staatlicher Institutionen entgegen.

Entscheidend wird nun nicht sein, welcher Auftritt im Studio stärker wirkte. Die zentrale Frage für Sachsen-Anhalt und damit auch für den Harz ist, welche Mehrheiten die Wählerinnen und Wähler am 6. September schaffen und welche Regierungsbildung daraus tatsächlich möglich wird.

Quellen

  1. Was ist kulturfremd?, fragt Schulze seinen AfD-HerausfordererWELT
  2. Schulze kommt mit dem Spaten, Siegmund mit der Tank-QuittungSüddeutsche Zeitung
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